Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Verbessert die Durchblutung bis in die kleinsten Gefäße

    nicht untersucht

    Herz & Gefäße · gesund · Keine Daten

    Bei Gesunden gibt es nur Marker- und Kreislaufmessungen (Augendurchblutung, Viskosität, Verformbarkeit roter Blutkörperchen) [5][6][7]; eine Studie mit klinischem Nutzen für Gesunde wurde nicht gefunden. Die Markerbefunde stehen im zweiten und dritten Versprechen. Nur Abstract geprüft.[5][6][7]

  • Macht das Blut flüssiger (nur Marker)

    Einzelbefund, unbestätigt

    Herz & Gefäße · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Nur Marker. Eine kleine Überkreuz-RCT mit zehn Gesunden: Nach intravenöser Einzelinfusion sank die Viskosität des Vollbluts dosisabhängig, seine Filtrierbarkeit blieb unverändert [5]. Eine kontrollierte Studie nach Einnahme wurde nicht gefunden. Nur Abstract geprüft.

  • Macht die roten Blutkörperchen verformbarer (nur Marker)

    uneinheitlich

    Herz & Gefäße · gesund · Mensch, nicht randomisiert

    Nur Marker aus zwei unkontrollierten Vorher-nachher-Studien nach Einnahme mit sehr wenigen Teilnehmenden: Die Verformbarkeit in der Ektazytometrie blieb unverändert [6], die Steifigkeit einzelner Zellen in der Rasterkraftmikroskopie sank [7]. In der intravenösen RCT blieb die Filtrierbarkeit des Vollbluts unverändert [5]. Nur Abstract geprüft.

  • Verlängert die Gehstrecke bei Schaufensterkrankheit

    uneinheitlich

    Herz & Gefäße · Patienten: periphere arterielle Verschlusskrankheit mit Claudicatio intermittens · Mensch, randomisiert

    Cochrane-Review mit 24 Studien: Hinweise geringer Sicherheit auf längere Gehstrecken, Unterschiede zwischen den Studien von deutlich negativ bis deutlich positiv, keine gepoolte Analyse möglich; Knöchel-Arm-Index und Lebensqualität ohne Unterschied [9]. Nur Abstract geprüft.

  • Fördert die Heilung venöser Beingeschwüre

    Nutzen belegt

    Regeneration & Heilung · Patienten: venöse Beingeschwüre · Mensch, randomisiert

    Cochrane-Review mit 12 Studien und 864 Teilnehmenden: mehr Abheilung oder deutliche Besserung als unter Placebo bzw. ohne Behandlung (relatives Risiko 1,70), auch zusätzlich zur Kompression (1,56); die Studienqualität war unterschiedlich, unerwünschte Wirkungen häufiger [10]. Nur Abstract geprüft.

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: Pentoxifyllin

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Pentoxifyllin ist 1-(5-Oxohexyl)theobromin, also ein Derivat des Methylxanthins Theobromin. Eine ältere Übersicht des Arzneimittel-Informationsdienstes ADIS beschreibt es als Hämorheologikum, das vor allem die Verformbarkeit roter Blutkörperchen erhöhen, die Blutviskosität senken und die Neigung zur Thrombozytenaggregation verringern soll [1]. In Zellkultur unterdrückte es in Monozyten die durch Lipopolysaccharid ausgelöste Bildung von TNF-α auf mRNA- und Proteinebene um mehr als die Hälfte; andere Methylxanthine und ein cAMP-Analogon wirkten ähnlich, was die Autoren auf einen Anstieg von cAMP zurückführen [2]. Direkt in die Armarterie infundiert erweiterte Pentoxifyllin bei 18 gesunden jungen Menschen dosisabhängig die Gefäße des Unterarms, offenbar nicht über Adenosinrezeptoren, sondern vermutlich über eine Hemmung von Phosphodiesterasen; die nötigen Konzentrationen lagen nach Einschätzung der Autoren deutlich über denen nach Einnahme [3]. Nach Einnahme einer Retardtablette betrug die absolute Bioverfügbarkeit bei sechs Gesunden 33 %, bei Leberzirrhose 71 %, weil der Abbau in der Leber gestört ist; die Halbwertszeit nach intravenöser Gabe lag bei Gesunden unter einer Stunde, und der Hauptmetabolit 5-Hydroxypentoxifyllin wird offenbar auch außerhalb der Leber gebildet [4].

