Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Wirkt als natürliches Antidepressivum

    uneinheitlich

    Stimmung & Stress · Patienten: Depression (SAMe allein) · Mensch, randomisiert

    Metaanalysen widersprechen sich: Cochrane fand gegenüber Placebo keinen gesicherten Unterschied (SMD −0,54, 95-%-KI −1,54 bis 0,46; zwei Studien, sehr niedrige Qualität) [4]; eine neuere Metaanalyse fand einen mittleren Vorteil (SMD −0,58, 95-%-KI −0,93 bis −0,23; I² 68 %) [5], eine dritte keinen signifikanten Unterschied [6]. Die größte Einzelstudie (n = 189) fand weder für SAMe noch für Escitalopram einen Vorteil gegenüber Placebo [7]; eine Pilotstudie (n = 49) verfehlte den Primärendpunkt [8]. Nur Abstract geprüft.

  • Verstärkt die Wirkung von Antidepressiva

    uneinheitlich

    Stimmung & Stress · Patienten: Depression mit unzureichendem Ansprechen auf Antidepressiva · Mensch, randomisiert

    Eine RCT mit 73 Nichtansprechenden auf Serotonin-Wiederaufnahmehemmer fand höhere Ansprech- und Remissionsraten (36,1 vs. 17,6 % bzw. 25,8 vs. 11,7 %) [9]; zwei größere RCTs (n = 107 und n = 234) fanden keinen Unterschied zu Placebo [10][11]; in der größeren war SAMe nur in einer nachträglichen Auswertung der ersten Studienhälfte signifikant besser, in der zweiten nicht [11]. Gepoolt war SAMe als Zusatz Placebo nicht signifikant überlegen (SMD −0,22; I² 76 %) [5]. Die größere Studie wurde vom Entwickler der Formulierung finanziert, alle Autorinnen und Autoren waren dort tätig [11]. Nur Abstract geprüft.[10]

  • Lindert Gelenkschmerzen bei Arthrose

    kein Nutzen

    Knochen & Gelenke · Patienten: Knie- oder Hüftarthrose · Mensch, randomisiert

    Cochrane-Metaanalyse von vier placebokontrollierten RCTs (n = 656): Schmerz SMD −0,17 (95-%-KI −0,34 bis 0,01), entsprechend 0,4 cm auf einer 10-cm-Skala; Funktion SMD 0,02 (−0,68 bis 0,71). Die Autorinnen und Autoren nennen das Ergebnis wegen kleiner, methodisch fragwürdiger Studien nicht schlüssig und schließen einen kleinen Effekt nicht aus; eine routinemäßige Anwendung empfehlen sie nicht [12]. Nur Abstract geprüft.

  • Hebt die Stimmung auch bei Gesunden

    nicht untersucht

    Stimmung & Stress · gesund · Keine Daten

    Keine Studie an Gesunden mit Stimmungsendpunkt gefunden; die Depressionsstudien zählen nicht für Gesunde [4][5].[4][5]

Wirkweise

Evidenzkarte: S-Adenosylmethionin (SAMe)

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

S-Adenosylmethionin (AdoMet, SAMe) wird in allen Zellen von Säugetieren gebildet, am meisten in der Leber; für die Synthese ist das Enzym Methionin-Adenosyltransferase (MAT) nötig [1]. SAMe ist Ausgangsstoff für drei Stoffwechselwege: Methylierung (es gibt seine Methylgruppe an DNA, Proteine, Phospholipide und Botenstoffe ab), Aminopropylierung (Polyaminsynthese) und Transsulfuration, über die Cystein und damit Glutathion entstehen [2]. Bei chronischen Lebererkrankungen sind MAT-Aktivität und SAMe-Spiegel vermindert; Mäuse ohne Mat1a entwickeln eine Steatohepatitis. Aber auch ein dauerhaft zu hoher SAMe-Spiegel ist ungünstig: Gnmt-Knockout-Mäuse entwickeln Leberschäden und Fibrose, Kinder mit GNMT-Mutation haben erhöhte Transaminasen (Tierbefunde und Fallbeobachtungen zu körpereigenem SAMe, nicht zu Präparaten) [1]. Dass oral eingenommenes SAMe aufgenommen wird, zeigt eine Teilauswertung einer RCT: Plasma-SAMe und S-Adenosylhomocystein (SAH) stiegen, Homocystein veränderte sich in der SAMe-Gruppe nicht signifikant, lag dort aber schon vor der Behandlung höher als unter Placebo und unterschied sich auch danach signifikant; die Spiegel hingen nicht mit dem Ansprechen zusammen [3].

