Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Für eine gesunde Schilddrüse

    uneinheitlich

    Schilddrüse · gesund (leichter bis mäßiger Jodmangel, vor allem Schwangere) · Mensch, randomisiert

    Formspezifisch (RCT mit Kaliumiodid, thailändische Teilgruppe): Statusmarker Thyreoglobulin gesunken (nur Marker), Schilddrüsenvolumen und TSH unverändert, Thyroxin sank etwas stärker als unter Placebo; die Schilddrüsenfunktion der Mütter verbesserte sich nicht [12]. Formübergreifend (Metaanalyse über alle Jodquellen und Studiendesigns, zählt nicht für die Stufe): Thyreoglobulin sinkt, in drei RCTs geringere Zunahme des Schilddrüsenvolumens, TSH und freies Thyroxin meist unverändert [13]. Klinische Endpunkte bei Gesunden ohne Mangel nicht untersucht.

  • Jod in der Schwangerschaft fördert die Gehirnentwicklung des Kindes

    kein Nutzen

    Schwangerschaft & Fruchtbarkeit · gesund (Schwangere mit leichtem Jodmangel) · Mensch, randomisiert

    Große RCT mit Kaliumiodid: kein Unterschied in Verbal- und Handlungs-IQ oder Exekutivfunktionen mit fünf bis sechs Jahren [11]; Metaanalyse von zwei RCTs über alle Jodquellen ohne Wirkung (zählt nicht für die Stufe) [13]. Bei schwerem Mangel nicht übertragbar.

  • Verkleinert Schilddrüsenknoten

    kein Nutzen

    Schilddrüse · Patienten: euthyreote Knotenstruma (ausreichende Jodversorgung) · Mensch, randomisiert

    LISA: Kaliumiodid allein ohne signifikante Verkleinerung von Knoten (−4,0 %) und Schilddrüse. Als Zusatz trägt Iodid offenbar bei: Levothyroxin plus Iodid verkleinerte die Knoten stärker als Levothyroxin allein (P = 0,018), das Schilddrüsenvolumen nicht signifikant stärker (P = 0,19) [9]. Herstellerunterstützt.

  • Verkleinert einen Jodmangelkropf

    nicht untersucht

    Schilddrüse · Patienten: euthyreoter diffuser Kropf bei Jodmangel · Keine Daten

    Keine Studie mit ausdrücklich Kaliumiodid gefunden. Die einzige ausgewertete RCT (62 Erwachsene, doppelblind) nennt nur „Iodid“, nicht das Salz, und zählt nach der Familienregel deshalb nicht für die Stufe; dort sank das Schilddrüsenvolumen nach zwölf Monaten um 38 %, der Effekt hielt sechs Monate nach Ende an, und knapp 10 % hatten vorübergehende jodinduzierte Funktionsstörungen und Autoimmunität [10]. Weitere Studien zum Jodmangelkropf wurden nicht ausgewertet.

Wirkweise

Evidenzkarte: Kaliumiodid

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. Jodmangel verursacht Kropf und Unterfunktion und kann in Schwangerschaft und Kindheit Wachstum und geistige Entwicklung beeinträchtigen; etwa die Hälfte Europas galt 2009 als leicht jodunterversorgt, die wichtigste Gegenmaßnahme ist jodiertes Speisesalz [1]. Iodid gelangt über den Natrium-Iodid-Symporter (NIS) in der basolateralen Membran der Schilddrüsenzellen in die Drüse; NIS transportiert Iodid auch in Speicheldrüsen, Magenschleimhaut und laktierende Brustdrüse [2]. Die EFSA rechnet bei Jod mit einer Aufnahmequote von 92 % [3].

Kaliumiodid steht in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG, neben Kaliumiodat, Natriumiodid und Natriumiodat [4]. In einer randomisierten Überkreuzstudie mit 20 jungen Frauen wurden aus einer Kaliumiodid-Tablette in 24 Stunden 97 % des Jods im Urin wiedergefunden, aus einer Mahlzeit aus Sushi mit Nori und Wakame-Salat mit fast gleicher Jodmenge 75 %; den Vorsprung von Kaliumiodid nennen die Autoren knapp [5]. In einer schottischen Studie mit 22 Frauen lag die Ausscheidung nach Kaliumiodid bei 59 %, nach Knotentang (Ascophyllum nodosum) bei 33 % [6]; in einer chinesischen Studie mit 18 Ausgewerteten in zwei Parallelgruppen mit unterschiedlichen Jodmengen bei 83,5 bzw. 63,7 % nach Kaliumiodid gegenüber 29,5 bzw. 23,7 % nach Kombu [7]. Iodat wird laut einer toxikologischen Übersicht im Körper und in Lebensmitteln zu Iodid reduziert und ist oral praktisch gleich gut verfügbar [8].