Bei Gesunden wurden nur Marker gemessen. In einer randomisierten, doppelblinden Überkreuzstudie mit zehn Gesunden steigerte intravenös gegebenes Pentoxifyllin dosisabhängig die pulsatile Durchblutung des Augenhintergrunds und senkte die Viskosität des Vollbluts, nicht aber dessen Filtrierbarkeit [5]. Nach einer Woche Einnahme änderte sich bei zehn Gesunden die Verformbarkeit der roten Blutkörperchen in der Ektazytometrie nicht [6]; in einer anderen kleinen Studie sank nach neun Tagen die Steifigkeit einzelner roter Blutkörperchen in der Rasterkraftmikroskopie um 30 bis 40 % [7]. Eine klinische Verbesserung der Durchblutung bei Gesunden wurde nicht untersucht. Eine Übersicht aus der Alternsforschung zählt Pentoxifyllin zu den Medikamenten, die als „Anti-Aging-Mittel“ verordnet werden, betont aber, dass ihr Einfluss auf die Lebensdauer des Menschen kaum untersucht ist [8].

Bei Kranken ist die Datenlage gemischt. Ein Cochrane-Review zur Schaufensterkrankheit (24 Studien, 3377 Teilnehmende) fand Hinweise geringer Sicherheit auf längere schmerzfreie und maximale Gehstrecken, aber keinen Unterschied beim Knöchel-Arm-Index und bei der Lebensqualität; die Studien waren zu heterogen für eine gepoolte Analyse, die Rolle von Pentoxifyllin bleibt unsicher [9]. Bei venösen Beingeschwüren heilten in einem Cochrane-Review (12 Studien, 864 Teilnehmende) unter Pentoxifyllin mehr Geschwüre ab oder besserten sich deutlich (relatives Risiko 1,70), mit und ohne Kompression; unerwünschte Wirkungen waren häufiger, zu 72 % Magen-Darm-Beschwerden [10]. Bei schwerer alkoholischer Hepatitis senkte Pentoxifyllin in der großen RCT STOPAH (1103 Randomisierte) die Sterblichkeit nach 28 Tagen nicht (Odds Ratio 1,07) [11]. Bei nichtalkoholischer Fettleber verbesserten sich in einer Metaanalyse von fünf kleinen RCTs Leberwerte und Gewebebefunde, die Autoren fordern größere Studien [12]. Als Zusatz zu Sildenafil bei Erektionsstörung verbesserte Pentoxifyllin in einer kleinen RCT mit 50 Männern den Erektionsscore nicht [13]. Bei zehn Menschen unter stabiler Cumarin-Therapie veränderten sich Gerinnungs- und Thrombozytenwerte unter Pentoxifyllin nicht signifikant [14]; seltene Blutungen schließt eine so kleine Studie nicht aus. Laut US-Fachinformation wurden unter Pentoxifyllin Blutungen mit und ohne gleichzeitige Gabe von NSAR, Gerinnungs- oder Thrombozytenaggregationshemmern berichtet, unter Vitamin-K-Antagonisten außerdem eine verlängerte Prothrombinzeit und eine verstärkte Gerinnungshemmung; die Gerinnung soll bei Beginn oder Änderung der Behandlung kontrolliert werden. Frische Hirn- oder Netzhautblutungen und eine Unverträglichkeit gegenüber Methylxanthinen sind Gegenanzeigen. Die Fachinformation nennt zudem höhere Theophyllinspiegel bis zur Toxizität, eine höhere Pentoxifyllin-Exposition unter starken CYP1A2-Hemmern und Cimetidin, gelegentliche Berichte über Angina pectoris, Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen, anaphylaktische Reaktionen und eine höhere Exposition bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion [15]. In Deutschland ist Pentoxifyllin verschreibungspflichtig [16]; eine zentrale EU-Zulassung gibt es nicht [17].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Phosphodiesterasen (unspezifisch)EnzymHemmervermutet: Gefäßerweiterung nicht adenosinvermittelt, cAMP-abhängige Effekte in Zellkultur Labor[2][3]
TNF-α-Bildung in MonozytenSignalwegExpression ↓mRNA und Protein um mehr als 50 % gesenkt bei 10 µM (in vitro) Labor[2]
Rote Blutkörperchen (Verformbarkeit, Steifigkeit)StrukturVerformbarkeit ↑ (uneinheitlich)Ektazytometrie unverändert; Steifigkeit einzelner Zellen −30 bis −40 % (kleine Studien an Gesunden) Mensch, nicht randomisiert[6][7]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutung↑ · Intravenös mehr pulsatile Augendurchblutung und geringere Blutviskosität bei Gesunden (kleine RCT); Gefäßerweiterung im Unterarm nur bei hohen Konzentrationen direkt in die Arterie[3][5]
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativ↓ · Hemmt die TNF-α-Bildung in Monozyten (Zellkultur); in der Fettleber-Metaanalyse TNF-α im Blut nicht verändert[2][12]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolyseunklar · Übersicht nennt eine verringerte Aggregationsneigung; laut US-Fachinformation Blutungen und unter Vitamin-K-Antagonisten verlängerte Prothrombinzeit berichtet; in einer kleinen Studie unter Cumarin keine signifikante Änderung der Gerinnungswerte[1][14][15]
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Retardtablette

