Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Lindert Reizdarmbeschwerden, besonders Bauchschmerzen und Blähungen
uneinheitlichDrei randomisierte Studien mit positivem Ergebnis stehen drei mit Nullergebnis gegenüber. Positiv: Blähungen seltener und nach zwölf Monaten bessere Darmfunktion (60 Personen) [1]; Rückgang der Bauchschmerzen bei allen Behandelten gegenüber 11 von 20 unter Placebo (40 Personen, auffällig großer Unterschied) [3]; geringere Schmerzstärke, Schmerzhäufigkeit und Blähungen (214 Personen) [4]. Negativ: kein Unterschied bei Bauchschmerzen (p = 0,800) und Lebensqualität (p = 0,687) über acht Wochen [6]; keine Unterschiede bei Bauchschmerzen, Blähungen und Entleerungsgefühl in einer Studie mit 120 Eingeschlossenen (p > 0,05) [7]; kein Symptomunterschied bei 12 Personen im Crossover [8]. Die stammspezifische Metaanalyse von 2026 poolt alle sechs Studien und findet Effekte auf Schmerzstärke und unvollständige Entleerung, nicht auf Blähungsstärke und Verstopfung, bei teils sehr hoher Heterogenität [5]. An Gesunden ist dieses Versprechen nicht geprüft.
Erhöht die Eisenaufnahme aus der Nahrung
uneinheitlichZwei Isotopenstudien des Herstellers mit 14 und 28 Teilnehmenden fanden eine höhere Aufnahme von Nichthäm-Eisen aus einer Mahlzeit mit gut verfügbarem Eisen (17,4 → 22,4 %, p = 0,040; 20,9 → 24,5 %, p = 0,003) [9]. Eine unabhängige Studie an 18 Frauen mit niedrigen Eisenspeichern fand bei einem fermentierten Haferbrei mit schlecht verfügbarem Eisen keinen Unterschied (1,4 gegenüber 1,3 %) [10]. Der Bereich „Energie & Stoffwechsel“ ist gewählt, weil der Stamm für die Eisenversorgung und das damit verbundene Leistungsvermögen beworben wird.
Verbessert den Eisenstatus in der Schwangerschaft
nicht untersuchtGeprüft wurde nicht der Stamm allein, sondern ein Kombinationspräparat aus dem Stamm, Eisen, Ascorbinsäure und Folsäure gegen Placebo: Bei 326 Schwangeren fiel das Serumferritin unter der Kombination langsamer (primärer Endpunkt, p = 0,003), und Eisenmangel (59 gegenüber 78 %) sowie Eisenmangelanämie (7,4 gegenüber 21 %) waren bis zur 35. Woche seltener; Schwangerschaftsdauer und Geburtsgewicht unterschieden sich nicht [11]. Ein Beitrag des Stamms lässt sich daraus nicht ableiten, deshalb Stufe 0 für den Einzelstamm; der Befund steht im Text und unter studien_mensch. Vier der sechs Autorinnen und Autoren sind beim Hersteller angestellt.
Verbessert die geistige Leistung bei Depression
Einzelbefund, unbestätigtIn der doppelblinden Studie (60 von 79 randomisierten Personen ausgewertet) verbesserten sich ein Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstest und das Gesamtlernen im verbalen Lerntest, und das Kynurenin im Plasma sank. Die Depressionsskala HAM-D unterschied sich nicht, Entzündungsmarker und Cortisol ebenfalls nicht [15]. Eine Wiederholung dieses Befunds gibt es nicht.
Macht Eisenpräparate besser verträglich
Einzelbefund, unbestätigtEine randomisierte, aber offene und nicht placebokontrollierte Studie an 295 Personen berichtete seltener Magen-Darm-Unverträglichkeit (13,0 gegenüber 46,5 %, p < 0,001), seltener Therapieabbruch in den ersten 30 Tagen (3,6 gegenüber 15,9 %, p < 0,001) und höhere Eisen- und Transferrinsättigungswerte [13]. Ohne Verblindung ist ein Erwartungseffekt bei einem subjektiven Endpunkt nicht auszuschließen; bei Sportlerinnen verfehlten die Eisenmaße die Signifikanz [12].
kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.
