Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Löst Autophagie aus und verlängert das Leben

    nicht untersucht

    Langlebigkeit · gesund · Tierversuch

    Lebensverlängerung und autophagieabhängiger Herzschutz sind nur bei Mäusen gezeigt [2]. Beim Menschen gibt es eine Kohorte, in der Spermidin aus der Nahrung mit niedrigerer Sterblichkeit verbunden war; das ist eine Assoziation und betrifft kein Präparat [3]. Autophagie wurde beim Menschen nur explorativ in B-Zellen einer Pilotstudie gemessen [9]. Die Lebensdauer beim Menschen ist nicht untersucht.

  • Verbessert das Gedächtnis im Alter

    kein Nutzen

    Kognition & Fokus · Patienten: subjektiver kognitiver Abbau (60 bis 90 Jahre) · Mensch, randomisiert

    In SmartAge (100 Teilnehmende, 12 Monate, Weizenkeimextrakt) änderten sich weder der primäre Gedächtnisendpunkt (−0,03; 95-%-KI −0,11 bis 0,05; p = 0,47) noch die sekundären Endpunkte; positive Hinweise stammen nur aus explorativen Analysen [8]. Die vorangegangene Pilotstudie (30 Teilnehmende, 3 Monate) fand im Gruppenvergleich nur einen nicht signifikanten Vorteil (Kontrast 0,17; 95-%-KI −0,01 bis 0,35), eine Verbesserung nur innerhalb der Spermidingruppe [7]. Mehrere Autorinnen und Autoren sind am Hersteller beteiligt [6][8].[6]

  • Verjüngt das Immunsystem und verbessert die Impfantwort im Alter

    Einzelbefund, unbestätigt

    Immunsystem & Infekte · gesund (über 65 Jahre) · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.vom Hersteller finanziertAlle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

    Pilotstudie mit 40 Teilnehmenden, primärer Endpunkt Sicherheit; bessere Antikörper- und B-Zell-Antworten nur bei Menschen ohne ausreichende Impfantwort, bei ungleich verteilten Gruppen zu Beginn und mit ausdrücklich explorativen Wirksamkeitsbefunden. Drei Autorinnen bzw. Autoren beraten Spermidin-Anbieter (TLL, Oxford Healthspan), und TLL finanzierte die Studie mit und stellte Extrakt und Placebo [9].

  • Schützt Herz und Gefäße

    nicht untersucht

    Herz & Gefäße · gesund · Tierversuch

    Herzschutz bei alten Mäusen und Blutdrucksenkung bei salzsensitiven Ratten [2]. Beim Menschen nur Assoziationen zwischen Spermidin aus der Nahrung und Blutdruck bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen [2]; eine Interventionsstudie mit Herz-Kreislauf-Endpunkt wurde nicht gefunden.

  • Füllt den mit dem Alter sinkenden Spermidinspiegel auf (nur Marker)

    kein Nutzen

    Langlebigkeit · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Nur Marker: In einer randomisierten Überkreuzstudie mit 12 Personen stieg im Plasma nur Spermin, nicht Spermidin [4]; synthetisches Spermidintrihydrochlorid veränderte die Polyamine in Serum und Urin kaum (Herstellerstudie mit 37 Männern) [5]. Zum Weizenkeimextrakt aus SmartAge wurden keine Kinetikdaten gefunden.

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

vom Hersteller finanziert: Alle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.

Wirkweise

Evidenzkarte: Spermidin

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Spermidin gehört mit Putrescin und Spermin zu den Polyaminen, die in allen Zellen vorkommen und mit dem Alter abnehmen. Eine Übersicht der Grazer Arbeitsgruppe beschreibt es als Kalorienrestriktions-Mimetikum: In Tier- und Zellmodellen löst es Proteindeacetylierung und Autophagie aus, und seine schützenden Effekte hängen von funktionierender Autophagie ab [1].

