Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Das „Langlebigkeitsvitamin“ verlängert das gesunde Leben

    nicht untersucht

    Langlebigkeit · gesund · Tierversuch

    Längeres Leben ist nur bei männlichen Mäusen und bei Fadenwürmern gezeigt [4][5]. Der Begriff „Langlebigkeitsvitamin“ ist eine Hypothese aus einer Übersichtsarbeit ohne eigene Interventionsdaten [3]. Die Kohortenkorrelation mit niedrigerer Sterblichkeit (Stufe 3) belegt keine Ursache und kann ein gesundes Ernährungsmuster widerspiegeln [7]. Lebensdauer oder Alterungsendpunkte wurden beim Menschen nicht untersucht. Nur Abstract geprüft ([3], [4], [5], [7]).

  • Bremst den geistigen Abbau im Alter

    Einzelbefund, unbestätigt

    Kognition & Fokus · Patienten: leichte kognitive Beeinträchtigung · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Eine randomisierte Pilotstudie mit 19 Teilnehmenden fand einen besseren Lerntest und stabile Neurofilament-Leichtketten; die Kognition war laut Register ein sekundärer Endpunkt [8]. Eine Studie mit einem ergothioneinhaltigen Lebensmittelextrakt zählt nicht für den Reinstoff [9]. Bei Gesunden ohne kognitive Einschränkung wurde reines Ergothionein zu diesem Versprechen nicht untersucht. Bei [8] nur Abstract und Registereintrag geprüft, [9] im Volltext.

  • Verbessert den Schlaf

    Einzelbefund, unbestätigt

    Schlaf · gesund (Erwachsene mit Schlafbeschwerden bzw. eher schlechtem Schlaf) · Mensch, randomisiert

    Zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien mit teils denselben Autoren: Die erste fand weniger Schlafschwierigkeiten im Fragebogen und im EEG mehr N2-Schlaf, weniger N1-Schlaf und selteneres Aufwachen; Teilnehmerzahl, primärer Endpunkt, Herkunft des Ergothioneins und Finanzierung sind im Abstract nicht angegeben [10]. Die zweite mit reinem L-Ergothionein fand bessere Werte in zwei Faktoren eines Schlaffragebogens, ohne objektive Schlafmessung; ihr angegebener primärer Endpunkt (MRT-Index) änderte sich nicht. Sie wurde von Suntory mitfinanziert, und fünf der acht Autorinnen und Autoren waren dort angestellt [11]. Die Studien messen verschiedene Endpunkte, und eine unabhängige Bestätigung fehlt; deshalb bleibt es ein Einzelbefund. Bei [10] nur Abstract geprüft, [11] im Volltext.

  • Starkes Antioxidans: senkt oxidativen Stress (nur Marker)

    Einzelbefund, unbestätigt

    Langlebigkeit · gesund · Mensch, nicht randomisiert

    Nur Marker. Es gibt nur eine Studie mit reinem Ergothionein an Gesunden; darin sanken Marker für oxidative Schäden und Entzündung tendenziell, die meisten Änderungen waren nicht signifikant [2]. Ein Widerspruch zwischen Studien liegt nicht vor, der Befund ist aber unbestätigt. Ein klinischer Nutzen folgt daraus nicht. Nur Abstract geprüft [2].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: L-Ergothionein

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

L-Ergothionein ist ein Betain des 2-Thiohistidins, das Pilze und einige Bakterien bilden; der menschliche Körper bildet es nicht selbst, es stammt laut der Erstbeschreibung seines Transporters aus der Nahrung [1]. Sein wichtigster bekannter Angriffspunkt ist der Transporter SLC22A4, früher als organischer Kationentransporter OCTN1 beschrieben: In Zellkultur transportierte er Ergothionein mehr als hundertmal effizienter als Tetraethylammonium oder Carnitin, weshalb die Autorinnen und Autoren den Namen ETT (Ergothionein-Transporter) vorschlugen. Zellen mit diesem Transporter reichern Ergothionein stark an und halten es fest, Zellen ohne ihn nehmen es kaum auf [1]. Nach oraler Gabe von reinem Ergothionein an gesunde Freiwillige stiegen die Spiegel in Plasma und Vollblut deutlich, weniger als 4 % wurden über den Urin ausgeschieden; Hercynin und S-Methyl-Ergothionein traten als mutmaßliche Metaboliten auf [2].