Wirkweise
Evidenzkarte: Lactiplantibacillus plantarum 299v (DSM 9843)
Der Stamm wurde aus der Schleimhaut des menschlichen Darms isoliert und ist als DSM 9843 hinterlegt; in der ersten Reizdarmstudie wurde er in einem Hagebuttengetränk verabreicht und war anschließend auf Rektumbiopsien nachweisbar [1]. Seit der Neuordnung der Gattung Lactobacillus lautet der gültige Artname Lactiplantibacillus plantarum; ältere Arbeiten schreiben „Lactobacillus plantarum 299v“ [2]. Vermarktet wird er von einem schwedischen Hersteller, der an den meisten Studien beteiligt ist.
Bei Reizdarm ist die Datenlage für einen Einzelstamm vergleichsweise gut. In der Studie von 2000 an 60 Patientinnen und Patienten ging die Blähungshäufigkeit stärker zurück als unter Placebo, die Bauchschmerzen besserten sich in beiden Gruppen, und nach zwölf Monaten berichtete die Verumgruppe insgesamt bessere Darmfunktion [1]. Eine kleine polnische Studie an 40 Personen berichtete Auflösung der Bauchschmerzen bei allen Behandelten gegenüber 11 von 20 unter Placebo – ein auffällig großer Unterschied in einer kleinen Studie [3]. Die größte Studie prüfte 214 Personen mit Reizdarm nach Rom-III-Kriterien: Nach vier Wochen waren Schmerzstärke und Schmerzhäufigkeit sowie Blähungen geringer als unter Placebo, und 78,1 % gegenüber 8,1 % bewerteten die Wirkung als gut oder sehr gut [4]. Eine stammspezifische Metaanalyse von 2026 wertete sechs Studien zu diesem Stamm gemeinsam aus und ordnet ihn den Stämmen mit belegter Wirkung zu: Stärke der Bauchschmerzen und Gefühl der unvollständigen Entleerung besserten sich gepoolt, ebenso der Anteil der Personen mit deutlicher Besserung von Schmerzen, Blähungen und Verdauungsbeschwerden insgesamt; kein Effekt zeigte sich auf die Stärke der Blähungen und auf die Auflösung einer Verstopfung, und die Heterogenität war teils sehr hoch (I² bis 92 %) [5]. Gepoolt wurden dabei auch drei randomisierte Studien, die keinen Unterschied zu Placebo fanden und im Profil zuvor fehlten. In einer südafrikanischen Studie über acht Wochen änderte sich die Linderung der Bauchschmerzen nicht (p = 0,800), ebenso nicht die Lebensqualität (p = 0,687); beide Gruppen verbesserten sich deutlich (251,55 auf 197,90 Punkte, p < 0,0001), was die Autoren als großen Placeboeffekt einordnen [6]. In einer pakistanischen Studie mit 120 eingeschlossenen Personen unterschieden sich Bauchschmerzen, Blähungen und Entleerungsgefühl nicht (p > 0,05) [7]. In einer kleinen Crossover-Studie an 12 Personen blieben Symptomscore und Gasbildung gleich; nur die Wasserstoffausscheidung nach Lactulose war geringer (Median bei 120 Minuten 6 gegenüber 17 ppm, p = 0,019) [8]. Mit diesen Studien ist die Datenlage uneinheitlich, nicht einheitlich positiv.