Der wichtigste Befund stammt aus Tierversuchen. Mit dem Futter gegebenes Spermidin verlängerte die Lebensdauer von Mäusen, verringerte die Herzhypertrophie und erhielt die diastolische Funktion alter Tiere; im Herzen stiegen Autophagie, Mitophagie und mitochondriale Atmung. Bei Mäusen ohne das Autophagie-Protein Atg5 in den Herzmuskelzellen blieb der Herzschutz aus. Bei salzsensitiven Ratten senkte Spermidin den Blutdruck und verzögerte die Herzschwäche (Stufe 2) [2]. Beim Menschen gibt es dazu nur Beobachtungsdaten: In derselben Arbeit hing eine hohe Spermidinaufnahme laut Ernährungsfragebogen mit niedrigerem Blutdruck und weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen [2], und in der Bruneck-Kohorte (829 Teilnehmende, 341 Todesfälle in 20 Jahren) war eine um eine Standardabweichung höhere Aufnahme mit einer um etwa ein Viertel niedrigeren Sterblichkeit verbunden (HR 0,76) [3]. Das sind Assoziationen mit der Ernährung, keine Belege für ein Präparat.

Ob eingenommenes Spermidin überhaupt im Körper ankommt, ist fraglich. In einer dreifach verblindeten Überkreuzstudie mit zwölf Gesunden stieg nach fünf Tagen Einnahme eines spermidinreichen Präparats auf Basis von Chlorella und Sojaextrakt nur Spermin im Plasma, nicht Spermidin; die Autorinnen und Autoren vermuten eine Umwandlung vor dem Übertritt ins Blut [4]. Auch hoch dosiertes synthetisches Spermidintrihydrochlorid veränderte bei 37 älteren Männern die Polyamine in Serum und Urin kaum; diese Studie stammt vom Hersteller [5].

Die klinischen Studien verwendeten meist einen Weizenkeimextrakt. Nach einer dreimonatigen Sicherheitsstudie mit 30 älteren Menschen ohne Unterschiede zu Placebo [6], deren Gedächtnisauswertung (dieselbe Studie, NCT02755246) am Ende nur einen nicht signifikanten Gruppenunterschied fand (Kontrast 0,17; 95-%-KI −0,01 bis 0,35) und eine Verbesserung nur innerhalb der Spermidingruppe [7], prüfte die Studie SmartAge an 100 Menschen von 60 bis 90 Jahren mit subjektivem kognitivem Abbau zwölf Monate lang das Gedächtnis: Der primäre Endpunkt änderte sich nicht (Unterschied −0,03; 95-%-KI −0,11 bis 0,05), ebenso keiner der sekundären; Hinweise auf Wirkungen bei Entzündung und verbalem Gedächtnis stammen aus explorativen Analysen [8]. Mehrere Autorinnen und Autoren dieser Studien sind am Hersteller The Longevity Labs (TLL) beteiligt [6][8]. Eine Pilotstudie mit 40 Menschen über 65 Jahre nach der dritten Corona-Impfung hatte Sicherheit als primären Endpunkt; nur bei Menschen ohne ausreichende Impfantwort verbesserten sich Antikörper- und Gedächtnis-B-Zell-Antworten, und in B-Zellen stieg die Ablesung autophagiebezogener Gene. Die Gruppen waren zu Beginn ungleich verteilt (acht von 20 gegenüber zwei von 18 ohne Impfantwort), und die Wirksamkeitsbefunde sind ausdrücklich explorativ. TLL stellte Extrakt und Placebo und finanzierte die Studie mit; drei Autorinnen bzw. Autoren beraten TLL oder Oxford Healthspan [9].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt, nicht maßstabsgetreu: links eine Körperzelle mit den Nährstoffschaltern AMPK und mTORC1, rechts zwei seneszente Zellen. Teilchen, Geschwindigkeiten und Schalterstellungen sind illustrativ und zeigen nur die Richtung eines Befunds; die Schalterleiste nennt, woher er stammt (Zellkultur, Tier oder Mensch). Lebensdauerbefunde stammen aus Würmern und Mäusen; die Lebensdauer von Menschen wurde mit keinem dieser Wirkstoffe untersucht.