Das Versprechen „Langlebigkeitsvitamin“ geht auf eine Übersichtsarbeit zurück, die Ergothionein ohne eigene Interventionsdaten als einen von mehreren Kandidaten für solche Nährstoffe vorschlug [3]. Im Tierversuch lebten männliche Mäuse, die lebenslang Ergothionein im Trinkwasser erhielten, länger, verloren im Alter weniger Gewicht und Beweglichkeit und schnitten in Gedächtnistests besser ab; auch Fadenwürmer (C. elegans) lebten länger [4]. Eine zweite Arbeitsgruppe fand längeres Leben und bessere Beweglichkeit bei C. elegans und bei alten Ratten mehr Ausdauer, Muskelmasse und NAD⁺ im Muskel; als Mechanismus beschrieb sie Ergothionein als alternatives Substrat der Cystathionin-γ-Lyase (CSE), das über Schwefelwasserstoff und Persulfidierung die Glycerin-3-phosphat-Dehydrogenase aktiviert [5]. Eine dritte Gruppe identifizierte in Zellsystemen und Mäusen die 3-Mercaptopyruvat-Sulfurtransferase (MPST) als direkt gebundenes und aktiviertes Zielenzym, mit mehr mitochondrialer Atmung und besserer Trainingsleistung bei Mäusen [6]. Alle diese Befunde stammen aus Tier- und Zellversuchen. In der schwedischen Malmö-Kohorte (3236 Personen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes, mediane Beobachtung 21,4 Jahre) gingen höhere Plasmaspiegel mit seltener koronarer Herzkrankheit und niedrigerer Herz-Kreislauf- und Gesamtsterblichkeit einher (Hazard Ratio je Standardabweichung 0,85, 0,79 bzw. 0,86) [7]. Ergothionein war dort der Stoff, der am stärksten mit einem gesundheitsbewussten Ernährungsmuster verbunden war; die Korrelation belegt keine Ursache.

Interventionsstudien beim Menschen sind klein. In einer randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie mit 19 Menschen ab 60 Jahren mit leichter kognitiver Beeinträchtigung über ein Jahr blieben Blutbild, Nieren- und Leberwerte unverändert; die Ergothionein-Gruppe schnitt im Lerntest (Rey Auditory Verbal Learning Test) besser ab, und die Neurofilament-Leichtketten im Plasma blieben stabil, während sie unter Placebo stiegen [8]. Laut Registereintrag waren Aufnahme, Sicherheit und Marker für oxidativen Stress und Entzündung die primären Endpunkte, die Kognition ein sekundärer [8]. Eine japanische Arbeitsgruppe untersuchte Serumproben aus einer früheren randomisierten Studie mit Tabletten aus einem Lebensmittelextrakt, die Ergothionein enthielten: Phosphoryliertes TrkB in Vesikeln aus dem Serum war unter Verum höher und korrelierte mit Gedächtniswerten; bei Mäusen, die zuvor ergothioneinfreies Futter erhalten hatten und deshalb schlechter abschnitten, stellte Ergothionein bis zum Spiegel des Kontrollfutters Gedächtnis und Neurogenese wieder her, und diese Erholung hing von TrkB ab [9]. Da ein Extrakt und kein reines Ergothionein gegeben wurde, zählt diese Studie nicht für den Reinstoff. Zum Schlaf berichtete eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie über vier Wochen an Freiwilligen mit hoher Ängstlichkeit und Schlafbeschwerden, dass Ergothionein Schlafschwierigkeiten im Fragebogen verringerte; im EEG nahm das Schlafstadium N2 zu und N1 ab, und nächtliches Aufwachen wurde seltener [10]. Teilnehmerzahl, primärer Endpunkt, Herkunft des Ergothioneins und Finanzierung nennt das Abstract nicht; der Volltext wurde nicht gelesen. In einer zweiten randomisierten, placebokontrollierten Studie mit teils denselben Autoren und 100 gesunden 40- bis 64-Jährigen, die nach eher schlechtem Schlaf, höherer Ängstlichkeit und niedrigeren Kognitionswerten ausgewählt waren, verbesserten sich unter reinem L-Ergothionein über 16 Wochen zwei Faktoren eines Schlaffragebogens (Erholsamkeit, Schlafdauer); der als primär angegebene Endpunkt, ein MRT-Index der grauen und weißen Substanz, änderte sich nicht; objektive Schlafmessungen gab es in dieser Studie nicht. Suntory Global Innovation Center finanzierte die Studie mit (dazu eine Förderung der Japan Society for the Promotion of Science), und fünf der acht Autorinnen und Autoren waren dort angestellt [11]. In der ersten Studie mit reinem Ergothionein an Gesunden zeigten Marker für oxidative Schäden und Entzündung (u. a. Allantoin, 8-OHdG, 8-iso-PGF2α, CRP) Abwärtstrends, die überwiegend nicht signifikant waren [2].

