Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Wirkt über die Darm-Hirn-Achse gegen Stress und schlechte Stimmung
nicht untersuchtFür diesen Stamm gibt es keine veröffentlichte Studie an Gesunden mit Stress-, Angst- oder Stimmungsendpunkten. Eine randomisierte, doppelblinde Studie an belasteten Erwachsenen mit genau diesem Stamm ist abgeschlossen, hat aber keine Ergebnisse veröffentlicht [21]. Eine Zusatztherapie-RCT bei Depression mit einem L.-reuteri-Präparat blieb ohne Effekt auf primäre und sekundäre Endpunkte, nennt im Abstract jedoch keinen Stamm [19]; eine Metaanalyse hält fest, dass L. reuteri allein die Depressivität nicht verbesserte [20]. Die Mechanismen stammen aus Zellversuchen und aus Mausversuchen und sind damit Stufe 1 bzw. 2 [4][7][8].[4][7][8]
Beruhigt Säuglingskoliken
uneinheitlichDie Metaanalyse einzelner Teilnehmerdaten aus vier doppelblinden Studien (345 Säuglinge) fand am Tag 21 eine um 25,4 Minuten kürzere Schrei- und Unruhezeit, allerdings nur bei gestillten Kindern [9]. Der größte doppelblinde Gemeinde-RCT (167 Säuglinge) fand das Gegenteil: 49 Minuten mehr Schreien und Unruhe unter dem Stamm [10]. Mehrere Autorengruppen der Metaanalyse geben Zuwendungen von Herstellern an, darunter BioGaia [9].
Verkürzt akuten Durchfall bei Kindern
kleiner NutzenStammbezogene Metaanalyse von vier RCTs (347 Kinder): Durchfalldauer 0,87 Tage kürzer (95-%-KI −1,43 bis −0,31), Krankenhausaufenthalt kürzer (drei Studien, 284 Kinder, Mittelwertunterschied −0,54 Tage; 95-%-KI −1,09 bis 0,0 – das Intervall berührt die Nullgrenze). Die Autorinnen nennen die Effekte klein und die Studien methodisch begrenzt; die Seniorautorin war als Sprecherin für Hersteller tätig und Prüferin einer eingeschlossenen Studie [13].
Verhindert Durchfall unter Antibiotika
uneinheitlichStammbezogene Übersicht von drei RCTs (1070 randomisiert): bei kürzerer Gabe kein Effekt (RR 0,85; 95-%-KI 0,26 bis 2,77; starke Heterogenität), bei längerer Gabe ein Effekt (RR 0,50; 95-%-KI 0,33 bis 0,75, mittlere Vertrauenswürdigkeit), bei längerer Nachbeobachtung wieder kein Effekt. Die Autorinnen und Autoren halten den routinemäßigen Einsatz für noch nicht begründet [14].
Hilft Kindern bei Bauchschmerzen und Verstopfung
kein NutzenMetaanalyse von fünf RCTs mit 302 Kindern mit funktionellen Bauchschmerzen (Ansprechrate RR 1,11; 95-%-KI 0,83 bis 1,47) und fünf RCTs mit 276 Kindern mit funktioneller Verstopfung (Stuhlfrequenz RR 1,1; 95-%-KI 0,94 bis 1,27), jeweils ohne Unterschied zu Placebo [15].
Wirkweise
Evidenzkarte: Limosilactobacillus reuteri DSM 17938
Der Stamm stammt von Limosilactobacillus reuteri ATCC 55730 ab. Weil der Elternstamm zwei Plasmide mit den übertragbaren Resistenzgenen tet(W) und lnu(A) trug, wurden diese Plasmide ohne genetische Veränderung entfernt; der so entstandene Tochterstamm DSM 17938 verlor die zugehörigen Resistenzen und behielt die geprüften probiotischen Eigenschaften [1]. Mutter- und Tochterstamm sind damit verschiedene Stämme, und Studien zu ATCC 55730 gelten nicht ohne Weiteres für DSM 17938. Ebenso ist ATCC PTA 6475, der häufig gemeinsam mit DSM 17938 verkauft wird, ein anderer Stamm derselben Art mit eigener Studienlage und eigenem Profil; Befunde der beiden Stämme sind nicht austauschbar. Der Gattungsname wechselte 2020 von Lactobacillus zu Limosilactobacillus [2]. Da lebende Keime verabreicht werden, ist die Zubereitung ein Probiotikum im Sinne der ISAPP-Konsensdefinition [3].