Autophagie und Mitophagie häufiger (Mäuseherz) · AMPK und mTORC1: nicht gemessen

AMPK
nicht gemessen
mTORC1
nicht gemessen
Autophagie
häufigerMäuseherz
Seneszente Zellen
nicht gemessen
Wirkstoff
Ansicht

ATP  AMP  Aminosäuren  SASP  mTORC1-Hemmer  AMPK-Aktivatoren  Autophagie  Senolytika  Teilchen illustrativ

Spermidin, ein körpereigenes Polyamin, verlängerte mit dem Futter gegeben die Lebensdauer von Mäusen und erhielt die Herzfunktion alter Tiere; im Herzen stiegen Autophagie, Mitophagie und mitochondriale Atmung. Bei Mäusen ohne das Autophagie-Protein Atg5 in den Herzmuskelzellen blieb der Herzschutz aus [28]. Das sind Tierdaten. Beim Menschen änderte ein spermidinreicher Weizenkeimextrakt in der Studie SmartAge (100 Menschen von 60 bis 90 Jahren, zwölf Monate) das Gedächtnis nicht [29].

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

  • AICAR: nicht gezeichnet
  • Calcium-Alpha-Ketoglutarat: Daten widersprüchlich: TOR-abhängige Lebensverlängerung nur beim Wurm, bei Mäusen keine mTORC1-Hemmung
  • Epitalon: Angriffspunkt Telomerase (hTERT), in dieser Abbildung nicht gezeichnet
  • Noopept: Angriffspunkt HIF/PHD2, ein anderer Wirkort
  • Pentadecansäure (C15:0): nur Herstellerangaben
  • Pinealon: Befund an Caspase-3 und p53, in dieser Abbildung nicht gezeichnet
  • Sulforaphan: Befund an der Glukoneogenese (Zellen, Tiere; beim Menschen nur Blutzucker in einer Untergruppe), im Profil kein Angriffspunkt an AMPK oder mTOR
  • Tauroursodesoxycholsäure (TUDCA): wirkt als Chaperon am endoplasmatischen Retikulum, ein anderer Wirkort

Was die Abbildung zeigt und wie sicher das ist

Nur zur Erklärung von Wirkmechanismen. Keine medizinische Beratung und keine Aussage zu Nutzen, Risiken, Mengen oder Anwendung. Sirolimus, Everolimus, Metformin, Canagliflozin und Dasatinib sind verschreibungspflichtige Arzneimittel; eine Anwendung gegen das Altern ist für keinen von ihnen zugelassen.

Vereinfacht. Eine Zelle steht für viele Zelltypen; die Befunde stammen aus Leber-, Muskel-, Fett- und Herzzellen verschiedener Arten, die Figur zeigt nur, wo der Wirkstoff ansetzt. Größen, Zahl der Organellen, Teilchen und Geschwindigkeiten sind illustrativ; die Glukoseabgabe gilt nur für Leberzellen. Die Signallinien stehen für mehrere Zwischenschritte (z. B. AMPK über TSC2 und Raptor). Schalter, deren Wert „nicht gemessen“ ist, folgen nicht dem Lehrbuchweg: Ob etwa Metformin in diesen Zellen die Autophagie steigert, steht nicht in den Quellen des Profils. Wirkstoffe sind als Marken gezeichnet, nicht als Strukturformeln. Calcium-Alpha-Ketoglutarat, Pentadecansäure, Sulforaphan, TUDCA und weitere Stoffe stehen im Figuren-Katalog an diesem Ort, sind aber nicht gezeichnet; die Gründe stehen in der Liste unter der Abbildung. Die γ-Untereinheit ist mit vier CBS-Domänen gezeichnet, Nukleotide nur an den drei Bindestellen aus [3]. Die Zahlen aus [5], [6], [8] bis [15] und [17] bis [35] stammen aus den Synaptik-Profilen der Wirkstoffe und sind dort an den Quellen geprüft. [1] und [2] wurden am Volltext, [3], [4], [7] und [16] am PubMed-Abstract geprüft (25.10.2026).