Depression: Ein Cochrane-Review von acht RCTs (934 Erwachsene, orale und parenterale Gabe) fand als Monotherapie keinen gesicherten Unterschied zu Placebo (zwei Studien, sehr niedrige Qualität der Evidenz) und keinen Unterschied zu Imipramin oder Escitalopram; die Autorinnen und Autoren sehen keine hochwertige Evidenz [4]. Eine spätere Metaanalyse von 23 RCTs fand bei 11 Placebovergleichen einen mittleren Vorteil (SMD −0,58) bei hoher Heterogenität (I² 68 %) [5], eine weitere mit 14 Studien keinen signifikanten Unterschied zu Placebo [6]. In der größten placebokontrollierten Einzelstudie (189 ambulante Patientinnen und Patienten, zwölf Wochen) waren weder SAMe noch Escitalopram Placebo überlegen [7]; eine Pilotstudie mit 49 Unbehandelten verfehlte den Primärendpunkt [8]. Als Zusatz zu einem Antidepressivum war SAMe in einer RCT mit 73 Nichtansprechenden wirksamer als Placebo [9], in zwei größeren RCTs mit 107 bzw. 234 Personen nicht [10][11]; die größere wurde vom Entwickler der geprüften Formulierung finanziert, alle Autorinnen und Autoren waren dort tätig [11].

Arthrose: Ein Cochrane-Review von vier placebokontrollierten RCTs (656 Patientinnen und Patienten mit Knie- oder Hüftarthrose) fand beim Schmerz nur einen kleinen, nicht signifikanten Unterschied und bei der Funktion keinen; die Studien waren klein und methodisch schwach, eine routinemäßige Anwendung wird nicht empfohlen [12]. Leber: In einer placebokontrollierten Studie mit 123 Menschen mit alkoholbedingter Zirrhose sanken Sterblichkeit und Lebertransplantationen nicht signifikant (16 vs. 30 %), signifikant nur nach Ausschluss der Child-C-Patientinnen und -Patienten [13]. Ein Cochrane-Review von 2006 fand weder Belege für noch gegen SAMe bei alkoholbedingten Lebererkrankungen; diese Fassung hat Cochrane 2015 zurückgezogen, weil sie nicht mehr aktualisiert worden war, ihr Ergebnis gilt deshalb nur als historischer Stand [14]. Für die Schwangerschaftscholestase, also eine andere Diagnose, nennt die Übersicht zur Leber SAMe wirksam; die Studien dazu wurden hier nicht eigens geprüft [1].

Rechtlich ist Ademetionin in Deutschland als Arzneimittel verschreibungspflichtig [15], in mehreren EU-Staaten sind Ademetionin-Arzneimittel national zugelassen [16]. Für das Disulfat-Tosylat stellte eine Konsultation nach der Novel-Food-Verordnung fest, dass es in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig ist; andere Salze sind davon nicht erfasst [17]. In der Unionsliste steht SAMe nicht [18].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Methyltransferasen (DNA, Proteine, Phospholipide, Botenstoffe)EnzymSubstrat (Methylgruppendonor)Hauptmethylgruppendonor; Produkt S-Adenosylhomocystein Labor[1][2]
Transsulfuration (über Homocystein zu Cystein und Glutathion)SignalwegVorstufeGlutathionsynthese (Übersicht) Labor[2]
Polyaminsynthese (Aminopropylierung)SignalwegVorstufeÜbersicht Labor[2]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungmoduliert · Unter oraler Gabe steigen Plasma-SAMe und SAH (RCT-Teilauswertung, nur Marker); Homocystein in der SAMe-Gruppe nicht signifikant verändert, zwischen den Gruppen schon zu Beginn verschieden[3]

