Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Senkt Cholesterin und verbessert die Blutfette
nur bei Kranken belegtNur Marker: Das Versprechen betrifft selbst Blutfettwerte; belegt ist es nur mit Arzneimitteldosen bei Patienten: In AIM-HIGH stieg HDL von 0,91 auf 1,08 mmol/l, Triglyceride sanken von 1,85 auf 1,38 mmol/l [8]; in HPS2-THRIVE lag LDL im Mittel 0,25 mmol/l niedriger und HDL 0,16 mmol/l höher als unter Placebo [9]. Diese Markerveränderungen brachten keinen klinischen Nutzen (siehe nächstes Versprechen). Studien an Gesunden mit nahrungsüblichen Mengen fehlen.
Schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall und verlängert das Leben
kein NutzenCochrane-Review (23 RCTs, 39 195 Teilnehmende): Gesamtsterblichkeit RR 1,05, Herzinfarkte RR 0,93 (0,87–1,00), Schlaganfälle RR 0,95, Abbrüche wegen Nebenwirkungen RR 2,17 [11]. AIM-HIGH (HR 1,02) und HPS2-THRIVE (RR 0,96) zusätzlich zu Statinen ohne Wirkung [8][9]. Der Sterblichkeitsvorteil im Coronary Drug Project stammt aus einer späten Nachbeobachtung ohne Statine [7].[8][9]
Steigert Energie und Muskelleistung
Einzelbefund, unbestätigtDas beworbene Versprechen „Hebt NAD+ und steigert Energie und Muskelleistung“ ist zerlegt; der NAD+-Anstieg folgt als eigenes Markerversprechen. Offene Studie ohne Placebo: Muskelkraft bei allen Teilnehmenden gestiegen, bei einigen Patienten Neigung zu Blutarmut [3]. Randomisierte Daten zu Energie oder Leistung bei Gesunden fehlen.
Hebt den NAD+-Spiegel (nur Marker)
Einzelbefund, unbestätigtNur Marker, kein klinischer Endpunkt. Offene Studie ohne Placebo: Blut-NAD+ bei allen Teilnehmenden bis auf das Achtfache erhöht [3]. Ein starker NAD+-Effekt von Nicotinsäure zeigte sich auch in Vollblut außerhalb des Körpers (ex vivo) [2]; eine randomisierte Studie mit Nicotinsäure und NAD+-Endpunkt bei Gesunden wurde nicht gefunden.
Wirkweise
Evidenzkarte: Nicotinsäure
Nicotinsäure ist neben Nicotinamid die klassische Form von Niacin (Vitamin B3); die EU führt sie in Anhang II der Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel als zulässige Vitaminverbindung [1]. Im Körper wird sie über den Preiss-Handler-Weg zu NAD+ umgebaut. In einer randomisierten Studie mit 65 Gesunden hob Nicotinamid das NAD+ im Blut nach 14 Tagen nicht an; im Blut außerhalb des Körpers (ex vivo) war Nicotinsäure dagegen ein starker NAD+-Lieferant, während Nicotinamid, NR und NMN es nicht waren [2]. In einer offenen Studie bei Patienten mit mitochondrialer Myopathie und gesunden Vergleichspersonen stieg das NAD+ im Blut unter steigenden Mengen Nicotinsäure bei allen Teilnehmenden, bis auf das Achtfache [3].
Die Wirkung auf die Blutfette hat mit der Vitaminfunktion nichts zu tun und braucht Mengen weit über der Nahrungszufuhr. Nicotinsäure aktiviert den Gi-gekoppelten Rezeptor HCA2 (GPR109A, beim Menschen HM74A) auf Fettzellen, senkt dort cAMP und bremst die Lipolyse; bei Mäusen ohne diesen Rezeptor blieben der Abfall der freien Fettsäuren und der Triglyceride aus [4]. Derselbe Rezeptor vermittelt den Flush: Mäuse ohne HCA2 bekamen keine Hautrötung, beteiligt sind Prostaglandin D2 und E2 aus Immunzellen der Haut [5], in einer frühen Phase aus Langerhans-Zellen (COX-1), später aus Keratinozyten (COX-2) [6].
