Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Psychobiotikum gegen Depression
uneinheitlichIn der einzigen kontrollierten Studie – doppelblind, placebokontrolliert, acht Wochen, nur 32 Personen mit stabiler antidepressiver Behandlung – besserten sich beide Gruppen, der Gruppenunterschied blieb aus (p = 0,203); Entzündungs- und Barrieremarker sowie die Mikrobiota-Zusammensetzung unterschieden sich nicht [6]. Die Autoren selbst fordern eine größere Stichprobe. Die positive Vorstudie mit 11 Personen war offen und ohne Kontrollgruppe [7]. Ein unterpowertes Nullergebnis gegenüber einem unkontrollierten positiven Befund ergibt „uneinheitlich“; für „kein Nutzen“ bräuchte es eine ausreichend große kontrollierte Studie.
Senkt Stress und Angst
Einzelbefund, unbestätigtDer Befund stammt aus einer offenen Studie ohne Kontrollgruppe an 36 IT-Fachkräften, in der sich Stress, Angst, Schlaf und Speichelcortisol gegenüber dem Ausgangswert verbesserten [9]. Ohne Placebogruppe ist das bei Selbstauskunftsskalen nicht belastbar. Vier Autorinnen und Autoren sind beim Hersteller angestellt.
Verbessert den Schlaf
Einzelbefund, unbestätigtIn der randomisierten Pilotstudie an 40 Personen waren die Ergebnisse insgesamt zwischen den Gruppen vergleichbar; besser fielen einzelne Maße aus (Depressionswert, Müdigkeit, Hirnstromaktivität, Aufwachen im Tiefschlaf) [8]. Eine Replikation fehlt.
Lindert Autismus- und Tic-Symptome bei Kindern
kein NutzenDie Kernsymptome blieben in allen drei randomisierten Studien (80, 58 und 73 Teilnehmende) unverändert: Bei Autismus besserten sich die Autismus-Kernskalen nicht [10], und bei Tourette-Syndrom verfehlten beide Studien den primären Endpunkt Tic-Schwere [11][12]. Besser fielen nur sekundäre Maße aus – oppositionelles Verhalten und der SNAP-IV-Gesamtwert der 7- bis 12-Jährigen [10], Aufmerksamkeitsleistung [11] sowie Magen-Darm-Beschwerden und acht zirkulierende microRNAs [12]. Die Pilotstudie mit Oxytocin prüfte eine Kombination und sagt nichts über den Stamm allein [13].
Steigert die Ausdauerleistung
Einzelbefund, unbestätigtIn einer Studie an 20 Triathleten (10 je Gruppe) war die Ausdauerleistung besser als unter Placebo, die maximale Sauerstoffaufnahme und die Körperzusammensetzung nicht; parallel verschob sich die Stuhlmikrobiota und kurzkettige Fettsäuren waren höher [14]. Einzelbefund an einer kleinen, besonderen Gruppe ohne unabhängige Replikation.
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
vom Hersteller finanziert: Alle Studien, auf denen das Ergebnis beruht, wurden laut ihrer Finanzierungs- oder Interessenangabe vom Hersteller des Produkts oder Wirkstoffs ganz oder teilweise bezahlt oder haben Beschäftigte des Herstellers unter den Autorinnen und Autoren. Herstellerfinanzierte Studien fallen im Mittel günstiger für das Produkt aus.
Wirkweise
Evidenzkarte: Lactiplantibacillus plantarum PS128
PS128 wurde aus spontan fermentiertem Senfgemüse isoliert und ist nach dem Budapester Vertrag bei der DSMZ unter DSM 28632 hinterlegt; das Genom ist vollständig veröffentlicht [1]. Zur Sicherheit gibt es eine eigene Toxizitätsstudie [2]. Seit der Neuordnung der Gattung Lactobacillus lautet der gültige Artname Lactiplantibacillus plantarum; die älteren Arbeiten sprechen noch von „Lactobacillus plantarum“ [3]. Hinter dem Stamm steht eine taiwanische Herstellergruppe, deren Gründungsbeteiligte an den meisten Studien mitgewirkt haben.
