Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Schützt das Gehirn und hält geistig jung
Einzelbefund, unbestätigtEine offene Untersuchung an Lokomotivpersonal beschreibt nach zwei Wochen bessere Kennzahlen des biologischen Alters und der Anpassungsfähigkeit, ohne Kontrollgruppe und ohne verblindete Messung [7]. Kontrollierte Studien fehlen; ClinicalTrials.gov führt keinen Eintrag.[8]
Verlangsamt das Altern (Geroprotektor)
uneinheitlichOffene Untersuchung an 32 Personen: Die Autoren beschreiben einen anabolen Effekt und langsamere Alterungskennzahlen, fanden aber gleichzeitig eine prooxidative Wirkung und weniger CD34-positive Blutstammzellen; das verwandte Vesugen wirkte stärker [6].
Wirkt als Antioxidans und schützt Nervenzellen
nicht untersuchtIn Zellkulturen senkte Pinealon reaktive Sauerstoffspezies und Zelltod [2], bei Rattennachkommen nach vorgeburtlichem Stress verbesserte es Lernen und Zellschutz [4]; bei gesunden Menschen wurde das nicht geprüft, und die eine Humanmessung fand das Gegenteil [6].
Hilft bei Alzheimer-Krankheit
nicht untersuchtDie Entwicklergruppe leitet aus Zellversuchen und Signalwegen eine Hypothese zur Alzheimer-Krankheit ab [1]; eine klinische Studie bei Betroffenen wurde nicht gefunden.
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
Wirkweise
Evidenzkarte: Pinealon
Pinealon besteht aus den drei Aminosäuren Glutaminsäure, Asparaginsäure und Arginin und wird in der Literatur auch EDR-Peptid genannt. Eine Übersicht der Entwicklergruppe beschreibt, dass das Peptid in Zellen eindringt, dort möglicherweise an Histone oder Nukleinsäuren bindet und die Ablesung von Genen verändert: beschrieben sind Einflüsse auf den MAPK/ERK-Signalweg, auf Caspase-3 und p53, auf die antioxidativen Enzyme SOD2 und GPX1, auf die Transkriptionsfaktoren PPARA und PPARG sowie auf Serotonin und Calmodulin [1]. All das sind Befunde aus Zell- und Tierversuchen; dass sich daraus eine Wirkung gegen Alzheimer ergibt, ist eine Hypothese der Autoren, keine klinische Erkenntnis [1].
In Zellkulturen senkte Pinealon mengenabhängig die Anhäufung reaktiver Sauerstoffspezies in Kleinhirn-Körnerzellen, Neutrophilen und PC12-Zellen und verringerte den nekrotischen Zelltod; der Zellzyklus veränderte sich erst bei höheren Konzentrationen, was die Autoren als Hinweis auf eine direkte Wirkung am Genom deuten [2]. Dass kurze Peptide bis in den Zellkern gelangen, zeigte eine Arbeit mit fluoreszenzmarkierten Peptiden an HeLa-Zellen; Pinealon bindet dabei bevorzugt an DNA-Abschnitte mit CNG- und CAG-Sequenzen und unterscheidet sogar deren Methylierungszustand [3]. Diese Befunde kommen fast ausschließlich aus demselben Forschungsverbund um V. Khavinson in St. Petersburg.
An Tieren gibt es einen Versuch, in dem trächtige Ratten mit Methionin belastet wurden, um einen hohen Homocysteinspiegel zu erzeugen: Die Nachkommen der zusätzlich mit Pinealon behandelten Tiere fanden sich im Raum besser zurecht, lernten besser, und ihre Kleinhirnneurone hielten oxidativem Stress besser stand [4]. In einem neueren Zellmodell des Alterns – aus Hautzellen älterer Spender umprogrammierte Nervenzellen – verlängerte das EDR-Peptid die Dendriten und verringerte oxidative DNA-Schäden, ohne Mitochondrien-, Lysosomen- oder p16-Werte zu verändern [5].