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · stabilisierte Salze, z. B. Disulfat-Tosylat

    Plasma-SAMe und SAH stiegen unter oraler Gabe in einer RCT-Teilauswertung (n = 35) [3]; die absolute Bioverfügbarkeit wurde in den gelesenen Quellen nicht angegeben. Das Disulfat-Tosylat wird laut Konsultationsergebnis zur Verbesserung der Stabilität verwendet [17].

    Mensch, randomisiert

  • Intravenös · Injektion oder Infusion (Arzneimittel)

    In einem Teil der Depressionsstudien wurde SAMe parenteral gegeben [4]; parenterale Arzneimittel sind in mehreren EU-Staaten national zugelassen (intravenös und intramuskulär) [16].

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Cochrane-Review Depression (Galizia)

    Systematische Übersicht und Metaanalyse von 8 RCTs · Patienten: Major Depression (stationär und ambulant) · n = 934

    Gemessen: Depressionssymptome, Abbrüche

    Ergebnis: Monotherapie gegen Placebo SMD −0,54 (n. s., sehr niedrige Qualität); kein Unterschied zu Imipramin oder Escitalopram; als Zusatz zu SSRI in einer Studie besser als Placebo; 2 Fälle von Manie/Hypomanie bei 441 SAMe-Behandelten.[4]

    Mensch, randomisiert

  • Metaanalyse Depression (Limveeraprajak)

    Systematische Übersicht und Metaanalyse von 23 RCTs · Patienten: Depression · n = 2183

    Gemessen: Depressionssymptome, Abbrüche

    Ergebnis: Gegen Placebo SMD −0,58 (I² 68 %); als Zusatz SMD −0,22 (n. s.); gegen Antidepressiva SMD 0,06 (n. s.).[5]

    Mensch, randomisiert

  • SAMe gegen Escitalopram und Placebo (Mischoulon)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, drei Arme · Patienten: Major Depression (ambulant) · n = 189 · 12 Wochen

    Gemessen: HDRS-17

    Ergebnis: Alle Arme besserten sich um 5–6 Punkte; keine Unterschiede zwischen SAMe, Escitalopram und Placebo.[7]

    Mensch, randomisiert

  • SAMe-Monotherapie, Pilotstudie (Sarris 2020)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: leichte bis mittelschwere Major Depression ohne Antidepressiva · n = 49 · 8 Wochen

    Gemessen: MADRS

    Ergebnis: Unterschied von 3,76 Punkten zugunsten SAMe, nicht signifikant (p = 0,13); hohe Placeboresponse.[8]

    Mensch, randomisiert

  • SAMe als Zusatz zu SSRI (Papakostas)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Major Depression ohne Ansprechen auf Serotonin-Wiederaufnahmehemmer · n = 73 · 6 Wochen

    Gemessen: HAM-D-Ansprechrate

    Ergebnis: Ansprechen 36,1 vs. 17,6 %, Remission 25,8 vs. 11,7 %.[9]

    Mensch, randomisiert

  • SAMe als Zusatz bei fehlender Remission (Sarris 2018)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · Patienten: Major Depression ohne Remission unter Antidepressiva · n = 107 · 8 Wochen

    Gemessen: MADRS

    Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo (p = 0,51); ein Fall serotonerger Symptome.[10]

