Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Für schöne Haare, Haut und Nägel

    nicht untersucht

    Haut & Haare · gesund · Keine Daten

    Die EU-Angaben zu Haaren und Haut sind zugelassen (siehe Abschnitt „Zugelassene EU-Angaben“) [6], belegen aber keine Wirkung zusätzlicher Zufuhr. Review: 18 Fallberichte, alle mit Grunderkrankung oder Mangel, keine Belege für Gesunde [7]. Keine RCT bei Gesunden gefunden.

  • Stärkt brüchige Nägel

    Einzelbefund, unbestätigt

    Haut & Haare · Patienten: brüchige Nägel · Mensch, nicht randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Nageldicke +25 % bei 8 Personen (unkontrolliert) [8]; Besserung bei 22 von 35 Personen in einer rückblickenden Auswertung ohne Kontrollgruppe [9]. Kontrollierte Studien fehlen [10].

  • Gegen Haarausfall

    Einzelbefund, unbestätigt

    Haut & Haare · Patienten: Haarausfall bei Biotinmangel oder seltener Haar- bzw. Nagelerkrankung · Mensch, nicht randomisiert

    Besserungen nur in unkontrollierten Fallberichten bei nachgewiesenem Mangel, Erbkrankheit oder seltener Grunderkrankung (18 Fälle) [7]; Fallberichte ohne Kontrollgruppe belegen keinen Nutzen. Bei Frauen mit Haarausfall fand eine Querschnittsuntersuchung ohne Behandlung oft einen niedrigen Biotinspiegel; der Autor lehnt ungezielte Gabe ohne Mangelnachweis ab [2]. Für Haarausfall ohne Mangel wurde keine Studie gefunden (nicht untersucht), auch keine RCT.

  • Hochdosiert gegen fortschreitende Multiple Sklerose

    kein Nutzen

    Nervensystem · Patienten: progressive Multiple Sklerose · Mensch, randomisiert

    Positive erste RCT [11] in der größeren Phase-3-Studie nicht bestätigt (OR 1,35; 0,81–2,26) [12]; Metaanalyse ohne gesicherten Nutzen für die Behinderung, nur für die Gehgeschwindigkeit [13]. Beide RCTs vom Hersteller MedDay gesponsert bzw. finanziert; in MS-SPI ist der Firmenchef von MedDay Koautor [11][12].

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: D-Biotin

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

D-Biotin ist in Anhang II der Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel die einzige zugelassene Biotinverbindung [1]. Biotin ist Coenzym von Carboxylasen, die an Fettsäuresynthese, Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren und Gluconeogenese beteiligt sind [2]. Im Darm wird proteingebundenes Nahrungsbiotin zunächst freigesetzt; freies Biotin nimmt der Natrium-abhängige Multivitamintransporter SMVT auf, den Biotin mit Pantothensäure und Liponsäure teilt und der bei Biotinmangel hochreguliert wird [3]. In Zellversuchen lag die Halbsättigungskonzentration des Transporters für Biotin bei 15,1 µmol/l [4]. Eine Überkreuzstudie mit 6 Gesunden (Randomisierung im Abstract nicht berichtet) fand, dass auch große orale Mengen praktisch vollständig aufgenommen werden; im Urin erschienen neben Biotin die Abbauprodukte Bisnorbiotin und Biotinsulfoxid [5].

Die EU erlaubt für Biotinquellen die Angaben, Biotin trage zur Erhaltung normaler Haare und Haut bei [6]. Ein systematischer Review fand dazu nur 18 Fallberichte; alle Betroffenen hatten eine Grunderkrankung oder einen Mangel, und für Gesunde fehlen Belege [7]. In einer Untersuchung hatten 38 % der Frauen mit Haarausfall erniedrigte Biotinspiegel; der Autor rät von ungezielter Gabe ohne nachgewiesenen Mangel ab [2]. Bei brüchigen Fingernägeln nahm die Nageldicke in einer unkontrollierten Studie mit 8 Patientinnen und Patienten um 25 % zu [8], in einer rückblickenden Auswertung besserte sich der Befund bei 22 von 35 Personen [9]; ein Review hält größere kontrollierte Studien für nötig [10].

