Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Beruhigt den entzündeten Darm (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
nicht untersuchtVier Mausmodelle zeigen weniger Entzündung und schnellere Erholung [4][5], ein Nanopartikel-Ansatz zusätzlich bessere Schleimhautheilung [7]. Beim Menschen gibt es keine Studie; ClinicalTrials.gov führt keinen Eintrag zu KPV.[4][5]
Hemmt Entzündungen im ganzen Körper
nicht untersuchtMengenabhängig weniger Ohrschwellung bei Mäusen [1] und Hemmung von NF-κB und MAPK in menschlichen Zellen [4]; keine Studie an Menschen.
Wirkt gegen Bakterien und Pilze
nicht untersuchtIm Laborversuch hemmten α-MSH und KPV Staphylococcus aureus und Candida albicans [2]; eine Anwendung am Menschen wurde nicht untersucht.
Beschleunigt die Wundheilung der Haut
nicht untersuchtFür die Haut wurden nur Signalwege in Keratinozyten untersucht [3]; eine Übersicht nennt bessere Epithelheilung ausdrücklich als präklinischen Befund [8]. Keine Studie am Menschen gefunden.
Wirkweise
Evidenzkarte: KPV
KPV (Lysin-Prolin-Valin) ist das C-terminale Ende des Melanocortin-Hormons α-MSH. Schon 1989 zeigte eine Arbeit an Mäusen, dass dieses Tripeptid die Ohrschwellung nach einem Reizstoff mengenabhängig verringert, ähnlich wie ein hochdosiertes Kortikosteroid [1]. Später kam heraus, dass α-MSH und KPV auch Keime hemmen: In Zellversuchen verringerten sie das Koloniewachstum von Staphylococcus aureus und die Lebensfähigkeit des Hefepilzes Candida albicans, möglicherweise über einen Anstieg des Botenstoffs cAMP in den Mikroben; die Abtötung durch menschliche Neutrophile wurde nicht geschwächt, sondern verstärkt [2].
Welcher Rezeptor dahintersteckt, ist offen. In menschlichen Keratinozyten löste KPV keinen cAMP-Anstieg aus, wohl aber kurze Kalziumsignale; in Zellen, die den Melanocortin-Rezeptor MC1 künstlich tragen, erhöhten α-MSH und KPV das Kalzium [3]. Dass die Entzündungshemmung nicht allein über MC1 läuft, zeigt ein Mausversuch, der weiter unten beschrieben ist.
Der am besten belegte Weg führt über den Peptidtransporter PepT1. In menschlichen Darmepithel- und T-Zellen wird KPV über PepT1 aufgenommen und hemmt dort schon in nanomolaren Konzentrationen die Entzündungssignalwege NF-κB und MAPK, womit die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe sinkt; über das Trinkwasser gegeben verringerte es bei Mäusen zwei Formen künstlich erzeugter Darmentzündung [4]. Eine zweite Gruppe bestätigte das in zwei weiteren Mausmodellen: schnellere Erholung, weniger Gewichtsverlust, weniger entzündliche Infiltrate und geringere Myeloperoxidase-Aktivität im Darm; bei Mäusen ohne funktionierenden MC1-Rezeptor wirkte KPV ebenfalls, der Effekt ist also mindestens teilweise unabhängig von diesem Rezeptor [5]. In einem Modell für entzündungsbedingten Darmkrebs verringerte KPV Zahl und Größe der Tumoren, aber nur bei Tieren mit PepT1; ohne den Transporter blieb die Wirkung aus [6]. Weil KPV im Darm rasch verschwindet, wurde es in Nanopartikel mit Hyaluronsäure verpackt, die es gezielt in Darmzellen und Makrophagen bringen; in Mäusen heilte die Schleimhaut damit besser und TNF-α sank stärker als mit einfachen Partikeln [7].