Zur Sicherheit stützt sich die Zulassung als neuartiges Lebensmittel auf die EFSA-Bewertung, die den Sicherheitsabstand zwischen der höchsten Dosis ohne schädliche Wirkung im Tierversuch und der geschätzten Aufnahme auch für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende als ausreichend ansah [12]. Die Unionsliste erlaubt synthetisches L-Ergothionein in bestimmten Lebensmitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln mit Höchstgehalten; für Nahrungsergänzungsmittel nimmt sie Schwangere und Stillende aus [13]. Ein Eintrag in der Arzneimittelverschreibungsverordnung besteht nicht [14].

Eingeordnet am Wirkort Zelle mit Mitochondrium, Glutathion-Zyklus, Keap1–Nrf2 und Plasmamembran; in der Abbildung dort nicht gezeichnet: Transporter ETT (OCTN1) nicht in der Szene.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
ETT/OCTN1 (SLC22A4)TransporterBindungHauptsubstrat; Transport > 100-mal effizienter als Tetraethylammonium oder Carnitin (Zellkultur) Labor[1]
3-Mercaptopyruvat-Sulfurtransferase (MPST)EnzymAktivatordirekte Bindung und Aktivierung; mitochondriale Atmung und Trainingsleistung bei Mäusen ↑ Tierversuch[6]
Cystathionin-γ-Lyase (CSE)EnzymBindungalternatives Substrat; H₂S und Protein-Persulfidierung ↑ (C. elegans, Ratte) Tierversuch[5]
TrkB-SignalRezeptorAktivatorindirekt: Phosphorylierung im Hippocampus der Maus (Wiederauffüllung nach ergothioneinfreiem Futter); beim Menschen nur Marker in Serumvesikeln (Extraktstudie) Tierversuch[9]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinemoduliert · Bei Mäusen nach ergothioneinfreiem Futter TrkB-abhängig wiederhergestellte Gedächtnisleistung und Neurogenese; beim Menschen nur ein Marker aus einer Extraktstudie[9]
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechsel↑ · Mehr mitochondriale Atmung, NAD⁺ im Muskel und Ausdauer bei Mäusen und alten Ratten; beim Menschen nicht untersucht[5][6]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativunklar · Wird in Zellen über ETT angereichert; Marker für oxidative Schäden und Entzündung bei Gesunden nur mit überwiegend nicht signifikanten Abwärtstrends[1][2]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · reines (synthetisches) L-Ergothionein

    Wird nach oraler Gabe gut aufgenommen und im Körper zurückgehalten: Plasma- und Vollblutspiegel steigen deutlich, weniger als 4 % erscheinen im Urin [2]. Eine Bioverfügbarkeit in Prozent wurde nicht angegeben.