    ≈ 33 % (Mensch, Gesunde); ≈ 71 % bei Leberzirrhose

    Starker Abbau beim ersten Durchgang durch die Leber; bei Leberzirrhose deutlich höhere Spiegel von Pentoxifyllin und Hydroxypentoxifyllin [4].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Intravenös · Infusion

    In Studien an Gesunden zur Messung von Kinetik und Durchblutungsmarkern verwendet [4][5].[4][5]

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Augendurchblutung und Blutviskosität (Schmetterer 1996)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, dreiarmige Überkreuzstudie, intravenös · gesund · n = 10 · Einzelinfusionen, Messung über 4 Stunden

    Gemessen: Pulsationsamplitude des Augenhintergrunds; Viskosität und Filtrierbarkeit des Vollbluts

    Ergebnis: Pulsatile Augendurchblutung dosisabhängig gestiegen (Makula bis +27 %), Viskosität gesunken, Filtrierbarkeit unverändert; Blutdruck und Puls unverändert.[5]

    Mensch, randomisiert

  • Verformbarkeit roter Blutkörperchen (Cummings 1992)

    offen, ohne Kontrollgruppe, Vorher-nachher · gesund · n = 10 · 7 Tage

    Gemessen: Verformbarkeit roter Blutkörperchen (Ektazytometrie)

    Ergebnis: Keine signifikante Änderung bei keinem der Teilnehmenden.[6]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Steifigkeit roter Blutkörperchen (Aifantis 2019)

    offen, ohne Kontrollgruppe, Vorher-nachher · gesund · 9 Tage

    Gemessen: Elastizitätsmodul einzelner roter Blutkörperchen (Rasterkraftmikroskopie)

    Ergebnis: Elastizitätsmodul um 30 bis 40 % gesunken; Fallzahl nicht im Abstract.[7]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Cochrane-Review Schaufensterkrankheit (Broderick 2020)

    systematischer Review (24 RCTs, ohne Metaanalyse) · Patienten: Claudicatio intermittens (Fontaine II) · n = 3377

    Gemessen: schmerzfreie und maximale Gehstrecke, Knöchel-Arm-Index, Lebensqualität