Die Vorstellung, PS128 sei ein „Dopamin- und Serotonin-Psychobiotikum“, stammt aus zwei Mausarbeiten und ist damit Evidenzstufe 2. In keimfreien Mäusen erhöhte der lebende Stamm Serotonin und Dopamin im Striatum, nicht aber im präfrontalen Cortex oder Hippocampus, und veränderte das Verhalten im Offenfeld und im erhöhten Labyrinth; depressionsartiges Verhalten blieb unbeeinflusst [4]. In Mäusen mit früher Stresserfahrung senkte der Stamm Corticosteron im Ruhezustand und unter Stress, verringerte entzündliche Zytokine und erhöhte Dopamin im präfrontalen Cortex; bei unbelasteten Tieren wirkte er auf die Stressachse nicht [5]. Die Befunde sind also je nach Modell unterschiedlich und lassen sich nicht zu einer einfachen Wirkungsaussage zusammenfassen.
Bei Major Depression gibt es eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie an nur 32 Personen, die zusätzlich zu einer stabilen antidepressiven Behandlung PS128 oder Placebo erhielten. Nach acht Wochen besserten sich die Depressionsskalen in beiden Gruppen (p < 0,001), der Gruppenunterschied blieb aus (p = 0,203); auch hochsensitives C-reaktives Protein, Interleukin-6, TNF-α, der Darmbarrieremarker I-FABP und die Mikrobiota-Zusammensetzung unterschieden sich nicht [6]. Vorher gab es nur eine offene Studie ohne Kontrollgruppe [7]. Das Versprechen „Psychobiotikum gegen Depression“ ist damit in der einzigen kontrollierten Prüfung nicht aufgegangen; wegen der kleinen Gruppengröße ist das allerdings kein starker Gegenbeweis, sondern eine unterpowerte Nullstudie – die Autoren selbst fordern eine größere Stichprobe. Die Datenlage ist deshalb als uneinheitlich eingeordnet, nicht als „kein Nutzen“.
Zu Schlaf und Stress gibt es eine Pilotstudie an 40 Personen mit selbstberichteten Schlafstörungen: Über 30 Tage waren die Ergebnisse insgesamt zwischen den Gruppen vergleichbar, einzelne Maße (Beck-Depressions-Inventar, Müdigkeit, Hirnstromaktivität, Aufwachen im Tiefschlaf) fielen in der PS128-Gruppe besser aus [8]. Eine offene Studie ohne Kontrollgruppe an 36 stark belasteten IT-Fachkräften berichtete Verbesserungen von Stress, Angst, Schlaf und Speichelcortisol gegenüber dem Ausgangswert [9]; ohne Kontrollgruppe ist das Evidenzstufe 3 und wegen des bekannten Placeboeffekts bei solchen Skalen nur begrenzt aussagekräftig. Vier Autorinnen und Autoren sind beim Hersteller angestellt.
In der Kinder- und Jugendpsychiatrie liegen drei randomisierte Studien vor. Bei Jungen mit Autismus verbesserte PS128 nach vier Wochen oppositionelles Verhalten und, in der Altersgruppe 7 bis 12 Jahre, den SNAP-IV-Gesamtwert, nicht aber die Autismus-Kernskalen [10]. Bei Kindern mit Tourette-Syndrom fand sich nach zwei Monaten kein Unterschied in der Tic-Schwere; besser waren Maße der Aufmerksamkeitsleistung [11]. Eine größere Studie von 2026 an 73 Kindern bestätigte das Bild: Der primäre Endpunkt Tic-Schwere unterschied sich nicht, auch Gesamteindruck und neuropsychologische Maße waren zwischen den Gruppen vergleichbar; Magen-Darm-Beschwerden – besonders Oberbauchschmerzen – gingen stärker zurück, und acht zirkulierende microRNAs veränderten sich [12]. Für die Kernsymptome heißt das: kein Nutzen; die positiven Befunde betreffen sekundäre Maße. Eine Pilotstudie prüfte PS128 zusammen mit Oxytocin bei Autismus; die Zweierkombination ist nicht als Wirkung des Stamms allein zu lesen [13].
Außerhalb der Psyche gibt es eine Studie an Triathleten: Die Ausdauerleistung war besser als unter Placebo, die maximale Sauerstoffaufnahme nicht; parallel verschob sich die Stuhlmikrobiota und kurzkettige Fettsäuren im Stuhl waren höher [14]. Das ist ein Einzelbefund an einer kleinen, besonderen Gruppe.
