Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Libido ↑
uneinheitlichBei gesunden Männern nahm das sexuelle Verlangen ab der achten Woche zu [5]; ein systematischer Review fand zwei positive RCTs (gesunde Männer, Frauen in der Menopause) und eine negative (Radsportler) und hält die Evidenz für begrenzt [6].
Testosteron ↑
kein NutzenKeine Veränderung von Testosteron, LH, FSH und Östradiol über 12 Wochen gegenüber Placebo [4]; in einer RCT bei Infertilität sank sogar das freie Testosteron [11]. Ein systematischer Review zählt Maca nicht zu den möglicherweise wirksamen Testosteron-Boostern [15].
Bessere Erektion
Einzelbefund, unbestätigtEine RCT mit 50 Männern: IIEF-5 stieg um 1,6 Punkte unter Maca gegenüber 0,5 unter Placebo, ein kleiner Effekt [7].
Fruchtbarkeit und Spermienqualität ↑
uneinheitlichMetaanalyse ohne signifikanten Effekt auf die Spermienkonzentration [9]; eine RCT mit höherer Konzentration [10], eine andere ohne signifikanten Unterschied [11].
Mehr Energie und bessere Stimmung
Einzelbefund, unbestätigtEine RCT mit Erwachsenen in Peru fand nach 12 Wochen bessere Stimmung, Energie und Lebensqualität; der Studienleiter führt ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel [12].
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
Wirkweise
Evidenzkarte: Maca
Maca enthält als typische Inhaltsstoffe Macamide, Macaene und Glucosinolate; ihre Menge hängt stark von Ökotyp, Anbaubedingungen und Verarbeitung ab [1]. Macamide hemmten im Labor die lösliche Epoxidhydrolase von Maus, Ratte und Mensch mit IC50-Werten von etwa 20 bis 300 nM; das Macamid N-Benzyl-linoleamid war bei Ratten oral verfügbar und verringerte entzündungsbedingte Schmerzen [2]. Daneben finden sich Glucosinolate wie Glucotropaeolin, deren Abbauprodukt Benzylisothiocyanat, und das Beta-Carbolin MTCA [3]. Welcher dieser Stoffe für Wirkungen auf die Sexualität verantwortlich sein könnte, ist offen.
Ein hormoneller Mechanismus ist beim Menschen widerlegt: In einer 12-wöchigen RCT veränderten sich LH, FSH, Prolaktin, 17-Hydroxyprogesteron, Testosteron und Östradiol gesunder Männer nicht [4]. In derselben Studienpopulation nahm das sexuelle Verlangen ab der achten Woche zu, unabhängig von Testosteron, Östradiol und Angst- oder Depressionswerten [5]. Ein systematischer Review von vier RCTs sah nur begrenzte Hinweise auf eine bessere Sexualfunktion, mit einer negativen Studie bei Radsportlern [6]. Bei leichter Erektionsstörung stieg der IIEF-5-Wert unter Maca stärker als unter Placebo, absolut aber nur wenig [7]; bei Frauen mit antidepressivabedingter sexueller Funktionsstörung waren die Remissionsraten unter Maca etwas höher, vor allem nach der Menopause [8].
Zur Spermienqualität fand eine Metaanalyse keinen signifikanten Effekt auf die Spermienkonzentration [9]; eine RCT bei leicht eingeschränkter Spermienqualität fand eine höhere Konzentration [10], eine andere keinen signifikanten Unterschied und ein niedrigeres freies Testosteron [11]. Eine RCT mit rund 190 Erwachsenen berichtete bessere Stimmung, Energie und Lebensqualität; deren Studienleiter führt ein kleines Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel [12]. Eine Metaanalyse zur körperlichen Leistung fand große Effekte, stützt sich aber überwiegend auf Tierversuche und nur vier Humanstudien [13]. Eine Übersicht berichtet über eine behördliche Warnung in Frankreich wegen MTCA und über in Foren geschilderte Nebenwirkungen [14]; ein systematischer Review zählt Maca nicht zu den möglicherweise wirksamen Testosteron-Boostern [15].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Lösliche Epoxidhydrolase (sEH) | Enzym | Hemmer | IC50 ≈ 20–300 nM (Macamide, rekombinantes Enzym von Maus, Ratte, Mensch) | Labor[2] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativMacamide hemmen die lösliche Epoxidhydrolase; weniger Entzündungsschmerz bei Ratten[2]
- Stressachse
- Testosteron-AchseLH, FSH, Prolaktin, Testosteron und Östradiol bei gesunden Männern unverändert; in einer RCT bei Infertilität freies Testosteron gesunken[4][11]
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Knollenpulver, gelatinierte Maca, sprühgetrockneter Extrakt (gelb, rot, schwarz)
Zur Pharmakokinetik von Maca beim Menschen fanden sich keine Daten [14]. Das Macamid N-Benzyl-linoleamid war bei Ratten oral verfügbar [2]. Die Zusammensetzung schwankt stark: Schwarze Maca enthielt mehr Fettsäuren und Macamide, rote mehr GABA [12]; auch Ökotyp und Verarbeitung verändern das Inhaltsstoffprofil [1].