Eine Übersicht fasst den Stand nüchtern zusammen: Die Hinweise auf Schutz der Darmschleimhaut, bessere Heilung und Entzündungshemmung stammen überwiegend aus präklinischen Modellen [8]. In der Sport- und Bodybuilding-Szene wird KPV neben anderen Peptiden für Regeneration und Entzündungshemmung beworben, laut einer kritischen Übersicht ohne belastbare klinische Daten und mit dem Risiko falsch deklarierter oder verunreinigter Produkte [9]. Die FDA sieht bei Rezepturen mit KPV mögliche erhebliche Sicherheitsrisiken, weil ihr keinerlei Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen; die Nominierung als Rezeptur-Ausgangsstoff wurde zurückgezogen [10].
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Nährstoff aus der Nahrung gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte) Hemmstoff gebunden Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein
Normalzustand
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): Ausgangslage
KPV
Aufnahme in dieser Zelle (Modell): mehr
Beide Felder zeigen dieselbe Zelle, links ohne, rechts mit dem gewählten Wirkstoff. Wort und Balken unter den Feldern zeigen ohne Zahl nur die Richtung (z. B. weniger Glucose bei gehemmten Enzymen, mehr Aufnahmen, wenn der Wirkstoff selbst aufgenommen wird). Das Teilchenmodell ist illustrativ, keine Messung, und sagt nichts über das Ausmaß beim Menschen.
PepT1 ist ein Protonen-gekoppelter Symporter für nahezu alle Di- und Tripeptide, nicht für freie Aminosäuren oder längere Peptide [13]. Das Tripeptid KPV (Lys-Pro-Val) wird in Darmepithel- und T-Zellen über PepT1 aufgenommen und hemmt dort NF-κB- und MAPK-Signale; bei Mäusen milderte es künstlich erzeugte Darmentzündungen [14]. Ohne PepT1 wirkte KPV im Tumormodell nicht [15]. Daten am Menschen fehlen.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- Magnesiumglycinat: Aufnahme über den Dipeptidweg im Profil nur vermutet
- Nicotinamidmononukleotid (NMN): vorgeschlagener Transporter Slc12a8 umstritten
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Peptidtransporter PepT1 (SLC15A1) | Transporter | Bindung | Aufnahme in Darmepithel- und Immunzellen; ohne PepT1 keine Wirkung im Tumormodell | Tierversuch[4][6] |
| NF-κB-Signalweg | Signalweg | Hemmer | Hemmung bereits in nanomolaren Konzentrationen (menschliche Zelllinien) | Labor[4] |
| MAP-Kinase-Signalweg | Signalweg | Hemmer | Hemmung in menschlichen Darmepithel- und T-Zellen | Labor[4] |
| Melanocortin-Rezeptor MC1 | Rezeptor | Bindung | Kalziumsignale in MC1-tragenden Zellen, aber kein cAMP-Anstieg in Keratinozyten; Wirkung im Mausmodell auch ohne MC1 | Labor[3][5] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativEntzündungssignalwege in menschlichen Zellen gehemmt; weniger Darmentzündung in vier Mausmodellen[4][5]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Trinklösung (Tierversuch)
Über das Trinkwasser verabreicht wirkte KPV bei Mäusen gegen Darmentzündung [4]; die Aufnahme in die Zellen läuft über PepT1 [4]. Beim Menschen nicht untersucht.
Tierversuch
Oral (geschluckt) · Nanopartikel mit Hyaluronsäure in einem Hydrogel (Tierversuch)
Die Verpackung soll KPV gezielt in Darmzellen und Makrophagen bringen; im Mausmodell wirkte sie besser als einfache Partikel [7].
Tierversuch
Studien am Menschen
Keine Studien am Menschen gefunden.
Risiken und Warnhinweise
Keine Humandaten
Es gibt keine Studie am Menschen, also auch keine Daten zu Nebenwirkungen, Verträglichkeit oder Langzeitfolgen [8].
Keine Daten
Keine Arzneimittelzulassung
KPV ist nirgends als Arzneimittel zugelassen; die FDA sieht bei Rezepturen mögliche erhebliche Sicherheitsrisiken, weil keine Humandaten vorliegen [10].
Keine Daten
Unkontrollierte Produkte im Sport- und Fitnessmarkt
Eine kritische Übersicht nennt KPV unter den Peptiden, die ohne klinische Belege für Regeneration und Entzündungshemmung beworben werden, und verweist auf häufig falsch deklarierte oder verunreinigte Ware [9].
