Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Für eine gesunde Schilddrüse

    nicht untersucht

    Schilddrüse · gesund · Keine Daten

    Das Werbeversprechen richtet sich an Gesunde. Eine Studie mit Natriumselenit zur Schilddrüsenfunktion Gesunder wurde nicht gefunden (PubMed-Suche 24.10.2026); Daten gibt es nur bei Hashimoto (eigenes Versprechen) [10][11]. Die EU-Angabe zur Schilddrüse gilt für jede ausreichende Selenquelle und ist keine Evidenzstufe (siehe Abschnitt „Zugelassene EU-Angaben“) [14]. Aus dem gebündelten Auftragsversprechen „Für Schilddrüse und Immunsystem“ getrennt.[10][11]

  • Stärkt das Immunsystem

    Einzelbefund, unbestätigt

    Immunsystem & Infekte · gesund (niedriger Selenstatus) · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Eine kleine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 22 Erwachsenen mit niedrigem Selenstatus: zelluläre Immunantwort stärker, Impfvirus schneller ausgeschieden, humorale Antwort unverändert, Infekthäufigkeit nicht gemessen [13]. Laut Übersicht nützt Selen vor allem bei niedrigem Status [1]. Aus dem gebündelten Auftragsversprechen „Für Schilddrüse und Immunsystem“ getrennt.

  • Senkt Schilddrüsen-Antikörper bei Hashimoto

    uneinheitlich

    Schilddrüse · Patienten: Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto) · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Marker: TPO-Antikörper in einer RCT mit 70 Frauen gesunken, TSH und freie Hormone unverändert [10]; in einer zweiten, kleinen Selenit-RCT (36 Teilnehmende) kein Effekt auf die Antikörper [11]. Klinische Endpunkte: besseres Wohlbefinden nur in dieser kleinen Studie mit hohem Verzerrungsrisiko; Lebensqualität und Hormonbedarf nicht untersucht [11]. Die Metaanalyse über alle Selenformen (zählt nicht für die Stufe) hält die klinische Bedeutung für unklar [12].

  • Senkt die Sterblichkeit bei Sepsis (hochdosiert intravenös)

    kein Nutzen

    Immunsystem & Infekte · Patienten: schwere Sepsis oder septischer Schock · Mensch, randomisiert

    Große multizentrische RCT mit 1089 Menschen mit schwerer Sepsis oder septischem Schock: 28-Tage-Sterblichkeit 28,3 vs. 25,5 % (p = 0,30) [15].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Natriumselenit

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Natriumselenit ist eine anorganische Selenform, aus der Selen erst nach Reduktion in Selenoproteine gelangt. Für alle Selenformen gilt: Selen wirkt als Selenocystein in Selenoproteinen wie Glutathionperoxidasen und den Deiodinasen, die aktives Schilddrüsenhormon bilden, Nutzen und Schaden hängen U-förmig vom Selenstatus ab [1], die Leber verteilt Selen als Selenoprotein P (SEPP1) [2], und die EFSA wertet das SEPP1-Plateau im Plasma als ausreichende Versorgung ohne Zusatznutzen darüber hinaus [3]. Natriumselenit steht in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG [4]. Im Stoffwechsel wird Selenit mit Glutathion zu Selenid reduziert, der Vorstufe für den Einbau als Selenocystein; in Laborversuchen entsteht bei der Oxidation von Glutathion durch Selenit Superoxid, was als Erklärung für die Toxizität hoher Mengen dient [5]. Anders als Selenomethionin wird Selenit nicht anstelle von Methionin unspezifisch in Körpereiweiß eingebaut, sondern nur in funktionelle Selenoproteine [6]. In einer Tracerstudie mit stabilen Isotopen wurden aus Selenit 57 % aufgenommen, aus Selenomethionin 97 % [6]; in einer älteren Bilanzstudie mit 13 Frauen 62 % gegenüber 94 % aus Selenat [7]. Bei gut versorgten Erwachsenen in den USA stieg das Plasmaselen unter Selenomethionin und Selenhefe mengenabhängig, unter Selenit nicht; GPx-Aktivität und SEPP1 änderten sich bei keiner Form [8]. In einem Selenmangelgebiet Chinas brauchte es etwa doppelt so viel Selen als Selenit wie als Selenomethionin, bis die Plasma-GPx voll ausgeprägt war; SEPP1 wurde mit keiner der geprüften Mengen voll ausgeprägt [9]. Plasmaselen eignet sich deshalb schlecht, um die Versorgung unter Selenit zu beurteilen [8].