Zur Besiedlung gibt es keine stammspezifischen Persistenzdaten; allgemein ist die Besiedlung der Darmschleimhaut individuell und meist vorübergehend, und Stuhlnachweise sagen nichts über die Schleimhaut [15]. Rechtlich ist der Stamm nicht in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel geführt [16], und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht [17]. Für Lactiplantibacillus plantarum sind Einzelfälle invasiver Infektionen beschrieben – die EFSA führt für 2025 unter anderem eine Bakteriämie bei einem vorbelasteten Mann auf, bei dem der Stamm als Probiotikum eingenommen worden war [18], und es gibt einen Leberabszess nach endoskopischem Eingriff [19].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Dopamin im Striatum und präfrontalen Cortex | Sonstiges | Freisetzung | Tierversuch[4][5] | |
| Serotonin im Striatum | Sonstiges | Freisetzung | Tierversuch[4] | |
| Corticosteron (Stressachse) | Hormonachse | negativer Modulator | Tierversuch[5] | |
| Entzündliche Zytokine im Serum | Signalweg | Hemmer | Tierversuch[5] | |
| Lactiplantibacillus-Anteil der Stuhlmikrobiota | Mikroorganismus/Taxon | Abundanz ↑ | Mensch, randomisiert[12] | |
| Kurzkettige Fettsäuren im Stuhl (Acetat, Propionat, Butyrat) | Sonstiges | Spiegel ↑ | Mensch, randomisiert[14] |
Wirkprofil
- DopaminDopamin im Striatum keimfreier Mäuse und im präfrontalen Cortex gestresster Mäuse erhöht; beim Menschen nicht gemessen[4][5]
- Noradrenalin
- SerotoninSerotonin im Striatum keimfreier Mäuse erhöht, nicht in präfrontalem Cortex oder Hippocampus[4]
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativbei Major Depression blieben hochsensitives CRP, Interleukin-6, TNF-α und der Darmbarrieremarker I-FABP unverändert; Zytokinsenkung nur im Mausmodell[5][6]
- StressachseMensch: Speichelcortisol in einer offenen Studie ohne Kontrollgruppe niedriger (Stufe 3); Maus: Corticosteron bei früh gestressten Tieren gesenkt, bei unbelasteten nicht (Stufe 2)[5][9]
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Darmbarriere
- MikrobiomLactiplantibacillus-Anteil im Stuhl stieg bei Kindern mit Tourette-Syndrom; bei Triathleten verschob sich die Zusammensetzung, bei Major Depression nicht[6][12][14]
- Kurzkettige FettsäurenAcetat, Propionat und Butyrat im Stuhl von Triathleten höher als unter Placebo[14]
- Gallensäuren
- Darmhormone
- Darm-Hirn-AchseVerhaltens- und Neurotransmitterbefunde in keimfreien und früh gestressten Mäusen; beim Menschen nur Fragebogen- und Mikrobiomdaten[4][5]
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Kapsel mit lebenden Bakterien
In allen Studien oral als Kapsel. Bei Kindern mit Tourette-Syndrom stieg der Lactiplantibacillus-Anteil im Stuhl messbar an [12]; Daten zur Persistenz nach dem Absetzen fehlen. Stuhlnachweise sagen nichts über die Schleimhautbesiedlung [15].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Major Depression als Zusatz zur Behandlung
Gemessen: HAMD-17 und Depression and Somatic Symptoms Scale, Entzündungsmarker, I-FABP, Mikrobiota
Ergebnis: Beide Gruppen besserten sich (p < 0,001), kein Gruppenunterschied (p = 0,203); Marker und Mikrobiota-Zusammensetzung unverändert.[6]
Mensch, randomisiert
Schlaf und Stimmung bei Schlafstörungen
Gemessen: Depressivität, Angst, Schlaffragebögen, Mini-Polysomnografie
Ergebnis: Insgesamt vergleichbar; einzelne Maße besser (Beck-Depressions-Inventar, Müdigkeit, Hirnstromaktivität, Aufwachen im Tiefschlaf).[8]