In sehr hohen Arzneimittelmengen (MD1003) wurde Biotin bei progressiver Multipler Sklerose geprüft: In MS-SPI (154 Patienten) erreichten 12,6 % gegenüber niemandem unter Placebo eine Besserung der Behinderung [11], in der größeren Phase-3-Studie SPI2 (642 Patienten) 12 vs. 9 % ohne signifikanten Unterschied [12]. Eine Metaanalyse fand keinen gesicherten Nutzen für die Behinderung, nur für die Gehgeschwindigkeit [13]. Eine Übersicht beschreibt zudem Hinweise auf einen leichten Biotinmangel in der Schwangerschaft [14].

Das größte praktische Problem sind Laborwerte. Viele Immuntests nutzen die Bindung von Biotin an Streptavidin. Bei 6 Gesunden verfälschte eine Woche Biotin in der Menge üblicher frei verkäuflicher Präparate 9 von 23 biotinbasierten Tests: kompetitive Tests zu hoch, Sandwich-Tests zu niedrig [15]. Bei 13 Erwachsenen veränderten sich TSH, fT4 und Gesamt-T3 auf einer Plattform, Thyreoglobulin wurde falsch niedrig gemessen, am stärksten zwei Stunden nach der Einnahme [16]. Laborwerte können so eine Basedow-Krankheit vortäuschen [17]; betroffen sind laut einer Übersicht neben Schilddrüsen- und Sexualhormonen auch Herzmarker und Spiegel von Immunsuppressiva, die US-Arzneimittelbehörde erhielt seit 2016 92 Meldungen [18].

Formulierungen und Herkunft: Biotin wird als Tablette, Kapsel, Fruchtgummi oder in Kombinationspräparaten für Haare und Nägel verkauft. Weil auch große orale Mengen nahezu vollständig aufgenommen werden [5], ist ein Vorteil besonderer Darreichungen nicht zu erwarten; vergleichende Humandaten zu Formulierungen wurden nicht gefunden.

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch fünf Enterozyten des Dünndarms, nicht maßstabsgetreu: Mikrovilli und Proteine stark vergrößert, Zellen gekürzt. Jede Zelle trägt hier eine Gruppe von Angriffspunkten; tatsächlich trägt ein Enterozyt viele davon zugleich, und den B12-Rezeptor Cubam gibt es nur im Ileum. Teilchenzahlen, Geschwindigkeiten, Wartezeiten an den Transportern und Anteile abgewiesener Teilchen sind Ausgaben eines einfachen Modells und illustrativ, keine Messungen; die Abbildung nennt sie nicht als Zahl.
Wirkstoff
Ansicht

Nährstoff aus der Nahrung  gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte)  Hemmstoff gebunden  Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein

Freies Biotin nimmt der Natrium-abhängige Multivitamintransporter SMVT auf, den es mit Pantothensäure und Liponsäure teilt; beim Menschen sitzt hSMVT an der apikalen Membran der Enterozyten und wird bei Biotinmangel hochreguliert [36]. Für den aus Rattenplazenta klonierten SMVT, in HeLa-Zellen exprimiert, lag die Halbsättigungskonzentration für Biotin bei 15,1 µmol/l [35].

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Carboxylasen (u. a. Acetyl-CoA-, Propionyl-CoA-, 3-Methylcrotonyl-CoA-, Pyruvat-Carboxylase)EnzymBindungkovalent gebundenes Coenzym (Übersicht) Labor[2][13]
SMVT (SLC5A6)TransporterBindungKt 15,1 µmol/l (transfizierte Zellen) Labor[3][4]
Streptavidin in Labortests (kein Körperziel)SonstigesBindungFehlmessungen in 9 von 23 biotinbasierten Tests Mensch, nicht randomisiert[15]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselunklar · Coenzym von Carboxylasen; Effekt zusätzlicher Zufuhr bei ausreichend Versorgten nicht gezeigt[2]
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · freies D-Biotin

    ≈ 100 % (Urin-Wiederfindung im Vergleich zu intravenös, 6 Gesunde)

    Überkreuzstudie (Randomisierung im Abstract nicht berichtet): große orale Mengen ebenso wiedergefunden wie die intravenöse Gabe; Abbauprodukte Bisnorbiotin, Biotinsulfoxid, Bisnorbiotin-Methylketon und Biotinsulfon [5].