Die Mechanismen sind Labor- und Tierbefunde. Membranvesikel des Stamms verringerten in einem Zellmodell des Darmepithels die durch enterotoxische Escherichia coli verursachte Leckage, veränderten Zytokinantworten mononukleärer Blutzellen und wirkten in Spinalganglienzellen der Ratte dem Schmerzrezeptor TRPV1 entgegen [4]. An herausgelösten Darmabschnitten der Maus senkten Bakterien, Kulturüberstand und Vesikel gleichermaßen Geschwindigkeit und Häufigkeit propagierender Kontraktionen im Jejunum und erhöhten sie im Kolon; nach Entfernen der Vesikel war der Effekt fast aufgehoben [5]. Eine bakterielle Ecto-5′-Nukleotidase des Stamms bildet aus AMP das Signalmolekül Adenosin; in Mäusen ohne regulatorische T-Zellen hing die entzündungshemmende Wirkung von diesem Enzym ab, eine Deletionsmutante wirkte nicht [6]. In neugeborenen Mäusen unter Trennungsstress änderte der Stamm die Rufmuster nicht, verschob aber die Expression von Schmerz-, Stress- und Entzündungsgenen im Hirn [7] – ein Mausbefund zur Darm-Hirn-Achse und damit Stufe 2. An menschlichen Darmorganoiden löste der Stamm über dasselbe Enzym eine Melatoninfreisetzung aus, wobei Adenosin notwendig, aber nicht ausreichend war [8].
Beim Menschen liegen die meisten Daten zur Säuglingskolik, und sie widersprechen sich. Eine Metaanalyse einzelner Teilnehmerdaten aus vier doppelblinden Studien mit 345 Säuglingen fand am Tag 21 eine um 25,4 Minuten kürzere Schrei- und Unruhezeit (95-%-KI −47,3 bis −3,5) und eine fast doppelt so häufige Behandlungsantwort; der Effekt war auf gestillte Kinder beschränkt und bei mit Formel ernährten nicht nachweisbar [9]. Der größte doppelblinde Gemeinde-RCT mit 167 Säuglingen fand dagegen nach einem Monat eine um 49 Minuten längere Schrei- und Unruhezeit in der Probiotikumgruppe (95-%-KI 8 bis 90; p = 0,02), vor allem mehr Unruhe bei mit Formel ernährten Kindern, und keine Unterschiede in allen sekundären Endpunkten, darunter mütterliche Depressivität und Stuhlmikrobiota [10]. Eine kleinere, nur einfach verblindete Studie berichtete neben kürzeren Schreizeiten auch eine stärkere Besserung der mütterlichen Depressionsskala [11]. Eine Prophylaxestudie an 589 Neugeborenen fand nach drei Monaten kürzere Schreizeiten (38 gegenüber 71 Minuten), seltenere Regurgitation und mehr Stuhlentleerungen [12].