Zu klinischen Endpunkten liegen große kontrollierte Studien vor. Im placebokontrollierten Coronary Drug Project (8341 Männer nach Herzinfarkt, vor der Statin-Ära) senkte Nicotinsäure nicht tödliche Reinfarkte leicht, nicht aber die Gesamtsterblichkeit; erst in einer Nachbeobachtung neun Jahre nach Studienende lag die Sterblichkeit niedriger (52,0 vs. 58,2 %) [7]. Zusätzlich zur Statintherapie verbesserte Nicotinsäure mit verzögerter Freisetzung (extended release) in AIM-HIGH (3414 Patienten) HDL und Triglyceride deutlich, die Studie wurde aber nach drei Jahren wegen fehlender Wirkung beendet (HR 1,02) [8]. HPS2-THRIVE mit 25 673 Gefäßpatienten (ebenfalls extended release, zusammen mit Laropiprant) fand ebenfalls keine Wirkung auf schwere Gefäßereignisse (13,2 vs. 13,7 %), aber mehr schwere Nebenwirkungen: Entgleisungen des Diabetes, neue Diabetesdiagnosen, Infektionen, Blutungen sowie Magen-Darm-, Muskel- und Hautprobleme [9]; mit Simvastatin traten Myopathien häufiger auf, besonders bei Teilnehmenden in China [10]. Ein Cochrane-Review von 23 RCTs mit 39 195 Teilnehmenden fand keine Senkung von Gesamt- oder Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, Herzinfarkten oder Schlaganfällen, aber doppelt so viele Abbrüche wegen Nebenwirkungen [11]; eine Metaanalyse von 11 RCTs ergab ein um 34 % höheres Diabetesrisiko [12]. Beobachtungsdaten verbinden zudem hohe Blutspiegel der Abbauprodukte von überschüssigem Niacin, 2PY und 4PY, mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen; 4PY förderte bei Mäusen Gefäßentzündung [13].
Formulierungen und Herkunft: In einer randomisierten Doppelblindstudie mit 46 Patienten war schnell freisetzende Nicotinsäure für den Flush verantwortlich, Retard-Nicotinsäure (sustained release) dagegen für Lebertoxizität bei 12 von 23 Personen, gegenüber keiner Person unter schnell freisetzender Form [14]. Präparate mit verzögerter Freisetzung (extended release) liegen laut Übersicht in der Aufnahmegeschwindigkeit dazwischen und sollen Flush und Leberschäden verringern; die Arbeit ordnet die Nebenwirkungen der Aufnahmegeschwindigkeit und dem anschließenden Abbau zu [15]. Solche Präparate, nicht die Retardform, wurden in AIM-HIGH und HPS2-THRIVE geprüft [8][9]; anhaltend erhöhte ALT-Werte ohne Muskelschaden traten dort bei 0,10 gegenüber 0,06 % pro Jahr unter Placebo auf [10]. Eine Wachsmatrixform mit verzögerter Freisetzung zeigte in einer Kinetik-Unterstudie mit 5 Personen ebenfalls eine mittlere Freisetzungs- und Aufnahmegeschwindigkeit über etwa sechs Stunden [16]; ob sie dieselbe Formulierung ist wie das Präparat der Übersicht oder der Outcome-Studien, ist nicht belegt. Als „No-Flush-Niacin“ verkauftes Inositolhexanicotinat, eine eigene Verbindung aus Inositol und sechs Nicotinsäureresten, veränderte die Blutfette in einer randomisierten Studie nicht stärker als Placebo und zeigte in einer kleinen Kinetik-Unterstudie keine messbare Freisetzung von Nicotinsäure [16]. Daten zu natürlicher gegenüber synthetischer Herkunft wurden nicht gefunden.
