Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Wirkweise
Evidenzkarte: R-Phenylpiracetam
Phenylpiracetam wird als Racemat verwendet. Im Vergleich der Enantiomere bei Mäusen steigerten beide die Bewegungsaktivität, eine Verbesserung im passiven Vermeidungstest zeigte aber nur die R-Form, obwohl beide gleich stark ins Gehirn gelangten [1].
Der am besten belegte Angriffspunkt ist der Dopamintransporter. In Labortests und Mikrodialyse war MRZ-9547 ein selektiver Hemmer des Dopamintransporters, der die Dopaminfreisetzung im Striatum von Ratten mäßig steigerte; das andere Enantiomer (MRZ-9546) hemmte deutlich schwächer [2]. Bei Ratten erhöhte MRZ-9547 dosisabhängig die Bereitschaft, für Futter Arbeit zu leisten, und zwar stärker als Methylphenidat, Modafinil oder d-Amphetamin im selben Test [2]. In Parkinson-Modellen bei Ratten milderte es eine durch Haloperidol oder Monoamin-Entleerung ausgelöste Bewegungsarmut und verstärkte die Wirkung von L-DOPA; es gelangte gut ins Gehirn [3]. Eine Übersichtsarbeit beziffert die Affinität zum Dopamintransporter auf den niedrigen mikromolaren Bereich [4].
In einem breiten Radioliganden-Screening war der Dopamintransporter das einzige bedeutsame Ziel von R-Phenylpiracetam; bei Mäusen dämpfte es nach Endotoxin-Gabe Entzündungsgene im Gehirn und verringerte Entzündung und Schmerzreaktion in Pfotenmodellen [5]. Auch das S-Enantiomer wird als selektiver Dopamintransporter-Hemmer beschrieben, steigerte bei übergewichtigen Nagern aber die Bewegungsaktivität nicht [6]. Fast alle Daten stammen aus zwei Arbeitsgruppen, einer davon beim Hersteller.
Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.
Synthese → VMAT2 → Freisetzung · DAT holt Dopamin zurück · D1: cAMP ↑, D2: cAMP ↓
- DAT
- Wiederaufnahme
- NET
- Wiederaufnahme
- SERT
- WiederaufnahmeNebenfeld
- Synthese (TH, AADC)
- läuft
- Dopamin im Spalt (Modell)
- Ausgangslageillustrativ
DAT: 5 von 10 von Modafinil gesperrt · NET schwächer · Dopamin bleibt länger
- DAT
- gehemmtIC50 6,4 µM; PET ≈ 54 % (n = 10)
- NET
- schwächer gehemmtIC50 35,6 µM
- SERT
- praktisch nichtIC50 über 500 µM
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- mehrRichtung laut PET-Studie
DAT: 6 von 10 von Methylphenidat gesperrt · NET gesperrt · Dopamin bleibt länger
- DAT
- gehemmtPET ≈ 60 % (n = 10)
- NET
- gehemmtPET am NET; ED50 unter DAT-Literaturwert
- SERT
- unverändert
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- mehrRichtung laut PET-Studie
DAT: von Armodafinil gesperrt (Anteil illustrativ) · Dopamin bleibt länger
- DAT
- gehemmt≈ 3-fach affiner als S-Modafinil (Zellen)
- NET
- nicht gezeigt
- SERT
- nicht gezeigt
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- mehrMikrodialyse, Maus
DAT: von Phenylpiracetam gesperrt (Anteil illustrativ) · nur Labor- und Tierdaten
- DAT
- gehemmtScreening, Zellen und Tier
- NET
- nicht gezeigt
- SERT
- nicht gezeigt
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- etwas mehrabgeleitet, nicht gemessen
DAT: von R-Phenylpiracetam gesperrt (Anteil illustrativ) · Dopamin etwas mehr
- DAT
- gehemmtselektiv (Ratte)
- NET
- nicht gezeigt
- SERT
- nicht gezeigt
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- etwas mehr„mäßig“, Mikrodialyse, Ratte
DAT: von Bromantan gesperrt (Anteil illustrativ) · TH und AADC: Expression ↑
- DAT
- gehemmtIC50 3,56 µM (Ratte)
- NET
- nicht gezeigt
- SERT
- nicht gehemmtRatte
- Synthese (TH, AADC)
- Expression ↑Ratte
- Dopamin im Spalt (Modell)
- etwas mehrex vivo, Ratte
NET: von Atomoxetin gesperrt, Noradrenalin bleibt länger · SERT gebunden · DAT kaum · Dopamin hier unverändert
- DAT
- kaumKi 1451 nM
- NET
- gehemmtKi 5 nM; Noradrenalin ↑ (präfrontaler Kortex, Ratte)
- SERT
- gebundenKi 77 nM; Serotonin unverändert (Ratte)
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- unverändertStriatum, Ratte
SERT: DMT gebunden (Nebenfeld) · dopaminerge Synapse unverändert
- DAT
- nicht gezeigt
- NET
- nicht gezeichnetlaut Studie teilweise; nicht im Profil
- SERT
- WechselwirkungZellsystem; Art offen
- Synthese (TH, AADC)
- unverändert
- Dopamin im Spalt (Modell)
- unverändertkeine Wirkung gezeichnet
Dopamin Noradrenalin Serotonin cAMP Wirkstoff Kreuz = Transporter gesperrt
Normalzustand
Dopamin im Spalt (Modell): Ausgangslage
R-Phenylpiracetam
Dopamin im Spalt (Modell): etwas mehr
Das Feld „Normalzustand“ läuft ohne Wirkstoff, das zweite mit dem gewählten Wirkstoff; beide mit derselben Freisetzung. Wort und Balken unter den Feldern zeigen ohne Zahl nur die Richtung: laut Studienlage, bei Phenylpiracetam (Racemat) aus der DAT-Hemmung abgeleitet, weil die Quellen des Profils dort kein Dopamin gemessen haben. Das Teilchenmodell ist illustrativ, keine Messung, und sagt nichts über das Ausmaß beim Menschen.