Für weitere Indikationen bei Kindern ist die Lage gemischt: bei akuter Gastroenteritis verkürzte der Stamm die Durchfalldauer um 0,87 Tage (vier Studien, 347 Kinder) bei kleinen Effekten und methodischen Mängeln [13]; bei Antibiotika-Durchfall zeigte eine stammbezogene Übersicht nur bei längerer Gabe einen Effekt (zwei Studien, 751 Kinder, RR 0,50; 95-%-KI 0,33 bis 0,75), nicht bei kürzerer Gabe [14]; bei funktionellen Bauchschmerzen und funktioneller Verstopfung fand eine Metaanalyse von je fünf Studien keinen Vorteil [15]; bei Frühgeborenen senkte der Stamm in einer Metaanalyse nekrotisierende Enterokolitis (RR 0,57) und spät einsetzende Sepsis (RR 0,72), nicht die Sterblichkeit, bei sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz [16]. Bei Erwachsenen ist die Datenlage dünn: eine Überkreuzstudie mit 15 Personen mit mildem allergischem Asthma fand keinen Effekt auf capsaicinausgelösten Husten oder Entzündungsmarker [17], eine Studie an 159 gesunden Erwachsenen prüfte Antikörperantworten und fand Unterschiede nur in kleinen Untergruppen [18]. Zur Psyche gibt es für diesen Stamm keine veröffentlichte Studie an Gesunden: eine Zusatztherapie-RCT bei Depression mit einem L.-reuteri-Präparat blieb auf alle primären und sekundären Endpunkte ohne Effekt, nennt im Abstract aber keine Stammbezeichnung [19]; eine Metaanalyse hält fest, dass L. reuteri allein die Depressivität nicht verbesserte [20]; eine abgeschlossene Studie zu Stress bei belasteten Erwachsenen mit genau diesem Stamm hat bis zum Abruf keine Ergebnisse veröffentlicht [21].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| TRPV1 (Schmerzrezeptor, Spinalganglienzellen der Ratte) | Rezeptor | Antagonist | Labor[4] | |
| Epitheliale Barriere im Darmzellmodell (Caco-2/HT29-MTX) | Struktur | Aktivator | Leckage durch enterotoxische E. coli bis zu 65 % geringer | Labor[4] |
| Bakterielle Ecto-5′-Nukleotidase (bildet Adenosin aus AMP) | Enzym | Aktivator | Tierversuch[6][8] | |
| Melatoninfreisetzung aus humanen Darmorganoiden | Struktur | Freisetzung | Labor[8] | |
| Propagierende Kontraktionen in Jejunum und Kolon (Maus, herausgelöst) | Struktur | negativer Modulator | Jejunum langsamer, Kolon schneller | Tierversuch[5] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- AdenosinAdenosin und Inosin im Darm und in der Leber von Mäusen erhöht, Deletionsmutante ohne Effekt[6]
- Opioide
- MelatoninMelatoninfreisetzung aus menschlichen Darmorganoiden, abhängig von der bakteriellen Ecto-5′-Nukleotidase[8]
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativEntzündungshemmung in Mäusen ohne regulatorische T-Zellen, abhängig von der bakteriellen Ecto-5′-Nukleotidase; Zytokinantworten in Zellkultur verändert[4][6]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- DarmbarriereMembranvesikel verringerten im Zellmodell die erregerbedingte Leckage; Humandaten zur Barriere fehlen für diesen Einzelstamm[4]
- MikrobiomBei extrem früh geborenen Kindern war der Stamm während der Gabe bei mindestens 86 % im Stuhl nachweisbar; im Gemeinde-RCT keine Unterschiede in Diversität und Calprotectin[10][22]
- Kurzkettige Fettsäuren
- Gallensäuren
- Darmhormone
- Darm-Hirn-AchseTRPV1-Antagonismus in Rattenzellen, veränderte Motilität und veränderte Schmerz- und Stressgene im Mäusehirn[4][5][7]
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Tropfen, Kautabletten, fermentierte Produkte
Lebende Keime wirken im Darmlumen; eine systemische Aufnahme ist nicht beabsichtigt. Bei extrem früh geborenen Kindern war der Stamm während der Gabe bei mindestens 86 % im Stuhl nachweisbar, unabhängig von der Art der Ernährung [22]. Kulturüberstand und Membranvesikel reichten im Tiermodell aus, um die Motilitätswirkung zu erzeugen [5].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Metaanalyse einzelner Teilnehmerdaten, Säuglingskolik
