Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Magnesiumöl: Aufnahme über die Haut, am Darm vorbei

    uneinheitlich

    Muskel & Leistung · gesund · Mensch, randomisiert

    Nur Statusmarker; ein Magnesiumchlorid-Spray wurde nie randomisiert geprüft. In der einzigen randomisierten Studie mit Magnesiumchlorid auf der Haut (Creme, 25 Personen) stieg das Serummagnesium insgesamt nicht signifikant, nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; die Autoren werten den Anstieg als klinisch relevant [13]. Spray ohne Kontrollgruppe: Serumspiegel bei sechs Personen mit Ileostoma gehalten oder leicht gestiegen, herstellerfinanziert [16]. Die Labordaten widersprechen sich und betreffen andere bzw. nicht genannte Salze: Durchtritt über Haarfollikel in menschlicher Haut [11], kaum Durchtritt durch intakte Schweinehaut mit Magnesiumsulfat [12]. Ein Gel unbekannten Salzes ohne Effekt auf Muskelkater (RCT, 35 Personen) [14] zählt nur als Hinweis zu transdermalem Magnesium allgemein. Bereich gewählt, weil Sprays vor allem für Muskeln und Krämpfe beworben werden.

  • Wird über den Mund besser aufgenommen als Magnesiumoxid

    Einzelbefund, unbestätigt

    Energie & Stoffwechsel · gesund · Mensch, nicht randomisiert

    Nur Statusmarker: In einer Urinstudie an Gesunden war Chlorid deutlich besser verfügbar als Oxid und gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3]; eine Randomisierung nennt der Abstract nicht. Im Zellmodell schnitt Chlorid schlechter ab als Oxid [6]. Bereich gewählt, weil es nur um die Versorgung geht.

  • Verbessert den Blutzucker bei Diabetes

    nur bei Kranken belegt

    Energie & Stoffwechsel · Patienten: Typ-2-Diabetes mit niedrigem Serummagnesium · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    RCT mit 63 Personen: Serummagnesium höher, HOMA-IR, Nüchternglukose und HbA1c nach 16 Wochen niedriger als unter Placebo [7]. Nur Menschen mit niedrigem Magnesium; eine unabhängige Bestätigung mit Magnesiumchlorid wurde hier nicht ausgewertet.

  • Hilft gegen Depressionen

    Einzelbefund, unbestätigt

    Stimmung & Stress · Patienten: leichte bis mittelschwere Depression · Mensch, randomisiert

    Offene, randomisierte Überkreuzstudie mit 126 Personen: PHQ-9 netto −6,0 Punkte gegenüber keiner Behandlung [8]. Ohne Placebo und Verblindung; eine verblindete Bestätigung mit Magnesiumchlorid wurde nicht gefunden.

  • Lindert Fibromyalgie-Beschwerden

    uneinheitlich

    Schmerz · Patienten: Fibromyalgie · Mensch, randomisiert

    Doppelblinde RCT mit Retardtablette: Hauptendpunkt Stress ohne Unterschied, Vorteile nur in einer Untergruppe und bei der Schmerzstärke [9]. Unkontrollierte Pilotstudie mit Spray: bessere Fragebogenwerte [15].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Magnesiumchlorid

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Magnesium ist nach Kalium das zweithäufigste Kation in Zellen und an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt; Darm, Niere und Knochen regeln den Bestand, und erbliche Defekte des Kanals TRPM6 führen zu Magnesiummangel [1]. Magnesiumchlorid (MgCl2, meist als Hexahydrat) steht in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG unter den Magnesiumverbindungen für Nahrungsergänzungsmittel [2].

Über den Mund gehört Chlorid zu den besser untersuchten anorganischen Formen. In einer Studie an Gesunden, die die Verwertung über den Anstieg der Urinausscheidung maß, war Magnesiumoxid schlecht verfügbar (berechnete Aufnahme 4 %), Chlorid dagegen deutlich besser und gleichwertig mit Lactat und Aspartat; anorganische Salze können demnach so gut verfügbar sein wie organische [3]. In einer randomisierten, doppelblinden Überkreuzstudie mit 12 Gesunden erreichte eine Magnesiumchlorid-Retardtablette trotz deutlich geringeren Magnesiumgehalts 87 % der Urinausscheidung einer Referenztablette, die laut Studienregister Magnesiumcarbonat enthielt [4][5]; wegen der stark unterschiedlichen Magnesiummengen und der Retardierung ist das kein Vergleich der beiden Salze. Im Zellmodell der Darmschleimhaut (Caco-2) nahmen die Zellen aus Chlorid dagegen weniger Magnesium auf als aus Carbonat, Pidolat und Oxid [6].