Beim Menschen ist die Datenlage dünn und methodisch schwach. In einer offenen Untersuchung an 32 Personen zwischen 41 und 83 Jahren mit mehreren chronischen Erkrankungen und einem organischen Hirnsyndrom in Remission beschreiben die Autoren einen anabolen Effekt und eine Verlangsamung von Kennzahlen des biologischen Alters durch Pinealon und das verwandte Vesugen; gleichzeitig fanden sie in der Chemilumineszenz eine prooxidative Wirkung und weniger CD34-positive Blutstammzellen, also eine gebremste Blutbildung, und ordnen die Peptide ausdrücklich nicht als antioxidativ ein [6]. Eine zweite Arbeit an Lokomotivpersonal beschreibt nach zwei Wochen bessere Kennzahlen des biologischen Alters und der Anpassungsfähigkeit, ebenfalls ohne Kontrollgruppe [7]. Eine Übersicht derselben Gruppe stellt Pinealon neben Semax und Cortexin als neuroprotektives Kurzpeptid dar [8]. Randomisierte, placebokontrollierte Studien fehlen; ClinicalTrials.gov führt keinen Eintrag zu Pinealon.
Eingeordnet am Wirkort Zelle mit Mitochondrium, Glutathion-Zyklus, Keap1–Nrf2 und Plasmamembran; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: nicht ausgewählt (Evidenzstufe unter 3).
Eingeordnet am Wirkort Nährstoffschalter AMPK und mTORC1 am Lysosom, Autophagie und seneszente Zellen; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: Befund an Caspase-3 und p53, in dieser Abbildung nicht gezeichnet.
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| DNA-Abschnitte mit CNG- und CAG-Sequenzen | Sonstiges | Bindung | sequenzabhängige Bindung, unterscheidet Methylierungszustand (Laborversuch) | Labor[3] |
| MAPK/ERK-Signalweg | Signalweg | Aktivator | verzögerter Verlauf der ERK-1/2-Aktivierung (Zellkultur) | Labor[1][2] |
| Antioxidative Enzyme SOD2 und GPX1 | Enzym | Expression ↑ | beschriebene Hochregulierung in Zell- und Tierversuchen | Labor[1] |
| Caspase-3 und p53 | Enzym | Expression ↓ | weniger programmierter Zelltod in Zell- und Tierversuchen | Tierversuch[1] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- SerotoninBeeinflussung der Serotonin-Expression in Zellkultur beschrieben[1]
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- NeurotrophineLängere Dendriten in umprogrammierten Nervenzellen; Wachstumsfaktoren selbst wurden nicht gemessen[5]
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativIn Zellkulturen weniger reaktive Sauerstoffspezies; in der einzigen Humanuntersuchung mit Messung fand sich dagegen eine prooxidative Wirkung[2][6]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Kapsel
nicht bestimmtIn den russischen Humanuntersuchungen als Kapsel über zwei Wochen eingesetzt [7]; Messungen zur Aufnahme oder zu Blutspiegeln wurden nicht gefunden.
Mensch, nicht randomisiert
Intranasal (Nase) · Tropfen oder Spray (Angebote im Handel)
Für diese Form wurde keine Studie gefunden; ob das Peptid so überhaupt aufgenommen wird, ist unbekannt.
Keine Daten
Studien am Menschen
Chronische Mehrfacherkrankung mit Hirnsyndrom
Gemessen: Kennzahlen des biologischen Alters, Chemilumineszenz, CD34-Zellen, Chromatinverdichtung
Ergebnis: Autoren beschreiben anabolen Effekt und langsamere Alterung; zugleich prooxidative Wirkung und weniger CD34-positive Zellen; Chromatinverdichtung unverändert.[6]
Mensch, nicht randomisiert
Lokomotivpersonal
Gemessen: Kennzahlen des biologischen Alters, Anpassungsfähigkeit
Ergebnis: Nach Angaben der Autoren verbesserte Kennzahlen.[7]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Prooxidative Wirkung und gebremste Blutbildung
In der einzigen Humanuntersuchung mit Laborkontrolle fanden die Autoren eine prooxidative Wirkung in der Chemilumineszenz und weniger CD34-positive Blutstammzellen, also eine gehemmte Blutbildung; sie ordnen die Peptide ausdrücklich nicht als antioxidativ ein [6].
