Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Für eine gesunde Schilddrüse

    nur bei Kranken belegt

    Schilddrüse · gesund · Mensch, nicht randomisiert

    Jodmangel gilt hier als Befund an Kranken. Formspezifisch gibt es nur nicht randomisierte Studien in Jodmangelgebieten: Trinkwasserjodierung mit Natriumiodid senkte den Kropfanteil in Malaysia (mit Kontrolldorf), im Sudan und in der Zentralafrikanischen Republik [5][6][7]; historisch der Akron-Versuch, nur aus einem Rückblick bekannt [4]. Klinischer Endpunkt ist der Kropf; Urinjod, TSH und Thyroxin sind Marker (eigenes Versprechen). Für ausreichend versorgte Gesunde wurden keine Studien gefunden, für sie lautet das Ergebnis „nicht untersucht“. RCTs mit Kaliumiodid (siehe dort) zählen hier nicht.[5][6][7]

  • Verbessert den Jodstatus (nur Marker)

    nur bei Kranken belegt

    Schilddrüse · Patienten: Jodmangel (Dorfbevölkerungen mit endemischem Kropf) · Mensch, nicht randomisiert

    Nur Marker: Nach Trinkwasserjodierung mit Natriumiodid stieg das Urinjod in allen drei Studien deutlich [5][6][7]; im Sudan sank zusätzlich der Anteil erhöhter TSH-Werte, und das mittlere Thyroxin stieg [6]. Vorher-nachher-Vergleiche ohne Randomisierung, deshalb Stufe 3. Ein höherer Jodstatus belegt für sich keinen klinischen Nutzen.[5][7]

  • Jod fördert die geistige Entwicklung von Frühgeborenen

    kein Nutzen

    Kognition & Fokus · Patienten: Frühgeborene unter 31 Schwangerschaftswochen · Mensch, randomisiert

    Große RCT mit ausdrücklich Natriumiodid gegen Natriumchlorid (I2S2): kein Unterschied in kognitiven, motorischen und sprachlichen Werten mit zwei Jahren, nur Hinweis auf eine schwache Wechselwirkung mit Hypothyroxinämie in der Sprachskala [8]. Die Cochrane-Übersicht über Iodidsalze (zählt nicht für die Stufe, stützt sich aber überwiegend auf I2S2) bestätigt das mit hoher Vertrauenswürdigkeit [9]. Bereich „Kognition & Fokus“, weil der Endpunkt die geistige Entwicklung ist.

Wirkweise

Evidenzkarte: Natriumiodid

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Natriumiodid (NaI) ist das Natriumsalz des Iodids und eine von vier Jodverbindungen in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG, neben Natriumiodat, Kaliumiodid und Kaliumiodat [1]. Als lösliches Salz liefert es Iodid, das über den Natrium-Iodid-Symporter (NIS) in Schilddrüse, Speicheldrüsen, Magenschleimhaut und laktierende Brustdrüse aufgenommen wird [2]; die EFSA rechnet bei Jod mit einer Aufnahmequote von 92 % [3]. Aufnahmestudien mit nicht radioaktivem Natriumiodid und Kopf-an-Kopf-Vergleiche mit Kaliumiodid beim Menschen wurden nicht gefunden. Hintergründe, die alle Jodverbindungen betreffen (Jodmangel, Algenjod, Jodexzess), stehen im Profil Kaliumiodid.

Natriumiodid hat eine lange Geschichte in der Kropfvorbeugung: Nach dem Rückblick eines der beteiligten Ärzte galt ein Versuch in Akron (Ohio, 1916–1920), in dem rund 5000 Schülerinnen Natriumiodid erhielten, als erstes kontrolliertes Experiment zur Kropfvorbeugung und erwies sich als vollständig wirksam gegen die Entstehung eines Kropfes [4]; die Originalarbeiten wurden hier nicht eingesehen. In Jodmangelgebieten wurde später Trinkwasser mit Silikonmatrizen jodiert, die Natriumiodid langsam freisetzen. In Sarawak (Malaysia) stieg in drei Dörfern das Urinjod der Frauen dauerhaft auf ausreichende Werte, und der Kropfanteil sank nach einem Jahr um 22,6 bis 35,8 %; im Kontrolldorf blieb das Urinjod gleich, der Kropfanteil stieg leicht [5]. In vier Dörfern im Westsudan sank der Kropfanteil innerhalb von zwei Jahren von 69 % auf unter 25 %, der Anteil mit TSH über 4 mU/l von über 30 % auf unter 15 %, und das mittlere Thyroxin stieg [6]. In einer Präfektur der Zentralafrikanischen Republik mit rund 85 000 Menschen fiel die Kropfprävalenz nach zwölf Monaten von 60,9 auf 44,5 %, die sichtbarer Kröpfe von 10,7 auf 2,5 % [7]. Alle drei Studien waren Vorher-nachher-Vergleiche ohne Randomisierung, nur die in Sarawak mit Kontrolldorf.