    Mensch, nicht randomisiert

Studien am Menschen

  • Bioverfügbarkeit

    Überkreuzstudie, oral vs. intravenös (Randomisierung im Abstract nicht berichtet) · gesund · n = 6 · Einzelgaben, ≥ 2 Wochen Abstand

    Gemessen: Urin-Wiederfindung von Biotin und Metaboliten

    Ergebnis: Etwa 50 % Wiederfindung nach großen oralen Mengen und intravenös, also vollständige Aufnahme.[5]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Labortest-Interferenz

    nicht randomisierte Überkreuzstudie · gesund · n = 6 · 7 Tage

    Gemessen: 37 Immuntests für 11 Messgrößen

    Ergebnis: 9 von 23 biotinbasierten Tests verfälscht, 0 von 14 ohne Biotin-Streptavidin.[15]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Schilddrüsentests

    prospektive Studie ohne Kontrollgruppe · gesund · n = 13 · 8 Tage

    Gemessen: TSH, fT4, fT3, TT3, TT4, Thyreoglobulin auf vier Plattformen

    Ergebnis: Veränderungen bei TSH, fT4 und TT3 (eine Plattform), Thyreoglobulin falsch niedrig; Maximum nach 2 Stunden.[16]

    Mensch, nicht randomisiert

  • MS-SPI

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: progressive Multiple Sklerose · n = 154 · 12 Monate

    Gemessen: bestätigte Besserung der Behinderung

    Ergebnis: 12,6 vs. 0 % (p = 0,005).[11]

    Mensch, randomisiert

  • SPI2

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Phase 3 · Patienten: progressive Multiple Sklerose · n = 642 · im Mittel 20,1 Monate

    Gemessen: bestätigte Besserung von EDSS oder Gehzeit

    Ergebnis: 12 vs. 9 % (OR 1,35; 0,81–2,26); fehlerhafte Laborwerte trotz Gegenmaßnahmen.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Brüchige Fingernägel

    unkontrollierte Studie mit Rasterelektronenmikroskopie · Patienten: brüchige Nägel · n = 8 · nicht im Abstract

    Gemessen: Nageldicke, Aufsplitterung

    Ergebnis: Dicke +25 %, weniger Aufsplitterung.[8]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Verfälschte Laborwerte (Schilddrüse, Hormone, Herzmarker)

    Biotin verfälscht biotin-streptavidinbasierte Immuntests: kompetitive Tests falsch hoch, Sandwich-Tests falsch niedrig [15]; Schilddrüsenwerte und Thyreoglobulin verändert [16]; vorgetäuschte Basedow-Krankheit [17]; Übersicht nennt auch Sexualhormone, Herzmarker (im Abstract ohne einzelne Tests) und Immunsuppressiva-Spiegel sowie 92 FDA-Meldungen seit 2016 [18]. Vor Blutabnahmen die Einnahme angeben.

    Mensch, nicht randomisiert

  • Eosinophile Pleuroperikarditis (Einzelfall)

    Lebensbedrohlicher eosinophiler Pleura- und Perikarderguss bei einer 76-Jährigen nach zwei Monaten gleichzeitiger Einnahme von Vitamin B5 und Biotin; nach Absetzen erholte sie sich. Welchem der beiden Vitamine die Reaktion zuzuordnen ist, lässt der Fallbericht offen [19].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Fehlende Wirkung trotz zugelassener Werbeangabe

    Die zugelassenen Angaben zu Haaren und Haut [6] können eine Wirkung bei ausreichend Versorgten nahelegen, die nicht untersucht ist [7].