Mensch, nicht randomisiert
Eingriff in die Genregulation
Das Peptid bindet im Laborversuch sequenzabhängig an DNA und erkennt deren Methylierungszustand [3]; die Entwicklergruppe deutet das als epigenetische Steuerung [1]. Welche Folgen eine solche Wirkung langfristig hat, ist nicht untersucht; in [6] war die Chromatinverdichtung unverändert.
Labor
Keine kontrollierten Studien, keine Zulassung
Es gibt keine randomisierte, placebokontrollierte Studie und keinen Registereintrag; zu Nebenwirkungen bei längerer Anwendung liegen keine Daten vor [8].
Keine Daten
Abhängigkeit von einer Forschungsgruppe
Nahezu alle Arbeiten stammen aus dem Umfeld der Entwickler [1][2][3][6][8]; unabhängige Bestätigungen wurden nicht gefunden.
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Pinealon ist ein Antioxidans für das Gehirn“
In Zellkulturen senkt es reaktive Sauerstoffspezies [2], in der einzigen Humanmessung wirkte es prooxidativ [6].
- nicht belegt
„Pinealon schaltet Gene an, die jung halten“
Belegt ist eine sequenzabhängige Bindung an DNA im Reagenzglas und veränderte Genablesung in Zellkultur [1][3]; dass daraus beim Menschen ein Nutzen entsteht, ist nicht gezeigt.
- nicht belegt
„Pinealon verbessert Gedächtnis und Konzentration“
Verbesserte Lernleistung ist bei Rattennachkommen nach vorgeburtlichem Stress beschrieben [4]; beim Menschen nur offene Untersuchungen ohne Kontrollgruppe [6][7].
- nicht belegt
„Pinealon ist ein in Russland erprobtes Medikament gegen Hirnalterung“
Die russischen Untersuchungen sind klein, offen und ohne Kontrollgruppe [6][7]; der arzneimittelrechtliche Status wurde hier nicht geprüft.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- In Humanuntersuchungen als Kapsel [7]; Aufnahme nicht gemessen.
- Halbwertszeit
- Nicht verifiziert.
- Abbau
- Nicht verifiziert.
- Weg ins Gehirn
- Nicht verifiziert; kurze Peptide gelangen in Zellkultur in Zellkern und Nukleolus [3], was über die Blut-Hirn-Schranke nichts aussagt.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verifiziert; keine Zulassung bekannt.
- EU
- Nicht verifiziert; keine Zulassung bekannt.
- USA
- Nicht verifiziert; keine Zulassung bekannt.
- Andere Länder
- In Russland wurde Pinealon in Studien als Kapsel eingesetzt [7]; der arzneimittelrechtliche Status wurde nicht in Registern geprüft.
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Gibt es eine randomisierte, verblindete Studie zu Pinealon beim Menschen?
- Lassen sich die Zell- und DNA-Befunde von unabhängigen Gruppen wiederholen?
- Wie passt die prooxidative Wirkung beim Menschen zum antioxidativen Bild aus der Zellkultur?
- Wird das Tripeptid aus einer Kapsel überhaupt unzerlegt aufgenommen?