Gemessen: Schrei- und Unruhezeit, Behandlungsantwort
Ergebnis: Tag 21: −25,4 Minuten (95-%-KI −47,3 bis −3,5); Behandlungsantwort häufiger (Verhältnis 1,7); Effekt nur bei gestillten Kindern.[9]
Mensch, randomisiert
Gemeinde-RCT Säuglingskolik
Gemessen: tägliche Schrei- und Unruhezeit
Ergebnis: 49 Minuten mehr Schreien und Unruhe unter dem Stamm (95-%-KI 8 bis 90; p = 0,02); alle sekundären Endpunkte ohne Unterschied.[10]
Mensch, randomisiert
Kolik und mütterliche Depressivität
Gemessen: Behandlungserfolg, Schreizeit, Edinburgh-Skala der Mutter
Ergebnis: Schreizeit und mütterliche Depressionsskala besser als unter Placebo; nur einfach verblindet, sehr große berichtete Unterschiede.[11]
Mensch, randomisiert
Prophylaxe funktioneller Magen-Darm-Störungen
Gemessen: Schreizeit, Regurgitation, Stuhlentleerungen
Ergebnis: Mit drei Monaten 38 gegenüber 71 Minuten Schreien pro Tag, weniger Regurgitation, mehr Entleerungen (jeweils p < 0,01).[12]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse akute Gastroenteritis
Gemessen: Durchfalldauer, Krankenhausaufenthalt
Ergebnis: Durchfalldauer −0,87 Tage (95-%-KI −1,43 bis −0,31; vier RCTs, n = 347); Krankenhausaufenthalt −0,54 Tage (95-%-KI −1,09 bis 0,0; drei RCTs, n = 284), Intervall an der Nullgrenze.[13]
Mensch, randomisiert
Stammbezogene Übersicht Antibiotika-Durchfall
Gemessen: Auftreten von Antibiotika-assoziiertem Durchfall
Ergebnis: Kürzere Gabe RR 0,85 (nicht signifikant), längere Gabe RR 0,50 (95-%-KI 0,33 bis 0,75); bei langer Nachbeobachtung kein Effekt.[14]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse funktionelle Bauchschmerzen und Verstopfung
Gemessen: Ansprechrate, Schmerzhäufigkeit und -stärke, Stuhlfrequenz
Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo in allen Endpunkten.[15]
Mensch, randomisiert
Metaanalyse Frühgeborene
Gemessen: Zeit bis zur vollen Ernährung, nekrotisierende Enterokolitis, spät einsetzende Sepsis, Sterblichkeit
Ergebnis: Nekrotisierende Enterokolitis RR 0,57, Sepsis RR 0,72, Sterblichkeit ohne Unterschied; Vertrauenswürdigkeit insgesamt sehr niedrig.[16]
Mensch, randomisiert
Husten bei mildem allergischem Asthma
Gemessen: capsaicinausgelöste Hustenanfälle, Hautreaktion, Entzündungszellen im Sputum
Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo in allen Endpunkten.[17]
Mensch, randomisiert
Antikörperantwort bei Gesunden
Gemessen: SARS-CoV-2-spezifische Antikörper nach Infektion und nach Impfung
Ergebnis: Nur in kleinen Untergruppen Unterschiede (IgA nach Impfung, 10 gegenüber 7 Personen); Hersteller an Studienplanung beteiligt.[18]
Mensch, randomisiert
Besiedlung bei extrem früh geborenen Kindern
Gemessen: Nachweis des Stamms im Stuhl
Ergebnis: Mindestens 86 % der Kinder der Interventionsgruppe waren während der Gabe besiedelt.[22]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Bakteriämie und Sepsis bei Risikogruppen
Fallbericht einer tödlichen Sepsis durch L. reuteri bei einem extrem früh geborenen Kind unter Probiotikumgabe [24]. Das EFSA-QPS-Update 2026 beschreibt Einzelfälle von Infektionen durch Laktobazillen bei Menschen mit schweren Grunderkrankungen oder Immunschwäche und ändert den Status der Gruppe dennoch nicht [26]. Lebende Keime gehören deshalb nicht in die Hand von Menschen mit zentralem Venenkatheter, Immunsuppression oder bei Frühgeborenen ohne ärztliche Begleitung.
Mensch, nicht randomisiert
Resistenzgene im Elternstamm
Der Elternstamm ATCC 55730 trug zwei Plasmide mit den übertragbaren Resistenzgenen tet(W) und lnu(A). Genau deshalb wurde der plasmidbefreite Tochterstamm DSM 17938 erzeugt, der diese Resistenzen verloren hat [1]. Produkte mit dem Elternstamm sind damit anders zu bewerten als solche mit DSM 17938.