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Mexiko schloss gezielt 63 Menschen mit Typ-2-Diabetes und niedrigem Serummagnesium ein: Unter einer Magnesiumchlorid-Lösung lag nach 16 Wochen das Serummagnesium höher, Insulinresistenz (HOMA-IR), Nüchternglukose und HbA1c niedriger als unter Placebo [7]. In einer offenen, randomisierten Überkreuzstudie mit 126 Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Depression sank der PHQ-9 unter rezeptfreiem Magnesiumchlorid um netto 6,0 Punkte gegenüber der Phase ohne Behandlung; ohne Placebo und Verblindung ist ein Erwartungseffekt nicht auszuschließen [8]. Bei Fibromyalgie verfehlte eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 75 Personen und einer Magnesiumchlorid-Retardtablette ihren Hauptendpunkt Stress; Vorteile zeigten sich nur in einer Untergruppe mit leichtem bis mittlerem Stress und bei der Schmerzstärke. Eine Mitautorin gehört derselben privaten Forschungsorganisation an wie drei Autoren der Kinetikstudie; laut Artikel gab es keine externe Finanzierung und keine Interessenkonflikte [9].

Das wichtigste Werbeversprechen dieser Form ist die Aufnahme über die Haut. Eine Übersichtsarbeit bewertete transdermales Magnesium als wissenschaftlich nicht gestützt; laut Artikel bestehen keine Interessenkonflikte [10]. Im Laborversuch mit menschlicher Haut drang Magnesium aus einer Lösung (Salz im Abstract nicht genannt) konzentrations- und zeitabhängig ein, vor allem über Haarfollikel [11]. Mit einer gesättigten Magnesiumsulfat-Lösung an Schweinehaut in der Franz-Zelle unterschied sich die Durchdringung intakter Haut dagegen nicht von der Kontrolle, erst nach Entfernen der Hornschicht stieg sie um Größenordnungen [12]. Beide Laborversuche verwendeten also kein nachweislich chloridhaltiges Präparat. Beim Menschen stieg in einer randomisierten, einfach verblindeten Pilotstudie mit 25 Personen das Serummagnesium unter einer Creme mit Magnesiumchlorid (laut Zutatenliste im Anhang des Artikels) insgesamt nicht signifikant, nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; die Autoren nennen den Anstieg dennoch klinisch relevant, und eine Mitautorin erwartete Lizenzeinnahmen aus einer anderen Magnesiumcreme [13]. Ein kommerzielles Magnesiumgel, dessen Salz der Abstract nicht nennt, verringerte in einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 35 aktiven Personen weder Muskelkater noch Muskelschadensmarker nach Bergablaufen [14]. Unkontrollierte Pilotstudien mit Magnesiumchlorid-Spray berichten bessere Fragebogenwerte bei Fibromyalgie [15] und bei sechs Personen mit Ileostoma einen gehaltenen oder leicht gestiegenen Serumspiegel; diese Studie bezahlte der Hersteller des Sprays [16].

Formulierungen und Herkunft: Neben Lösungen und Tabletten gibt es Retardtabletten mit Magnesiumchlorid, deren Kinetik in einer randomisierten Überkreuzstudie untersucht wurde [4]. Als „Magnesiumöl“ werden Sprays mit Magnesiumchlorid-Lösung bezeichnet, wie sie in den beiden Spray-Studien verwendet wurden [15][16]. Vergleichende Humandaten zu Magnesiumchlorid aus bestimmten Lagerstätten (etwa „Zechstein-Magnesium“) wurden nicht gefunden.