Die einzige gefundene randomisierte Studie mit ausdrücklich Natriumiodid ist I2S2: 1273 Frühgeborene unter 31 Schwangerschaftswochen aus 21 britischen Neonatalstationen erhielten ab den ersten 42 Lebensstunden bis zum Äquivalent der 34. Schwangerschaftswoche Natriumiodid- oder Natriumchloridlösung. Mit zwei Jahren unterschieden sich die kognitiven, motorischen und sprachlichen Werte der Bayley-Skalen nicht; nur in der Sprachskala gab es Hinweise auf eine schwache Wechselwirkung mit einer Hypothyroxinämie [8]. Eine Cochrane-Übersicht über Iodidsalze bei Frühgeborenen (zwei RCTs, 1394 Kinder, überwiegend I2S2) fand keine Wirkung auf Sterblichkeit oder Entwicklung und bewertete die Vertrauenswürdigkeit dieser Aussagen als hoch [9]. Die EU erlaubt für Jod unter anderem die Angaben, es trage zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und Schilddrüsenfunktion sowie zu einer normalen kognitiven Funktion bei [10]. Zu viel Jod kann bei empfindlichen Menschen, etwa mit vorbestehender Schilddrüsenerkrankung, im Alter oder bei Feten und Neugeborenen, eine Unter- oder Überfunktion auslösen [11]; in Sarawak wurden keine Nebenwirkungen der Trinkwasserjodierung beobachtet [5].

Arzneiliche Anwendungen: Radioaktives Iod wird unter anderem als Natriumiodid in Kapseln gegeben, etwa um bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen die Radioiodaufnahme der Schilddrüse zu messen [12]. Bei der thyreotoxischen Krise wurde Natriumiodid intravenös eingesetzt; parenterale Iodidpräparate waren laut einem Fallbericht von 1995 aber schwer erhältlich [13]. Die Jodblockade der Schilddrüse bei Strahlenunfällen ist mit Kaliumiodid in pharmakologischen Mengen beschrieben; die hier zitierte Quelle ist eine Computermodellierung des Jodstoffwechsels zur Kaliumiodid-Gabe, keine Humanstudie [14]. Daten zur Jodblockade mit Natriumiodid wurden nicht gefunden.

Formulierungen und Herkunft: Für die Trinkwasserjodierung wurde Natriumiodid in Silikonmatrizen eingebettet, die es über Monate an Brunnen- oder Leitungswasser abgeben; der Jodgehalt des Wassers schwankte, im Sudan war er an Handpumpen höher als an traditionellen Brunnen [5][6]. Bei radioaktiven Natriumiodid-Kapseln setzte eine Rezeptur mit Calciumphosphat als Füllstoff in vitro nur 75 % des Iodids frei und führte bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen nach 24 Stunden zu einer geringeren Aufnahme in die Schilddrüse (50,3 gegenüber 56,6 %) als eine vollständig freisetzende Rezeptur [12]; die Hilfsstoffe einer Kapsel können also beeinflussen, wie viel Iodid ankommt. Vergleichende Humandaten zu Natriumiodid in Nahrungsergänzungsmitteln (Tablette, Tropfen, Multinährstoffpräparat) wurden nicht gefunden.

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Natrium-Iodid-Symporter (NIS)TransporterBindungIodid als Substrat; aktiver Transport in Schilddrüse, Speicheldrüsen, Magen, laktierende Brustdrüse (Übersichtsarbeit, nicht formspezifisch) Labor[2]
Schilddrüsenhormon-Synthese (T4, T3)HormonachseAktivatorIod als Bestandteil der Hormone; mit Natriumiodid nur bei Jodmangel untersucht (weniger erhöhte TSH-Werte, Thyroxin höher; nicht randomisiert) Mensch, nicht randomisiert[2][6]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselmoduliert · Über die Schilddrüsenhormone; nach Trinkwasserjodierung mit Natriumiodid im Sudan weniger erhöhte TSH-Werte und höheres Thyroxin (Vorher-nachher-Vergleich)[6]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Trinkwasser (Silikonmatrix mit Natriumiodid)

    Urinjod stieg in allen Dörfern deutlich, in Sarawak auf ausreichende Werte; Vorher-nachher-Vergleiche, nur einer mit Kontrolldorf [5][6][7].[5][6][7]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Kapsel (radioaktives Natriumiodid, Rezepturvergleich)

    Schilddrüsenaufnahme nach 24 h 56,6 % (vollständige Freisetzung) vs. 50,3 % (unvollständige Freisetzung)

    Rezeptur mit Calciumphosphat setzte in vitro nur 75 % frei und führte bei Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen zu geringerer Aufnahme; arzneiliche Anwendung, zeigt aber den Einfluss der Hilfsstoffe [12].