Zur Schilddrüse: In einer placebokontrollierten Studie mit 70 Frauen mit Autoimmunthyreoiditis unter Levothyroxin sanken die TPO-Antikörper unter Natriumselenit nach drei Monaten auf 63,6 % des Ausgangswerts, unter Placebo auf 88 %; TSH und freie Schilddrüsenhormone änderten sich nicht [10]. Eine Cochrane-Übersicht fand in einer anderen, kleinen Selenit-Studie (36 Teilnehmende, hohes Verzerrungsrisiko) keinen Effekt auf die Antikörper, aber besseres Wohlbefinden; Lebensqualität und Levothyroxin-Bedarf untersuchte keine der eingeschlossenen Studien [11]. Eine Metaanalyse über alle Selenformen bestätigt sinkende TPO-Antikörper bei geringer Evidenzqualität und unklarer klinischer Bedeutung [12]. Zum Immunsystem: In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 22 britischen Erwachsenen mit niedrigem Plasmaselen (eine Randomisierung beschreibt das Abstract nicht) war unter Natriumselenit die zelluläre Immunantwort stärker, und ein Polio-Lebendimpfvirus wurde schneller ausgeschieden [13]. Die EU erlaubt die Angaben, Selen trage zu einer normalen Schilddrüsenfunktion und Funktion des Immunsystems bei, für jede ausreichende Selenquelle [14]. Hochdosiert intravenös bei 1089 Menschen mit schwerer Sepsis senkte Natriumselenit die 28-Tage-Sterblichkeit nicht (28,3 vs. 25,5 %) [15].

Formulierungen und Herkunft: Natriumselenit wird synthetisch hergestellt; es dient auch als Selenquelle, wenn Hefe mit Selen angereichert wird, deren Selen danach überwiegend als Selenomethionin vorliegt [4]. Vergleichende Humandaten zu Darreichungsformen (Tabletten, Tropfen, Trinklösungen) wurden nicht gefunden. Begleitstoffe können die Aufnahme verändern: Mit einer sehr hohen Einzelgabe Ascorbinsäure auf nüchternen Magen sank sie bei zehn Frauen fast auf null, mit Orangensaft oder einem leichten Frühstück dagegen nicht [16]. In einer Studie mit 58 Norwegerinnen stieg das Blutselen nur in der Gruppe signifikant, die Selenit zusammen mit Ascorbinsäure erhielt [17].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch eine Zelle, nicht maßstabsgetreu; die Membran in der Lupe ist stark vergrößert, das Nebenfeld zeigt das α-Tocopherol-Transferprotein (α-TTP) der Leber. Teilchen, Geschwindigkeiten und die Modellanzeige unten sind illustrativ und keine Messung. Die Werte oben rechts stammen aus den Synaptik-Profilen; viele davon sind Marker (Spiegel, Enzymaktivität), kein klinischer Nutzen.
Wirkstoff
Ansicht

Superoxid, H₂O₂, Radikale  Glutathion (GSH)  gewählter Wirkstoff  Gold = Angriffspunkt des Wirkstoffs

Selenit wird mit Glutathion zu Selenid reduziert, der Vorstufe des Selenocysteins; im Labor entsteht dabei Superoxid [28]. Das Modell zieht dafür kein GSH ab: Die Oxidation von Glutathion durch Selenit ist nur aus Laborversuchen bekannt [28]. Danach gelangt Selen nur in funktionelle Selenoproteine wie die GPx [2, 3], nicht unspezifisch in Körpereiweiß [24]. In der Tracerstudie wurden 57 % aufgenommen [24]; im Selenmangelgebiet brauchte die volle Ausprägung der Plasma-GPx mehr Selen als mit Selenomethionin [26], bei guter Versorgung änderte sich die GPx nicht [27].