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • Erste Gabe von reinem Ergothionein an Gesunde (Cheah 2017)

    Interventionsstudie an Gesunden; Design im Abstract nicht näher beschrieben · gesund

    Gemessen: Aufnahme, Kinetik, Marker für oxidative Schäden und Entzündung

    Ergebnis: Spiegel in Plasma und Vollblut deutlich gestiegen, Urinausscheidung < 4 %; Marker mit überwiegend nicht signifikanten Abwärtstrends.[2]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Pilotstudie bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (Yau 2024)

    randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, Pilotstudie · Patienten: leichte kognitive Beeinträchtigung (ab 60 Jahre) · n = 19 · 1 Jahr

    Gemessen: primär laut Register: Aufnahme, Sicherheit, oxidative und Entzündungsmarker; sekundär: Kognition, Neurofilament-Leichtketten

    Ergebnis: Keine Änderung von Sicherheitswerten; besserer Lerntest und stabile Neurofilament-Leichtketten unter Ergothionein, Anstieg unter Placebo.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Schlafstudie mit EEG (Katsube 2022)

    randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, parallel · gesund (Freiwillige mit hoher Ängstlichkeit und Schlafbeschwerden) · 4 Wochen

    Gemessen: Schlaffragebogen, EEG-Schlafstadien, Serummetabolom

    Ergebnis: Weniger Schlafschwierigkeiten im Fragebogen; im EEG N2 ↑, N1 ↓, seltener Aufwachen nach dem Einschlafen. Teilnehmerzahl, primärer Endpunkt, Präparat und Finanzierung im Abstract nicht angegeben.[10]

    Mensch, randomisiert

  • Schlafstudie mit reinem L-Ergothionein (Okumura 2025, Studie 2)

    randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, explorativ · gesund (40–64 Jahre, ausgewählt nach eher schlechtem Schlaf, Ängstlichkeit und Kognitionswerten) · n = 100 · 16 Wochen

    Gemessen: primär: MRT-Index (Brain Healthcare Quotient); weitere: Schlaffragebogen OSA-MA

    Ergebnis: MRT-Index unverändert; Faktoren „Erholsamkeit“ und „Schlafdauer“ besser als unter Placebo. Von Suntory mitfinanziert, fünf von acht Autorinnen und Autoren dort angestellt.[11]

    Mensch, randomisiert

  • Malmö-Kohorte (Smith 2020)

    prospektive Kohorte (Beobachtungsstudie) · gesund (ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes) · n = 3236 · median 21,4 Jahre

    Gemessen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Sterblichkeit nach Plasmaspiegel

    Ergebnis: Höhere Spiegel mit weniger koronarer Herzkrankheit und niedrigerer Herz-Kreislauf- und Gesamtsterblichkeit assoziiert; keine Aussage über Ursache.[7]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Wenige Langzeitdaten beim Menschen

    In der einjährigen Pilotstudie blieben Blutbild, Nieren- und Leberwerte unverändert, die Gruppe war mit 19 Teilnehmenden aber klein [8]. Die Zulassung als neuartiges Lebensmittel beruht auf der EFSA-Bewertung toxikologischer Daten [12].

    Mensch, randomisiert

  • Schwangerschaft und Stillzeit

    Die Unionsliste lässt L-Ergothionein in Nahrungsergänzungsmitteln für die allgemeine Bevölkerung mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden zu [13]; die EFSA hielt die beantragten Verwendungen auch für diese Gruppen für sicher [12]. Studien an Schwangeren wurden nicht gefunden.

    Keine Daten

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Ergothionein ist ein „Langlebigkeitsvitamin““

    Der Begriff ist eine Hypothese aus einer Übersichtsarbeit ohne eigene Interventionsdaten [3]. Längeres Leben ist nur bei männlichen Mäusen und Fadenwürmern gezeigt [4][5]; beim Menschen gibt es nur eine Korrelation mit niedrigerer Sterblichkeit [7]. Nur Abstract geprüft.

  • belegt

    „Der Körper reichert Ergothionein gezielt an“

    Ein spezifischer Transporter (ETT/OCTN1) nimmt es in Zellen auf, Zellen ohne ihn kaum [1]; beim Menschen steigen die Blutspiegel nach Gabe deutlich, und nur ein kleiner Teil wird ausgeschieden [2]. Ob diese Anreicherung eine Schutzfunktion belegt, ist offen. Nur Abstract geprüft.