Mensch, randomisiert
Stress bei IT-Fachkräften
Gemessen: Perceived Stress Scale (primär), Angst, Schlaf, Speichel-Stressmarker, Aufmerksamkeitstest
Ergebnis: Verbesserungen von Stress, Angst, Schlaf, Lebensqualität und Speichelcortisol gegenüber dem Ausgangswert; keine Kontrollgruppe. Autorinnen und Autoren beim Hersteller.[9]
Mensch, nicht randomisiert
Autismus bei Jungen
Gemessen: ABC-T, Social Responsiveness Scale, Child Behavior Checklist (primär), SNAP-IV und CGI-I (sekundär)
Ergebnis: Oppositionelles Verhalten besser; SNAP-IV-Gesamtwert nur in der Altersgruppe 7 bis 12 Jahre besser; Autismus-Kernskalen unverändert. Teilnehmerzahl nicht im Abstract.[10]
Mensch, randomisiert
Tourette-Syndrom bei Kindern
Gemessen: Yale Global Tic Severity Scale (primär), Begleitstörungen
Ergebnis: Kein Unterschied in der Tic-Schwere; besser waren Maße der Aufmerksamkeitsleistung im Dauerleistungstest. Teilnehmerzahl nicht im Abstract.[11]
Mensch, randomisiert
Tourette-Syndrom, größere Studie mit microRNA-Analyse
Gemessen: Tic-Schwere (primär), CGI, Aufmerksamkeit, Magen-Darm-Beschwerden, microRNA, Mikrobiota
Ergebnis: Primärer Endpunkt nicht unterschiedlich; Magen-Darm-Beschwerden (besonders Oberbauchschmerzen) stärker gebessert, Trend bei der Aufmerksamkeit; acht veränderte microRNAs, höherer Lactiplantibacillus-Anteil im Stuhl.[12]
Mensch, randomisiert
Autismus, Kombination mit Oxytocin
Gemessen: Social Responsiveness Scale und Aberrant Behavior Checklist (primär), CGI, Mikrobiom, Entzündungsmarker
Ergebnis: Besserung von ABC und SRS, signifikant beim CGI-Verbesserungswert unter der Kombination; prüft Probiotikum plus Oxytocin, nicht den Stamm allein.[13]
Mensch, randomisiert
Ausdauerleistung bei Triathleten
Gemessen: Ausdauerleistung, maximale Sauerstoffaufnahme, Körperzusammensetzung, Mikrobiota, kurzkettige Fettsäuren
Ergebnis: Ausdauerleistung besser als unter Placebo, maximale Sauerstoffaufnahme und Körperzusammensetzung unverändert; Mikrobiota verschoben, kurzkettige Fettsäuren höher. Teilnehmerzahl nicht im Abstract.[14]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Invasive Infektionen in Einzelfällen
Für Lactiplantibacillus plantarum sind Einzelfälle invasiver Infektionen bei vorbelasteten Menschen beschrieben: Die EFSA führt für 2025 eine Bakteriämie bei einem Mann mit mehreren Vorerkrankungen auf, der den Keim als Probiotikum einnahm; der QPS-Status der Art blieb unverändert [18]. Dazu kommt ein Leberabszess nach endoskopisch retrograder Cholangiopankreatikografie [19]. Stammspezifische Fälle zu PS128 sind nicht bekannt.
Mensch, nicht randomisiert
Nähe der Datenlage zum Hersteller
An vielen Studien wirkten Beschäftigte oder Anteilseigner der Herstellergruppe mit: Aktienbesitz in der Schlaf-, Autismus- und Tourette-Studie [8][10][11] und Anstellungen in der offenen Stressstudie [9]. Ein einfaches Muster „ohne Hersteller negativ“ gibt es aber nicht: Die Studie bei Major Depression erklärt keine Interessenkonflikte und war negativ [6], die Triathletenstudie erklärt ebenfalls keine und war positiv [14], ebenso die offene Studie bei Major Depression [7] und die Pilotstudie mit Oxytocin [13]. Für die Tourette-Studie von 2026 nennt PubMed keine Interessenkonflikterklärung; sie ist hier nicht geprüft [12]. Entscheidend ist deshalb nicht die Herkunft, sondern das Studiendesign: Die Studien mit klar definiertem primärem Endpunkt verfehlten ihn [6][11][12].