Referenzen
- Khavinson V, Linkova N, Kozhevnikova E, Trofimova S. EDR peptide: possible mechanism of gene expression and protein synthesis regulation involved in the pathogenesis of Alzheimer's disease. Molecules. 2020;26(1):159. doi:10.3390/molecules26010159 · PubMed
- Khavinson V, Ribakova Y, Kulebiakin K, Vladychenskaya E, Kozina L, Arutjunyan A, et al. Pinealon increases cell viability by suppression of free radical levels and activating proliferative processes. Rejuvenation Res. 2011;14(5):535–41. doi:10.1089/rej.2011.1172 · PubMed
- Fedoreyeva LI, Kireev II, Khavinson VKh, Vanyushin BF. Penetration of short fluorescence-labeled peptides into the nucleus in HeLa cells and in vitro specific interaction of the peptides with deoxyribooligonucleotides and DNA. Biochemistry (Mosc). 2011;76(11):1210–9. doi:10.1134/S0006297911110022 · PubMed
- Arutjunyan A, Kozina L, Stvolinskiy S, Bulygina Y, Mashkina A, Khavinson V. Pinealon protects the rat offspring from prenatal hyperhomocysteinemia. Int J Clin Exp Med. 2012;5(2):179–85. PubMed
- Kraskovskaya N, Linkova N, Sakhenberg E, Krieger D, Polyakova V, Medvedev D, et al. Short peptides protect fibroblast-derived induced neurons from age-related changes. Int J Mol Sci. 2024;25(21):11363. doi:10.3390/ijms252111363 · PubMed
- Meshchaninov VN, Tkachenko EL, Zharkov SV, Gavrilov IV, Katyreva IuE. [Effect of synthetic peptides on aging of patients with chronic polymorbidity and organic brain syndrome of the central nervous system in remission]. Adv Gerontol. 2015;28(1):62–7. PubMed
- Nazimko VA, Morgul' EV, Petrova OA, Sheĭkhova RG, Kozina LS, Savenko MA, et al. [Analysis of some parameters of biological age and adaptation possibilities of workers of locomotive brigades]. Adv Gerontol. 2012;25(1):57–62. PubMed
- Umnov RS, Lin'kova NS, Khavinson VKh. [Neuroprotective effects of peptides bioregulators in people of various age]. Adv Gerontol. 2013;26(4):671–8. PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle Abstracts über PubMed (XML) gelesen, PMIDs und die vorhandenen DOIs mit tools/pruefe_profile.py abgeglichen; [4], [6], [7] und [8] haben in PubMed keine DOI.
- Kernzahlen an Abstracts: beschriebene Zielproteine und Signalwege, Alzheimer-Hypothese [1]; mengenabhängige Senkung reaktiver Sauerstoffspezies in Kleinhirnzellen, Neutrophilen und PC12-Zellen, verzögerte ERK-Aktivierung [2]; Peptide in Zytoplasma, Kern und Nukleolus von HeLa-Zellen, bevorzugte Bindung an CNG- und CAG-Sequenzen, Erkennung der Methylierung [3]; Rattennachkommen nach Methioninbelastung mit besserem Lernen und weniger Zelltod [4]; längere Dendriten, weniger oxidative DNA-Schäden, keine Änderung von Mitochondrien, Lysosomen und p16 [5]; n = 32, 41–83 Jahre, anaboler Effekt, prooxidative Chemilumineszenz, weniger CD34-positive Zellen, Chromatin unverändert, Vesugen stärker [6]; Lokomotivpersonal, zwei Wochen, bessere Kennzahlen [7]; Einordnung neben Semax und Cortexin [8].
- ClinicalTrials.gov: 0 Einträge zu „pinealon“ (23.10.2026); kein Eintrag von „Hudson Biotech“.
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Verlangsamt das Altern (Geroprotektor)“ → kleine_studien: [6] n = 32 (Abstract).
Nicht verifiziert
- Rechtlicher Status in Russland, Deutschland, der EU und den USA nicht in Registern geprüft.
- Die russischsprachigen Arbeiten [6], [7] und [8] wurden nur als englische Abstracts gelesen; Studiendesign, Teilnehmerzahl von [7] und Messmethoden sind damit nur teilweise beurteilbar.
- Welche Dosierungsform und welche Anwendungsdauer in [6] verwendet wurde (im Abstract nicht genannt).
- Pharmakokinetik und Stabilität des Tripeptids beim Menschen.
- Reinheit und Zusammensetzung der im Handel erhältlichen Produkte: keine Analyse gefunden.
- Ob es neuere, hier nicht gefundene Studien in russischsprachigen Zeitschriften ohne PubMed-Eintrag gibt.
- Dopingstatus nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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