Der zweite Vermarktungsweg ist die Eisenaufnahme. In zwei nacheinander durchgeführten Isotopenstudien an menstruierenden Frauen erhöhte der gefriergetrocknete Stamm die Aufnahme von Nichthäm-Eisen aus einer Mahlzeit mit gut verfügbarem Eisen: von 17,4 auf 22,4 % (p = 0,040) und von 20,9 auf 24,5 % (p = 0,003); eine Autorenschaft lag beim Hersteller [9]. Eine unabhängige Studie an 18 jungen Frauen mit niedrigen Eisenspeichern fand dagegen keinen Unterschied, als der Stamm einem hitzebehandelten, fermentierten Haferbrei mit schlecht verfügbarem Eisen zugesetzt wurde (1,4 gegenüber 1,3 % Aufnahme) [10]. Die Wirkung hängt also offenbar von der Mahlzeit ab. Bei 326 gesunden, nicht anämischen Schwangeren wurde nicht der Stamm allein geprüft, sondern ein Kombinationspräparat aus dem Stamm, Eisen, Ascorbinsäure und Folsäure gegen Placebo. Unter dieser Kombination fiel das Serumferritin langsamer (primärer Endpunkt, p = 0,003), und Eisenmangel und Eisenmangelanämie waren bis zur 35. Woche seltener; vier der sechs Autorinnen und Autoren sind beim Hersteller angestellt [11]. Was davon auf den Stamm und was auf die mitverabreichten Nährstoffe zurückgeht, lässt sich daraus nicht trennen, und ob das Placebo Eisen enthielt, geht aus dem Abstract nicht hervor. Bei 53 Sportlerinnen mit niedrigen Eisenspeichern verfehlten die Unterschiede im Ferritin (p = 0,056) und im Retikulozytenhämoglobin (p = 0,083) die Signifikanz; besser war nur ein Stimmungsmaß [12]. Eine offene, nicht placebokontrollierte Studie an 295 Personen mit Eisenmangelanämie berichtete bessere Verträglichkeit einer Eisentherapie und höhere Eisenwerte [13]. Eine Übersichtsarbeit des Herstellers fasst zehn klinische Studien zusammen und beziffert die Steigerung der fraktionellen Eisenaufnahme auf etwa 20 bis 50 % [14]; sie ist als Herstellerarbeit zu lesen.
Im psychischen Bereich gibt es eine doppelblinde Studie an Menschen mit Major Depression, die zusätzlich zu einem SSRI 299v oder Placebo erhielten. Ausgewertet wurden 60 der 79 randomisierten Personen. Besser waren ein Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstest und das Gesamtlernen im kalifornischen verbalen Lerntest; die Depressionsskala HAM-D unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Das Kynurenin im Plasma sank, TNF-α, Interleukin-6, Interleukin-1β und Cortisol blieben unverändert [15]. Der Befund passt zur Vorstellung, dass eine Verschiebung des Tryptophanstoffwechsels weg vom Kynureninweg die geistige Leistung bei Depression verbessern könnte; er ist bislang nicht wiederholt worden. Bei Gesunden gibt es eine randomisierte, doppelblinde Studie an 41 Studierenden vor einer Prüfung: Das Speichelcortisol unterschied sich nach 14 Tagen von Placebo (p < 0,05), die Laktobazillen im Speichel stiegen (p < 0,001), das Immunglobulin A im Speichel blieb unverändert. Eine Mitautorin ist beim Hersteller angestellt, der auch Prüf- und Placebokapseln stellte; Cortisol ist ein Surrogatmarker, kein klinischer Endpunkt [16].