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„PS128 erhöht Dopamin und Serotonin im Gehirn“
Gemessen wurde das in keimfreien und früh gestressten Mäusen, und auch dort nur in einzelnen Hirnregionen [4][5]. Beim Menschen wurden Neurotransmitter im Gehirn nicht bestimmt. Mausbefunde zur Darm-Hirn-Achse sind Evidenzstufe 2.
- nicht belegt
„Der Stamm siedelt sich dauerhaft im Darm an“
Es gibt keine Persistenzdaten zu PS128. Der Lactiplantibacillus-Anteil im Stuhl stieg während der Einnahme [12]; was danach passiert, ist offen. Die Besiedlung der Schleimhaut ist individuell und meist vorübergehend [15].
- nicht belegt
„Ein bewährtes Psychobiotikum gegen Depression“
In der einzigen doppelblinden, placebokontrollierten Studie bei Major Depression gab es keinen Gruppenunterschied (p = 0,203), allerdings bei nur 32 Teilnehmenden, weshalb die Autoren selbst eine größere Studie fordern [6]. Die Vorstudie war offen und ohne Kontrollgruppe [7]. Von „bewährt“ kann damit keine Rede sein; für „widerlegt“ reicht eine so kleine Studie aber nicht.
- nicht belegt
„Was für Lactiplantibacillus plantarum gilt, gilt auch für PS128“
Wirkungen sind stammspezifisch. Für den Stamm 299v derselben Art liegen ganz andere Befunde vor (Reizdarm, Eisenaufnahme); sie sind kein Beleg für PS128 und umgekehrt.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- nicht verifiziert (AMIce/PharmNet und Marktstatus nicht geprüft); eine Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel wird hier nicht getroffen.
- EU
- Kein Eintrag zu Lactiplantibacillus- oder Lactobacillus-Stämmen in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [16]. Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach VO (EU) Nr. 432/2012 [17]. Ob „probiotisch“ als Angabe zulässig ist, wurde nicht geprüft. Lactiplantibacillus plantarum gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09448, Abruf 26.10.2026) [20]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Lactiplantibacillus plantarum mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [21]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
- USA
- nicht verifiziert
- Andere Länder
- nicht verifiziert
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Gibt es eine ausreichend große, unabhängige Studie bei Depression oder Angst mit einem einzigen vorab festgelegten Hauptendpunkt?
- Sind die Befunde bei Magen-Darm-Beschwerden – der einzige Bereich, in dem die größere Tourette-Studie positiv war – ein eigenständiger Effekt?
- Lassen sich die Dopamin- und Serotoninbefunde beim Menschen indirekt prüfen, etwa über Abbauprodukte?
- Wie lange bleibt der Stamm nach dem Absetzen nachweisbar?
Referenzen
- Liu WH, Yang CH, Lin CT, Li SW, Cheng WS, Jiang YP, et al. Genome architecture of Lactobacillus plantarum PS128, a probiotic strain with potential immunomodulatory activity. Gut Pathog. 2015;7:22. doi:10.1186/s13099-015-0068-y · PubMed
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- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Konsolidierte Fassung vom 17.05.2021 (CELEX 02012R0432-20210517); abgerufen am 24.10.2026.
- EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ), Allende A, Alvarez-Ordóñez A, Bortolaia V, Bover-Cid S, De Cesare A, et al. Update of the list of qualified presumption of safety (QPS) recommended microbiological agents intentionally added to food or feed as notified to EFSA 23: suitability of taxonomic units notified to EFSA until September 2025. EFSA J. 2026;24(1):e9824. doi:10.2903/j.efsa.2026.9824 · PubMed
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- Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: Lactiplantibacillus plantarum [Datenbank]. POL-NF-09448, letzte Änderung 26.01.2024 [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
- EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ). Updated list of QPS-recommended microorganisms for safety risk assessments carried out by EFSA. Appendix E – Updated list of QPS recommended biological agents (Panel Statement 24, Juni 2026), Blätter „QPS List“ und „Excluded from QPS“ [Datensatz]. Zenodo; Version vom 17.09.2026 [zitiert 26.10.2026]. doi:10.5281/zenodo.22812707 doi:10.5281/zenodo.22812707
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Hinterlegungsnummer DSM 28632 im Volltext des Genompapiers (PMC4536865) wörtlich belegt: Hinterlegung nach dem Budapester Vertrag bei der DSMZ [1].