Labor
Verträglichkeit in Studien
In den Studien an Säuglingen und Kindern traten keine studienbedingten schwerwiegenden Ereignisse auf [10]; die Metaanalyse bei Frühgeborenen berichtet keine Nachteile [16]. In der Überkreuzstudie bei Erwachsenen trat einmal vorübergehende Übelkeit auf [17].
Mensch, randomisiert
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Der Stamm siedelt sich dauerhaft im Darm an“
Die Besiedlung der Darmschleimhaut durch Probiotika ist individuell und bei vielen Menschen trotz Nachweis im Stuhl nicht nachweisbar [23]. Für DSM 17938 ist nur belegt, dass er während der Gabe im Stuhl nachweisbar ist [22]; ein Nachweis dauerhafter mukosaler Ansiedlung fehlt.
- nicht belegt
„Was für Lactobacillus reuteri gilt, gilt auch für diesen Stamm“
Mutter- und Tochterstamm unterscheiden sich bereits durch den Verlust zweier Plasmide [1]. Metaanalysen zu „L. reuteri“ bündeln Mehrstamm-Präparate; die Autorinnen und Autoren halten ausdrücklich fest, dass L. reuteri allein die Depressivität nicht verbesserte [20].
- nicht belegt
„Der Stamm hilft als Psychobiotikum gegen Stress und gedrückte Stimmung“
Keine veröffentlichte Studie an Gesunden mit diesen Endpunkten; die abgeschlossene Stressstudie mit diesem Stamm hat keine Ergebnisse veröffentlicht [21]. Die Belege sind Zell- und Mausversuche [4][7]; Mausbefunde zur Darm-Hirn-Achse gelten als Stufe 2.
- nicht belegt
„Der Stamm hebt die Stimmung von Müttern koliker Säuglinge“
Ein positiver Befund stammt aus einer kleinen, nur einfach verblindeten Studie [11]. Im großen doppelblinden RCT unterschied sich die mütterliche Depressionsskala nicht von Placebo [10].
- nicht belegt
„Weil der Stamm magensäurestabil ist, wirkt er besser“
Überlebensfähigkeit im Magen ist kein klinischer Endpunkt. Eine Studie, die für diesen Stamm Säurestabilität mit einem klinischen Nutzen verknüpft, wurde nicht gefunden; die klinischen Ergebnisse sind je nach Fragestellung positiv, neutral oder negativ [9][10][15].
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Keine systemische Aufnahme beabsichtigt; der Stamm wirkt im Darmlumen.
- Halbwertszeit
- entfällt
- Abbau
- entfällt; Stoffwechselprodukte des Stamms (u. a. Adenosin über eine Ecto-5′-Nukleotidase) sind beschrieben [6][8].
- Weg ins Gehirn
- entfällt; Wirkungen auf das Hirn sind nur indirekt und nur im Tiermodell untersucht [7].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- Wird als Nahrungsergänzungsmittel und in Säuglingsprodukten verkauft. Ein Arzneimittelstatus wurde nicht geprüft (AMIce/PharmNet.Bund nicht abgefragt): nicht verifiziert.
- EU
- Kein Eintrag zu „Lactobacillus“ oder „Limosilactobacillus“ in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [25]. Das EFSA-QPS-Update 2026 nennt für die Gruppe der Laktobazillen keine Statusänderung [26]. In VO (EU) Nr. 432/2012 gibt es keine zugelassene Angabe zu diesem Stamm und keine zu „probiotisch“; die einzige Angabe zu lebenden Kulturen betrifft Joghurtkulturen [27]. Limosilactobacillus reuteri gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-15141, Abruf 26.10.2026) [28]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Limosilactobacillus reuteri mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [29]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
- USA
- Nicht verifiziert.
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Warum widersprechen sich die Kolikbefunde so stark? Die Metaanalyse einzelner Daten sieht einen Effekt nur bei gestillten Kindern, der große Gemeinde-RCT einen Nachteil.