Klinisch: In der deutschen LISA-Studie mit 1024 Erwachsenen mit Schilddrüsenknoten verkleinerte Kaliumiodid allein die Knoten nach einem Jahr nicht signifikant (−4,0 % gegenüber Placebo), Kaliumiodid zusammen mit Levothyroxin um 17,3 % und damit signifikant stärker als Levothyroxin allein (P = 0,018); die Studie wurde von Sanofi-Aventis unterstützt [9]. In einer RCT mit 62 Erwachsenen mit diffusem endemischem Kropf und Jodmangel verkleinerte Iodid in geringer Menge die Schilddrüse nach zwölf Monaten um 38 %; bei knapp 10 % traten vorübergehende jodinduzierte Funktionsstörungen und Autoimmunität auf. Welches Iodidsalz verwendet wurde, nennt das Abstract nicht [10]. In einer RCT mit 832 leicht jodunterversorgten Schwangeren in Indien und Thailand änderte Kaliumiodid Intelligenz und Exekutivfunktionen der Kinder mit fünf bis sechs Jahren nicht [11]; in der thailändischen Teilgruppe sank das Thyreoglobulin, Schilddrüsenvolumen und TSH unterschieden sich nicht, und freies und Gesamt-Thyroxin der Mütter sanken etwas stärker als unter Placebo [12]. Merck stellte Kaliumiodid-Tabletten und Placebo kostenlos bereit; finanziert wurde die Studie vom Schweizerischen Nationalfonds, der Nestlé Foundation, der Universität Wageningen und der ETH Zürich [11][12]. Eine Metaanalyse über alle Jodquellen und Studiendesigns (10 RCTs, 4 nicht randomisierte Interventionsstudien, 23 Beobachtungsstudien) fand bei leicht bis mäßig unterversorgten Schwangeren überwiegend keine Wirkung auf TSH und freies Thyroxin, aber sinkendes Thyreoglobulin und in drei RCTs weniger Zunahme des Schilddrüsenvolumens; auf die kindliche Entwicklung keine Wirkung [13]. Die EU erlaubt für jede ausreichende Jodquelle die Angabe, Jod trage zu normaler Schilddrüsenhormon-Produktion und Schilddrüsenfunktion bei [14]. Zu viel Jod kann bei empfindlichen Menschen, etwa mit vorbestehender Schilddrüsenerkrankung, im Alter oder bei Feten und Neugeborenen, eine Unter- oder Überfunktion auslösen [15].

Jodblockade: Bei Reaktorunfällen soll Kaliumiodid in pharmakologischen Mengen, um Größenordnungen über der üblichen Zufuhr, die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse sperren; nach Modellrechnungen wirkt das nur in einem engen Zeitfenster vor bis kurz nach der Exposition [16]. In einer Fall-Kontroll-Studie in Belarus und Russland war das strahlenbedingte Schilddrüsenkrebsrisiko nach Tschernobyl bei Kindern, die Kaliumiodid als Ergänzung erhalten hatten, etwa um den Faktor drei geringer (RR 0,34) und in Jodmangelgebieten dreimal höher [17].