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Glutathionperoxidasen (Plasma-GPx)EnzymExpression ↑volle Ausprägung bei etwa doppelter Selenmenge wie mit Selenomethionin (Mangelgebiet) Mensch, randomisiert[9]
Selenoprotein P (SEPP1)SonstigesExpression ↑im Mangelgebiet nicht voll ausgeprägt; bei guter Versorgung keine Änderung Mensch, randomisiert[8][9]
Iodthyronin-DeiodinasenEnzymAktivatorSelenoenzyme der Schilddrüsenhormon-Aktivierung (allgemeine Biochemie, nach Selenitgabe nicht gemessen) Labor[1]
Glutathion (Reduktion von Selenit zu Selenid)SonstigesBindungSuperoxid-Bildung im Labor Labor[5]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativmoduliert · Selenit steigert bei Selenmangel die antioxidative GPx-Aktivität; in hohen Mengen wirkt es im Labor prooxidativ (Superoxid)[5][9]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Natriumselenit (Tracer)

    ≈ 57 % (stabile Isotope, Gesunde; Selenomethionin 97 %)

    Kompartimentmodell mit zwei gleichzeitig gegebenen Tracern bei 31 Erwachsenen (20 vollständig ausgewertet); der aufgenommene Anteil änderte sich auch nach zwei Jahren Selenomethionin-Gabe nicht [6].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Natriumselenit (Lösung)

    ≈ 62 % (Stuhlbilanz, 13 Frauen; Selenat 94 %)

    Selenat wurde besser aufgenommen und stärker über den Urin ausgeschieden als Selenit [7]. Eine sehr hohe Einzelgabe Ascorbinsäure auf nüchternen Magen senkte die Aufnahme fast auf null [16].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Intravenös · Natriumselenit (Infusion, Arzneimittelstudie)

    Nur in Studien auf Intensivstationen; kein Nutzen auf die Sterblichkeit bei Sepsis [15].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Autoimmunthyreoiditis

    RCT, placebokontrolliert · Patienten: Frauen mit Autoimmunthyreoiditis unter Levothyroxin · n = 70 · 3 Monate

    Gemessen: TPO-Antikörper

    Ergebnis: Abfall auf 63,6 % (p = 0,013) vs. 88 % unter Placebo; TSH, fT4, fT3 unverändert.[10]

    Mensch, randomisiert

  • Immunfunktion bei niedrigem Selenstatus

    doppelblind, placebokontrolliert (Randomisierung im Abstract nicht beschrieben) · gesund (Plasmaselen niedrig) · n = 22 · 15 Wochen

    Gemessen: Immunantwort und Ausscheidung eines Polio-Lebendimpfvirus

    Ergebnis: Mehr Interferon-γ, frühere T-Zell-Proliferation, schnellere Virusausscheidung; humorale Antwort unverändert.[13]

    Mensch, randomisiert

  • Sepsis (SISPCT)

    RCT, 2 × 2 faktoriell, placebokontrolliert · Patienten: schwere Sepsis oder septischer Schock · n = 1089 · bis zu 21 Tage, Nachbeobachtung 90 Tage

    Gemessen: 28-Tage-Sterblichkeit

    Ergebnis: 28,3 vs. 25,5 % (p = 0,30), kein Nutzen.[15]

    Mensch, randomisiert

  • Selenit vs. Selenomethionin bei Selenmangel

    RCT, placebokontrolliert, mehrere Mengenstufen · gesund (Selenmangelgebiet in China) · n = 120 · 20 Wochen