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch fünf Enterozyten des Dünndarms, nicht maßstabsgetreu: Mikrovilli und Proteine stark vergrößert, Zellen gekürzt. Jede Zelle trägt hier eine Gruppe von Angriffspunkten; tatsächlich trägt ein Enterozyt viele davon zugleich, und den B12-Rezeptor Cubam gibt es nur im Ileum. Teilchenzahlen, Geschwindigkeiten, Wartezeiten an den Transportern und Anteile abgewiesener Teilchen sind Ausgaben eines einfachen Modells und illustrativ, keine Messungen; die Abbildung nennt sie nicht als Zahl.
Wirkstoff
Ansicht

Nährstoff aus der Nahrung  gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte)  Hemmstoff gebunden  Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein

Auch für Magnesiumchlorid zeigt die Abbildung nur gelöstes Mg²⁺ am Kanal TRPM6, dessen erbliche Defekte zu Magnesiummangel führen [42] und den eine Gewebestudie an der Bürstensaummembran des Dünndarms fand [43]. Die Magnesiumaufnahme hat außerdem einen nicht sättigbaren Anteil (gemessen mit Magnesiumacetat) [44]; diesen Weg und das Chlorid zeigt die Abbildung nicht.

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Längsschnitt durch den Rand einer Skelettmuskelfaser mit Kapillare, nicht maßstabsgetreu. Die Figur wechselt zwischen Ruhe mit Insulin und kurzer Belastung. Teilchen, Geschwindigkeiten und die Balken der Live-Anzeige sind Modellausgaben (illustrativ) und zeigen nur die Richtung laut Studienlage; Zahlen in Anzeige und Text stammen aus den genannten Studien.
Wirkstoff
Ansicht

Insulin  Glukose  H⁺  Phosphokreatin  Bicarbonat  Wirkstoff  Leuchten = aktiver Signalknoten

In einer placebokontrollierten Studie mit 63 Menschen mit Typ-2-Diabetes und niedrigem Serummagnesium lag nach 16 Wochen Magnesiumchlorid-Lösung die Insulinresistenz (HOMA-IR) bei 3,8 gegenüber 5,0, der HbA1c bei 8,0 gegenüber 10,1 % [23]. HOMA-IR ist ein Endpunkt aus Nüchternglukose und Insulin im Blut; wo im Muskel Magnesium dabei wirkt, wurde nicht gemessen. Die Figur zeigt den Befund deshalb nur als leicht verstärktes Insulinsignal mit Hinweis „Endpunkt“. Nur bei Kranken mit Magnesiummangel belegt.

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Mg2+-abhängige Enzyme (u. a. Energiestoffwechsel)EnzymAktivatorCofaktor in über 600 enzymatischen Reaktionen (Übersichtsarbeit) Labor[1]
TRPM6 (Magnesiumkanal)IonenkanalBindungMutationen verursachen erbliche Hypomagnesiämie (Übersichtsarbeit) Mensch, nicht randomisiert[1]
Insulinsignalweg (Insulinsensitivität)SignalwegAktivatorHOMA-IR 3,8 vs. 5,0 nach 16 Wochen (RCT, Typ-2-Diabetes mit niedrigem Magnesium) Mensch, randomisiert[7]
Hornschicht der Haut (Barriere)SonstigesBindungintakte Schweinehaut ohne Unterschied zur Kontrolle (ex vivo, Magnesiumsulfat-Lösung); menschliche Haut: Durchtritt über Haarfollikel (Salz nicht genannt) Labor[11][12]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselmoduliert · Mg2+ ist Cofaktor zahlreicher Enzyme (Übersichtsarbeit); kein formspezifischer Effekt bei Gesunden belegt[1]
  • Insulin · Glukose↓ · Insulinresistenz, Nüchternglukose und HbA1c niedriger als unter Placebo, nur bei Typ-2-Diabetes mit niedrigem Serummagnesium geprüft[7]
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Chlorid (Tablette bzw. Lösung)

    Urinstudie an Gesunden: Chlorid deutlich besser verfügbar als Oxid (berechnete Aufnahme 4 %) und gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Retardtablette

    Randomisierte, doppelblinde Überkreuzstudie mit 12 Gesunden: über sechs Stunden gleichmäßige Freisetzung im Labor; Urinausscheidung über 24 Stunden 87 % der Carbonat-Referenz trotz deutlich weniger Magnesium [4][5]. Wegen der stark unterschiedlichen Magnesiummengen und der Retardierung kein Vergleich der Salze. Patentierte Formulierung, drei Mitautoren aus einer privaten Forschungsorganisation [4].[5]