Zur Besiedlung: Während der Einnahme war der Stamm auf Rektumbiopsien nachweisbar [1] – ein ungewöhnlich direkter Nachweis, der aber nichts über die Zeit nach dem Absetzen sagt. Allgemein ist die Besiedlung individuell und meist vorübergehend [17]. Rechtlich ist der Stamm nicht in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel geführt [18], und eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe – auch nicht zur Eisenaufnahme – gibt es nicht [19]. Für die Art sind Einzelfälle invasiver Infektionen bei vorbelasteten Menschen beschrieben [20][21].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Nichthäm-Eisen-Aufnahme aus der Mahlzeit | Sonstiges | Aktivator | 17,4 → 22,4 % und 20,9 → 24,5 % (Doppelisotopentechnik, Frauen) | Mensch, randomisiert[9] |
| Kynurenin im Plasma | Signalweg | Hemmer | Mensch, randomisiert[15] | |
| Lactobacillus-Besiedlung der Rektumschleimhaut | Mikroorganismus/Taxon | Abundanz ↑ | Mensch, randomisiert[1] | |
| Enterokokken im Stuhl | Mikroorganismus/Taxon | Abundanz ↓ | Mensch, randomisiert[1] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativTNF-α, Interleukin-6 und Interleukin-1β bei Major Depression unverändert[15]
- StressachseCortisol im Plasma bei Major Depression unverändert[15]
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Darmbarriere
- Mikrobiomauf Rektumbiopsien nachweisbar; der Anstieg der Enterokokken in der Placebogruppe blieb in der Verumgruppe aus[1]
- Kurzkettige Fettsäuren
- Gallensäuren
- Darmhormone
- Darm-Hirn-AchseKynurenin im Plasma bei Major Depression gesenkt, Verhältnis 3-Hydroxykynurenin zu Kynurenin erhöht[15]
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · gefriergetrocknet in Kapsel
Die Isotopenstudien verwendeten den gefriergetrockneten Stamm in Kapselform zusammen mit einer Mahlzeit [9]. Die Wirkung auf die Eisenaufnahme zeigte sich bei einer Mahlzeit mit gut verfügbarem Eisen, nicht bei einem fermentierten Haferbrei mit hohem Phytatgehalt [10].
Mensch, randomisiert
Oral (geschluckt) · fermentiertes Getränk (Hagebuttengetränk mit Hafermehl)
In der ersten Reizdarmstudie wurde der Stamm als Getränk gegeben; anschließend war er auf Rektumbiopsien nachweisbar [1].
Mensch, randomisiert
Studien am Menschen
Reizdarm, Hagebuttengetränk
Gemessen: selbst dokumentierte Darmfunktion, Blähungen, Bauchschmerzen, Mikroflora, Rektumbiopsien
Ergebnis: Blähungen deutlicher zurückgegangen als unter Placebo, Bauchschmerzen in beiden Gruppen besser, kein Unterschied beim Völlegefühl; nach zwölf Monaten insgesamt bessere Darmfunktion. Der Stamm war auf Rektumbiopsien nachweisbar.[1]
Mensch, randomisiert
Reizdarm, flüssige Zubereitung
Gemessen: Bauchschmerzen, Stuhlfrequenz, Symptomscore
Ergebnis: Rückgang der Bauchschmerzen bei allen Behandelten gegenüber 11 von 20 unter Placebo (p = 0,0012); Besserung aller Symptome bei 95 gegenüber 15 % (p < 0,0001). Sehr großer Unterschied bei kleiner Fallzahl.[3]
Mensch, randomisiert
Reizdarm nach Rom III
Gemessen: Stärke und Häufigkeit von Bauchschmerzen, Blähungen, Gefühl unvollständiger Entleerung, Stuhlfrequenz
Ergebnis: Schmerzstärke und Schmerzhäufigkeit sowie Blähungen geringer als unter Placebo; 78,1 gegenüber 8,1 % bewerteten die Wirkung als gut oder sehr gut.[4]