Tierversuch
Studien am Menschen
Sexualhormone gesunder Männer
Gemessen: LH, FSH, Prolaktin, 17-OH-Progesteron, Testosteron, Östradiol
Ergebnis: Kein Effekt auf eines der Hormone.[4]
Mensch, randomisiert
Sexuelles Verlangen gesunder Männer
Gemessen: selbst eingeschätztes sexuelles Verlangen, Testosteron
Ergebnis: Mehr Verlangen ab Woche 8, unabhängig von Testosteron und Stimmung.[5]
Mensch, randomisiert
Systematischer Review Sexualfunktion
Gemessen: Sexualfunktion, sexuelles Verlangen
Ergebnis: 3 positive, 1 negative RCT; begrenzte Evidenz.[6]
Mensch, randomisiert
Leichte Erektionsstörung
Gemessen: IIEF-5, Zufriedenheitsprofil
Ergebnis: IIEF-5 +1,6 vs. +0,5 Punkte.[7]
Mensch, randomisiert
Antidepressivabedingte sexuelle Funktionsstörung
Gemessen: ASEX, MGH-SFQ
Ergebnis: Etwas höhere Remissionsraten unter Maca, vor allem nach der Menopause.[8]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse Spermienqualität
Gemessen: Spermienkonzentration, Motilität
Ergebnis: Spermienkonzentration ohne signifikanten Unterschied (gewichtete Differenz 2,22; 95 %-KI −2,94 bis 7,37).[9]
Mensch, randomisiert
Leichte Astheno- oder Oligozoospermie
Gemessen: Spermienparameter
Ergebnis: Höhere Spermienkonzentration; Volumen, Motilität und Morphologie unverändert.[10]
Mensch, randomisiert
Infertile Männer, Tschechien
Gemessen: Spermienqualität, Hormone
Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied; freies Testosteron gesunken.[11]
Mensch, randomisiert
Rote und schwarze Maca
Gemessen: Verlangen, Stimmung, Energie, Lebensqualität, Höhenkrankheit
Ergebnis: Stimmung, Energie und Lebensqualität besser; gut verträglich.[12]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
MTCA
Maca enthält das Beta-Carbolin MTCA [3]. Laut einer Übersicht gilt MTCA als möglicher MAO-Hemmer und Vorstufe mutagener Stoffe, weshalb die französische Lebensmittelbehörde vor Maca-Pulver warnte; andere halten dagegen, dass MTCA beim Kochen inaktiviert wird [14].
Labor
Verträglichkeit
In RCTs gut verträglich, ohne schwere Nebenwirkungen [8][12]. In Foren berichten Nutzende von Zyklusstörungen, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen; das sind unkontrollierte Einzelberichte [14].
Mensch, randomisiert
Interessenkonflikt
Der Leiter der peruanischen Arbeitsgruppe, von der mehrere Maca-Studien stammen, gab 2016 an, ein kleines Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel zu führen [12].
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- widerlegt
„Maca erhöht das Testosteron“
In einer 12-wöchigen RCT keine Veränderung von Testosteron oder anderen Sexualhormonen [4]; in einer weiteren RCT sank das freie Testosteron [11].
- teilweise belegt
„Maca steigert die Lust“
Mehr sexuelles Verlangen in einer RCT bei gesunden Männern [5], aber nur begrenzte Evidenz insgesamt und eine negative Studie [6].