    Keine Daten

Wechselwirkungen

  • Pantothensäure und Liponsäure: Gemeinsamer Transporter SMVT; Hemmung durch Liponsäure in Zellversuchen [3][4]. Klinische Bedeutung nicht untersucht.
  • Immuntests (Labordiagnostik): Siehe Risiken; Interferenz am stärksten kurz nach der Einnahme [16].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Biotin lässt Haare bei allen schneller und dichter wachsen“

    Belege nur aus Fallberichten bei Mangel oder Grunderkrankung [7]; keine kontrollierte Studie bei Gesunden.

  • nicht belegt

    „Biotin-Fruchtgummis oder spezielle Formen werden besser aufgenommen“

    Freies Biotin wird schon als einfache orale Gabe nahezu vollständig aufgenommen [5]; Vergleichsdaten zu Formulierungen fehlen.

  • widerlegt

    „Biotin ist völlig harmlos, weil Überschuss ausgeschieden wird“

    Auch ohne Giftwirkung verfälscht Biotin viele Labortests bis hin zu Fehldiagnosen [15][16][17][18].

  • widerlegt

    „Hochdosiertes Biotin hilft bei Multipler Sklerose“

    Die große Phase-3-Studie fand keinen signifikanten Nutzen [12]; Metaanalyse ohne gesicherten Effekt auf die Behinderung [13].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Nahrungsbiotin wird aus Proteinbindung freigesetzt; freies Biotin über SMVT im Dünn- und Dickdarm [3]; orale Bioverfügbarkeit nahezu vollständig, auch bei großen Mengen [5].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert. Maximale Testinterferenz zwei Stunden nach Einnahme [16].
Abbau
Ausscheidung im Urin als Biotin (über 50 %) sowie Bisnorbiotin, Biotinsulfoxid, Bisnorbiotin-Methylketon und Biotinsulfon [5].
Weg ins Gehirn
Nicht verifiziert.

Rechtlicher Status

Deutschland
Zugleich Arzneistoff: In AMIce sind verkehrsfähige Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Biotin verzeichnet (Abruf 24.10.2026) [20]; als Vitaminverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [1].
EU
Anhang II Teil A, Nr. 12 a der RL 2002/46/EG; D-Biotin ist die einzige dort zugelassene Biotinverbindung [1]. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für Biotin stehen unter health_claims [6].
USA
Nicht verifiziert.
Andere Länder
Hochdosiertes Biotin (MD1003) wurde als Arzneimittel bei progressiver Multipler Sklerose geprüft [11][12]; Zulassungsstatus nicht verifiziert.

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „trägt zur Erhaltung normaler Haare bei“

    Nährstoff
    Biotin
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[6]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht (siehe Versprechen „Für schöne Haare, Haut und Nägel“)
  • „trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“

    Nährstoff
    Biotin
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[6]
    Einordnung
    rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Wie häufig ist ein leichter Biotinmangel bei Menschen mit Haarausfall, wenn er mit validierten Statusmarkern gemessen wird?
  • Hilft Biotin bei brüchigen Nägeln in einer placebokontrollierten Studie?
  • Wie lange vor einer Blutabnahme muss Biotin pausiert werden, damit alle gängigen Tests verlässlich sind?
  • Ist die eosinophile Pleuroperikarditis aus einem Fallbericht nach gleichzeitiger Einnahme von Vitamin B5 und Biotin [19] einem der beiden Vitamine zuzuordnen?