    Gemessen: Plasma-GPx, SEPP1

    Ergebnis: Volle GPx-Ausprägung mit etwa doppelter Selenmenge als Selenit; Selenomethionin knapp doppelt so gut verfügbar.[9]

    Mensch, randomisiert

  • Selenit, Selenomethionin und Selenhefe bei guter Versorgung

    RCT, placebokontrolliert, drei Formen und Mengenstufen · gesund (gut versorgt) · 16 Wochen

    Gemessen: Plasmaselen, GPx, SEPP1, Urinselen

    Ergebnis: Plasmaselen stieg nur unter Selenomethionin und Hefe; GPx und SEPP1 bei keiner Form verändert; weniger Urinselen nach Selenit.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Tracerkinetik Selenit vs. Selenomethionin

    nicht randomisiert, intraindividueller Vergleich zweier Tracer, vor und nach 2 Jahren Selenomethionin · gesund · n = 31 · Einzelgaben, Nachbeobachtung 4 Monate

    Gemessen: aufgenommener Anteil, Plasmapools

    Ergebnis: Aufnahme 57 % (Selenit) vs. 97 % (Selenomethionin), unverändert nach Supplementierung.[6]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Selenvergiftung (Selenose) bei zu hoher Zufuhr

    Haarausfall ist laut EFSA das früheste gut belegte Zeichen zu hoher Selenzufuhr und Grundlage der tolerierbaren Obergrenze; regelmäßige Nutzende hoch dosierter Selenpräparate können sie überschreiten [18]. Die Ableitung stützt sich auf eine Studie mit Selenomethionin; für Selenit ist das Prinzip eine Schlussfolgerung.

    Mensch, randomisiert

  • Prooxidative Wirkung in hohen Mengen

    Selenit oxidiert im Labor Glutathion und erzeugt dabei Superoxid und Wasserstoffperoxid; dies gilt als Mechanismus der Selentoxizität [5]. Beim Menschen nach üblicher Supplementierung nicht gezeigt.

    Labor

  • Kein Nutzen, möglicher Schaden bei guter Selenversorgung

    Laut Übersicht ist der Zusammenhang U-förmig: Bei gutem Selenstatus fanden Studien keinen Nutzen, aber Hinweise auf Schaden, unter anderem ein mögliches Typ-2-Diabetes-Risiko [1]. Die Daten dazu stammen überwiegend aus Studien mit organischen Formen.

    Mensch, randomisiert

  • Mehr Nebenwirkungsmeldungen bei Hashimoto-Studien

    In der Metaanalyse berichteten Teilnehmende unter Selen (alle Formen) häufiger über unerwünschte Wirkungen als die Kontrollgruppen (p = 0,036) [12].

    Mensch, randomisiert

Wechselwirkungen

  • Ascorbinsäure (Vitamin C) in sehr hoher Einzelgabe: Gleichzeitig auf nüchternen Magen senkte sie die Selenaufnahme aus Selenit bei zehn Frauen fast auf null; Orangensaft zum Frühstück verringerte sie nicht [16]. In einer anderen Studie stieg das Blutselen unter Selenit mit Ascorbinsäure sogar am deutlichsten [17].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • teilweise belegt

    „Natriumselenit kann sich nicht im Körper anreichern, weil es nicht in Eiweiß eingebaut wird“

    Selenit wird nicht anstelle von Methionin in Körpereiweiß eingebaut [6], und das Plasmaselen steigt unter Selenit kaum [8]. Eine Selenvergiftung ist aber mit jeder Form bei zu hoher Zufuhr möglich [18].

  • teilweise belegt

    „Organisches Selen ist grundsätzlich besser als Natriumselenit“

    Selenomethionin wird besser aufgenommen und hebt Plasmaselen stärker [6][8]; bei Selenmangel wird die GPx mit weniger Selen voll ausgeprägt [9]. Bei guter Versorgung unterschieden sich GPx und SEPP1 zwischen den Formen nicht [8]; klinische Kopf-an-Kopf-Vergleiche fehlen.