Für R-Phenylpiracetam war der DAT in einem Radioliganden-Screening das einzige bedeutsame Ziel [23]. Unter dem Namen MRZ-9547 war es in Labortests ein selektiver DAT-Hemmer und steigerte in der Mikrodialyse die Dopaminfreisetzung im Striatum von Ratten mäßig; das andere Enantiomer hemmte deutlich schwächer [24]. Nur Labor- und Tierdaten; der Anteil gesperrter Transporter ist illustrativ.
Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.
Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet
- Flmodafinil: DAT-Hemmung nur aus unveröffentlichten Auftragsdaten (Evidenzstufe 0)
- Safran: am SERT nur eine Computersimulation (Docking), keine gemessene Bindung oder Hemmung
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Dopamintransporter (DAT) | Transporter | Hemmer | Affinität im niedrigen mikromolaren Bereich (laut Übersicht); einziges bedeutsames Ziel im Radioliganden-Screening | Labor[2][4][5] |
Wirkprofil
- Dopaminhemmt den Dopamintransporter, mäßig mehr Dopamin im Striatum der Ratte (Mikrodialyse)[2]
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativweniger TNF-α, IL-1β und iNOS im Gehirn nach Endotoxin (Maus)[5]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Studien am Menschen
Keine Studien am Menschen gefunden.
Risiken und Warnhinweise
Fehlende Sicherheitsdaten
Ergebnisse der Phase-I-Studie sind nur als Kongressbeitrag erschienen [4]; geprüfte Sicherheitsdaten am Menschen fehlen.
Keine Daten
Stimulierende Wirkung
Steigerte bei Mäusen die Bewegungsaktivität [1] und bei Ratten die Dopaminfreisetzung [2]; das Missbrauchspotenzial wurde in den geprüften Quellen nicht untersucht.
Tierversuch
Wechselwirkungen
- L-DOPA: Verstärkte bei Ratten mit Parkinson-Modell die Wirkung einer wirksamen L-DOPA-Gabe, ohne pharmakokinetische Wechselwirkung und ohne die Dyskinesien zu verstärken [3].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- teilweise belegt
„R-Phenylpiracetam ist die wirksame Form des Phenylpiracetams“
Bei Mäusen verbesserte nur die R-Form das Gedächtnis, Bewegung und Antidepressiva-Test sprachen aber auf beide Formen an [1]; am Dopamintransporter war die R-Form deutlich stärker [2]. Daten am Menschen fehlen.
- nicht belegt
„R-Phenylpiracetam steigert Fokus und Motivation bei Gesunden“
Mehr Anstrengungsbereitschaft nur bei Ratten [2]; keine veröffentlichte Studie am Menschen.
- belegt
„R-Phenylpiracetam ist ein Dopamin-Wiederaufnahmehemmer“
In mehreren Labor- und Tierstudien als selektiver Dopamintransporter-Hemmer gezeigt [2][4][5]; die Stufe gilt für das Labor, nicht für den Menschen.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Bei Mäusen nach Injektion und oraler Gabe nach 15 Minuten im Gehirn nachweisbar [5].
- Halbwertszeit
- Beim Menschen nicht veröffentlicht.
- Abbau
- In den geprüften Quellen nicht beschrieben.