Formulierungen und Herkunft: Jod aus Meeresalgen (Kelp, Kombu, Knotentang) ist chemisch kein Kaliumiodid; es liegt teils als Iodid, teils organisch gebunden vor (in Kombu 50,9–55,0 % anorganisches Iodid) [7]. Es wurde in allen gefundenen Vergleichen schlechter aufgenommen als Kaliumiodid [5][6][7]. Der Jodgehalt von Algen schwankt extrem: Zwischen 12 Arten unterschied er sich um mehr als das 500-Fache, und auch bei derselben Art hingen die Werte von Blattalter, Sonnenbleiche und Lagerung ab [18]. Nach zwei Wochen Algenkapseln stieg der TSH-Wert bei 42 Frauen im Mittel an, bei zwei über den Normbereich [6]; ein kelphaltiger Tee löste bei einer Frau mit Knotenstruma eine Schilddrüsenüberfunktion aus [19]. Vergleichende Daten zu anderen Darreichungsformen von Kaliumiodid (Tablette, Tropfen) wurden nicht gefunden. Gängige Speisealgen wie Laminaria-, Saccharina- und Fucus-Arten oder Ascophyllum nodosum gelten laut Novel-Food-Katalog der Kommission nicht als neuartige Lebensmittel; über ihren Jodgehalt sagt das nichts [21].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Natrium-Iodid-Symporter (NIS)TransporterBindungSubstrat; aktiver Transport in Schilddrüse, Speicheldrüsen, Magen, laktierende Brustdrüse Labor[2]
Schilddrüsenhormon-Synthese (T4, T3)HormonachseAktivatorIod ist Bestandteil der Hormone; Wirkung nur bei Mangel Mensch, randomisiert[1][13]
Thyreoglobulin (Serum)SonstigesExpression ↓sinkt in der RCT mit Kaliumiodid bei Schwangeren mit leichtem Jodmangel und in den meisten RCTs der Metaanalyse über alle Jodquellen Mensch, randomisiert[12][13]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselmoduliert · Über die Schilddrüsenhormone; in der RCT mit Kaliumiodid bei leichtem Mangel keine Wirkung auf TSH, Thyroxin sank etwas[1][12]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Kaliumiodid-Tablette (Referenz)

    ≈ 97 % (Urin, 24 h; Sushi mit Nori und Wakame-Salat 75 %)

    Randomisierte Überkreuzstudie mit 20 jungen Frauen bei fast gleicher Jodmenge; laut Autoren nur knapper Vorsprung von Kaliumiodid [5].

    Mensch, randomisiert

  • Oral (geschluckt) · Kaliumiodid vs. Algen (Ascophyllum, Kombu)

    59 % vs. 33 % bzw. 63,7–83,5 % vs. 23,7–29,5 % (Urinausscheidung)

    Zwei weitere Vergleiche mit 22 bzw. 18 Ausgewerteten; Randomisierung in den Abstracts nicht beschrieben, in [7] unterschiedliche Jodmengen in den Gruppen [6][7].[6]

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • LISA (Schilddrüsenknoten)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, vier Arme · Patienten: euthyreote Knotenstruma · n = 1024 · 1 Jahr

    Gemessen: Knotenvolumen, Schilddrüsenvolumen

    Ergebnis: Kaliumiodid allein −4,0 % (n. s.), Kombination mit Levothyroxin −17,3 % (p < 0,001) und stärker als Levothyroxin allein (P = 0,018).[9]

    Mensch, randomisiert

  • Diffuser Jodmangelkropf

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: euthyreoter diffuser endemischer Kropf · n = 62 · 12 Monate, Nachbeobachtung 6 Monate

    Gemessen: Schilddrüsenvolumen (Sonografie), Funktion, Antikörper

    Ergebnis: Volumen −38 % unter Iodid, unter Placebo unverändert; 3 von 31 mit vorübergehender Funktionsstörung und Autoimmunität. Iodidsalz im Abstract nicht genannt.[10]

    Mensch, randomisiert

  • Schwangerschaft und kindliche Entwicklung

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund (Schwangere mit leichtem Jodmangel, Indien und Thailand) · n = 832 · bis zur Geburt, Kinder bis 5–6 Jahre

    Gemessen: Verbal- und Handlungs-IQ, Exekutivfunktion

    Ergebnis: Keine Unterschiede (313 bzw. 315 Kinder ausgewertet).[11]

    Mensch, randomisiert

  • Thailändische Teilgruppe

    Sekundärauswertung einer RCT · gesund (Schwangere in Bangkok) · n = 514 · bis zur Geburt

    Gemessen: Schilddrüsenfunktion der Mütter, Entwicklung der Kinder

    Ergebnis: Thyreoglobulin gesunken; Schilddrüsenvolumen und TSH ohne Unterschied; Thyroxin sank etwas stärker (p < 0,05); kindliche Entwicklung mit 5,7 Jahren ohne Unterschied.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Kaliumiodid vs. Sushi und Wakame

    randomisierte Überkreuzstudie (AB/BA) · gesund (junge Frauen) · n = 20 · Einzelgaben, 48 h Messung