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Autophagie und MitophagieSignalwegAktivatorim Mäuseherz erhöht; Herzschutz bei Atg5-Mangel aufgehoben Tierversuch[1][2]
Autophagiebezogene Gene in B-Zellen (TFEB-Zielgene)SignalwegExpression ↑Einzelzell-Sequenzierung in einer Pilotstudie, explorativ Mensch, randomisiert[9]
Spermin im PlasmaSonstigesSpiegel ↑Spermin stieg, Spermidin und Putrescin nicht (n = 12) Mensch, randomisiert[4]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungmoduliert · Blutdruck bei salzsensitiven Ratten gesenkt; beim Menschen nur Assoziation mit Spermidin aus der Nahrung[2]
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenz↑ · Autophagie und Mitophagie im Herzen von Mäusen, Wirkung von Atg5 abhängig; beim Menschen nur explorative Genbefunde in B-Zellen[1][2][9]
  • Immunsystemmoduliert · Impfantwort nur bei Älteren ohne ausreichende Antwort verbessert; Pilotstudie mit ungleichen Gruppen[9]
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · spermidinreiches Präparat (Chlorella und Sojaextrakt)

    Plasma-Spermidin unverändert, Spermin erhöht (Mensch)

    Die Autorinnen und Autoren vermuten eine Umwandlung zu Spermin vor dem Eintritt in den Kreislauf; Speichelpolyamine blieben unverändert [4].

    Mensch, randomisiert

  • Oral (geschluckt) · synthetisches Spermidintrihydrochlorid

    kaum Änderung der Polyamine in Serum und Urin (Mensch)

    Herstellerstudie an 37 älteren Männern über bis zu 28 Tage [5].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Bruneck-Kohorte: Spermidin aus der Nahrung und Sterblichkeit

    prospektive Kohorte mit Validierung in einer zweiten Kohorte · gesund (45 bis 84 Jahre) · n = 829 · 20 Jahre

    Gemessen: Gesamtsterblichkeit

    Ergebnis: HR 0,76 (95-%-KI 0,67–0,86) je Standardabweichung höherer Aufnahme nach Adjustierung; Assoziation, kein Präparat.[3]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Sicherheit eines Weizenkeimextrakts

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Phase 2 · Patienten: subjektiver kognitiver Abbau (60 bis 80 Jahre) · n = 30 · 3 Monate

    Gemessen: Vitalzeichen, Laborwerte, selbst berichtete Gesundheit

    Ergebnis: Keine Unterschiede zu Placebo; Kapseln vom Hersteller, Autorinnen und Autoren finanziell beteiligt.[6]

    Mensch, randomisiert

  • Gedächtnis in der Pilotstudie (dieselbe Studie wie die Sicherheitsstudie)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Phase 2a · Patienten: subjektiver kognitiver Abbau (60 bis 80 Jahre) · n = 30 · 3 Monate

    Gemessen: Gedächtnisleistung (Mnemonic Similarity Task)

    Ergebnis: Gruppenunterschied am Ende nicht signifikant (Kontrast 0,17; 95-%-KI −0,01 bis 0,35; Cohens d 0,77); Verbesserung nur innerhalb der Spermidingruppe; Auswertung nach Effektgrößen. Autorinnen und Autoren mit TLL-Beteiligung.[7]

    Mensch, randomisiert

  • SmartAge: Gedächtnis bei subjektivem kognitivem Abbau

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Phase 2b · Patienten: subjektiver kognitiver Abbau (60 bis 90 Jahre) · n = 100 · 12 Monate