  • nicht belegt

    „Ergothionein schützt vor Demenz“

    Es gibt nur eine Pilotstudie mit 19 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, in der die Kognition ein sekundärer Endpunkt war [8], und eine Studie mit einem Lebensmittelextrakt [9]. Studien zu Demenz als Endpunkt fehlen. Bei [8] nur Abstract und Registereintrag geprüft.

  • teilweise belegt

    „Ergothionein wirkt im Gehirn über BDNF/TrkB“

    Bei Mäusen hing nur die Wiederherstellung von Gedächtnis und Neurogenese nach ergothioneinfreiem Futter von TrkB ab, eine Verbesserung über den Normalzustand hinaus wurde nicht geprüft; beim Menschen gibt es nur einen Marker (phosphoryliertes TrkB in Serumvesikeln) aus einer Studie mit einem Extrakt [9].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Aktive Aufnahme in Zellen über ETT/OCTN1 [1]; nach oraler Gabe deutlicher Anstieg in Plasma und Vollblut [2].
Halbwertszeit
Wird lange im Körper zurückgehalten; eine Halbwertszeit wurde an den geprüften Abstracts nicht abgelesen.
Abbau
Hercynin und S-Methyl-Ergothionein als mutmaßliche Metaboliten; Urinausscheidung < 4 % [2].
Weg ins Gehirn
Bei Mäusen im Hippocampus nachweisbar und durch Zufuhr wieder auffüllbar [9]; beim Menschen nicht untersucht.

Rechtlicher Status

Deutschland
Kein Eintrag in AMVV Anlage 1 (Abruf 24.10.2026) [14]. Als Lebensmittelzutat gilt die Zulassung als neuartiges Lebensmittel (siehe EU). Nationale Arzneimittelzulassungen nicht an AMIce/PharmNet geprüft.
EU
In der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel als „L-Ergothionein“ zugelassen (synthetisch hergestellt, Spezifikation mit Mindestreinheit), unter anderem für Nahrungsergänzungsmittel mit festgelegten Höchstgehalten; die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln ist für die allgemeine Bevölkerung mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden zugelassen (konsolidierte Fassung vom 10.08.2026, Verwendungsbedingungen zuletzt geändert durch DVO (EU) 2020/1559) [13]. Die EFSA hielt das synthetische L-Ergothionein unter den beantragten Verwendungen auch für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende für sicher [12].
USA
nicht verifiziert

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Verlängert oder verbessert Ergothionein beim Menschen die gesunde Lebensspanne, oder spiegelt der Blutspiegel nur eine pilzreiche, gesunde Ernährung wider?
  • Bestätigt eine größere, unabhängige Studie mit Kognition als primärem Endpunkt den Befund der Pilotstudie?
  • Welcher der beschriebenen Mechanismen (MPST, CSE/H₂S, Antioxidans) trägt beim Menschen?