    Gemessen: Jod im Urin

    Ergebnis: Geschätzte Verfügbarkeit 97 vs. 75 %; Vorsprung laut Bioäquivalenzanalyse knapp.[5]

    Mensch, randomisiert

  • Tschernobyl, Schilddrüsenkrebs

    Fall-Kontroll-Studie · Kinder unter 15 Jahren zum Unfallzeitpunkt (Belarus, Russland) · n = 1576 · Erkrankungen bis 1998

    Gemessen: strahlenbedingter Schilddrüsenkrebs

    Ergebnis: Mit Kaliumiodid-Ergänzung RR 0,34 (0,1–0,9); in Jodmangelgebieten RR 3,2.[17]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Jodinduzierte Schilddrüsenfunktionsstörung

    Bei empfindlichen Gruppen (vorbestehende Schilddrüsenerkrankung, Ältere, Feten und Neugeborene) kann überhöhte Jodzufuhr Unter- oder Überfunktion auslösen, die Quelle ist oft nicht offensichtlich [15]. In einer RCT beim Jodmangelkropf traten unter Iodid bei knapp 10 % vorübergehende Funktionsstörungen und Autoimmunität auf [10].

    Mensch, randomisiert

  • Leicht sinkendes Thyroxin in der Schwangerschaft

    In der thailändischen Teilgruppe einer RCT sank freies und Gesamt-Thyroxin unter Kaliumiodid etwas stärker als unter Placebo; die Kinder entwickelten sich gleich [12].

    Mensch, randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • widerlegt

    „Natürliches Jod aus Algen ist besser als Kaliumiodid“

    In allen gefundenen Vergleichen wurde Algenjod schlechter aufgenommen, in der randomisierten Studie aber nur knapp [5][6][7]. Der Gehalt von Algen schwankt extrem [18]; unter Algenkapseln stieg der TSH-Wert [6], und ein Kelp-Tee löste eine Überfunktion aus [19].

  • teilweise belegt

    „Jodtabletten als Nahrungsergänzung schützen bei einem Atomunfall“

    In einer Fall-Kontroll-Studie nach Tschernobyl war das strahlenbedingte Schilddrüsenkrebsrisiko bei Kindern, die Kaliumiodid als Ergänzung erhalten hatten, etwa dreifach geringer (RR 0,34), in Jodmangelgebieten dreimal höher [17]. Das sind Beobachtungsdaten aus Jodmangelgebieten, eine RCT gibt es nicht. Die akute Jodblockade ist etwas anderes: Sie arbeitet mit pharmakologischen Mengen weit über üblichen Ergänzungsmengen und nur in einem engen Zeitfenster [16].

  • widerlegt

    „Mehr Jod ist immer gut für die Schilddrüse“

    Zu viel Jod kann Unter- und Überfunktion auslösen [15]; selbst bei leichtem Mangel sank Thyroxin in der Schwangerschaft etwas [12].

  • teilweise belegt

    „Kaliumiodid lässt Kropf und Knoten schrumpfen“

    Beim diffusen Kropf mit Jodmangel verkleinerte Iodid die Schilddrüse in einer RCT um 38 % (Salz im Abstract nicht genannt) [10]. Bei Knotenstruma mit ausreichender Jodversorgung blieb Kaliumiodid allein ohne signifikanten Effekt, verstärkte aber als Zusatz die Knotenverkleinerung durch Levothyroxin [9].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Nahezu vollständig; Urin-Wiederfindung 97 % in 24 h [5]; die EFSA rechnet mit 92 % [3].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Iodid wird über NIS in die Schilddrüse aufgenommen und in die Hormone eingebaut [2]; der Rest wird vor allem über den Urin ausgeschieden [5].
Weg ins Gehirn
Keine Daten zur Hirngängigkeit gefunden.