Referenzen

  1. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
  2. Trüeb RM. Serum biotin levels in women complaining of hair loss. Int J Trichology. 2016;8(2):73–7. doi:10.4103/0974-7753.188040 · PubMed
  3. Said HM. Cell and molecular aspects of human intestinal biotin absorption. J Nutr. 2009;139(1):158–62. doi:10.3945/jn.108.092023 · PubMed
  4. Prasad PD, Wang H, Kekuda R, Fujita T, Fei YJ, Devoe LD, et al. Cloning and functional expression of a cDNA encoding a mammalian sodium-dependent vitamin transporter mediating the uptake of pantothenate, biotin, and lipoate. J Biol Chem. 1998;273(13):7501–6. doi:10.1074/jbc.273.13.7501 · PubMed
  5. Zempleni J, Mock DM. Bioavailability of biotin given orally to humans in pharmacologic doses. Am J Clin Nutr. 1999;69(3):504–8. doi:10.1093/ajcn/69.3.504 · PubMed
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
  7. Patel DP, Swink SM, Castelo-Soccio L. A review of the use of biotin for hair loss. Skin Appendage Disord. 2017;3(3):166–9. doi:10.1159/000462981 · PubMed
  8. Colombo VE, Gerber F, Bronhofer M, Floersheim GL. Treatment of brittle fingernails and onychoschizia with biotin: scanning electron microscopy. J Am Acad Dermatol. 1990;23(6 Pt 1):1127–32. doi:10.1016/0190-9622(90)70345-i · PubMed
  9. Hochman LG, Scher RK, Meyerson MS. Brittle nails: response to daily biotin supplementation. Cutis. 1993;51(4):303–5. PubMed
  10. Lipner SR, Scher RK. Biotin for the treatment of nail disease: what is the evidence? J Dermatolog Treat. 2018;29(4):411–4. doi:10.1080/09546634.2017.1395799 · PubMed
  11. Tourbah A, Lebrun-Frenay C, Edan G, Clanet M, Papeix C, Vukusic S, et al. MD1003 (high-dose biotin) for the treatment of progressive multiple sclerosis: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Mult Scler. 2016;22(13):1719–31. doi:10.1177/1352458516667568 · PubMed
  12. Cree BAC, Cutter G, Wolinsky JS, Freedman MS, Comi G, Giovannoni G, et al. Safety and efficacy of MD1003 (high-dose biotin) in patients with progressive multiple sclerosis (SPI2): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Neurol. 2020;19(12):988–97. doi:10.1016/S1474-4422(20)30347-1 · PubMed
  13. Espiritu AI, Remalante-Rayco PPM. High-dose biotin for multiple sclerosis: a systematic review and meta-analyses of randomized controlled trials. Mult Scler Relat Disord. 2021;55:103159. doi:10.1016/j.msard.2021.103159 · PubMed
  14. Mock DM. Biotin: from nutrition to therapeutics. J Nutr. 2017;147(8):1487–92. doi:10.3945/jn.116.238956 · PubMed
  15. Li D, Radulescu A, Shrestha RT, Root M, Karger AB, Killeen AA, et al. Association of biotin ingestion with performance of hormone and nonhormone assays in healthy adults. JAMA. 2017;318(12):1150–60. doi:10.1001/jama.2017.13705 · PubMed
  16. Ylli D, Soldin SJ, Stolze B, Wei B, Nigussie G, Nguyen H, et al. Biotin interference in assays for thyroid hormones, thyrotropin and thyroglobulin. Thyroid. 2021;31(8):1160–70. doi:10.1089/thy.2020.0866 · PubMed
  17. Al-Salameh A, Becquemont L, Brailly-Tabard S, Aubourg P, Chanson P. A somewhat bizarre case of Graves disease due to vitamin treatment. J Endocr Soc. 2017;1(5):431–5. doi:10.1210/js.2017-00054 · PubMed
  18. Bowen R, Benavides R, Colón-Franco JM, Katzman BM, Muthukumar A, Sadrzadeh H, et al. Best practices in mitigating the risk of biotin interference with laboratory testing. Clin Biochem. 2019;74:1–11. doi:10.1016/j.clinbiochem.2019.08.012 · PubMed
  19. Debourdeau PM, Djezzar S, Estival JL, Zammit CM, Richard RC, Castot AC. Life-threatening eosinophilic pleuropericardial effusion related to vitamins B5 and H. Ann Pharmacother. 2001;35(4):424–6. doi:10.1345/aph.10213 · PubMed