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| HCA2 (GPR109A, HM74A) auf Fettzellen | Rezeptor | Agonist | Gi-gekoppelt, cAMP ↓; Lipidsenkung fehlt in Knockout-Mäusen | Tierversuch[4] |
| Hormonsensitive Lipase (indirekt über cAMP) | Enzym | Hemmer | Lipolyse ↓, freie Fettsäuren ↓ (Maus) | Tierversuch[4] |
| HCA2 auf Langerhans-Zellen und Keratinozyten (COX-1/COX-2, Prostaglandin D2/E2) | Rezeptor | Agonist | Flush fehlt in Knockout-Mäusen | Tierversuch[5][6] |
| Preiss-Handler-Weg (NAD+-Synthese aus Nicotinsäure) | Signalweg | Aktivator | starker NAD+-Anstieg in Vollblut ex vivo; Blut-NAD+ bis 8-fach (offene Studie) | Mensch, nicht randomisiert[2][3] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- DurchblutungHautgefäßerweiterung (Flush) über HCA2 und Prostaglandine; in RCTs häufiger Abbruchgrund[5][11][14]
- Stickstoffmonoxid
- EnergiestoffwechselNAD+ im Blut ↑ (offene Studie), Lipolyse im Fettgewebe ↓ (Maus)[3][4]
- Insulin · GlukoseBlutzuckerkontrolle verschlechtert, Diabetesrisiko ↑ (Metaanalyse von RCTs)[9][12]
- Entzündung · oxidativAbbauprodukt 4PY mit Gefäßentzündung verknüpft (Kohorten, Maus)[13]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · schnell freisetzend gegenüber Retardform (sustained release)
Randomisierte Doppelblindstudie mit 46 Patienten: Retardform senkte LDL in höheren Stufen stärker, die schnell freisetzende Form hob HDL stärker; Lebertoxizität bei 12 von 23 Personen unter Retardform, bei keiner unter schnell freisetzender Form; Abbrüche 78 vs. 39 % [14].
Mensch, randomisiert
Oral (geschluckt) · verzögerte Freisetzung (Wachsmatrix, extended release)
In einer Kinetik-Unterstudie (5 Personen) mittlere Freisetzungs- und Aufnahmegeschwindigkeit über etwa sechs Stunden; in der randomisierten Hauptstudie LDL −18 %, HDL +12 % nach sechs Wochen [16]. Die Übersicht [15] beschreibt für ein Präparat mit verzögerter Freisetzung ebenfalls eine Aufnahmegeschwindigkeit zwischen schnell freisetzender und Retardform; ob es dieselbe Formulierung ist, ist nicht belegt.
Mensch, randomisiert
Oral (geschluckt) · „No-Flush-Niacin“ (Inositolhexanicotinat) im Vergleich
keine messbare Freisetzung von Nicotinsäure (5 Personen)Keine Veränderung der Blutfette gegenüber Placebo in derselben randomisierten Studie [16]. Eigene Verbindung aus Inositol und sechs Nicotinsäureresten.
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
HPS2-THRIVE
Gemessen: schwere Gefäßereignisse
Ergebnis: 13,2 vs. 13,7 % (RR 0,96; p = 0,29); mehr schwere Nebenwirkungen (Diabetes, Infektionen, Blutungen).[9]
Mensch, randomisiert
HPS2-THRIVE, Muskel- und Leberendpunkte
Gemessen: Myopathie, Leberwerte, Therapieabbrüche
Ergebnis: Sichere Myopathie 0,16 vs. 0,04 %/Jahr (RR 4,4), vor allem in China; anhaltend ALT über dem Dreifachen der Norm 0,10 vs. 0,06 %/Jahr.[10]
Mensch, randomisiert
AIM-HIGH
Gemessen: kombinierter Herz-Kreislauf-Endpunkt
Ergebnis: 16,4 vs. 16,2 % (HR 1,02) trotz HDL- und Triglyceridverbesserung.[8]
Mensch, randomisiert
Coronary Drug Project, 15-Jahres-Nachbeobachtung
Gemessen: Gesamtsterblichkeit
Ergebnis: Während der Studie keine Senkung der Gesamtsterblichkeit; in der Nachbeobachtung 52,0 vs. 58,2 % (p = 0,0004).[7]
Mensch, randomisiert
Cochrane-Review Herz-Kreislauf-Prävention
Gemessen: Sterblichkeit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Abbrüche
Ergebnis: Kein Nutzen bei allen klinischen Endpunkten; Abbrüche wegen Nebenwirkungen RR 2,17.[11]
Mensch, randomisiert
Retardform (sustained release) vs. schnell freisetzende Form
Gemessen: Blutfette, Lebertoxizität, Abbrüche
Ergebnis: Lebertoxizität 52 vs. 0 %; Flush vor allem unter schnell freisetzender Form.[14]
Mensch, randomisiert
Wachsmatrixform (extended release) vs. Inositolhexanicotinat
Gemessen: Blutfette, Verträglichkeit, Kinetik
Ergebnis: Wachsmatrix: LDL −18 %, HDL +12 %; Inositolhexanicotinat nicht besser als Placebo, keine messbare Freisetzung.[16]
Mensch, randomisiert
NAD+ bei mitochondrialer Myopathie
Gemessen: NAD+ in Blut und Muskel, Muskelkraft
Ergebnis: Blut-NAD+ bis 8-fach; Muskelkraft bei allen gestiegen; Leberfett bei Patienten gesunken.[3]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Flush und Abbruch der Einnahme
Hautrötung über HCA2 und Prostaglandine (Maus) [5][6]; in RCTs doppelt so häufig Abbrüche wegen Nebenwirkungen wie unter Kontrolle (RR 2,17) [11]. In HPS2-THRIVE schied schon vor der Randomisierung etwa ein Drittel aus, vor allem wegen Nebenwirkungen [10].