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Kaliumiodid verzeichnet, darunter Kaliumiodid-Tabletten mehrerer Hersteller und ein Präparat zur Jodblockade (Abruf 24.10.2026) [20]; als Jodquelle nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [4]. Die Jodblockade der Schilddrüse bei Strahlenunfällen arbeitet mit pharmakologischen Mengen [16] und ist vom Nahrungsergänzungsmittel zu trennen.
EU
Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Kaliumiodid“; im EU-Recht „Iod“); damit als Jodquelle in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen [4]. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben stehen unter health_claims.
USA
Nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“

    Nährstoff
    Jod
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[14]
    Einordnung
    rechtlich zulässig; mit dieser Form bei leicht unterversorgten Schwangeren geprüft, siehe Versprechen „Für eine gesunde Schilddrüse“

Verwandte Substanzen

kalium-iodatandere FormNatriumiodidandere Form

Offene Fragen

  • Nützt Kaliumiodid Schwangeren mit mäßigem Jodmangel (Urinjod unter 100 µg/l) für die kindliche Entwicklung?
  • Welche Folgen hat die leichte Thyroxinabnahme unter Jodgabe in der Schwangerschaft?
  • Wie lässt sich der Jodgehalt von Algenprodukten zuverlässig begrenzen?

Referenzen

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  2. Dohán O, De la Vieja A, Paroder V, Riedel C, Artani M, Reed M, et al. The sodium/iodide symporter (NIS): characterization, regulation, and medical significance. Endocr Rev. 2003;24(1):48–77. doi:10.1210/er.2001-0029 · PubMed
  3. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific opinion on dietary reference values for iodine. EFSA J. 2014;12(5):3660. doi:10.2903/j.efsa.2014.3660
  4. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  5. Aakre I, Tveit IB, Myrmel LS, Fjære E, Ballance S, Rosendal-Riise H. Bioavailability of iodine from a meal consisting of sushi and a wakame seaweed salad – a randomized crossover trial. Food Sci Nutr. 2023;11(12):7707–17. doi:10.1002/fsn3.3689 · PubMed
  6. Combet E, Ma ZF, Cousins F, Thompson B, Lean ME. Low-level seaweed supplementation improves iodine status in iodine-insufficient women. Br J Nutr. 2014;112(5):753–61. doi:10.1017/S0007114514001573 · PubMed
  7. Liu X, Wang J, Li Y, Tan H, Yu W, Yan J, et al. The iodine bioavailability and its metabolic response for kombu and potassium iodide intake in Chinese adults. Food Sci Nutr. 2025;13(9):e70818. doi:10.1002/fsn3.70818 · PubMed
  8. Bürgi H, Schaffner TH, Seiler JP. The toxicology of iodate: a review of the literature. Thyroid. 2001;11(5):449–56. doi:10.1089/105072501300176408 · PubMed
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  14. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
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  18. Teas J, Pino S, Critchley A, Braverman LE. Variability of iodine content in common commercially available edible seaweeds. Thyroid. 2004;14(10):836–41. doi:10.1089/thy.2004.14.836 · PubMed
  19. Müssig K, Thamer C, Bares R, Lipp HP, Häring HU, Gallwitz B. Iodine-induced thyrotoxicosis after ingestion of kelp-containing tea. J Gen Intern Med. 2006;21(6):C11–4. doi:10.1111/j.1525-1497.2006.00416.x · PubMed
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  21. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: Laminaria digitata; Ascophyllum nodosum; Fucus vesiculosus und weitere Speisealgen [Datenbank]. POL-NF-00452, POL-NF-00159, POL-NF-00368 u. a. [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
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Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
  • Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): „Natriumiodid, Natriumiodat, Kaliumiodid, Kaliumiodat“.
  • VO (EU) 432/2012 (CELEX 32012R0432, Ursprungsfassung): Angabe „Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“.
  • Unionsliste CELEX 02017R2470-20260810: keine Einträge zu Kelp, Laminaria oder Ascophyllum; nur Fucoidin-Extrakte aus Fucus und Undaria (nicht als Jodquelle).