    Gemessen: Mnemonische Diskrimination (primär); weitere neuropsychologische und physiologische Maße

    Ergebnis: Kein Unterschied im primären (p = 0,47) und in den sekundären Endpunkten; unerwünschte Ereignisse ausgeglichen. Mehrere Autorinnen und Autoren am Hersteller beteiligt.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Kinetik eines spermidinreichen Präparats

    RCT, dreifach verblindet, placebokontrolliert, Überkreuz · gesund · n = 12 · 2 × 5 Tage

    Gemessen: Polyamine in Plasma und Speichel, Plasma-Metabolom

    Ergebnis: Spermin im Plasma erhöht, Spermidin und Putrescin unverändert; keine Interessenkonflikte, keine externe Finanzierung.[4]

    Mensch, randomisiert

  • Synthetisches Spermidintrihydrochlorid

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, innerhalb der Personen · gesund (Männer, 50 bis 70 Jahre) · n = 37 · 7 bzw. 28 Tage

    Gemessen: Sicherheit, Polyamine in Serum und Urin

    Ergebnis: Keine Unterschiede bei Sicherheitsparametern; Polyamine kaum verändert. Studie von Angestellten und mit Finanzierung des Herstellers.[5]

    Mensch, randomisiert

  • Impfantwort im Alter

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Pilotstudie · gesund (über 65 Jahre, nach dritter Corona-Impfung) · n = 40 · 13 Wochen

    Gemessen: Sicherheit (primär); Antikörper, B- und T-Zell-Antworten, Seneszenz- und Autophagiemarker (explorativ)

    Ergebnis: Gut verträglich; Antikörper- und B-Zell-Antworten nur bei Personen ohne ausreichende Impfantwort verbessert; ungleiche Ausgangsgruppen (8/20 gegenüber 2/18 ohne Antwort).[9]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Kurzzeitsicherheit unauffällig, Langzeitdaten fehlen

    In Studien über 4 Wochen bis 12 Monate gab es keine Unterschiede zu Placebo bei unerwünschten Ereignissen oder Laborwerten [5][6][8][9]. Die Unionsliste lässt den Weizenkeimextrakt nur für Erwachsene, ausgenommen Schwangere und Stillende, zu [10]. Daten über mehrere Jahre fehlen.

    Mensch, randomisiert

  • Herstellerbeteiligung

    Mehrere Autorinnen und Autoren der Weizenkeimextrakt-Studien halten Anteile an The Longevity Labs (TLL) oder beraten das Unternehmen; der Hersteller stellte die Kapseln bzw. Mittel für die Extraktentwicklung bereit [6][8]. In der Impfstudie beraten drei Autorinnen bzw. Autoren TLL oder Oxford Healthspan, und TLL stellte Extrakt und Placebo und gehörte zu den Geldgebern, laut Erklärung ohne Einfluss auf Design und Auswertung [9]. Bei der Mausstudie hielten fünf Autorinnen bzw. Autoren der Grazer Arbeitsgruppe Anteile an TLL [2]; zwei von ihnen sind auch an der Bruneck-Auswertung beteiligt [3]. Die Studie zu synthetischem Spermidin stammt von Angestellten des Herstellers Chrysea Labs [5]. Ohne erklärte Interessenkonflikte und ohne externe Finanzierung ist die Kinetikstudie [4].

    Mensch, randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Spermidin wirkt wie Fasten in Kapselform (Kalorienrestriktions-Mimetikum)“

    Das Konzept stammt aus Tier- und Zellmodellen [1]. Beim Menschen ist weder eine fastenähnliche Stoffwechselwirkung noch eine Autophagie-Steigerung im Gewebe gezeigt; gemessen wurden nur explorative Genbefunde in B-Zellen [9].