Mensch, randomisiert
Diabetes und gestörte Blutzuckerkontrolle
Metaanalyse von 11 RCTs mit 26 340 Personen ohne Diabetes: RR 1,34 für neuen Diabetes, ein zusätzlicher Fall je 43 über fünf Jahre behandelte Personen [12]; in HPS2-THRIVE mehr schwere Entgleisungen bei bestehendem Diabetes [9].
Mensch, randomisiert
Lebertoxizität, besonders bei Retardformen (sustained release)
Leberschäden bei 52 % unter Retardform (sustained release) gegenüber 0 % unter schnell freisetzender Form [14]. Unter verzögerter Freisetzung (extended release) in HPS2-THRIVE anhaltend erhöhte ALT-Werte ohne Muskelschaden bei 0,10 gegenüber 0,06 % pro Jahr unter Placebo [10].
Mensch, randomisiert
Schwere Nebenwirkungen in Outcome-Studien
HPS2-THRIVE: mehr schwere Infektionen (+1,4 Prozentpunkte), Blutungen (+0,7) sowie Magen-Darm-, Muskel- und Hautereignisse; Studie vom Hersteller Merck mitfinanziert [9].
Mensch, randomisiert
Abbauprodukte 2PY und 4PY (Beobachtungsbefund)
Höhere Spiegel waren in drei Kohorten mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden (HR etwa 1,6–2,0), 4PY förderte bei Mäusen Gefäßentzündung; Kausalität beim Menschen nicht belegt, Herkunft des Niacins (Nahrung, Anreicherung, Präparate) nicht getrennt; Autoren mit Patenten zu Herz-Kreislauf-Diagnostik [13].
Mensch, nicht randomisiert
Tolerierbare Obergrenze
Für Nicotinsäure gelten in Europa und den USA tolerierbare Obergrenzen der Zufuhr, die weit unter den Mengen der Lipidstudien liegen; eine Metaanalyse hält sie für sehr vorsichtig gewählt [17].
Mensch, randomisiert
Wechselwirkungen
- Statine (Simvastatin): In HPS2-THRIVE Myopathie-Risiko 4,4-fach erhöht, besonders bei Teilnehmenden in China [10].
- Blutzuckersenkende Behandlung: Mehr schwere Entgleisungen der Diabeteskontrolle unter Nicotinsäure [9].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- widerlegt
„Niacin schützt das Herz, weil es HDL erhöht“
HDL stieg in AIM-HIGH und HPS2-THRIVE, Gefäßereignisse sanken nicht [8][9]; Cochrane-Review ohne Nutzen bei Sterblichkeit, Herzinfarkt und Schlaganfall [11].
- nicht belegt
„„No-Flush-Niacin“ wirkt wie normales Niacin, nur ohne Flush“
In der einzigen gefundenen randomisierten Vergleichsstudie wirkte Inositolhexanicotinat nicht auf die Blutfette und setzte bei 5 Personen keine messbare Nicotinsäure frei [16].
- teilweise belegt
„Retard-Niacin ist schonender als normales Niacin“
Weniger Flush, aber Retardform (sustained release) war in einer RCT deutlich lebertoxischer [14]; Präparate mit mittlerer Freisetzungsgeschwindigkeit sollen beides verringern [15].