  • teilweise belegt

    „Vitamin C macht Natriumselenit unwirksam“

    Gezeigt nur für eine sehr hohe Einzelgabe Ascorbinsäure auf nüchternen Magen (zehn Frauen) [16]; mit Orangensaft kein Effekt, und in einer Studie mit Ascorbinsäure sogar stärkerer Blutselenanstieg [17].

  • widerlegt

    „Die EU bestätigt, dass Natriumselenit Hashimoto lindert“

    Zugelassen sind nur Angaben zu normaler Schilddrüsen- und Immunfunktion für Selen allgemein, keine Krankheitsaussagen [14]. Die RCT-Daten zu Hashimoto zeigen nur Antikörperänderungen [10][11].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Etwa 57–62 % in Tracer- und Bilanzstudien, deutlich weniger als aus Selenomethionin oder Selenat [6][7].
Halbwertszeit
Für ein Spurenelement mit mehreren Speicherpools nicht als ein Wert angebbar; nicht verifiziert.
Abbau
Reduktion mit Glutathion zu Selenid, daraus Selenocystein für Selenoproteine; Überschuss wird methyliert und ausgeschieden [5]. Kein unspezifischer Einbau anstelle von Methionin [6].
Weg ins Gehirn
Keine Daten zur Hirngängigkeit dieser Form gefunden.

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: Im Arzneimittel-Informationssystem AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit Natriumselenit verzeichnet, darunter Tabletten und Injektionslösungen mit dem Anwendungsgebiet nachgewiesener, ernährungsmäßig nicht behebbarer Selenmangel sowie Spurenelementkonzentrate zur Infusion (Abruf 24.10.2026) [19]. Als Selenquelle in Nahrungsergänzungsmitteln nach Anhang II zulässig [4].
EU
Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Natriumselenit“); damit als Selenquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [4]. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für Selen stehen unter health_claims.
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“

    Nährstoff
    Selen
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[14]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
  • „Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“

    Nährstoff
    Selen
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[14]
    Einordnung
    rechtlich zulässig; mit dieser Form nur eine kleine Studie zur Immunantwort bei niedrigem Selenstatus, siehe Versprechen „Stärkt das Immunsystem“

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Senkt Natriumselenit bei Hashimoto klinisch relevante Endpunkte wie Lebensqualität oder Levothyroxin-Bedarf?
  • Unterscheiden sich Selenit und Selenomethionin bei gleichem funktionellem Status (SEPP1-Plateau) in klinischen Endpunkten?
  • Welche Rolle spielt der Selenstatus zu Beginn für Nutzen und Risiko bei Schilddrüsenerkrankungen?