Referenzen

  1. Gründemann D, Harlfinger S, Golz S, Geerts A, Lazar A, Berkels R, et al. Discovery of the ergothioneine transporter. Proc Natl Acad Sci U S A. 2005;102(14):5256-61. doi:10.1073/pnas.0408624102 · PubMed
  2. Cheah IK, Tang RM, Yew TS, Lim KH, Halliwell B. Administration of Pure Ergothioneine to Healthy Human Subjects: Uptake, Metabolism, and Effects on Biomarkers of Oxidative Damage and Inflammation. Antioxid Redox Signal. 2017;26(5):193-206. doi:10.1089/ars.2016.6778 · PubMed
  3. Ames BN. Prolonging healthy aging: Longevity vitamins and proteins. Proc Natl Acad Sci U S A. 2018;115(43):10836-44. doi:10.1073/pnas.1809045115 · PubMed
  4. Katsube M, Ishimoto T, Fukushima Y, Kagami A, Shuto T, Kato Y. Ergothioneine promotes longevity and healthy aging in male mice. Geroscience. 2024;46(4):3889-909. doi:10.1007/s11357-024-01111-5 · PubMed
  5. Petrovic D, Slade L, Paikopoulos Y, D'Andrea D, Savic N, Stancic A, et al. Ergothioneine improves healthspan of aged animals by enhancing cGPDH activity through CSE-dependent persulfidation. Cell Metab. 2025;37(2):542-556.e14. doi:10.1016/j.cmet.2024.12.008 · PubMed
  6. Sprenger HG, Mittenbühler MJ, Sun Y, Van Vranken JG, Schindler S, Jayaraj A, et al. Ergothioneine controls mitochondrial function and exercise performance via direct activation of MPST. Cell Metab. 2025;37(4):857-869.e9. doi:10.1016/j.cmet.2025.01.024 · PubMed
  7. Smith E, Ottosson F, Hellstrand S, Ericson U, Orho-Melander M, Fernandez C, et al. Ergothioneine is associated with reduced mortality and decreased risk of cardiovascular disease. Heart. 2020;106(9):691-7. doi:10.1136/heartjnl-2019-315485 · PubMed
  8. Yau YF, Cheah IK, Mahendran R, Tang RM, Chua RY, Goh RE, et al. Investigating the efficacy of ergothioneine to delay cognitive decline in mild cognitively impaired subjects: A pilot study. J Alzheimers Dis. 2024;102(3):841-54. Registereintrag NCT03641404. doi:10.1177/13872877241291253 · PubMed · NCT03641404
  9. Ishimoto T, Yamashita R, Matsumoto R, Matsumoto S, Matsuo Y, Nakao S, et al. TrkB phosphorylation in serum extracellular vesicles correlates with cognitive function enhanced by ergothioneine in humans. NPJ Sci Food. 2024;8(1):11. doi:10.1038/s41538-024-00250-5 · PubMed
  10. Katsube M, Watanabe H, Suzuki K, Ishimoto T, Tatebayashi Y, Kato Y, et al. Food-derived antioxidant ergothioneine improves sleep difficulties in humans. J Funct Foods. 2022;95:105165. doi:10.1016/j.jff.2022.105165
  11. Okumura H, Araragi Y, Nishioka K, Yamashita R, Suzuki T, Watanabe H, et al. Estimation and Validation of an Effective Ergothioneine Dose for Improved Sleep Quality Using Physiologically Based Pharmacokinetic Model. Food Sci Nutr. 2025;13(6):e70382. doi:10.1002/fsn3.70382 · PubMed
  12. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA), Turck D, Bresson JL, Burlingame B, Dean T, Fairweather-Tait S, et al. Statement on the safety of synthetic l-ergothioneine as a novel food – supplementary dietary exposure and safety assessment for infants and young children, pregnant and breastfeeding women. EFSA J. 2017;15(11):e05060. doi:10.2903/j.efsa.2017.5060 · PubMed
  13. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810).
  14. Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5), zuletzt geändert durch Art. 1 der Verordnung vom 19.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 24.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Abstracts über PubMed (efetch) gelesen; DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py aufgelöst.
  • Am Abstract: ETT/OCTN1 transportiert Ergothionein > 100-mal effizienter als TEA und Carnitin, Zellen ohne Transporter reichern nicht an [1]; Plasma- und Vollblutanstieg, Urinausscheidung < 4 %, Hercynin und S-Methyl-Ergothionein, Marker überwiegend nicht signifikant [2]; Hypothese „longevity vitamins“ ohne eigene Daten [3]; längeres Leben bei männlichen Mäusen und C. elegans [4]; C. elegans, alte Ratten, CSE, cGPDH, NAD⁺ [5]; MPST als direktes Ziel, Maus [6]; 3236 Personen, median 21,4 Jahre, HR 0,85/0,79/0,86 je SD [7]; n = 19, ein Jahr, RAVLT und NfL [8]; p-TrkB in Serumvesikeln, Mausdaten TrkB-abhängig [9].