- Weg ins Gehirn
- Gute Hirngängigkeit bei Ratten (Mikrodialyse) [3] und Mäusen [5].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- nicht verifiziert; als MRZ-9547 von einem deutschen Hersteller präklinisch untersucht [3].
- EU
- nicht verifiziert.
- USA
- nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Eine Phase-I-Studie bei Gesunden wurde laut einer Übersichtsarbeit durchgeführt, die Ergebnisse liegen nur als Kongressbeitrag vor [4]. Das Racemat Phenylpiracetam steht auf der WADA-Verbotsliste [7]; ob das Enantiomer ausdrücklich erfasst ist, wurde nicht geprüft.
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Welche Ergebnisse hatte die Phase-I-Studie, und warum wurde die Entwicklung nicht fortgesetzt?
- Wie hoch ist das Missbrauchspotenzial im Vergleich zu anderen Dopamintransporter-Hemmern?
- Lassen sich die Befunde von unabhängigen Gruppen bestätigen?
Referenzen
- Zvejniece L, Svalbe B, Veinberg G, Grinberga S, Vorona M, Kalvinsh I, et al. Investigation into stereoselective pharmacological activity of phenotropil. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2011;109(5):407–12. doi:10.1111/j.1742-7843.2011.00742.x · PubMed
- Sommer S, Danysz W, Russ H, Valastro B, Flik G, Hauber W. The dopamine reuptake inhibitor MRZ-9547 increases progressive ratio responding in rats. Int J Neuropsychopharmacol. 2014;17(12):2045–56. doi:10.1017/S1461145714000996 · PubMed
- Dekundy A, Mela F, Hofmann M, Danysz W. Effects of dopamine uptake inhibitor MRZ-9547 in animal models of Parkinson's disease. J Neural Transm (Vienna). 2015;122(6):809–18. doi:10.1007/s00702-014-1326-8 · PubMed
- Huot P, Fox SH, Brotchie JM. Monoamine reuptake inhibitors in Parkinson's disease. Parkinsons Dis. 2015;2015:609428. doi:10.1155/2015/609428 · PubMed
- Zvejniece L, Zvejniece B, Videja M, Stelfa G, Vavers E, Grinberga S, et al. Neuroprotective and anti-inflammatory activity of DAT inhibitor R-phenylpiracetam in experimental models of inflammation in male mice. Inflammopharmacology. 2020;28(5):1283–92. doi:10.1007/s10787-020-00705-7 · PubMed
- Zvejniece L, Svalbe B, Vavers E, Makrecka-Kuka M, Makarova E, Liepins V, et al. S-phenylpiracetam, a selective DAT inhibitor, reduces body weight gain without influencing locomotor activity. Pharmacol Biochem Behav. 2017;160:21–9. doi:10.1016/j.pbb.2017.07.009 · PubMed
- Pokrywka A, Surała O, Grabowska K, Przybyła M, Granda D, Małecki A, et al. “Brain doping” substances: prohibited or not in sports? Biol Sport. 2025;42(4):189–201. doi:10.5114/biolsport.2025.150047 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle 7 DOIs über Crossref und alle 7 PMIDs über PubMed aufgelöst (Prüfskript).
- Identität: MRZ-9547 = d-(2-(2-Oxo-4(R)-phenylpyrrolidin-1-yl)-acetamid laut Abstract [3]; Herstelleranschrift Merz Pharmaceuticals in [3].
- Kernaussagen an Abstracts: nur R-Form verbessert Gedächtnis, gleiche Hirnkonzentration [1]; selektiver DAT-Hemmer, mäßige Dopaminfreisetzung, MRZ-9546 schwächer, stärker als Methylphenidat im Test [2]; gute Hirngängigkeit, keine PK-Interaktion mit L-DOPA [3]; DAT einziges Ziel, Hirngewebe nach 15 min [5]; S-Form ohne Bewegungssteigerung [6].
- Im Volltext von [4]: Affinität „in the low micromolar range“; Phase-I-Studie als Kongressbeitrag (Mov Disord 2014;29 Suppl 1:S143) zitiert. Im Volltext von [7]: Phenylpiracetam unter S6.A.
- ClinicalTrials.gov: 0 Einträge zu MRZ-9547 und R-Phenylpiracetam (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Genaue Hemmkonstante am Dopamintransporter (nur „low micromolar“ laut Übersicht [4]; die Originalwerte stehen nicht in den Abstracts).
- Ergebnisse der Phase-I-Studie (nur Kongressbeitrag, nicht gelesen).
- Rechtsstatus des reinen Enantiomers in Deutschland, der EU und den USA; Erfassung auf der WADA-Liste.
- Ob „R-Phenylpiracetam“ in Online-Angeboten tatsächlich enantiomerenrein ist.
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