- nicht belegt
„Der Niacin-Flush zeigt Entgiftung oder bessere Durchblutung an“
Der Flush entsteht über HCA2 und Prostaglandine in der Haut [5][6]; ein Nutzen dieser Reaktion ist nicht gezeigt.
- teilweise belegt
„Nicotinsäure hebt NAD+ stärker als Nicotinamid“
Ex vivo starker NAD+-Effekt von Nicotinsäure, Nicotinamid hob Blut-NAD+ nach 14 Tagen nicht [2]; eine direkte randomisierte Gegenüberstellung beider Formen beim Menschen wurde nicht gefunden.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Über den Darm; Geschwindigkeit hängt stark von der Formulierung ab (schnell freisetzend, verzögerte Freisetzung/extended release, Retardform/sustained release) [14][15][16].
- Halbwertszeit
- Nicht verifiziert.
- Abbau
- Umbau zu NAD+ über den Preiss-Handler-Weg [2]. Flush und Lebertoxizität hängen laut Übersicht von Aufnahmegeschwindigkeit und anschließendem Abbau ab [15]; Endprodukte des Abbaus von überschüssigem Niacin sind 2PY und 4PY [13].
- Weg ins Gehirn
- Nicht verifiziert.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- In AMIce kein verkehrsfähiges Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Nicotinsäure oder Niacin gefunden (Suche nach Stoffname, Abruf 24.10.2026) [19]; als Vitaminverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [1].
- EU
- Anhang II Teil A, Nr. 7 a der RL 2002/46/EG (zulässige Vitaminverbindung für Nahrungsergänzungsmittel) [1].
- USA
- Nicht verifiziert.
Zugelassene EU-Angaben
„trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
- Nährstoff
- Niacin
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[18]
- Einordnung
- rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
„trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“
- Nährstoff
- Niacin
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[18]
- Einordnung
- rechtlich zulässig, bei Gesunden nicht untersucht
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Profitieren Menschen mit hohem Lipoprotein(a) oder ohne Statintherapie von Nicotinsäure, wie die Zeit vor den Statinen nahelegte?
- Ist der Zusammenhang der Abbauprodukte 2PY und 4PY mit Herz-Kreislauf-Ereignissen ursächlich, und spielt die Niacin-Anreicherung von Lebensmitteln eine Rolle?
- Bringt der NAD+-Anstieg unter Nicotinsäure bei Gesunden einen messbaren funktionellen Effekt?
Referenzen
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
- Christen S, Redeuil K, Goulet L, Giner MP, Breton I, Rota R, et al. The differential impact of three different NAD+ boosters on circulatory NAD and microbial metabolism in humans. Nat Metab. 2026;8(1):62–73. doi:10.1038/s42255-025-01421-8 · PubMed
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- Benyó Z, Gille A, Kero J, Csiky M, Suchánková MC, Nüsing RM, et al. GPR109A (PUMA-G/HM74A) mediates nicotinic acid-induced flushing. J Clin Invest. 2005;115(12):3634–40. doi:10.1172/JCI23626 · PubMed
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- Keenan JM. Wax-matrix extended-release niacin vs inositol hexanicotinate: a comparison of wax-matrix, extended-release niacin to inositol hexanicotinate "no-flush" niacin in persons with mild to moderate dyslipidemia. J Clin Lipidol. 2013;7(1):14–23. doi:10.1016/j.jacl.2012.10.004 · PubMed
- Minto C, Vecchio MG, Lamprecht M, Gregori D. Definition of a tolerable upper intake level of niacin: a systematic review and meta-analysis of the dose-dependent effects of nicotinamide and nicotinic acid supplementation. Nutr Rev. 2017;75(6):471–90. doi:10.1093/nutrit/nux011 · PubMed
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1 (CELEX 32012R0432).
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Nicotinsäure“ bzw. „Niacin“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Rechtsstatus am konsolidierten Text der RL 2002/46/EG (CELEX 02002L0046-20251126, deutsche Fassung über Cellar abgerufen): Anhang II Teil A, Nr. 7 a „Nicotinsäure“, 7 b „Nicotinamid“, 7 c „Inosithexanicotinat (Inositolniacinat)“, 7 d „Nicotinamid-Ribosidchlorid“.