- nicht belegt
„Maca verbessert die Spermienqualität“
Metaanalyse ohne signifikanten Effekt auf die Spermienkonzentration [9]; Einzelstudien widersprechen sich [10][11].
- nicht belegt
„Maca steigert Ausdauer und Kraft“
Die großen Effekte der Metaanalyse stammen überwiegend aus Tierversuchen; Humanstudien gibt es nur vier [13].
- nicht belegt
„Maca balanciert die Hormone“
Bei gesunden Männern veränderten sich weder Gonadotropine noch Sexualhormone [4]; die Effekte auf das Verlangen traten unabhängig von Hormonen auf [5].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Beim Menschen nicht untersucht [14]; N-Benzyl-linoleamid bei Ratten oral verfügbar [2].
- Halbwertszeit
- Nicht untersucht.
- Abbau
- Glucosinolate werden zu Benzylisothiocyanat abgebaut [3]; Stoffwechsel beim Menschen nicht untersucht.
- Weg ins Gehirn
- Nicht untersucht.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Nicht verifiziert.
- EU
- Nicht verifiziert.
- USA
- Nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Peru: in den Zentralanden seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel und in der traditionellen Medizin verwendet [12]. Frankreich: Die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnte laut einer Übersicht vor Maca-Pulver wegen des Inhaltsstoffs MTCA [14].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Welcher Inhaltsstoff erklärt die Wirkung auf das sexuelle Verlangen, wenn Hormone unverändert bleiben?
- Bestätigen größere, herstellerunabhängige RCTs die Effekte auf Libido und Energie?
- Wie relevant ist MTCA für die Sicherheit bei üblichem Verzehr?
- Wie vergleichbar sind die Sorten (gelb, rot, schwarz) und Verarbeitungsformen?
Referenzen
- Ulloa Del Carpio N, Alvarado-Corella D, Quiñones-Laveriano DM, Araya-Sibaja A, Vega-Baudrit J, Monagas-Juan M, et al. Exploring the chemical and pharmacological variability of Lepidium meyenii: a comprehensive review of the effects of maca. Front Pharmacol. 2024;15:1360422. doi:10.3389/fphar.2024.1360422 · PubMed
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Geprüft
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- Am Abstract: Macamide, Macaene, Glucosinolate, Variabilität [1]; IC50 ≈ 20–300 nM, N-Benzyl-linoleamid oral verfügbar, Entzündungsschmerz [2]; Glucotropaeolin, Benzylisothiocyanat, MTCA [3]; keine Hormonänderung über 12 Wochen [4]; Verlangen ab Woche 8, unabhängig von T/E2/Hamilton [5]; 4 RCTs, 3 positiv, 1 negativ (Radsportler) [6]; n = 50, IIEF-5 +1,6 vs. +0,5 [7]; Remissionsraten, Postmenopause [8]; 5 RCTs, WMD 2,22 (−2,94 bis 7,37) [9]; n = 69, Konzentration ↑ [10]; n = 50, n. s., freies T ↓ [11]; Stimmung/Energie, Fettsäuren und Macamide in schwarzer, GABA in roter Maca, Interessenkonflikt G. F. Gonzales (Cayenatur EIRL) [12]; 21 Studien, 16 in der Metaanalyse [13]; Eurycoma und Withania, nicht Lepidium als „possibly effective“ [15].
- Im Volltext: 4 Humanstudien in [13]; MTCA, Warnung der französischen Behörde, Gegenargument Kochen, Forenberichte, „no information … pharmacokinetics“ [14].
- Teilnehmerzahl in [12] aus dem Abstract summiert (32 + 30 + 32 + 33 + 35 + 31 = 193 Startende).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Bessere Erektion“ → kleine_studien: [7] n = 50 (Abstract).
Nicht verifiziert
- Rechtlicher Status in Deutschland, der EU und den USA; die französische Warnung wurde nur über [14] erfasst, nicht im Original.
- Teilnehmerzahlen von [4], [5] und [8] (im Abstract nicht vollständig angegeben).
- Ob die Interessenkonflikte aus [12] auch für die älteren Studien derselben Gruppe [4][5] galten.
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