    Mensch, randomisiert

  • Transdermal (über die Haut) · Spray („Magnesiumöl“), Creme

    Creme mit Magnesiumchlorid: Serummagnesium insgesamt ohne signifikanten Anstieg, signifikant nur in einer Untergruppe (RCT, 25 Personen) [13]. Spray bei sechs Personen mit Ileostoma: Serumspiegel gehalten oder leicht gestiegen, ohne Kontrollgruppe, vom Hersteller finanziert [16]. Labordaten mit anderen bzw. nicht genannten Salzen: kaum Durchtritt durch intakte Schweinehaut (Magnesiumsulfat) [12], in menschlicher Haut über Haarfollikel [11].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Magnesiumchlorid-Creme und Serummagnesium

    RCT, einfach verblindet, parallel (Pilotstudie); Placebo eine handelsübliche Grundcreme ohne Magnesium · gesund · n = 25 · 2 Wochen

    Gemessen: Serummagnesium, Magnesium im 24-Stunden-Urin

    Ergebnis: Serum 0,82 → 0,89 mmol/l (p = 0,29), signifikant nur in einer Untergruppe ohne Sporttreibende; Urin ohne signifikante Änderung. Salz laut Zutatenliste im Anhang: Magnesiumchlorid.[13]

    Mensch, randomisiert

  • Magnesiumgel (Salz nicht genannt) und Muskelkater

    RCT, doppelblind, parallel · gesund (aktive Erwachsene) · n = 35 · 48 Stunden nach Belastung

    Gemessen: Muskelkater (VAS), Kraft, Kreatinkinase, IL-6

    Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo bei allen Endpunkten.[14]

    Mensch, randomisiert

  • Magnesiumchlorid-Lösung bei Typ-2-Diabetes

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Typ-2-Diabetes mit niedrigem Serummagnesium · n = 63 · 16 Wochen

    Gemessen: HOMA-IR, Nüchternglukose, HbA1c

    Ergebnis: HOMA-IR 3,8 vs. 5,0 (p = 0,005); HbA1c 8,0 vs. 10,1 % (p = 0,04).[7]

    Mensch, randomisiert

  • Magnesiumchlorid bei Depression

    RCT, offen, Überkreuz, ohne Placebo · Patienten: leichte bis mittelschwere Depression · n = 126 · 6 Wochen je Phase

    Gemessen: PHQ-9, GAD-7

    Ergebnis: PHQ-9 netto −6,0 Punkte, GAD-7 netto −4,5 Punkte (p < 0,001); 112 auswertbar.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Retardtablette bei Fibromyalgie

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Fibromyalgie · n = 75 · 1 Monat

    Gemessen: Stress (DASS-42)

    Ergebnis: Hauptendpunkt ohne Unterschied (21,8 vs. 21,6, p = 0,93); Untergruppe mit leichtem bis mittlerem Stress und Schmerzstärke verbessert. 37 Magnesium, 38 Placebo (Volltext, Tabelle 1).[9]

    Mensch, randomisiert

  • Kinetik Chlorid-Retardtablette vs. Carbonat

    RCT, doppelblind, Überkreuz · gesund · n = 12 · Einzelgaben

    Gemessen: kumulierte Magnesiumausscheidung im Urin

    Ergebnis: 76 % (0–5 h), 89 % (0–10 h) und 87 % (0–24 h) der Referenz bei deutlich weniger Magnesium; wegen der unterschiedlichen Mengen und der Retardierung kein Formvergleich.[4]

    Mensch, randomisiert

  • Magnesiumchlorid-Spray bei Fibromyalgie

    offen, einarmig (Machbarkeitsstudie) · Patienten: Fibromyalgie (Frauen) · n = 40 · 4 Wochen

    Gemessen: Fibromyalgie-Fragebogen (FIQR), SF-36

    Ergebnis: FIQR-Gesamtwert verbessert (p = 0,001); 24 von 40 beendeten die Studie.[15]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Hypermagnesiämie bei eingeschränkter Nierenfunktion

    Die Niere regelt den Magnesiumbestand [1]. In einer Krankenhauskohorte mit Magnesiumoxid waren eingeschränkte Nierenfunktion, größere Mengen und längere Anwendung Risikofaktoren für erhöhte Werte [17]; dass das für Chlorid ebenso gilt, ist eine Schlussfolgerung.