- Was ergab die abgeschlossene randomisierte Studie zu Stress bei belasteten Erwachsenen (Registereintrag ohne Ergebnisse)?
- Welchen Stamm oder welche Stämme enthielt das Präparat der Zusatztherapie-RCT bei Depression? Der Abstract nennt keine Stammbezeichnung.
- Lassen sich die Befunde zu Adenosin und Melatonin aus Mausmodellen und Organoiden beim Menschen nachweisen?
Referenzen
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Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Alle PMIDs und DOIs über PubMed und Crossref aufgelöst (Prüfskript); NCT07216729 über die ClinicalTrials.gov-API abgerufen.
- Stammidentität: DSM 17938 als plasmidbefreiter Tochterstamm von ATCC 55730 mit tet(W)- und lnu(A)-Plasmiden im Volltext von [1]; Gattungsname Limosilactobacillus nach [2]; Handelsname Protectis in mehreren Registereinträgen zu DSM 17938 (ClinicalTrials.gov, 24.10.2026).
- Kernzahlen an Abstracts bzw. Open-Access-Volltexten: −25,4 Minuten, Verhältnis 1,7, Effekt nur bei gestillten Kindern [9]; +49 Minuten, 95-%-KI 8 bis 90, p = 0,02, sekundäre Endpunkte ohne Unterschied [10]; 38 gegenüber 71 Minuten, n = 589 [12]; −0,87 Tage (95-%-KI −1,43 bis −0,31) bei n = 347 und Krankenhausaufenthalt −0,54 Tage (95-%-KI −1,09 bis 0,0) bei n = 284 [13]; RR 0,85 bzw. 0,50, n = 1070 [14]; RR 1,11 und RR 1,1, n = 302 bzw. 276 [15]; RR 0,57 und 0,72, Vertrauenswürdigkeit sehr niedrig [16]; Husten-Überkreuzstudie n = 15 ohne Effekt [17]; mindestens 86 % besiedelt [22].
- Mechanismen am Volltext: TRPV1-Antagonismus und bis zu 65 % geringere Leckage [4]; Vesikel reproduzieren Motilitätseffekt, Entfernen hebt ihn fast auf [5]; Enzymabhängigkeit über Deletionsmutante [6]; Melatonin aus menschlichen Organoiden, Adenosin notwendig, nicht ausreichend [8].
- Interessenkonflikte: BioGaia-Zuwendungen bei mehreren Autorinnen und Autoren der Kolik-Metaanalyse [9]; Seniorautorin von [13] war Sprecherin für Hersteller und Prüferin einer eingeschlossenen Studie; Beschäftigte von BioGaia als Mitautoren in [4] und [18]; BioGaia stellte Bakterien und Teilfinanzierung in [5].
- Rechtsstatus: kein Treffer für „Lactobacillus“ oder „Limosilactobacillus“ in der konsolidierten Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810, Abruf über Cellar am 24.10.2026); in VO (EU) Nr. 432/2012 (CELEX 32012R0432, Basisfassung über Cellar) kein Treffer für „reuteri“ und keiner für „probiotisch“, die einzige Angabe zu lebenden Kulturen betrifft Joghurtkulturen; EFSA-QPS-Update 2026 im Volltext (PMC12824592) zur Gruppe der Laktobazillen gelesen.
- 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-15141 „Limosilactobacillus reuteri“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 17.12.2025). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.
Nicht verifiziert
- Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet.Bund nicht abgefragt).
- Die Zusatztherapie-RCT bei Depression [19] nennt im Abstract keine Stammbezeichnung; die Zuordnung zu DSM 17938 ist deshalb offen und der Befund zählt nicht als stammspezifische Evidenz.
- Ergebnisse der abgeschlossenen Stressstudie NCT07216729 liegen nicht vor.
- Der Sepsis-Fallbericht [24] nennt keine Stammbezeichnung; er gilt für die Art, nicht stammgenau.
- Volltexte von [9], [13], [14], [15] und [16] nur als Abstract gelesen (kein Zugang).
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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