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • I2S2 (Frühgeborene)

    RCT, placebokontrolliert (Natriumchlorid), multizentrisch · Patienten: Frühgeborene unter 31 Schwangerschaftswochen (21 britische Neonatalstationen) · n = 1273 · ab den ersten 42 Lebensstunden bis zum Äquivalent der 34. Schwangerschaftswoche; Nachuntersuchung mit 2 Jahren

    Gemessen: Bayley-III (kognitiv, motorisch, sprachlich)

    Ergebnis: Kein Unterschied (kognitiv −0,34; 95-%-KI −2,57 bis 1,89); 498 bzw. 499 Kinder untersucht; schwache Wechselwirkung mit Hypothyroxinämie in der Sprachskala.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Trinkwasserjodierung Sarawak

    nicht randomisierte Interventionsstudie mit Kontrolldorf · Frauen (15–40 Jahre) in drei Dörfern mit Jodmangel, Malaysia · 1 Jahr

    Gemessen: Urinjod, Kropf

    Ergebnis: Urinjod dauerhaft auf ausreichende Werte; Kropfanteil −22,6 bis −35,8 %; im Kontrolldorf Urinjod unverändert, Kropf leicht häufiger; keine Nebenwirkungen beobachtet.[5]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Trinkwasserjodierung Sudan

    Vorher-nachher-Vergleich ohne Kontrolle · Bevölkerung von vier Dörfern mit endemischem Kropf, Westsudan · 2 Jahre

    Gemessen: Urinjod, TSH, Thyroxin, Kropf

    Ergebnis: Kropfanteil von 69 % auf unter 25 %; TSH über 4 mU/l von über 30 % auf unter 15 %; Thyroxin gestiegen.[6]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Trinkwasserjodierung Zentralafrika

    Vorher-nachher-Vergleich ohne Kontrolle · Präfektur Nana-Grébizi (rund 85 000 Menschen, schwerer Jodmangel); Kropf bei 3090 vorher und 2645 nachher untersucht · n = 3090 · 12 Monate

    Gemessen: Kropf, Urinjod

    Ergebnis: Kropfprävalenz 60,9 → 44,5 %, sichtbarer Kropf 10,7 → 2,5 % (jeweils p < 0,0001).[7]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Akron (historisch)

    kontrollierter Versuch, nicht randomisiert; nur aus einem Rückblick bekannt · Schülerinnen in Akron (Ohio), 1916–1920 · n = 5000 · mehrere Jahre

    Gemessen: Kropfentstehung

    Ergebnis: Laut Rückblick vollständig wirksam gegen neue Kröpfe; Originalarbeiten nicht eingesehen.[4]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Jodinduzierte Schilddrüsenfunktionsstörung

    Gilt für alle Jodverbindungen: Bei empfindlichen Gruppen (vorbestehende Schilddrüsenerkrankung, Ältere, Feten und Neugeborene) kann überhöhte Jodzufuhr eine Unter- oder Überfunktion auslösen [11]; Einzelheiten im Profil Kaliumiodid. Formspezifische Risikodaten zu Natriumiodid wurden nicht gefunden; in Sarawak wurden keine Nebenwirkungen der Trinkwasserjodierung beobachtet [5].

    Mensch, nicht randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Natriumiodid und Kaliumiodid sind als Jodquelle gleichwertig“

    Beide sind lösliche Iodidsalze in Anhang II [1], und die EFSA rechnet bei Jod mit 92 % Aufnahme [3]. Ein direkter Vergleich beim Menschen wurde aber nicht gefunden; die Gleichwertigkeit ist plausibel, aber nicht geprüft.

  • nicht belegt

    „Jodtabletten mit Natriumiodid schützen bei einem Atomunfall“

    Die Jodblockade ist eine arzneiliche Anwendung mit pharmakologischen Mengen; die gefundene Quelle, eine Computermodellierung, betrifft Kaliumiodid [14]. Zu Natriumiodid wurden keine Daten gefunden (siehe Kaliumiodid).