    Mensch, nicht randomisiert

Wechselwirkungen

  • Tetrazykline und Fluorchinolone: Mehrwertige Kationen bilden mit diesen Antibiotika schwer lösliche Chelate und senken ihre Aufnahme; klinisch belegt für magnesiumhaltige Antazida, für Magnesiumchlorid nicht eigens untersucht [18].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Über die Haut wird Magnesium besser aufgenommen als über den Darm“

    Keine Studie hat Haut und Mund direkt verglichen. Die einzige randomisierte Messung im Blut (Magnesiumchlorid-Creme) fand insgesamt keinen signifikanten Anstieg [13]; intakte Schweinehaut ließ ex vivo kaum Magnesium aus einer Magnesiumsulfat-Lösung durch [12]. Eine Übersichtsarbeit hält transdermales Magnesium für nicht gestützt [10].

  • nicht belegt

    „Magnesiumöl hilft gegen Muskelkater und Krämpfe“

    Ein Magnesiumgel, dessen Salz nicht genannt wird, verringerte Muskelkater nicht (RCT, 35 Personen) [14]. Die Verbesserung von Krämpfen bei Personen mit Ileostoma stammt aus einer unkontrollierten, herstellerfinanzierten Studie mit sechs Personen [16].

  • nicht belegt

    „Magnesiumchlorid ist als anorganisches Salz schlecht verfügbar“

    Die Datenlage ist dünn: In einer Urinstudie an Gesunden, deren Randomisierung der Abstract nicht nennt, war Chlorid so gut verfügbar wie Lactat und Aspartat und deutlich besser als Oxid [3]; in einer RCT lag das Serummagnesium unter Chlorid-Lösung bei Menschen mit niedrigem Ausgangswert höher als unter Placebo [7]. Im Zellmodell nahmen die Zellen aus Chlorid dagegen weniger Magnesium auf als aus Carbonat und Oxid [6]. Belege für eine beim Menschen schlechte Verfügbarkeit wurden nicht gefunden.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Über den Mund besser verfügbar als Oxid [3]; Retardtabletten verlängern die Freisetzung [4]. Über die Haut beim Menschen kein signifikanter Anstieg des Serummagnesiums nachgewiesen [13].
Halbwertszeit
Für ein körpereigenes Mineral nicht sinnvoll angebbar; nicht verifiziert.
Abbau
Dissoziiert in Mg2+ und Chlorid; die Niere regelt die Magnesiumausscheidung [1].
Weg ins Gehirn
Keine formspezifischen Daten.

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Magnesiumchlorid verzeichnet (Abruf 24.10.2026) [20]; als Mineralstoffverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [2].
EU
Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Magnesiumchlorid“); damit als Magnesiumquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [2]. Für Sprays und Öle zum Auftragen auf die Haut gilt die Richtlinie nicht; deren Einstufung wurde nicht geprüft.
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“

    Nährstoff
    Magnesium
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[19]
    Einordnung
    rechtlich zulässig für Lebensmittel, die eine Magnesiumquelle sind (also für orales Magnesiumchlorid), nicht für Sprays oder Öle zum Auftragen auf die Haut; zur Wirkung auf Muskeln mit Magnesiumchlorid bei Gesunden keine Studie gefunden

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Steigt das Magnesium im Blut oder Urin bei Gesunden mit niedrigem Ausgangsspiegel unter Magnesiumöl, gemessen in einer verblindeten, placebokontrollierten Studie mit ausreichender Fallzahl?
  • Lassen sich die Ergebnisse der mexikanischen Studie zu Insulinresistenz in unabhängigen Studien mit Magnesiumchlorid bestätigen?
  • Hält der Depressionseffekt einer placebokontrollierten, verblindeten Prüfung stand?