  • teilweise belegt

    „Wer viel Spermidin isst, lebt länger“

    In der Bruneck-Kohorte war eine höhere Aufnahme mit niedrigerer Sterblichkeit verbunden, bestätigt in einer zweiten Kohorte [3]. Das ist eine Assoziation; Ursache und Wirkung sind damit nicht belegt, und auf Präparate lässt sie sich nicht übertragen.

  • nicht belegt

    „Spermidin-Präparate erhöhen kurzfristig das Spermidin im Blutplasma“

    In zwei kontrollierten Studien mit anderen Präparaten als dem Weizenkeimextrakt (Chlorella-Soja-Präparat bzw. synthetisches Spermidintrihydrochlorid) blieb Plasma-Spermidin unverändert bzw. kaum verändert; gestiegen ist nur Spermin [4][5]. Für den Weizenkeimextrakt fehlen eigene Kinetikdaten; deshalb „nicht belegt“ statt „widerlegt“ (Tilman, 25.10.2026). Bei [5] nur Abstract geprüft.

  • nicht belegt

    „Spermidin verbessert nachweislich das Gedächtnis“

    Geprüft nur bei Älteren mit subjektivem kognitivem Abbau: Die zwölfmonatige RCT SmartAge fand keinen Effekt auf den primären und die sekundären Gedächtnisendpunkte [8], die kleine Pilotstudie nur einen nicht signifikanten Gruppenunterschied [7]. Für andere Gruppen, etwa Gesunde ohne Beschwerden, gibt es keine Studien; ein „kein Nutzen“ lässt sich auf sie nicht übertragen.

Pharmakokinetik

Aufnahme
In zwei kontrollierten Studien stieg Spermidin im Plasma nach Einnahme nicht nennenswert; nach einem Präparat aus Chlorella und Soja stieg Spermin [4][5].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Vermutlich Umwandlung zu Spermin vor dem Eintritt in den Kreislauf (Deutung der Autorinnen und Autoren) [4].
Weg ins Gehirn
Beim Menschen nicht untersucht.

Rechtlicher Status

Deutschland
Nicht verifiziert; EU-Regelung siehe unten.
EU
Die konsolidierte Unionsliste der neuartigen Lebensmittel (Stand 10.08.2026) führt „Weizenkeimextrakt (Triticum aestivum) mit hohem Spermidingehalt“, zugelassen nur für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene, ausgenommen Schwangere und Stillende; die Spezifikation gilt in der Fassung der DVO (EU) 2020/443 [10]. Synthetisches Spermidin bzw. Spermidintrihydrochlorid hat keinen eigenen Eintrag; die Spezifikation des Weizenkeimextrakts lässt Spermidintrichlorid nur in Spuren zu. Andere spermidinreiche Zubereitungen (z. B. aus Algen oder Soja) wurden nicht einzeln geprüft. Über Cellar ist außer der DVO (EU) 2020/443 kein EU-Rechtsakt mit „spermidine“ im englischen Titel zu finden (24.10.2026). Höchstmengen werden nicht übernommen.
USA
Nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Erreicht eingenommenes Spermidin aus Weizenkeimextrakt überhaupt Blut und Gewebe, oder wirkt es, wenn überhaupt, über Spermin oder den Darm?
  • Lässt sich die bessere Impfantwort in einer ausreichend großen Studie mit ausgeglichenen Gruppen bestätigen?
  • Fördern hohe Polyaminspiegel über Jahre das Wachstum bestehender Tumoren? Dazu wurden keine Humandaten gefunden.
  • Was steckt hinter dem verbreiteten Versprechen zu Haarwachstum? Nicht recherchiert.