Keine Daten
Theoretische Fragen zur Immunhemmung
Da KPV Entzündungssignalwege dämpft [4], ist offen, wie sich eine längere Anwendung auf die Infektabwehr auswirkt; im Laborversuch war die Abtötung von Keimen durch Neutrophile allerdings nicht geschwächt [2].
Labor
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„KPV heilt Darmentzündungen“
Die Wirkung ist in vier Mausmodellen gezeigt [4][5], beim Menschen nicht untersucht [8].
- nicht belegt
„KPV ist das wirksame Stück von α-MSH und wirkt deshalb wie das Hormon, aber ohne Nebenwirkungen“
KPV trägt die entzündungshemmende Kernsequenz [1], wirkt aber offenbar hauptsächlich über PepT1 und nicht über die Melanocortin-Rezeptoren [4][5]; Nebenwirkungen beim Menschen sind unbekannt.
- teilweise belegt
„KPV wirkt antibakteriell und antiviral“
Gegen Staphylococcus aureus und Candida albicans ist eine Hemmung im Labor gezeigt [2]; zu Viren wurde keine Arbeit gefunden.
- nicht belegt
„KPV ist ein sicheres, natürliches Peptid“
Es ist zwar ein körpereigenes Bruchstück, aber beim Menschen nie untersucht; Produkte stammen aus Rezepturen oder dem Graumarkt [8][9].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Aufnahme in Zellen über den Peptidtransporter PepT1 [4]; beim Menschen nicht untersucht.
- Halbwertszeit
- Nicht verifiziert.
- Abbau
- Nicht verifiziert.
- Weg ins Gehirn
- Nicht verifiziert.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Keine Zulassung bekannt; nicht in Registern geprüft.
- EU
- Keine Zulassung bekannt; nicht in Registern geprüft.
- USA
- Nicht als Arzneimittel zugelassen. Die FDA führt KPV unter den Ausgangsstoffen für Apothekenrezepturen, die zuvor in Kategorie 2 (mögliche erhebliche Sicherheitsrisiken) standen und deren Nominierung zurückgezogen wurde; ihr liegen keine Daten zur Anwendung beim Menschen vor [10].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Wirkt KPV auch beim Menschen auf die Darmschleimhaut, und in welcher Darreichungsform?
- Welcher Rezeptor oder Mechanismus vermittelt die Wirkung außerhalb des Darms, wo PepT1 kaum vorkommt?
- Wie schnell wird das Tripeptid im Körper abgebaut?
- Hat eine längere Hemmung von NF-κB Folgen für die Infektabwehr?
Referenzen
- Hiltz ME, Lipton JM. Antiinflammatory activity of a COOH-terminal fragment of the neuropeptide alpha-MSH. FASEB J. 1989;3(11):2282–4. PubMed
- Cutuli M, Cristiani S, Lipton JM, Catania A. Antimicrobial effects of alpha-MSH peptides. J Leukoc Biol. 2000;67(2):233–9. doi:10.1002/jlb.67.2.233 · PubMed
- Elliott RJ, Szabo M, Wagner MJ, Kemp EH, MacNeil S, Haycock JW. Alpha-melanocyte-stimulating hormone, MSH 11-13 KPV and adrenocorticotropic hormone signalling in human keratinocyte cells. J Invest Dermatol. 2004;122(4):1010–9. doi:10.1111/j.0022-202X.2004.22404.x · PubMed
- Dalmasso G, Charrier-Hisamuddin L, Nguyen HT, Yan Y, Sitaraman S, Merlin D. PepT1-mediated tripeptide KPV uptake reduces intestinal inflammation. Gastroenterology. 2008;134(1):166–78. doi:10.1053/j.gastro.2007.10.026 · PubMed
- Kannengiesser K, Maaser C, Heidemann J, Luegering A, Ross M, Brzoska T, et al. Melanocortin-derived tripeptide KPV has anti-inflammatory potential in murine models of inflammatory bowel disease. Inflamm Bowel Dis. 2008;14(3):324–31. doi:10.1002/ibd.20334 · PubMed
- Viennois E, Ingersoll SA, Ayyadurai S, Zhao Y, Wang L, Zhang M, et al. Critical role of PepT1 in promoting colitis-associated cancer and therapeutic benefits of the anti-inflammatory PepT1-mediated tripeptide KPV in a murine model. Cell Mol Gastroenterol Hepatol. 2016;2(3):340–57. doi:10.1016/j.jcmgh.2016.01.006 · PubMed