Referenzen

  1. de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev. 2015;95(1):1–46. doi:10.1152/physrev.00012.2014 · PubMed
  2. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  3. Firoz M, Graber M. Bioavailability of US commercial magnesium preparations. Magnes Res. 2001;14(4):257–62. PubMed
  4. Dualé C, Cardot JM, Joanny F, Trzeciakiewicz A, Martin E, Pickering G, et al. An advanced formulation of a magnesium dietary supplement adapted for a long-term use supplementation improves magnesium bioavailability: in vitro and clinical comparative studies. Biol Trace Elem Res. 2018;186(1):1–8. doi:10.1007/s12011-018-1277-2 · PubMed
  5. University Hospital, Clermont-Ferrand. Comparative study of the bioavailability of magnesium administrated by two ChronoMag Smart Tablet 50 mg versus three Mag2 tablets 100 mg (BioChronoMag). ClinicalTrials.gov: NCT01935570. NCT01935570
  6. Kyselovič J, Chomanicová N, Adamičková A, Valášková S, Šalingová B, Gažová A. A new Caco-2 cell model of in vitro intestinal barrier: application for the evaluation of magnesium salts absorption. Physiol Res. 2021;70(Suppl 1):S31–41. doi:10.33549/physiolres.934772 · PubMed
  7. Rodríguez-Morán M, Guerrero-Romero F. Oral magnesium supplementation improves insulin sensitivity and metabolic control in type 2 diabetic subjects: a randomized double-blind controlled trial. Diabetes Care. 2003;26(4):1147–52. doi:10.2337/diacare.26.4.1147 · PubMed
  8. Tarleton EK, Littenberg B, MacLean CD, Kennedy AG, Daley C. Role of magnesium supplementation in the treatment of depression: a randomized clinical trial. PLoS One. 2017;12(6):e0180067. doi:10.1371/journal.pone.0180067 · PubMed
  9. Macian N, Dualé C, Voute M, Leray V, Courrent M, Bodé P, et al. Short-term magnesium therapy alleviates moderate stress in patients with fibromyalgia: a randomized double-blind clinical trial. Nutrients. 2022;14(10):2088. doi:10.3390/nu14102088 · PubMed
  10. Gröber U, Werner T, Vormann J, Kisters K. Myth or reality – transdermal magnesium? Nutrients. 2017;9(8):813. doi:10.3390/nu9080813 · PubMed
  11. Chandrasekaran NC, Sanchez WY, Mohammed YH, Grice JE, Roberts MS, Barnard RT. Permeation of topically applied magnesium ions through human skin is facilitated by hair follicles. Magnes Res. 2016;29(2):35–42. doi:10.1684/mrh.2016.0402 · PubMed
  12. Camili V, Stürup S, Heinz A. Does magnesium permeate the skin? An ex vivo investigation of magnesium ion delivery through intact and barrier-disrupted skin. Eur J Pharm Biopharm. 2026;226:115173. doi:10.1016/j.ejpb.2026.115173 · PubMed
  13. Kass L, Rosanoff A, Tanner A, Sullivan K, McAuley W, Plesset M. Effect of transdermal magnesium cream on serum and urinary magnesium levels in humans: a pilot study. PLoS One. 2017;12(4):e0174817. doi:10.1371/journal.pone.0174817 · PubMed
  14. Coates AM, Patel DV, Binet ER, Gibala MJ. No effect of topical application of a commercial magnesium gel on exercise recovery in active individuals. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2025;35(5):416–23. doi:10.1123/ijsnem.2025-0034 · PubMed
  15. Engen DJ, McAllister SJ, Whipple MO, Cha SS, Dion LJ, Vincent A, et al. Effects of transdermal magnesium chloride on quality of life for patients with fibromyalgia: a feasibility study. J Integr Med. 2015;13(5):306–13. doi:10.1016/S2095-4964(15)60195-9 · PubMed
  16. Nightingale J, Bakir IA, Adaba F. Pilot study of a topical magnesium preparation to treat hypomagnesaemia in patients with an ileostomy. Intest Fail. 2024;2:100018. doi:10.1016/j.intf.2024.100018 · PubMed
  17. Wakai E, Ikemura K, Sugimoto H, Iwamoto T, Okuda M. Risk factors for the development of hypermagnesemia in patients prescribed magnesium oxide: a retrospective cohort study. J Pharm Health Care Sci. 2019;5:4. doi:10.1186/s40780-019-0133-7 · PubMed
  18. Ogawa R, Echizen H. Clinically significant drug interactions with antacids: an update. Drugs. 2011;71(14):1839–64. doi:10.2165/11593990-000000000-00000 · PubMed