Referenzen

  1. Madeo F, Eisenberg T, Pietrocola F, Kroemer G. Spermidine in health and disease. Science. 2018;359(6374):eaan2788. doi:10.1126/science.aan2788 · PubMed
  2. Eisenberg T, Abdellatif M, Schroeder S, Primessnig U, Stekovic S, Pendl T, et al. Cardioprotection and lifespan extension by the natural polyamine spermidine. Nat Med. 2016;22(12):1428–1438. doi:10.1038/nm.4222 · PubMed
  3. Kiechl S, Pechlaner R, Willeit P, Notdurfter M, Paulweber B, Willeit K, et al. Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. Am J Clin Nutr. 2018;108(2):371–380. doi:10.1093/ajcn/nqy102 · PubMed
  4. Senekowitsch S, Wietkamp E, Grimm M, Schmelter F, Schick P, Kordowski A, et al. High-Dose Spermidine Supplementation Does Not Increase Spermidine Levels in Blood Plasma and Saliva of Healthy Adults: A Randomized Placebo-Controlled Pharmacokinetic and Metabolomic Study. Nutrients. 2023;15(8):1852. doi:10.3390/nu15081852 · PubMed
  5. Keohane P, Everett JR, Pereira R, Cook CM, Blonquist TM, Mah E. Supplementation of spermidine at 40 mg/day has minimal effects on circulating polyamines: An exploratory double-blind randomized controlled trial in older men. Nutr Res. 2024;132:1–14. doi:10.1016/j.nutres.2024.09.012 · PubMed
  6. Schwarz C, Stekovic S, Wirth M, Benson G, Royer P, Sigrist SJ, et al. Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. Aging (Albany NY). 2018;10(1):19–33. doi:10.18632/aging.101354 · PubMed
  7. Wirth M, Benson G, Schwarz C, Köbe T, Grittner U, Schmitz D, et al. The effect of spermidine on memory performance in older adults at risk for dementia: A randomized controlled trial. Cortex. 2018;109:181–188. doi:10.1016/j.cortex.2018.09.014 · PubMed
  8. Schwarz C, Benson GS, Horn N, Wurdack K, Grittner U, Schilling R, et al. Effects of Spermidine Supplementation on Cognition and Biomarkers in Older Adults With Subjective Cognitive Decline: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2022;5(5):e2213875. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.13875 · PubMed
  9. Alsaleh G, Ali M, Kayvanjoo AH, Liu F, Moreau T, Bibi S, et al. Spermidine Mitigates Immune Cell Senescence and Boosts Vaccine Responses in Healthy Older Adults-A Pilot Study. Aging Cell. 2026;25(6):e70545. doi:10.1111/acel.70545 · PubMed
  10. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810).
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript); Vancouver-Angaben aus den PubMed-Datensätzen erzeugt.
  • Am Abstract: Kalorienrestriktions-Mimetikum, Deacetylierung, autophagieabhängig [1]; Lebensverlängerung bei Mäusen, Hypertrophie, diastolische Funktion, Atg5-Knockout, salzsensitive Ratten, Fragebogen-Assoziation beim Menschen [2]; n = 829, 341 Todesfälle, HR 0,76 (0,67–0,86), Validierung in SAPHIR [3]; n = 12, Überkreuz, Spermin ↑, Spermidin und Putrescin unverändert [4]; n = 37, kaum Änderung der Polyamine, Angestellte und Finanzierung Chrysea Labs [5]; n = 30, 3 Monate, keine Unterschiede [6]; n = 100, primärer Endpunkt −0,03 (−0,11 bis 0,05), p = 0,47 [8]; n = 40, Non-Responder, Beraterverbindungen zu TLL und Oxford Healthspan [9].