    Ergebnis: Mögliche Verbesserung der Gehstrecken (geringe Sicherheit), kein Unterschied bei Knöchel-Arm-Index und Lebensqualität (mittlere Sicherheit); meist gut verträglich.[9]

    Mensch, randomisiert

  • Cochrane-Review venöse Beingeschwüre (Jull 2012)

    systematischer Review mit Metaanalyse (12 RCTs) · Patienten: venöse Beingeschwüre · n = 864

    Gemessen: vollständige Abheilung oder deutliche Besserung

    Ergebnis: Relatives Risiko 1,70 gegenüber Placebo oder keiner Behandlung; mit Kompression 1,56; mehr unerwünschte Wirkungen (relatives Risiko 1,56), überwiegend Magen-Darm.[10]

    Mensch, randomisiert

  • STOPAH: alkoholische Hepatitis (Thursz 2015)

    RCT, doppelblind, 2×2-faktoriell, multizentrisch · Patienten: schwere alkoholische Hepatitis · n = 1103 · Nachbeobachtung bis 1 Jahr

    Gemessen: Sterblichkeit nach 28 Tagen

    Ergebnis: Kein Nutzen von Pentoxifyllin (Odds Ratio 1,07); auch nach 90 Tagen und 1 Jahr kein Unterschied. Öffentlich finanziert (NIHR).[11]

    Mensch, randomisiert

  • Pentoxifyllin als Zusatz zu Sildenafil (Law 2020)

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, ein Zentrum · Patienten: Erektionsstörung mit unzureichender Wirkung von Sildenafil · n = 50 · 8 Wochen

    Gemessen: IIEF-5-Score

    Ergebnis: Kein Unterschied im Gesamtscore; nur der Bereich „allgemeine Zufriedenheit“ nach Adjustierung besser.[13]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Blutungen

    Laut US-Fachinformation wurden Blutungen mit und ohne gleichzeitige NSAR, Gerinnungs- oder Thrombozytenaggregationshemmer berichtet. Frische Hirn- oder Netzhautblutungen sind eine Gegenanzeige; bei weiteren Blutungsrisiken (z. B. kurz zurückliegende Operation, Magengeschwür) sind regelmäßige Kontrollen auf Blutungen vorgesehen [15].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Magen-Darm-Beschwerden

    Häufigste unerwünschte Wirkungen, z. B. Übelkeit; im Review zu Beingeschwüren waren unerwünschte Wirkungen unter Pentoxifyllin häufiger (relatives Risiko 1,56), zu 72 % gastrointestinal [9][10]. Laut US-Fachinformation in Studien mit nicht retardierten Kapseln Übelkeit bei 28,8 % gegenüber 8,7 % unter Placebo, mit Retardtabletten seltener; dazu Schwindel und Kopfschmerz [15].

    Mensch, randomisiert

  • Höhere Spiegel bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung

    Bei Leberzirrhose war die Clearance stark vermindert und die Bioverfügbarkeit mehr als verdoppelt [4]. Laut US-Fachinformation ist die Exposition bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion erhöht, mit unbekannten Folgen; der aktive Metabolit V wird über die Niere ausgeschieden [15].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Herz-Kreislauf-Reaktionen

    Gelegentliche Berichte über Angina pectoris, Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen; in kontrollierten Studien nicht häufiger als unter Placebo (US-Fachinformation) [15].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Überempfindlichkeit und seltene Blutbildschäden

    Gegenanzeige bei Unverträglichkeit gegenüber Pentoxifyllin oder anderen Methylxanthinen (Koffein, Theophyllin, Theobromin); anaphylaktische Reaktionen bis zum Schock wurden berichtet. Seltene Spontanberichte über Panzytopenie, aplastische Anämie, Thrombozytopenie und Hepatitis, ohne gesicherten Zusammenhang (US-Fachinformation) [15].