- Am Abstract: 65 Gesunde, 14 Tage, Nicotinamid ohne chronischen NAD+-Anstieg, Nicotinsäure ex vivo starker NAD+-Lieferant, Autoren bei Nestlé angestellt [2]; Blut-NAD+ bis 8-fach, Muskelkraft ↑, Neigung zu Blutarmut, Interessenkonflikt eines Koautors (ChromaDex) [3]; Knockout-Mäuse ohne Lipidsenkung [4] und ohne Flush, PGD2/PGE2 [5]; Langerhans-Zellen/COX-1 früh, Keratinozyten/COX-2 spät [6]; 8341 Männer, 52,0 vs. 58,2 % [7]; 3414 Patienten, HR 1,02, 16,4 vs. 16,2 %, HDL 0,91→1,08 mmol/l, Triglyceride 1,85→1,38 mmol/l, Finanzierung NHLBI und Abbott [8]; 25 673 Patienten, 13,2 vs. 13,7 %, RR 0,96, Exzess Diabetesentgleisung 3,7, Diabetes 1,3, Infektion 1,4, Blutung 0,7 Prozentpunkte, Finanzierung Merck [9]; Myopathie RR 4,4, China vs. Europa, etwa ein Drittel in der Einlaufphase ausgeschlossen, ALT-Erhöhung 0,10 vs. 0,06 %/Jahr [10]; 23 RCTs, 39 195 Teilnehmende, RR 1,05/1,02/0,93/0,95, Abbrüche RR 2,17 [11]; 11 RCTs, 26 340 Personen, RR 1,34, NNH 43 über 5 Jahre [12]; 2PY/4PY-HR, VCAM-1 in Mäusen, Patente der Autoren [13]; 46 Patienten, Lebertoxizität 12/23 vs. 0/23, Abbrüche 78 vs. 39 % [14]; drei Arme mit je 40 Personen, LDL −18 %, HDL +12 %, IHN ohne Effekt und ohne messbare Bioverfügbarkeit (5+5 Personen) [16]; ULs in Europa und USA als sehr vorsichtig bewertet [17].
- DOI von [14] über Crossref ermittelt (PubMed führt keine DOI).
- PubChem: Nicotinic Acid CID 938, C6H5NO2.
- Gesundheitsbezogene Angaben für Niacin im Wortlaut der VO (EU) Nr. 432/2012 gelesen: Basisfassung CELEX 32012R0432 und konsolidierte Fassung CELEX 02012R0432-20250820 (beide über Cellar, XHTML, 24.10.2026); die zwei Angaben in health_claims sind in beiden Fassungen wortgleich. Für Blutfette oder Cholesterin gibt es keine zugelassene Angabe zu Niacin (K5).
- Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Nicotinsäure“ bzw. „Niacin“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig): keine Treffer [19]. Ohne Frontmaskierung und bei abweichenden Stoffnamen ist das kein Beweis, dass es kein Arzneimittel gibt.
Nicht verifiziert
- Arzneimittelstatus von Nicotinsäure-Präparaten in den USA (FDA nicht geprüft).
- Anzahl der Teilnehmenden in [3] (nicht im Abstract).
- Finanzierung der Studie [16] (Volltext nicht geprüft).
- Aussage der Übersicht [15], dass Präparate mit verzögerter Freisetzung Flush und Leberschäden zugleich verringern, nicht an den Primärstudien geprüft; die Übersicht ist eine Supplement-Ausgabe mit Forschungsförderung, Geldgeber nicht geprüft.
- Ob die Wachsmatrixform aus [16], das Präparat mit verzögerter Freisetzung der Übersicht [15] und die Prüfpräparate von AIM-HIGH und HPS2-THRIVE dieselbe Formulierung sind (Produktnamen in den Abstracts nicht genannt).
- Randomisierung im Coronary Drug Project [7]: im Abstract nicht genannt (dort nur „placebo group“), Volltext nicht geprüft; Stufe 4 wegen Placebokontrolle.
- Halbwertszeit und ZNS-Gängigkeit nicht an Primärquellen geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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