  • Am Abstract: halb Europa leicht unterversorgt [1]; NIS-Lokalisation [2]; Aufnahmequote 92 % [3]; 20 Frauen, 97 vs. 75 % [5]; 22 Frauen, 59 vs. 33 %; 42 Frauen, TSH 1,5 → 2,1, zwei über Norm [6]; 18 Ausgewertete, 83,5/63,7 vs. 29,5/23,7 %, 50,9–55,0 % Iodid in Kombu [7]; Iodat ↔ Iodid [8]; 1024 Patienten, −17,3 %, −7,3 %, −4,0 % [9]; 832 Schwangere, IQ-Differenzen [11]; 514 Thailänderinnen, Thyroxin [12]; 37 Publikationen, 10 RCTs [13]; empfindliche Gruppen [15]; Zeitfenster der Blockade [16]; 276 Fälle, 1300 Kontrollen, RR 0,34 und 3,2 [17]; 12 Arten, Spanne vom Nori bis zu Kelp-Granulat [18]; Fallbericht [19].
  • Im Volltext von [12] (Europe PMC): Prüfpräparat der Studie [11] waren Kaliumiodid-Tabletten (Merck).
  • Im Volltext von [9] (Europe PMC): Prüfpräparat Kaliumiodid; Unterstützung durch Sanofi-Aventis, Honorare an Autoren.
  • PubChem: CID 4875, IK.
  • ClinicalTrials.gov: 96 Studien mit „potassium iodide“ als Intervention (24.10.2026).
  • Gegenprüfung (24.10.2026): Volltext von [12] (Europe PMC): Thyreoglobulin im Jodarm niedriger (p = 0,0006), Schilddrüsenvolumen (p = 0,59) und TSH ohne Gruppenunterschied; „Merck (Darmstadt, Germany) supplied the iodine supplements and placebos in-kind“; Finanzierung laut Abstract von [11]: Swiss National Science Foundation, Nestlé Foundation, Wageningen University and Research, ETH Zurich. Abstract [13]: alle Jodquellen, 10 RCTs, 4 nicht randomisierte Interventionen, 23 Beobachtungsstudien. Abstract [5]: Sushi mit Nori und Wakame-Salat, fast gleiche Jodmenge in beiden Armen, Vorsprung „with small margins“. Abstract [7]: zwei Parallelgruppen mit unterschiedlichen Jodmengen. Abstract [9]: Levothyroxin plus Iodid besser als Levothyroxin allein (P = 0,018). Abstract [10]: 62 Personen, −38 %, 3 von 31 mit Funktionsstörung und Autoimmunität. Abstract [17]: „potassium iodide as a dietary supplement“, RR 0,34.
  • VO (EU) Nr. 432/2012: Wortlaut der eingetragenen Angaben in der Basisfassung (CELEX 32012R0432, Cellar, XHTML) und unverändert in der konsolidierten Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820, Cellar, XHTML) geprüft am 24.10.2026. Angabe zu Schilddrüsenhormonen und Schilddrüsenfunktion [14].
  • Kahaly 1997 [10], Abstract erneut geprüft (PubMed, 24.10.2026): nur „iodide“ bzw. „I“, kein Salz genannt; Volltext beim Verlag nicht abrufbar (HTTP 403).
  • Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Kaliumiodid“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 144 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [20]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
  • Novel-Food-Katalog (Backend-API, 24.10.2026): Status „Not novel in food“ u. a. für Laminaria digitata (POL-NF-00452), L. hyperborea, L. longicruris, Saccharina japonica, S. latissima, Ascophyllum nodosum (POL-NF-00159), Fucus vesiculosus (POL-NF-00368), F. serratus, F. spiralis, Undaria pinnatifida [21]. AMIce: Kaliumiodid als Wirkstoff in 144 verkehrsfähigen Humanarzneimitteln, darunter viele Homöopathika; die Suche nach Arzneimittelnamen zeigt Kaliumiodid- bzw. Jodid-Tabletten mehrerer Hersteller und ein Präparat zur Jodblockade [20].

Nicht verifiziert

  • Rechtsstatus in den USA; Anwendungsgebiete der in AMIce verzeichneten Kaliumiodid-Tabletten nicht in den Dokumentanzeigen gelesen.
  • Ob in [6] und [7] randomisiert wurde (in den Abstracts nicht beschrieben); deshalb Evidenzstufe 3.
  • Der „um mehr als das 500-Fache“ schwankende Algenjodgehalt ist aus den im Abstract von [18] genannten Extremwerten berechnet.
  • Die Aussage „um Größenordnungen über der üblichen Zufuhr“ beruht auf dem Vergleich der in [16] genannten Blockademengen mit der in [15] genannten Zufuhrempfehlung; Zahlen absichtlich nicht genannt.
  • Gängige Speisealgen (z. B. Laminaria-, Saccharina-, Fucus-Arten, Ascophyllum nodosum) laut Novel-Food-Katalog nicht neuartig (24.10.2026); die jodrechtliche Einordnung einzelner Algenprodukte wurde nicht geprüft.
  • Salzform des Iodids in [10] (Abstract: nur „iodide“); Volltext nicht über Europe PMC geprüft. Weitere ältere Studien zum Jodmangelkropf wurden nicht ausgewertet.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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