- Korrektur aus der Gegenprüfung eingearbeitet: Die Studie bei Major Depression [6] hatte nur 32 Teilnehmende; sie wird im Profil ausdrücklich als kleine Studie ohne Gruppenunterschied (p = 0,203) geführt, nicht als „solide“ Studie.
- Zahlen an Abstracts geprüft: n = 32 und p = 0,203 [6]; n = 40 [8]; n = 36 und offenes, einarmiges Design [9]; n = 73 und verfehlter primärer Endpunkt [12]; n = 35 und Oxytocin ab Woche 16 [13].
- Interessenkonflikte in den COI-Angaben gelesen: Aktienbesitz an der Herstellergruppe [8][10][11], Anstellungen dort [9]; keine erklärten Interessenkonflikte in [6], [7], [13] und [14]. Für die Tourette-Studie von 2026 [12] führt PubMed keine COI-Angabe; sie ist nicht geprüft. Positive wie negative Ergebnisse finden sich damit auf beiden Seiten, weshalb der frühere Satz „die beiden Studien ohne diese Beteiligung verfehlten ihre Hauptendpunkte“ gestrichen ist.
- Rechtsstatus: konsolidierte Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810) selbst abgerufen und durchsucht, 0 Treffer für Lactobacillus und Lactiplantibacillus [16]; konsolidierte VO (EU) Nr. 432/2012 durchsucht, keine Angabe zu Probiotika [17].
- Nomenklatur: Lactiplantibacillus plantarum ist laut LPSN (24.10.2026) der gültige, korrekte Name; „Lactobacillus plantarum“ steht als überholte Bezeichnung in den Synonymen [3].
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Psychobiotikum gegen Depression“ → kleine_studien: [6] n = 32, [7] n = 11 (je Abstract).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Senkt Stress und Angst“ → kleine_studien: [9] 36 Eingeschlossene (Volltext PMC8032933). herstellerfinanziert: [9] laut Finanzierungsangabe aus einem F&E-Projekt von Bened Biomedical finanziert, vier Autorinnen und Autoren dort angestellt (Interessenangabe).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Verbessert den Schlaf“ → kleine_studien: [8] n = 40 (Abstract).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Lindert Autismus- und Tic-Symptome bei Kindern“ → kleine_studien: [10] 80 randomisiert (Volltext PMC6521002), [11] 58 eingeschlossen, 57 ausgewertet (Volltext PMC8619307), [12] 73 Abschließende (Abstract).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Steigert die Ausdauerleistung“ → kleine_studien: [14] n = 20 (10 je Gruppe; Volltext PMC7468698).
- Gegenprüfung 26.10.2026 (m004, Umsetzung Claude, zur Bestätigung durch Tilman): Belege der gesetzten Präzisions-Flags (Teilnehmendenzahlen bzw. Finanzierungs- und Interessenangaben) aus den Prüfnotizen in die Begründung übernommen, damit sie für Lesende nachprüfbar sind; Teilnehmendenzahlen erneut an den PubMed-Abstracts abgeglichen.
- 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-09448 „Lactiplantibacillus plantarum“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 26.01.2024). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.
Nicht verifiziert
- Teilnehmerzahlen der Autismusstudie [10], der ersten Tourette-Studie [11] und der Triathletenstudie [14] stehen nicht in den Abstracts.
- Die Triathletenstudie gibt eine Steigerung der Ausdauer „um etwa 130 %“ gegenüber Placebo an. Diese Größenordnung war ohne Volltext nicht nachprüfbar und steht deshalb nicht im Profil, nur die Richtung des Befunds.
- Die offene Vorstudie bei Major Depression [7] wurde nur über Titel und bibliografische Angaben geprüft, nicht über den Abstract-Volltext.
- Keine Daten zu Persistenz oder Magensäurestabilität von PS128 gefunden.
- Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet) nicht geprüft.
- Interessenkonflikte der Tourette-Studie von 2026 [12] nicht geprüft: PubMed führt zu dieser Arbeit keine COI-Angabe, der Volltext war nicht zugänglich.
- Zum deutschen Rechts- und Marktstatus wurde kein Beleg gefunden; status.deutschland steht deshalb auf „nicht verifiziert“.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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