Referenzen

  1. Rayman MP. Selenium and human health. Lancet. 2012;379(9822):1256–68. doi:10.1016/S0140-6736(11)61452-9 · PubMed
  2. Burk RF, Hill KE. Regulation of selenium metabolism and transport. Annu Rev Nutr. 2015;35:109–34. doi:10.1146/annurev-nutr-071714-034250 · PubMed
  3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific opinion on dietary reference values for selenium. EFSA J. 2014;12(10):3846. doi:10.2903/j.efsa.2014.3846
  4. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  5. Spallholz JE. On the nature of selenium toxicity and carcinostatic activity. Free Radic Biol Med. 1994;17(1):45–64. doi:10.1016/0891-5849(94)90007-8 · PubMed
  6. Patterson BH, Combs GF Jr, Taylor PR, Patterson KY, Moler JE, Wastney ME. Selenium kinetics in humans change following 2 years of supplementation with selenomethionine. Front Endocrinol (Lausanne). 2021;12:621687. doi:10.3389/fendo.2021.621687 · PubMed
  7. Thomson CD, Robinson MF. Urinary and fecal excretions and absorption of a large supplement of selenium: superiority of selenate over selenite. Am J Clin Nutr. 1986;44(5):659–63. doi:10.1093/ajcn/44.5.659 · PubMed
  8. Burk RF, Norsworthy BK, Hill KE, Motley AK, Byrne DW. Effects of chemical form of selenium on plasma biomarkers in a high-dose human supplementation trial. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2006;15(4):804–10. doi:10.1158/1055-9965.EPI-05-0950 · PubMed
  9. Xia Y, Hill KE, Byrne DW, Xu J, Burk RF. Effectiveness of selenium supplements in a low-selenium area of China. Am J Clin Nutr. 2005;81(4):829–34. doi:10.1093/ajcn/81.4.829 · PubMed
  10. Gärtner R, Gasnier BC, Dietrich JW, Krebs B, Angstwurm MW. Selenium supplementation in patients with autoimmune thyroiditis decreases thyroid peroxidase antibodies concentrations. J Clin Endocrinol Metab. 2002;87(4):1687–91. doi:10.1210/jcem.87.4.8421 · PubMed
  11. van Zuuren EJ, Albusta AY, Fedorowicz Z, Carter B, Pijl H. Selenium supplementation for Hashimoto's thyroiditis. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(6):CD010223. doi:10.1002/14651858.CD010223.pub2 · PubMed
  12. Wichman J, Winther KH, Bonnema SJ, Hegedüs L. Selenium supplementation significantly reduces thyroid autoantibody levels in patients with chronic autoimmune thyroiditis: a systematic review and meta-analysis. Thyroid. 2016;26(12):1681–92. doi:10.1089/thy.2016.0256 · PubMed
  13. Broome CS, McArdle F, Kyle JA, Andrews F, Lowe NM, Hart CA, et al. An increase in selenium intake improves immune function and poliovirus handling in adults with marginal selenium status. Am J Clin Nutr. 2004;80(1):154–62. doi:10.1093/ajcn/80.1.154 · PubMed
  14. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
  15. Bloos F, Trips E, Nierhaus A, Briegel J, Heyland DK, Jaschinski U, et al. Effect of sodium selenite administration and procalcitonin-guided therapy on mortality in patients with severe sepsis or septic shock: a randomized clinical trial. JAMA Intern Med. 2016;176(9):1266–76. doi:10.1001/jamainternmed.2016.2514 · PubMed
  16. Robinson MF, Thomson CD, Huemmer PK. Effect of a megadose of ascorbic acid, a meal and orange juice on the absorption of selenium as sodium selenite. N Z Med J. 1985;98(784):627–9. PubMed
  17. Meltzer HM, Norheim G, Bibow K, Myhre K, Holm H. The form of selenium determines the response to supplementation in a selenium replete population. Eur J Clin Nutr. 1990;44(6):435–46. PubMed
  18. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), Turck D, Bohn T, Castenmiller J, et al. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for selenium. EFSA J. 2023;21(1):e07704. doi:10.2903/j.efsa.2023.7704 · PubMed
  19. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Natriumselenit“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
  • Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): Eintrag „Natriumselenit“; Fußnote zur Selenhefe („in Gegenwart von Natriumselenit als Selenquelle in Kultur gewonnen“).