  19. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1. Konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820).
  20. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Magnesiumchlorid“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
  • Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG in der konsolidierten Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): Eintrag „Magnesiumchlorid“.
  • Am Abstract: Oxid 4 %, Chlorid gleichwertig mit Lactat und Aspartat [3]; 12 Gesunde, 76/89/87 % [4]; Caco-2-Reihenfolge [6]; 63 Patienten, HOMA-IR 3,8 vs. 5,0, HbA1c 8,0 vs. 10,1 % [7]; 126 Personen, 112 auswertbar, PHQ-9 −6,0, GAD-7 −4,5 [8]; DASS-42 21,8 vs. 21,6 [9]; Follikelweg [11]; Schweinehaut intakt vs. tape-stripped [12]; 25 Personen, 0,82 → 0,89 mmol/l, p = 0,29 [13]; 35 Personen ohne Effekt [14]; 40 Frauen, 24 beendet [15]; 6 Patienten, BetterYou finanziert [16].
  • Registereintrag NCT01935570: Referenz Mag2 = Magnesiumcarbonat [5].
  • Volltext [9] (Europe PMC): Chronomag ist eine patentierte Magnesiumchlorid-Retardformulierung; Tabelle 1: n = 75 (37 Magnesium, 38 Placebo); eine Mitautorin von FJ Recherche et Développement (fj-lifesciences.com); laut Artikel keine externe Finanzierung und keine Interessenkonflikte.
  • Volltext [13] (Europe PMC) und Anhang „S1 Text“ (Europe PMC, supplementaryFiles, Gegenprüfung 24.10.2026): Prüfcreme mit Magnesiumchlorid laut Zutatenliste, Placebo eine handelsübliche Grundcreme ohne Magnesium; keine spezifische Finanzierung; Mitautorin Rosanoff mit erwarteten Lizenzeinnahmen aus einer anderen Magnesiumcreme.
  • Abstract [12]: gesättigte Magnesiumsulfat-Monohydrat-Lösung, Schweinehaut ex vivo (Franz-Zelle), kein Magnesiumchlorid.
  • Abstract [7]: Serummagnesium am Ende 0,74 vs. 0,65 mmol/l (p = 0,02).
  • PubMed-XML [10]: zwei Autoren mit Anschrift IPEV Ismaning, eine davon mit E-Mail-Domain protina.de; Erklärung „no potential conflict of interest“.
  • PubChem: CID 5360315, Cl2Mg (wasserfrei).
  • ClinicalTrials.gov: 94 Treffer „magnesium chloride“, 2 Treffer „transdermal magnesium“ (24.10.2026).
  • 24.10.2026 (Regelentscheidungen K1–K8): Wortlaut „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“ und Bedingung „Magnesiumquelle“ in VO (EU) Nr. 432/2012, Basisfassung (CELEX 32012R0432) und konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820), unverändert gefunden. Die Chlorid-Angabe der Verordnung (Magensäure) betrifft den Nährstoff Chlorid und wurde nicht aufgenommen, weil Magnesiumchlorid nicht damit beworben wird.
  • Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Magnesiumchlorid“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 178 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [20]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Verbessert den Blutzucker bei Diabetes“ → kleine_studien: [7] n = 63 (Abstract).

Nicht verifiziert

  • Rechtsstatus in den USA; Einstufung von Magnesiumsprays (Kosmetikum oder Lebensmittel) nicht geprüft.
  • Welches Magnesiumsalz das Gel [14] (Abstract ohne Angabe, Volltext nicht frei zugänglich) und die Lösung in [11] (Abstract ohne Angabe) enthielten; [12] verwendete Magnesiumsulfat. Diese drei Studien sind keine Daten zu Magnesiumchlorid, sondern zu transdermalem Magnesium allgemein.
  • Ob die Urinstudie [3] randomisiert war und wie viele Personen teilnahmen (Volltext nicht zugänglich).
  • Ob die E-Mail-Domain protina.de einer Mitautorin von [10] auf eine Verbindung zu einem Hersteller oraler Magnesiumpräparate hinweist; nicht in einer Quelle geprüft, deshalb im Text nur die Erklärung „keine Interessenkonflikte“.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

Fehler gefunden oder etwas vermisst?

Wünsch dir einen Wirkstoff, schlag eine Verbesserung vor oder melde einen Fehler. Jede Rückmeldung wird gelesen.

Art der Nachricht

Die Website speichert nichts. Der Button öffnet dein E-Mail-Programm mit einer vorbereiteten Nachricht.