  • teilweise belegt

    „Jodiertes Trinkwasser beugt dem Kropf vor“

    In Jodmangelgebieten sank der Kropfanteil nach Trinkwasserjodierung mit Natriumiodid deutlich [5][6][7], und der Akron-Versuch gilt als erster Beleg der Kropfvorbeugung mit Natriumiodid [4]. Keine dieser Studien war randomisiert; bei ausreichender Jodversorgung ist kein Nutzen untersucht.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Die EFSA rechnet bei Jod mit einer Aufnahmequote von 92 % (nicht formspezifisch) [3]; formspezifische Humandaten nur zu radioaktiven Kapseln, deren Rezeptur die Aufnahme in die Schilddrüse beeinflusste [12].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Iodid wird über NIS in die Schilddrüse aufgenommen und in die Hormone eingebaut [2].
Weg ins Gehirn
Keine Daten zur Hirngängigkeit gefunden.

Rechtlicher Status

Deutschland
Nicht verifiziert (Einstufung nicht radioaktiver Natriumiodid-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel nicht in einem Register geprüft). Radioaktives Natriumiodid wird unter anderem in Kapseln zur Messung der Radioiodaufnahme der Schilddrüse eingesetzt [12]; das ist eine arzneiliche Anwendung, deren Zulassungsstatus in DE hier nicht geprüft wurde.
EU
Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Natriumiodid“; im EU-Recht „Iod“); damit als Jodquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [1]. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben stehen unter health_claims.
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“

    Nährstoff
    Jod
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[10]
    Einordnung
    rechtlich zulässig; mit dieser Form nur in Jodmangelgebieten geprüft (nicht randomisiert), bei ausreichend versorgten Gesunden nicht untersucht; siehe Versprechen „Für eine gesunde Schilddrüse“
  • „Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“

    Nährstoff
    Jod
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[10]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht; bei Frühgeborenen in einer großen RCT kein Nutzen für die Entwicklung (siehe Versprechen „Jod fördert die geistige Entwicklung von Frühgeborenen“)

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Unterscheiden sich Natriumiodid und Kaliumiodid in Aufnahme oder Haltbarkeit in Nahrungsergänzungsmitteln?
  • Profitieren Frühgeborene mit Hypothyroxinämie von Natriumiodid (Hinweis auf eine Wechselwirkung in I2S2)?
  • Wie lange hält die Wirkung einer Trinkwasserjodierung mit Natriumiodid an, und wie häufig sind dabei jodinduzierte Funktionsstörungen?