    Mensch, nicht randomisiert

Wechselwirkungen

  • Cumarine (Vitamin-K-Antagonisten): Laut US-Fachinformation wurden eine verlängerte Prothrombinzeit und eine verstärkte Gerinnungshemmung berichtet; die Gerinnung soll bei Beginn oder Änderung der Pentoxifyllin-Behandlung kontrolliert werden [15]. In einer kleinen älteren Studie mit zehn Menschen unter stabiler Cumarin-Therapie änderten sich Blutungszeit, Gerinnungs- und Thrombozytenwerte nicht signifikant; das schließt seltene Blutungen nicht aus [14].
  • NSAR und Thrombozytenaggregationshemmer: Blutungen wurden unter Pentoxifyllin mit und ohne diese Arzneimittel berichtet (US-Fachinformation) [15].
  • Theophyllin: Höhere Theophyllinspiegel, bei einzelnen Menschen bis zur Toxizität; Spiegelkontrollen vorgesehen (US-Fachinformation) [15].
  • Starke CYP1A2-Hemmer (z. B. Ciprofloxacin, Fluvoxamin) und Cimetidin: Können die Pentoxifyllin-Exposition erhöhen; unter Cimetidin stiegen die mittleren Spiegel von Pentoxifyllin um etwa 25 % (US-Fachinformation) [15].
  • Blutdrucksenker: Bei einem Teil der Behandelten sank der Blutdruck leicht; Blutdruckkontrollen vorgesehen (US-Fachinformation) [15].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • teilweise belegt

    „Pentoxifyllin macht die roten Blutkörperchen geschmeidiger und verbessert so die Mikrozirkulation“

    Die Verformbarkeit blieb in einer Studie unverändert [6], die Steifigkeit sank in einer anderen [7]; die Viskosität sank nach intravenöser Gabe [5]. Ein Nutzen für die Mikrozirkulation bei Gesunden ist nicht gezeigt.

  • nicht belegt

    „Pentoxifyllin ist ein Anti-Aging-Mittel“

    Eine Übersicht nennt Pentoxifyllin unter Medikamenten, die gegen Altersbeschwerden verordnet werden, und betont, dass ihr Einfluss auf die Lebensdauer kaum untersucht ist [8]. Studien zu Lebensdauer oder Alterungsendpunkten wurden nicht gefunden.

  • teilweise belegt

    „Pentoxifyllin hilft bei Fettleber“

    Metaanalyse von fünf kleinen RCTs mit besseren Leberwerten und Gewebebefunden; die Autoren fordern größere Studien [12]. Bei schwerer alkoholischer Hepatitis senkte Pentoxifyllin die Sterblichkeit nicht [11].

  • widerlegt

    „Pentoxifyllin senkt die Sterblichkeit bei schwerer alkoholischer Hepatitis“

    In der großen RCT STOPAH (1103 Randomisierte, faktorielles Design) senkte Pentoxifyllin die Sterblichkeit nach 28 Tagen nicht (Odds Ratio 1,07), ebenso nicht nach 90 Tagen und einem Jahr [11].

  • teilweise belegt

    „Pentoxifyllin wirkt entzündungshemmend über TNF-α“

    In Zellkultur sank die TNF-α-Bildung deutlich [2]; in der Fettleber-Metaanalyse änderte sich TNF-α im Blut nicht [12].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Absolute Bioverfügbarkeit einer Retardtablette bei Gesunden 33 %, bei Leberzirrhose 71 % [4].
Halbwertszeit
Nach intravenöser Gabe bei Gesunden unter einer Stunde, bei Leberzirrhose verlängert; der Metabolit 5-Hydroxypentoxifyllin hat eine ähnliche Halbwertszeit [4].
Abbau
Bildung von 5-Hydroxypentoxifyllin, offenbar auch außerhalb der Leber; Clearance bei Leberzirrhose stark vermindert [4].
Weg ins Gehirn
Nicht an einer Primärquelle geprüft.