    Mensch, randomisiert

  • MSI-195 als Zusatz (Targum)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, vom Entwickler finanziert, alle Autorinnen und Autoren beim Entwickler tätig · Patienten: Major Depression mit unzureichendem Ansprechen auf Antidepressiva · n = 234 · 6 Wochen

    Gemessen: HamD17, MADRS, IDS-SR30

    Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo in der Gesamtgruppe; nachträglich nur in der ersten Studienhälfte signifikant besser, in der zweiten nicht.[11]

    Mensch, randomisiert

  • Cochrane-Review Arthrose (Rutjes)

    Systematische Übersicht und Metaanalyse von 4 placebokontrollierten RCTs · Patienten: Knie- oder Hüftarthrose · n = 656

    Gemessen: Schmerz, Funktion, unerwünschte Ereignisse

    Ergebnis: Schmerz SMD −0,17 (n. s.), Funktion SMD 0,02 (n. s.); Studien klein und methodisch schwach.[12]

    Mensch, randomisiert

  • SAMe bei alkoholbedingter Zirrhose (Mato)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, multizentrisch · Patienten: alkoholbedingte Leberzirrhose · n = 123 · 2 Jahre

    Gemessen: Tod oder Lebertransplantation

    Ergebnis: 16 vs. 30 % (p = 0,077); ohne Child-C-Patientinnen und -Patienten 12 vs. 29 % (p = 0,025, Teilgruppe).[13]

    Mensch, randomisiert

  • Plasmaspiegel unter SAMe (Mischoulon 2012)

    Teilauswertung einer placebokontrollierten RCT · Patienten: Major Depression mit Teilansprechen auf SSRI · n = 35 · 6 Wochen

    Gemessen: SAMe, SAH, Homocystein, Methionin, 5-MTHF im Plasma

    Ergebnis: SAMe und SAH stiegen; Homocystein in der SAMe-Gruppe nicht signifikant verändert, nach der Behandlung zwischen den Gruppen verschieden (p = 0,0016) bei schon verschiedenen Ausgangswerten (p = 0,03); kein Zusammenhang mit dem Ansprechen.[3]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Manie und Hypomanie

    Im Cochrane-Review zwei Fälle von Manie oder Hypomanie bei 441 SAMe-Behandelten; die Autorinnen und Autoren nennen das Auslösen einer Manie als besonders wichtige Nebenwirkung [4]. Ein Fallbericht beschreibt eine Manie mit psychotischen Symptomen unter SAMe zusammen mit einem SSRI [19].

    Mensch, randomisiert

  • Magen-Darm-Beschwerden

    Häufigste Nebenwirkungen im SAMe-Arm der größten RCT: Magenbeschwerden (19 %) und Durchfall (20 %) [7]; auch in der Zusatzstudie überwiegend leichte Magen-Darm-Beschwerden [11].

    Mensch, randomisiert

Wechselwirkungen

  • Antidepressiva (v. a. serotonerge): In einer RCT als Zusatz zu Antidepressiva ein Fall mit Symptomen ähnlich einem Serotoninsyndrom [10]; ein Fallbericht einer Manie unter SAMe mit einem SSRI [19]. Systematische Interaktionsdaten wurden nicht gefunden.

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „SAMe wirkt so gut wie ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum“

    Kein Unterschied zu Imipramin oder Escitalopram in Studien niedriger Qualität [4]; in der direkten Vergleichsstudie war aber auch keiner der beiden Wirkstoffe Placebo überlegen [7], ein fehlender Unterschied zeigt daher keine Gleichwertigkeit.

  • teilweise belegt

    „Eingenommenes SAMe kommt im Körper an und kurbelt die Methylierung an“

    Plasma-SAMe und SAH steigen unter Einnahme (Marker) [3]; ob dadurch Methylierungsreaktionen in Geweben oder im Gehirn zunehmen, zeigt keine der gelesenen Studien, und die Spiegel hingen nicht mit dem Ansprechen zusammen [3].