Referenzen

  1. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  2. Dohán O, De la Vieja A, Paroder V, Riedel C, Artani M, Reed M, et al. The sodium/iodide symporter (NIS): characterization, regulation, and medical significance. Endocr Rev. 2003;24(1):48–77. doi:10.1210/er.2001-0029 · PubMed
  3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific opinion on dietary reference values for iodine. EFSA J. 2014;12(5):3660. doi:10.2903/j.efsa.2014.3660
  4. Kimball OP. History of the prevention of endemic goitre. Bull World Health Organ. 1953;9(2):241–8. PubMed
  5. Foo LC, Zainab T, Goh SY, Letchuman GR, Nafikudin M, Doraisingam P, et al. Iodization of village water supply in the control of endemic iodine deficiency in rural Sarawak, Malaysia. Biomed Environ Sci. 1996;9(2–3):236–41. PubMed
  6. Elnagar B, Eltom M, Karlsson FA, Bourdoux PP, Gebre-Medhin M. Control of iodine deficiency using iodination of water in a goitre endemic area. Int J Food Sci Nutr. 1997;48(2):119–27. doi:10.3109/09637489709006971 · PubMed
  7. Yazipo D, Ngaindiro LF, Barrière-Constantin L, Namboua L, Pichard E, Ndoyo J, et al. Efficacité d'un système d'iodation de l'eau dans la lutte contre les troubles dus à la carence iodée en Afrique centrale [Effectiveness of a water iodination system for preventing iodine deficiency diseases in Central Africa]. Sante. 1995;5(1):9–17. PubMed
  8. Williams FLR, Ogston S, Hume R, Watson J, Stanbury K, Willatts P, et al. Supplemental iodide for preterm infants and developmental outcomes at 2 years: an RCT. Pediatrics. 2017;139(5):e20163703. doi:10.1542/peds.2016-3703 · PubMed
  9. Walsh V, Brown JVE, McGuire W. Iodine supplementation for the prevention of mortality and adverse neurodevelopmental outcomes in preterm infants. Cochrane Database Syst Rev. 2019;2(2):CD005253. doi:10.1002/14651858.CD005253.pub3 · PubMed
  10. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
  11. Leung AM, Braverman LE. Consequences of excess iodine. Nat Rev Endocrinol. 2014;10(3):136–42. doi:10.1038/nrendo.2013.251 · PubMed
  12. Yu MD, Huang WS, Cherng CC, Shaw SM. The effect of formulation on reduced radioiodide thyroid uptake. J Nucl Med. 2002;43(1):56–60. PubMed
  13. Yeung SC, Go R, Balasubramanyam A. Rectal administration of iodide and propylthiouracil in the treatment of thyroid storm. Thyroid. 1995;5(5):403–5. doi:10.1089/thy.1995.5.403 · PubMed
  14. Zanzonico PB, Becker DV. Effects of time of administration and dietary iodine levels on potassium iodide (KI) blockade of thyroid irradiation by 131I from radioactive fallout. Health Phys. 2000;78(6):660–7. doi:10.1097/00004032-200006000-00008 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript, online).
  • Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): „Natriumiodid, Natriumiodat, Kaliumiodid, Kaliumiodat“.
  • Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, CELEX 02017R2470-20260810 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): kein Eintrag zu Natriumiodid, Iodid oder Jodid.
  • VO (EU) Nr. 432/2012: Wortlaut der beiden Jod-Angaben in der Basisfassung (CELEX 32012R0432) und unverändert in der konsolidierten Fassung CELEX 02012R0432-20250820 (Cellar, XHTML, 24.10.2026).
  • Salzform am Abstract: [5] „silicone-sodium iodide elastomer“, [6] „silicon matrices containing 30% sodium iodide“, [7] „sodium iodide incorporated into silicone matrices“, [8] „Trial solutions (sodium iodide or sodium chloride)“, [12] „sodium iodide capsules“ (radioaktiv, Messung der Radioiodaufnahme), [4] „a course of sodium iodide“ (Akron, Rückblick).
  • Zahlen am Abstract: NIS-Lokalisation [2]; Aufnahmequote 92 % (Crossref-Abstract) [3]; Akron 1916–20, 5000 Schülerinnen, „100% efficacious“ [4]; drei Dörfer, Kontrolldorf, −22,6 bis −35,8 %, keine Nebenwirkungen [5]; vier Dörfer, Kropf 69 % → unter 25 %, TSH über 4 mU/l von über 30 % auf unter 15 %, Thyroxin gestiegen, Handpumpen mit mehr Jod [6]; 85 037 Einwohner, n = 3090/2645, 60,9 → 44,5 %, sichtbar 10,7 → 2,5 % [7]; 1273 Kinder, 21 Stationen, < 31 SSW, 42 h, 34 SSW, 498/499 untersucht, kognitiv −0,34 (−2,57 bis 1,89), Wechselwirkung Sprache [8]; 2 RCTs, 1394 Kinder, hohe Vertrauenswürdigkeit, „iodide salt“ [9]; empfindliche Gruppen [11]; Freisetzung 95 % vs. 75 %, Aufnahme 56,6 vs. 50,3 % nach 24 h [12]; parenterales Natriumiodid schwer erhältlich [13]; Kaliumiodid-Blockade, Computermodellierung [14].
  • PubChem: CID 5238, INa, [Na+].[I-].
  • Literatursuche (PubMed, Europe PMC, 24.10.2026) nach Natriumiodid als Supplement, Vergleich mit Kaliumiodid und Bioverfügbarkeit: keine weiteren formspezifischen Humanstudien; die Suche ist durch „sodium iodide symporter“ und radioaktives Natriumiodid stark verzerrt.

Nicht verifiziert

  • Akron-Versuch nur über den Rückblick von Kimball 1953 [4] (Abstract); Originalarbeiten von Marine und Kimball (1917–1920) nicht eingesehen, Design und Ergebnis daher nicht im Detail geprüft.
  • Volltexte von [5], [6], [7] und [8] nicht eingesehen; [7] nur als englische Zusammenfassung eines französischen Artikels (nach 250 Wörtern abgeschnitten). Ob sich in Sarawak die „22,6 bis 35,8 %“ als Prozentpunkte oder relativ verstehen, geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor.
  • Verabreichungsweg in I2S2 (enteral oder parenteral) nicht im Abstract genannt; deshalb kein Eintrag in aufnahmewege.
  • Rechtsstatus in Deutschland (NEM, Arzneimittel; radioaktives Natriumiodid) und den USA; kein Register geprüft.
  • Ob Natriumiodid in deutschen Nahrungsergänzungsmitteln verbreitet ist, wurde nicht geprüft.

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