Rechtlicher Status

Deutschland
Verschreibungspflichtig als Arzneimittel (AMVV Anlage 1, Eintrag „Pentoxifyllin“, Stand der Verordnung 19.05.2026) [16]. Nationale Zulassungen und deren Anwendungsgebiete nicht an AMIce/PharmNet geprüft (nicht verifiziert). Eine Anwendung zur besseren Durchblutung bei Gesunden oder gegen das Altern ist keine belegte Indikation.
EU
Keine zentrale Zulassung: Im EMA-Datenexport (Stand 24.10.2026) ist kein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Pentoxifyllin verzeichnet [17]; Zulassungen bestehen damit, wenn überhaupt, national (nicht geprüft).
USA
Verschreibungspflichtig (Rx only); laut US-Fachinformation von Trental (NDA 018631) zugelassen zur Behandlung der Claudicatio intermittens bei chronischer arterieller Verschlusskrankheit der Gliedmaßen [15].

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Verbessert Pentoxifyllin nach Einnahme die Mikrozirkulation bei Gesunden messbar, und hätte das einen klinischen Nutzen?
  • Welcher Anteil der Wirkung bei Beingeschwüren beruht auf Rheologie, welcher auf Entzündungshemmung?
  • Wie groß ist das Blutungsrisiko in Kombination mit Gerinnungshemmern jenseits der kleinen Interaktionsstudie?