  • nicht belegt

    „SAMe treibt Homocystein hoch und schadet so Herz und Gefäßen“

    In einer RCT-Teilauswertung (n = 35) stieg Homocystein in der SAMe-Gruppe nicht signifikant, SAH dagegen schon. Nach der Behandlung unterschied sich Homocystein aber signifikant zwischen den Gruppen (p = 0,0016), bei schon zu Beginn unterschiedlichen Werten (p = 0,03; im Volltext in der SAMe-Gruppe höher); in einer Varianzanalyse mit dem Ausgangswert war der Behandlungseffekt nicht signifikant (p = 0,22). Die kleinen Daten sind damit nicht eindeutig, Herz-Kreislauf-Endpunkte wurden nicht untersucht [3].

  • nicht belegt

    „SAMe schützt die Leber“

    Bei alkoholbedingter Zirrhose verfehlte die einzige methodisch adäquate RCT (doppelblind, multizentrisch, n = 123, zwei Jahre) den Hauptendpunkt Tod oder Lebertransplantation (16 vs. 30 %, p = 0,077); signifikant war er nur nach Ausschluss der Child-C-Patientinnen und -Patienten, also in einer Teilgruppe [13]. Ein Cochrane-Review fand 2006 weder Belege für noch gegen SAMe, gestützt fast nur auf diese Studie; die Fassung ist seit 2015 zurückgezogen und gilt nur als historischer Stand [14]. Für die Schwangerschaftscholestase nennt eine Übersicht SAMe wirksam; diese Arzneianwendung wurde hier nicht eigens geprüft [1]. An Gesunden ist ein Leberschutz nicht untersucht. Nur Abstract geprüft.

  • widerlegt

    „Als körpereigener Stoff ist SAMe unbedenklich“

    Manie bzw. Hypomanie ist in RCTs und einem Fallbericht beschrieben [4][19], Magen-Darm-Beschwerden sind häufig [7]. Dass „körpereigen“ nicht „harmlos in jeder Menge“ heißt, zeigen Mäuse mit genetisch dauerhaft erhöhtem SAMe-Spiegel, die Leberschäden entwickeln (Tierbefund, keine Daten zu Präparaten) [1].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Oral aufgenommen: Plasma-SAMe steigt unter Einnahme (RCT-Teilauswertung) [3]; absolute Bioverfügbarkeit in den gelesenen Quellen nicht angegeben.
Halbwertszeit
In den gelesenen Quellen nicht angegeben.
Abbau
Nach Abgabe der Methylgruppe entsteht S-Adenosylhomocystein, daraus Homocystein, das remethyliert oder über die Transsulfuration abgebaut wird [2]; unter Einnahme stieg SAH im Plasma [3].
Weg ins Gehirn
In den gelesenen Quellen nicht untersucht.