  • Registereintrag NCT03641404 bei ClinicalTrials.gov abgerufen: primäre Endpunkte Aufnahme, Sicherheit, oxidative und Entzündungsmarker; NfL und Kognition sekundär; Sponsor National University Hospital Singapore [8].
  • Volltext Ishimoto 2024 (PMC10847428): Die Humanproben stammen aus einer früheren randomisierten Studie mit Tabletten aus einem Lebensmittelextrakt bei Gesunden und Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung [9].
  • Volltext Okumura 2025 (PMC12138820): Studie 2 mit 100 randomisierten Gesunden (40–64 Jahre, Auswahl nach Schlaf, Ängstlichkeit, Kognition), reines L-Ergothionein, primärer Endpunkt BHQ unverändert, OSA-MA-Faktoren IV und V signifikant besser, 92 im Fragebogen ausgewertet; fünf Autorinnen und Autoren bei Suntory angestellt [11].
  • EFSA-Statement 2017 (Abstract, Europe PMC): Sicherheitsabstände für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende ausreichend [12].
  • Unionsliste, konsolidierte Fassung 10.08.2026 über Cellar (XHTML) gelesen: Eintrag „L-Ergothionein“ mit Spezifikation (synthetisch), Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln für die allgemeine Bevölkerung ausgenommen Schwangere und Stillende, Änderungsvermerk M52 = DVO (EU) 2020/1559 [13].
  • AMVV Anlage 1 am 24.10.2026 bei gesetze-im-internet.de abgerufen: kein Eintrag „Ergothionein“ [14].
  • Gegenprüfung 25.10.2026: Katsube 2022 (Abstract über OpenAlex, Metadaten über Crossref, nicht in PubMed): randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind, parallel, vier Wochen, Freiwillige mit hoher Ängstlichkeit und Schlafbeschwerden; Fragebogen besser, EEG N2 ↑, N1 ↓, WASO-Häufigkeit ↓ [10]. Okumura 2025 (PMC12138820): Funding „Japan Society for the Promotion of Science, 22H02781; Suntory Global Innovation Center Ltd.“, Danksagung „funded by Suntory Global Innovation Center“; COI: H.O., K.N., H.W., T.S., N.M. bei Suntory angestellt [11]. Ishimoto 2024 (Abstract): Mäuse mit ergothioneinfreiem Futter, Ergänzung bis zum Spiegel des Kontrollfutters, Erholung TrkB-abhängig [9]. Smith 2020 (Abstract): mediane Nachbeobachtung 21,4 Jahre [7].
  • 25.10.2026: Entscheidung q094 umgesetzt, klasse „Sonstiges“ → „Aminosäure/Vorstufe“ (Histidinderivat; Klassendefinition im Leitfaden). q012: Bewertungen, die nur auf Abstracts beruhen, sind in den Begründungen als „nur Abstract geprüft“ gekennzeichnet; Volltexte gelesen: [9], [11]. q056: Referenznummerierung nachgeprüft: Referenzen 1–14 in Reihenfolge der Erstnennung in wirkweise_text, alle Zitate in Versprechen, Behauptungen, Studien, ziele, systeme und evmap verweisen auf vorhandene Referenzen, die Zuordnung der Zitate passt zu Titeln und den in pruefung notierten Abstract- und Volltextangaben; kein Befund, keine Änderung. q107: verwandt → pqq „gleiche Klasse“ bestätigt.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Bremst den geistigen Abbau im Alter“ → kleine_studien: [8] n = 19 (Abstract); [9] zählt laut Begründung nicht für den Reinstoff.

Nicht verifiziert

  • Design (Randomisierung, Placebo) und Teilnehmerzahl der Studie Cheah 2017: im Abstract nicht angegeben, Volltext nicht zugänglich.
  • Die japanische Kognitionsstudie mit dem Lebensmittelextrakt (Jpn Pharmacol Ther 2020) wurde nicht selbst gelesen. Von Katsube 2022 [10] war nur das Abstract zugänglich (Volltext beim Verlag nur mit Captcha): Teilnehmerzahl, primärer Endpunkt, Präparat (rein oder Extrakt) und Finanzierung sind offen.
  • Das Basisgutachten der EFSA von 2016 (Ergoneine) wurde nicht gelesen; die Sicherheitsaussage stützt sich auf das Statement von 2017.
  • Status in den USA und nationale Arzneimittelzulassungen (AMIce) nicht geprüft.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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