  • VO (EU) 432/2012 (CELEX 32012R0432, Ursprungsfassung): Angaben „Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“ und „… zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ mit Bedingung „Selenquelle“.
  • Am Abstract: U-förmiger Zusammenhang, Diabetes-Hinweis [1]; Leber und SEPP1 [2]; SEPP1-Plateau als Kriterium, kein Zusatznutzen [3]; Superoxid aus Glutathion und Selenit, Methylierung [5]; 13 Frauen, 94 vs. 62 % [7]; Selenit hebt Plasmaselen nicht, GPx/SEPP1 unverändert, Urin [8]; 120 Personen, GPx-Sättigung, „nearly twice the bioavailability“ [9]; 70 Frauen, 63,6 vs. 88 % [10]; Cochrane: vier Studien, Selenit-Studie mit 36 Teilnehmenden [11]; 16 Studien, mehr Nebenwirkungen p = 0,036 [12]; 22 Personen, Natriumselenit [13]; 1089 Patienten, 28,3 vs. 25,5 % [15]; Ascorbinsäure-Megadosis, Orangensaft [16]; 58 Frauen, Selenit mit Ascorbinsäure [17]; Haarausfall als kritischer Endpunkt aus SELECT [18].
  • Im Volltext von [6] (Europe PMC): Tabelle 2 mit 57 ± 2 % (Selenit) und 97 ± 0,2 % (Selenomethionin), 20 Personen vollständig ausgewertet; Aussage, Selenit werde nur in funktionelle Selenoproteine eingebaut.
  • PubChem: CID 24934, Na2O3Se.
  • ClinicalTrials.gov: 27 Studien mit „sodium selenite“ als Intervention (24.10.2026).
  • Gegenprüfung (24.10.2026): [13] im Abstract nur „double-blind“ mit Placebo, keine Randomisierung genannt; [10] misst nur Antikörper, TSH und freie Hormone, keine GPx. PubMed-Suche nach RCTs mit Natriumselenit zur Schilddrüsenfunktion Gesunder: kein Treffer.
  • VO (EU) Nr. 432/2012: Wortlaut der eingetragenen Angaben in der Basisfassung (CELEX 32012R0432, Cellar, XHTML) und unverändert in der konsolidierten Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820, Cellar, XHTML) geprüft am 24.10.2026. Angaben zu Schilddrüsenfunktion und Immunsystem [14].
  • Rechtsstatus (G6, Auftrag Offene Punkte 1) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Natriumselenit“, Humanarzneimittel, verkehrsfähig): 54 Treffer, davon 32 Monopräparate (national zugelassene Tabletten und Injektionslösungen, Anwendungsgebiet „Nachgewiesener Selenmangel, der ernährungsmäßig nicht behoben werden kann“), dazu Spurenelement-Infusionskonzentrate, auch als Parallelimporte [19]. Die Auftragsangabe „in DE auch Arzneimittel“ ist damit bestätigt; Kategorie „Supplement“ bleibt (NEM-Form nach Anhang II Teil B).
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Stärkt das Immunsystem“ → kleine_studien: [13] n = 22 (Abstract); [1] ist eine Übersicht.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Senkt Schilddrüsen-Antikörper bei Hashimoto“ → kleine_studien: [10] n = 70 (Abstract), die Selenit-Studie im Cochrane-Review [11] mit 36 Teilnehmenden (Abstract von [11]); [12] zählt laut Begründung nicht.
  • Gegenprüfung 26.10.2026 (m004, Umsetzung Claude, zur Bestätigung durch Tilman): Belege der gesetzten Präzisions-Flags (Teilnehmendenzahlen bzw. Finanzierungs- und Interessenangaben) aus den Prüfnotizen in die Begründung übernommen, damit sie für Lesende nachprüfbar sind; Teilnehmendenzahlen erneut an den PubMed-Abstracts abgeglichen.

Nicht verifiziert

  • Rechtsstatus in den USA.
  • Fallzahl der Studie [8] (im Abstract nur „10 Gruppen“).
  • Welche Selenform in der EUGOGO-Studie zur endokrinen Orbitopathie (Marcocci 2011) verwendet wurde; deshalb nicht aufgenommen.
  • Selenform im US-Ausbruch einer Selenvergiftung durch ein flüssiges Nahrungsergänzungsmittel (MacFarquhar 2010); deshalb nicht als Selenit-Beleg verwendet.
  • Randomisierung in [13]: Das Abstract nennt sie nicht (Evidenzstufe 4 gilt wegen der Placebokontrolle; PubMed indexiert die Studie als randomisierte Studie); Volltext nicht über Europe PMC zugänglich.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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