Rechtlicher Status

Deutschland
„Ademetionin“ steht ohne Einschränkung in Anlage 1 der AMVV: verschreibungspflichtig als Arzneimittel, laut Vorbemerkung der Anlage auch mit Salzen oder Hydraten des Stoffs [15]. Für Deutschland ist in der EMA-Datenbank nach Art. 57 kein Ademetionin-Arzneimittel verzeichnet (Datenstand 09.10.2026); AMIce wurde nicht abgefragt [16]. Der AMVV-Eintrag betrifft Arzneimittel; die lebensmittelrechtliche Einstufung SAMe-haltiger Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland wurde nicht geprüft (nicht verifiziert).
EU
Novel Food: Für das Salz S-Adenosyl-L-methionin-Disulfat-Tosylat gilt laut Novel-Food-Katalog „Not novel in food supplements“ (Eintrag POL-NF-16381); grundlegend ist eine Konsultation nach Art. 4 VO (EU) 2015/2283 über die litauische Behörde mit Ergebnis vom 14.10.2026, die ausdrücklich nur dieses Salz in Nahrungsergänzungsmitteln betrifft und nicht automatisch für andere SAMe-Salze gilt [17]. In der konsolidierten Unionsliste (Stand 10.08.2026) kein Eintrag [18]. Der Katalog ist eine Orientierungshilfe, kein Rechtsakt, und beantwortet nicht, ob ein Erzeugnis Lebens- oder Arzneimittel ist. Arzneimittel: kein zentral zugelassenes Arzneimittel im EMA-Datenexport; national zugelassene Ademetionin-Arzneimittel (oral und parenteral) sind in der Art.-57-Datenbank für Italien, Tschechien, Bulgarien und Litauen verzeichnet [16].
USA
Nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Wirkt SAMe als Monotherapie bei Depression, wenn große, gut verblindete Studien mit Placebo-Einlaufphase die hohe Placeboresponse kontrollieren?
  • Unterscheiden sich die SAMe-Salze und oralen gegenüber parenteralen Gaben in Aufnahme und Wirkung?
  • Wie hoch ist das Risiko eines Umschlagens in eine Manie bei bipolarer Störung oder zusammen mit Antidepressiva?