Referenzen

  1. Ward A, Clissold SP. Pentoxifylline. A review of its pharmacodynamic and pharmacokinetic properties, and its therapeutic efficacy. Drugs. 1987;34(1):50-97. doi:10.2165/00003495-198734010-00003 · PubMed
  2. Strieter RM, Remick DG, Ward PA, Spengler RN, Lynch JP, Larrick J, et al. Cellular and molecular regulation of tumor necrosis factor-alpha production by pentoxifylline. Biochem Biophys Res Commun. 1988;155(3):1230-6. doi:10.1016/s0006-291x(88)81271-3 · PubMed
  3. Kamphuis J, Smits P, Thien T. Vascular effects of pentoxifylline in humans. J Cardiovasc Pharmacol. 1994;24(4):648-54. doi:10.1097/00005344-199410000-00016 · PubMed
  4. Rames A, Poirier JM, LeCoz F, Midavaine M, Lecocq B, Grange JD, et al. Pharmacokinetics of intravenous and oral pentoxifylline in healthy volunteers and in cirrhotic patients. Clin Pharmacol Ther. 1990;47(3):354-9. doi:10.1038/clpt.1990.39 · PubMed
  5. Schmetterer L, Kemmler D, Breiteneder H, Alschinger C, Koppensteiner R, Lexer F, et al. A randomized, placebo-controlled, double-blind crossover study of the effect of pentoxifylline on ocular fundus pulsations. Am J Ophthalmol. 1996;121(2):169-76. doi:10.1016/s0002-9394(14)70581-1 · PubMed
  6. Cummings DM, Ballas SK, Ellison MJ. Lack of effect of pentoxifylline on red blood cell deformability. J Clin Pharmacol. 1992;32(11):1050-3. doi:10.1002/j.1552-4604.1992.tb03810.x · PubMed
  7. Aifantis KE, Shrivastava S, Pelidou SH, Ngan AHW, Baloyannis SI. Relating the blood-thinning effect of pentoxifylline to the reduction in the elastic modulus of human red blood cells: an in vivo study. Biomater Sci. 2019;7(6):2545-2551. doi:10.1039/c8bm01691g · PubMed
  8. Ukraintseva SV, Arbeev KG, Michalsky AI, Yashin AI. Antiaging treatments have been legally prescribed for approximately thirty years. Ann N Y Acad Sci. 2004;1019:64-9. doi:10.1196/annals.1297.014 · PubMed
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  10. Jull AB, Arroll B, Parag V, Waters J. Pentoxifylline for treating venous leg ulcers. Cochrane Database Syst Rev. 2012;12(12):CD001733. doi:10.1002/14651858.CD001733.pub3 · PubMed
  11. Thursz MR, Richardson P, Allison M, Austin A, Bowers M, Day CP, et al. Prednisolone or pentoxifylline for alcoholic hepatitis. N Engl J Med. 2015;372(17):1619-28. doi:10.1056/NEJMoa1412278 · PubMed
  12. Zeng T, Zhang CL, Zhao XL, Xie KQ. Pentoxifylline for the treatment of nonalcoholic fatty liver disease: a meta-analysis of randomized double-blind, placebo-controlled studies. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2014;26(6):646-53. doi:10.1097/MEG.0000000000000068 · PubMed
  13. Law YXT, Tai BC, Tan YQ, Lata RNM, Lee KCJ. A Small Group Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Study to Evaluate the Efficacy of Daily Pentoxifylline in the Management of Patients With Erectile Dysfunction with Suboptimal Treatment Response to Sildenafil. Sex Med. 2020;8(1):14-20. doi:10.1016/j.esxm.2019.08.012 · PubMed
  14. Ingerslev J, Mouritzen C, Stenbjerg S. Pentoxifylline does not interfere with stable coumarin anticoagulant therapy: a clinical study. Pharmatherapeutica. 1986;4(9):595-600. PubMed
  15. U.S. National Library of Medicine. DailyMed: TRENTAL (pentoxifylline) tablet, extended release (Validus Pharmaceuticals). US-Fachinformation (FDA-Label), NDA 018631, SPL-Version 1 vom 01.10.2026 [Internet]. Abgerufen am 25.10.2026. Verfügbar unter: https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/drugInfo.cfm?setid=b0d1d50f-9023-4e2f-889f-a5febba70fa5
  16. Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5), zuletzt geändert durch Art. 1 der Verordnung vom 19.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 24.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html
  17. European Medicines Agency. Medicines output – medicines JSON report: Suche nach dem Wirkstoff „pentoxifylline“ ohne Treffer [Internet]. Amsterdam: EMA; Zeitstempel 24.10.2026 [abgerufen 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/report/medicines-output-medicines_json-report_en.json
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-25. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Abstracts über PubMed (efetch, XML mit Affiliationen und COI-Angaben) gelesen; DOIs und PMIDs mit tools/pruefe_profile.py online aufgelöst.