- Xiao B, Xu Z, Viennois E, Zhang Y, Zhang Z, Zhang M, et al. Orally targeted delivery of tripeptide KPV via hyaluronic acid-functionalized nanoparticles efficiently alleviates ulcerative colitis. Mol Ther. 2017;25(7):1628–40. doi:10.1016/j.ymthe.2016.11.020 · PubMed
- Renke G, Chinellato L. Therapeutic peptides in aesthetic, metabolic and endocrine conditions: effects, safety, clinical applications, and future perspectives. Int J Mol Sci. 2026;27(9):3890. doi:10.3390/ijms27093890 · PubMed
- Coutinho LFD, de Oliveira Neves LF, Camilo RP. A new era of doping? Use of peptide and peptide-analog drugs in recreational and professional sport and bodybuilding: a critical review. J Sports Med Phys Fitness. 2026;66(7):880–5. doi:10.23736/S0022-4707.26.17773-1 · PubMed
- U.S. Food and Drug Administration. Certain bulk drug substances for use in compounding that may present significant safety risks [Internet]. Silver Spring (MD): FDA; [aktualisiert 22.04.2026; abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.fda.gov/drugs/human-drug-compounding/certain-bulk-drug-substances-use-compounding-may-present-significant-safety-risks
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Lokale Prüfung am 24.10.2026: FDA-Seite „Certain bulk drug substances … significant safety risks“ (Stand 22.04.2026) gelesen: KPV steht in der Tabelle „nominated but withdrawn“ (zuvor Kategorie 2, Nominierung zurückgezogen), Begründung fehlende Humandaten [10]. Die frühere Angabe „zugelassener Ausgangsstoff auf der 503A-Liste“ nach [8] war falsch und wurde ersetzt.
- Alle Abstracts über PubMed (XML) gelesen, DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py abgeglichen; [1] hat in PubMed keine DOI.
- Kernzahlen an Abstracts: mengenabhängige Hemmung der Ohrschwellung bei Mäusen, Vergleich mit Kortikosteroid [1]; Hemmung von Staphylococcus aureus und Candida albicans, cAMP-Beteiligung, verstärkte Abtötung durch Neutrophile [2]; kein cAMP-Anstieg, aber Kalziumsignale in Keratinozyten und MC1-transfizierten Zellen [3]; nanomolare Hemmung von NF-κB und MAPK, PepT1-Aufnahme, DSS- und TNBS-Kolitis [4]; zwei Mausmodelle, weniger Myeloperoxidase, Wirkung auch bei MC1-defekten Tieren [5]; Tumorzahl und -größe nur mit PepT1 geringer [6]; Nanopartikel (≈ 272 nm), bessere Heilung und weniger TNF-α [7].
- Im Volltext (PMC13164565): KPV als präklinisch untersuchtes Peptid mit PepT1-Aufnahme und NF-κB/MAPK-Hemmung [8]. Die dortige Angabe, KPV stehe seit 2023 als zugelassener Rezepturstoff auf der FDA-Liste 503A, widerspricht der FDA-Seite und wird nicht mehr verwendet.
- ClinicalTrials.gov: 0 Einträge zu „KPV“ (23.10.2026); PubMed-Suchen nach Humanstudien („KPV peptide humans clinical trial“, „KPV wound healing skin topical“) brachten keine passenden Treffer.
Nicht verifiziert
- Rechtlicher Status in Deutschland und der EU nicht in Registern geprüft.
- Von [8] und [9] wurden nur die Abschnitte zu KPV bzw. zur Vermarktung gelesen.
- Pharmakokinetik beim Menschen: keine Quelle gefunden.
- Ob KPV in Hautpräparaten oder Nasensprays überhaupt aufgenommen wird: keine Studie gefunden.
- Reinheit und Zusammensetzung der im Internet verkauften Produkte: keine Analyse speziell zu KPV gefunden.
- Dopingstatus nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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