Referenzen

  1. Lu SC, Mato JM. S-adenosylmethionine in liver health, injury, and cancer. Physiol Rev. 2012;92(4):1515-42. doi:10.1152/physrev.00047.2011 · PubMed
  2. Bottiglieri T. S-Adenosyl-L-methionine (SAMe): from the bench to the bedside – molecular basis of a pleiotrophic molecule. Am J Clin Nutr. 2002;76(5):1151S-7S. doi:10.1093/ajcn/76/5.1151S · PubMed
  3. Mischoulon D, Alpert JE, Arning E, Bottiglieri T, Fava M, Papakostas GI. Bioavailability of S-adenosyl methionine and impact on response in a randomized, double-blind, placebo-controlled trial in major depressive disorder. J Clin Psychiatry. 2012;73(6):843-8. doi:10.4088/JCP.11m07139 · PubMed
  4. Galizia I, Oldani L, Macritchie K, Amari E, Dougall D, Jones TN, et al. S-adenosyl methionine (SAMe) for depression in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2016;10(10):CD011286. doi:10.1002/14651858.CD011286.pub2 · PubMed
  5. Limveeraprajak N, Nakhawatchana S, Visukamol A, Siripakkaphant C, Suttajit S, Srisurapanont M. Efficacy and acceptability of S-adenosyl-L-methionine (SAMe) for depressed patients: a systematic review and meta-analysis. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2024;132:110985. doi:10.1016/j.pnpbp.2024.110985 · PubMed
  6. Peng TR, Cheng HY, Wu TW. S-Adenosylmethionine (SAMe) as an adjuvant therapy for patients with depression: an updated systematic review and meta-analysis. Gen Hosp Psychiatry. 2024;86:118-26. doi:10.1016/j.genhosppsych.2024.01.001 · PubMed
  7. Mischoulon D, Price LH, Carpenter LL, Tyrka AR, Papakostas GI, Baer L, et al. A double-blind, randomized, placebo-controlled clinical trial of S-adenosyl-L-methionine (SAMe) versus escitalopram in major depressive disorder. J Clin Psychiatry. 2014;75(4):370-6. doi:10.4088/JCP.13m08591 · PubMed
  8. Sarris J, Murphy J, Stough C, Mischoulon D, Bousman C, MacDonald P, et al. S-Adenosylmethionine (SAMe) monotherapy for depression: an 8-week double-blind, randomised, controlled trial. Psychopharmacology (Berl). 2020;237(1):209-18. doi:10.1007/s00213-019-05358-1 · PubMed
  9. Papakostas GI, Mischoulon D, Shyu I, Alpert JE, Fava M. S-adenosyl methionine (SAMe) augmentation of serotonin reuptake inhibitors for antidepressant nonresponders with major depressive disorder: a double-blind, randomized clinical trial. Am J Psychiatry. 2010;167(8):942-8. doi:10.1176/appi.ajp.2009.09081198 · PubMed
  10. Sarris J, Byrne GJ, Bousman C, Stough C, Murphy J, MacDonald P, et al. Adjunctive S-adenosylmethionine (SAMe) in treating non-remittent major depressive disorder: an 8-week double-blind, randomized, controlled trial. Eur Neuropsychopharmacol. 2018;28(10):1126-36. doi:10.1016/j.euroneuro.2018.07.098 · PubMed
  11. Targum SD, Cameron BR, Ferreira L, MacDonald ID. An augmentation study of MSI-195 (S-adenosylmethionine) in major depressive disorder. J Psychiatr Res. 2018;107:86-96. doi:10.1016/j.jpsychires.2018.10.010 · PubMed
  12. Rutjes AW, Nüesch E, Reichenbach S, Jüni P. S-Adenosylmethionine for osteoarthritis of the knee or hip. Cochrane Database Syst Rev. 2009;(4):CD007321. doi:10.1002/14651858.CD007321.pub2 · PubMed
  13. Mato JM, Cámara J, Fernández de Paz J, Caballería L, Coll S, Caballero A, et al. S-adenosylmethionine in alcoholic liver cirrhosis: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter clinical trial. J Hepatol. 1999;30(6):1081-9. doi:10.1016/s0168-8278(99)80263-3 · PubMed
  14. Rambaldi A, Gluud C. S-adenosyl-L-methionine for alcoholic liver diseases. Cochrane Database Syst Rev. 2006;(2):CD002235. Von Cochrane zurückgezogen: Cochrane Database Syst Rev. 2015;(11):CD002235 (doi:10.1002/14651858.CD002235.pub3, PMID 26560497), weil die Übersicht seit 2008 nicht aktualisiert worden war. doi:10.1002/14651858.CD002235.pub2 · PubMed
  15. Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5): Stoffe und Zubereitungen nach § 1 Nr. 1, Eintrag „Ademetionin“. Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 25.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html
  16. European Medicines Agency. Article 57 product data (EMA/518502/2018, Rev. 90; Daten der Art.-57-Datenbank vom 09.10.2026) [Datenbank] sowie Datenexport „Medicines“ (JSON, Zeitstempel 24.10.2026) [zitiert 25.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/other/article-57-product-data_en.xlsx