  • Im Volltext: [4] (PMC10143675) Präparat auf Basis von Chlorella und Sojaextrakt, keine Interessenkonflikte, keine externe Finanzierung; [6] (PMC5807086) Kapseln von TLL The Longevity Labs, vier Autoren (Stekovic, Sigrist, Eisenberg, Madeo) mit finanziellem Interesse an TLL; [8] (PMC9136623) Anteile und Beraterrollen bei TLL (Madeo, Sigrist, Eisenberg), ein Autor CEO von TLL während der Studie, TLL finanzierte die Extraktentwicklung, Studie selbst vom BMBF gefördert; [9] (PMC13240347) Weizenkeimextrakt, primärer Endpunkt Sicherheit, Wirksamkeit explorativ, 8 von 20 gegenüber 2 von 18 ohne Impfantwort zu Beginn.
  • Rechtsstatus (24.10.2026): konsolidierte Unionsliste 02017R2470-20260810 (DE und EN) gelesen: Eintrag „Weizenkeimextrakt (Triticum aestivum) mit hohem Spermidingehalt“, Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene ohne Schwangere und Stillende, Spezifikation mit Änderungsvermerk M43 = DVO (EU) 2020/443 [10]; kein weiterer Eintrag zu Spermidin. Cellar-SPARQL über englische Titel: nur 32020R0443.
  • PubChem: Spermidine CID 1102.
  • Gegenprüfung 24.10.2026: [7] am Abstract: n = 30, 60–80 Jahre, Phase IIa, Kontrast 0,17 (KI −0,01 bis 0,35), d = 0,77, Registrierung NCT02755246, identisch mit der Registrierung von [6] (Volltext PMC5807086). [9] COI im PubMed-Datensatz: A.K.S. berät TLL und Oxford Healthspan, G.A. Oxford Healthspan, T.E. TLL; Volltext PMC13240347, Funding: u. a. „TLL The Longevity Labs GmbH“, Extrakt und Placebo von TLL. [2] COI im PubMed-Datensatz: F.M., T.E., D.C-G., S.J.S. und S. Stekovic mit Anteilen an TLL; frei in PMC (PMC5806691). [3] Autorenliste mit Eisenberg T und Madeo F; COI-Erklärung von [3] nicht geprüft. [5] Abstract: „minimal effects on circulating polyamines“.
  • 25.10.2026: Entscheidung q066 (Tilman): Behauptung „Spermidin-Präparate erhöhen kurzfristig das Spermidin im Blutplasma“ widerlegt → nicht belegt (beide Kinetikstudien mit anderen Präparaten als dem Weizenkeimextrakt; Begründung angepasst). Das Marker-Zweitversprechen bleibt 4 · kein Nutzen (in beiden Studien unveränderter Marker, K3). q012: Volltexte gelesen [4], [6], [8], [9]; alle übrigen Studienbefunde nur Abstract geprüft.
  • 26.10.2026, Präzisions-Flags (m004; Regeln im Leitfaden unter „Zahlenregel und Präzisions-Flags“, Umsetzung Claude zur Bestätigung durch Tilman): „Verjüngt das Immunsystem und verbessert die Impfantwort im Alter“: kleine_studien, herstellerfinanziert – [9] 40 Teilnehmende (Abstract); Förderangabe in PubMed u. a. „TLL The Longevity Labs GmbH“, laut begruendung stellte TLL Extrakt und Placebo (Mitfinanzierung durch den Hersteller, zur Bestätigung durch Tilman). „Füllt den mit dem Alter sinkenden Spermidinspiegel auf (nur Marker)“: kleine_studien – [4] 12 Personen (Überkreuz), [5] 37 Männer (Abstracts). Gegenprüfung 26.10.2026: Belege der Flags (Teilnehmendenzahlen, Richtung, Finanzierung) in die begruendung übernommen und an Abstracts bzw. Volltexten erneut geprüft.

Nicht verifiziert

  • Status in Deutschland und den USA; Novel-Food-Status spermidinreicher Zubereitungen aus Algen, Soja oder Buchweizen und von synthetischem Spermidin (Katalog nicht geprüft). Das EuGH-Urteil C-141/22 zu Buchweizenkeimlingsmehl aus den Scope-Notizen wurde nicht selbst gelesen und daher nicht aufgenommen.
  • Kinetikdaten zum Weizenkeimextrakt selbst.
  • Halbwertszeit von Spermidin beim Menschen.
  • COI-Erklärung der Bruneck-Auswertung [3].

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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