  • Am Abstract: Übersicht von ADIS mit Hämorheologie, Viskosität, Aggregation (Abstract gekürzt) [1]; TNF-α mRNA und Protein −50 % bei 10 µM, cAMP-Hypothese [2]; 18 Gesunde, intraarterielle Infusion, nicht adenosinvermittelt, Konzentrationen über oralen Spiegeln [3]; sechs Gesunde, zehn mit Zirrhose, Bioverfügbarkeit 0,33 gegenüber 0,71, Halbwertszeit 0,83 h [4]; zehn Gesunde, Augenpulsation bis +27 %, Viskosität ↓, Filtrierbarkeit unverändert [5]; zehn Gesunde, 7 Tage, Verformbarkeit unverändert [6]; Elastizitätsmodul −30 bis −40 % nach 9 Tagen, Fallzahl nicht genannt [7]; Übersicht zu „Anti-Aging“-Verordnungen [8]; 24 Studien, 3377 Teilnehmende, GRADE-Einstufungen [9]; 12 Studien, 864 Teilnehmende, RR 1,70 bzw. 1,56, Nebenwirkungen RR 1,56, 72 % gastrointestinal, COI [10]; STOPAH 1103 Randomisierte, OR 1,07, NIHR-Finanzierung [11]; fünf RCTs zur Fettleber [12]; 50 Männer, IIEF-5 ohne Unterschied [13]; zehn Menschen unter Cumarin [14].
  • AMVV Anlage 1 am 24.10.2026 bei gesetze-im-internet.de abgerufen: Eintrag „Pentoxifyllin“; Stand der Verordnung 19.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149) [16]. Nicht in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz (Volltextsuche, ohne eigene Referenz).
  • EMA-Datenexport (medicines JSON, Zeitstempel 24.10.2026): kein Treffer für „pentoxifyl“ [17].
  • PubChem (CID 4740): Summenformel, SMILES; Synonym „1-(5-Oxohexyl)theobromine“ bestätigt die Ableitung von Theobromin (CID 5429).
  • Gegenprüfung 25.10.2026: US-Fachinformation Trental (DailyMed, Validus, NDA 018631, SPL-Version 1, abgerufen am 25.10.2026) gelesen: Anwendungsgebiet, Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungstabelle und Spontanberichte, Pharmakokinetik [15]. Abstracts [5], [6] und [7] erneut gelesen: Viskosität nur nach intravenöser Gabe in der RCT, Verformbarkeit bzw. Steifigkeit nur in unkontrollierten Studien nach Einnahme; Markerversprechen deshalb nach Messgröße getrennt. Wegen der Höchstzahl von fünf Versprechen steht die alkoholische Hepatitis (STOPAH) jetzt als Behauptung.
  • 25.10.2026, Entscheidung q086: Hauptversprechen Durchblutung (statt Langlebigkeit), „Anti-Aging“ als Behauptung und Gegenlink in theobromin als „Derivat“ ohne Aufnahme in methylxanthine bestätigt, keine Änderung. Die deutsche Fachinformation zieht der Rechercheauftrag docs/AUFTRAG-RECHTSSTATUS.md nach (q113).
  • 25.10.2026, Entscheidung q012 (nur Abstract geprüft): Alle Bewertungen aus Zeitschriftenartikeln und Cochrane-Reviews beruhen nur auf den Abstracts; im Wortlaut gelesen wurden die US-Fachinformation [15], die AMVV [16] und der EMA-Export [17].
  • 25.10.2026, Entscheidung q018 (Handelsnamen): „Trental“ stand schon in synonyme (Drugs@FDA NDA018631, über openFDA am 25.10.2026 abgefragt; US-Fachinformation [15]). Ob der Name in Deutschland gebräuchlich ist, wurde nicht an einer deutschen Fachinformation geprüft (im spanischen CIMA-Register heißen die Präparate anders); Generika nicht aufgenommen.
  • 25.10.2026, Entscheidung q040: rx_referenz gesetzt (Paket P1, Tier 2; Verschreibungspflicht laut AMVV Anlage 1 [16]).
  • 25.10.2026, Handelsnamen einheitlich (q018; Leitfaden „Handelsnamen“, Entscheidung 25.10.2026: Art.-57-Datenbank als Beleg gleichrangig mit EPAR, Fachinformation und Drugs@FDA; US-Namen nur ohne DE/EU-Namen; keine Kombinationspräparate): synonyme unverändert. Ergänzender Beleg für „Trental“: EMA-Datenbank nach Art. 57 (Article 57 product data, EMA/518502/2018 Rev. 90, Datenstand 09.10.2026, am 25.10.2026 abgerufen): in neun Ländern einschließlich Deutschland gelistet (u. a. Österreich, Italien, Niederlande); die offene Frage oben, ob der Name in Deutschland gebräuchlich ist, ist damit beantwortet. Generika nicht aufgenommen.
  • Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Macht das Blut flüssiger (nur Marker)“ → kleine_studien: [5] n = 10 (Abstract).

Nicht verifiziert

  • Deutsche Fachinformation (nationale Zulassung, z. B. Trental) nicht gelesen; Gegenanzeigen, Blutungswarnungen und Wechselwirkungen stammen aus der US-Fachinformation der Retardtablette [15] und können in Details von der deutschen Fassung abweichen.
  • Nationale Zulassungen und zugelassene Anwendungsgebiete in Deutschland (AMIce/PharmNet) nicht geprüft.
  • Fallzahl der Studie Aifantis 2019 steht nicht im Abstract; Volltext nicht frei verfügbar.
  • Ob Pentoxifyllin in Szene-Quellen eher als Durchblutungs- oder als Langlebigkeitsmittel beworben wird, ist nicht systematisch erhoben; das Hauptversprechen folgt dem Scope (Durchblutung).

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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