  17. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: S-adenosyl-L-methionine disulfate tosylate [Datenbank]. POL-NF-16381, Status „Not novel in food supplements“; Ergebnis der Konsultation nach Art. 4 VO (EU) 2015/2283 (Litauen, Institute of Hygiene, 14.10.2026), veröffentlicht unter https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food/consultation-process-novel-food-status_en [zitiert 25.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
  18. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel gemäß der Verordnung (EU) 2015/2283 des Europäischen Parlaments und des Rates über neuartige Lebensmittel. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810).
  19. Abeysundera H, Gill R. Possible SAMe-induced mania. BMJ Case Rep. 2018;2018:bcr2018224338. doi:10.1136/bcr-2018-224338 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • PMIDs über PubMed (esummary, efetch) und DOIs über Crossref (Prüfskript); Abstracts selbst gelesen.
  • Am Abstract: MAT, MAT1A/MAT2A, Mat1a- und Gnmt-Knockout-Maus, GNMT-Mutation bei Kindern [1]; drei Stoffwechselwege [2]; RCT-Teilauswertung n = 35 von 73, SAMe und SAH ↑, Homocystein-Ausgangswerte verschieden (p = 0,03), nach Behandlung zwischen den Gruppen verschieden (p = 0,0016); im Volltext (PMC, Autorenmanuskript) Tabelle 1 und 2: Ausgangswert erklärt Endwert, Behandlungseffekt p = 0,22 [3]; Cochrane 8 RCTs, 934, SMD −0,54 (−1,54 bis 0,46), 2/441 Manie [4]; 23 RCTs, 2183, SMD −0,58 / −0,22 / 0,06 [5]; 14 Studien, 1522, keine signifikanten Unterschiede [6]; n = 189, Ansprechen 36/34/30 %, Magenbeschwerden 19 %, Durchfall 20 % [7]; n = 49, p = 0,13 [8]; n = 73, 36,1 vs. 17,6 % [9]; n = 107, p = 0,51, ein Fall serotonerger Symptome [10]; n = 234, Förderer und Affiliation aller vier Autorinnen und Autoren beim Entwickler der Formulierung (Europe PMC, PubMed), Signifikanz nur post hoc in der ersten Studienhälfte [11]; Cochrane Arthrose 4 RCTs, 656 [12]; n = 123, doppelblind, multizentrisch, zwei Jahre, 16 vs. 30 %, p = 0,077 [13]; Übersicht [1] nennt SAMe bei Schwangerschaftscholestase wirksam; Cochrane 2006, 9 RCTs, 434, und Rückzugsnotiz 2015 (PMID 26560497) [14]; Fallbericht Manie mit SSRI [19].
  • AMVV Anlage 1 (gesetze-im-internet.de, 25.10.2026): Eintrag „Ademetionin“ ohne Einschränkung; Vorbemerkung zu Salzen und Hydraten gelesen.
  • Novel-Food-Katalog (Backend des Katalogs, 25.10.2026): Eintrag POL-NF-16381 „S-adenosyl-L-methionine disulfate tosylate“, Status NOT_NOVEL_IN_FOOD_SUPPLEMENTS; Konsultationsdokument (PDF der Kommission) gelesen: Litauen, 14.10.2026, nach Bestätigung Italiens von 2016 und Arbeitsgruppe vom 17.09.2026 neu bewertet, gilt nur für dieses Salz in Nahrungsergänzungsmitteln. Andere SAMe-Einträge im Katalog: keine gefunden.
  • Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810, Cellar, XHTML, 25.10.2026): kein Treffer für Adenosylmethionin, Ademetionin oder SAMe.
  • EMA (25.10.2026): Datenexport „Medicines“ (Zeitstempel 24.10.2026) ohne Treffer; Art.-57-Daten (EMA/518502/2018, Rev. 90, Datenstand 09.10.2026): Ademetionin-Arzneimittel für Italien (oral und parenteral), Tschechien (oral), Bulgarien (oral und parenteral, auch als 1,4-Butandisulfonat) und Litauen (parenteral); keines für Deutschland.
  • PubChem: CID 34755 (Summenformel, SMILES).

Nicht verifiziert

  • Arzneimittelstatus in Deutschland in AMIce (nicht abgefragt); die Art.-57-Daten erfassen nur gemeldete Produkte.
  • Zugelassene Anwendungsgebiete der nationalen Arzneimittel (Fachinformationen nicht gelesen); Risiken deshalb nur aus Studien, nicht aus einer Fachinformation.
  • Welche Salze und Darreichungen die Studien der Metaanalysen verwendeten; die Abstracts trennen orale und parenterale Gabe nur teilweise.
  • Volltext des Fallberichts [19] (Europe PMC lieferte den Volltext nicht); Kausalitätsbewertung nicht geprüft.
  • Neue Cochrane-Fassung zu alkoholbedingten Lebererkrankungen (laut Rückzugsnotiz geplant) nicht gefunden.
  • US-Status als Nahrungsergänzungsmittel.
  • Studienlage zur Schwangerschaftscholestase (Arzneianwendung): nur die Aussage der Übersicht [1], keine eigene Prüfung der Studien.
  • Ob SAMe in Deutschland oder der EU tatsächlich als Lebensmittel mit einem Leberschutz-Versprechen beworben wird (Marktbeobachtung nicht durchgeführt).

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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