  20. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Biotin“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Rechtsstatus am konsolidierten Text der RL 2002/46/EG (CELEX 02002L0046-20251126): Anhang II Teil A, Nr. 12 a „D-Biotin“ als einzige Biotinverbindung.
  • Gesundheitsbezogene Angaben am Text der VO (EU) Nr. 432/2012 (Basisfassung): Biotin – Energiestoffwechsel, Nervensystem, Makronährstoffe, psychische Funktion, Erhaltung normaler Haare, Schleimhäute und Haut. Am 24.10.2026 zusätzlich die konsolidierte Fassung CELEX 02012R0432-20250820 (Cellar, XHTML) gelesen: die zwei Angaben in health_claims sind wortgleich (K5).
  • Abstract von [19] am 24.10.2026: 76-Jährige, zwei Monate Vitamin B5 und H, eosinophile Pleuroperikarditis mit Tamponade, Erholung nach Absetzen.
  • Am Abstract: Carboxylase-Funktionen, 38 % Mangel bei Frauen mit Haarausfall, Ablehnung ungezielter Gabe [2]; SMVT, Proteinbindung, Hochregulation bei Mangel [3]; Kt 15,1 µmol/l [4]; 6 Gesunde, etwa 50 % Urin-Wiederfindung oral wie intravenös, Metabolite [5]; 18 Fallberichte, alle mit Grunderkrankung [7]; 8 Personen, +25 % Nageldicke [8]; 22/35 gebessert, rückblickend [9]; Review fordert kontrollierte Studien [10]; 154 Patienten, 12,6 vs. 0 %, p = 0,005 [11]; 642 Patienten, 12 vs. 9 %, OR 1,35, Laborfehler, Finanzierung MedDay [12]; Interessenkonflikt-Erklärung von [11] in PubMed: MedDay „the study sponsor“, Koautor CEO und Anteilseigner von MedDay; 3 RCTs, 889 Personen, Gehzeit RR 2,06, übrige Endpunkte nicht signifikant [13]; Schwangerschaft, Berater-Tätigkeit für MedDay [14]; 6 Gesunde, 9/23 vs. 0/14 Tests, kompetitiv hoch, Sandwich niedrig [15]; 13 Erwachsene, TSH/fT4/TT3 (Roche), Tg falsch niedrig, Maximum nach 2 h [16]; Fallbericht Basedow [17]; 92 FDA-Meldungen, Herzmarker und Immunsuppressiva [18].
  • PubChem: Biotin CID 171548, C10H16N2O3S.
  • Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Biotin“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig, Endmaskierung): 70 Treffer, einschließlich Kombinationen, Homöopathika, Apothekenrezepturen und Parallelimporten [20]. Fach- und Gebrauchsinformationen nicht gelesen.
  • K5 am 24.10.2026 nachgezogen: Die in status.eu wörtlich zitierten Angaben standen doppelt (auch in health_claims); status.eu verweist jetzt nur noch auf health_claims, Referenz [6] bleibt.
  • 25.10.2026, q010 (Bereich Nervensystem): Versprechen „Hochdosiert gegen fortschreitende Multiple Sklerose“ von Bereich „Regeneration & Heilung“ nach „Nervensystem“; der frühere Vermerk „kein Nervenbereich im Vokabular“ ist damit erledigt. Abstract [12] erneut gelesen: SPI2 an Patienten mit primär oder sekundär progredienter Multipler Sklerose. Stufe und Ergebnis unverändert.
  • Präzisions-Flags (m004; Regeln Leitfaden 26.10.2026; Teilnehmendenzahlen, Richtung und Finanzierung am 26.10.2026 per PubMed efetch an Abstract, COI-Angabe und Affiliationen geprüft): „Stärkt brüchige Nägel“: kleine_studien – [8] 8 Behandelte (32 untersuchte Personen), [9] 35 ausgewertet ([10] Übersicht).

Nicht verifiziert

  • Ob Troponin-Tests durch Biotin gestört werden: Li 2017 [15] prüfte kein Troponin (11 Messgrößen, darunter NT-proBNP), Bowen 2019 [18] nennt im Abstract nur „cardiac“ tests; beide Volltexte über Europe PMC nicht frei verfügbar. Ob heutige Tests in Deutschland noch biotinempfindlich sind, ebenfalls nicht geprüft.
  • Randomisierung der Kinetikstudie [5]: im Abstract nicht berichtet (PubMed indexiert sie als „Randomized Controlled Trial“); Volltext nicht geprüft, deshalb Stufe 3.
  • Zulassungsstatus von MD1003.
  • Methodik der Biotinbestimmung in [2] (nur Abstract gelesen).
  • Halbwertszeit von Biotin im Plasma.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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