Mensch, randomisiert
Eisenaufnahme, zwei Isotopenstudien
Gemessen: Aufnahme von Nichthäm-Eisen
Ergebnis: Studie 1: 17,4 gegenüber 22,4 % (p = 0,040; 14 Personen). Studie 2: 20,9 gegenüber 24,5 % (p = 0,003; 28 Personen). Eine Autorenschaft beim Hersteller.[9]
Mensch, randomisiert
Eisenaufnahme aus fermentiertem Haferbrei
Gemessen: Aufnahme von Nichthäm-Eisen, Aufnahme im unteren Dünndarm
Ergebnis: Kein Unterschied (1,4 gegenüber 1,3 %); im unteren Dünndarm keine Eisenaufnahme nachweisbar. Unabhängige Arbeitsgruppe.[10]
Mensch, randomisiert
Eisenstatus in der Schwangerschaft
Gemessen: Serumferritin in Woche 28 (primär), Eisenmangel, Eisenmangelanämie, löslicher Transferrinrezeptor
Ergebnis: Langsamerer Ferritinabfall (p = 0,003), weniger Eisenmangel (59 gegenüber 78 %) und Eisenmangelanämie (7,4 gegenüber 21 %) in Woche 35; Schwangerschaftsdauer und Geburtsgewicht gleich. Mehrheitlich Autorenschaft beim Hersteller.[11]
Mensch, randomisiert
Eisenstatus und Leistung bei Sportlerinnen
Gemessen: Ferritin, Retikulozytenhämoglobin, Stimmung, körperliche Leistung
Ergebnis: Ferritin (p = 0,056) und Retikulozytenhämoglobin (p = 0,083) verfehlten die Signifikanz; besser war das Stimmungsmaß Vigor (p = 0,015); keine schlüssigen Leistungseffekte. 39 Personen beendeten die Studie.[12]
Mensch, randomisiert
Verträglichkeit einer Eisentherapie
Gemessen: Magen-Darm-Unverträglichkeit, Therapiedauer, Hämoglobin und Eisenmarker
Ergebnis: Seltener Magen-Darm-Unverträglichkeit (13,0 gegenüber 46,5 %, p < 0,001), seltener Therapieabbruch in den ersten 30 Tagen (3,6 gegenüber 15,9 %, p < 0,001), höheres Serumeisen und höhere Transferrinsättigung (20,1 gegenüber 14,5 %). Ohne Verblindung und ohne Placebo; 157 gegenüber 138 Personen.[13]
Mensch, randomisiert
Reizdarm, Nullstudie über acht Wochen
Gemessen: Stärke der Bauchschmerzen (visuelle Analogskala), Lebensqualität (QoL-IBS)
Ergebnis: Kein Unterschied in der Schmerzlinderung (p = 0,800) und in der Lebensqualität (p = 0,687); beide Gruppen verbesserten sich deutlich (251,55 auf 197,90, p < 0,0001), von den Autoren als großer Placeboeffekt eingeordnet. Teilnehmerzahl nicht im Abstract.[6]
Mensch, randomisiert
Reizdarm, Nullstudie in Pakistan
Gemessen: Bauchschmerzen, Blähungen, Gefühl der vollständigen Entleerung
Ergebnis: Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (p > 0,05); 55 von 60 bzw. 53 von 60 Personen beendeten die Studie.[7]
Mensch, randomisiert
Reizdarm, Darmgärung im Crossover
Gemessen: Symptomscore, Gasbildung (indirekte Kalorimetrie), Wasserstoffausscheidung nach Lactulose
Ergebnis: Kein Unterschied bei Symptomscore und Gasbildung; die Wasserstoffausscheidung nach Lactulose war geringer (Median bei 120 Minuten 6 gegenüber 17 ppm, p = 0,019).[8]
Mensch, randomisiert
Speichelcortisol unter Prüfungsstress
Gemessen: Cortisol und Immunglobulin A im Speichel, Laktobazillen im Speichel, Stressfragebogen
Ergebnis: Unterschied im Speichelcortisol gegenüber Placebo (p < 0,05) und mehr Laktobazillen im Speichel (p < 0,001); Immunglobulin A unverändert. Surrogatmarker, kein klinischer Endpunkt. Mitautorin beim Hersteller angestellt, Prüf- und Placebokapseln vom Hersteller.[16]
Mensch, randomisiert
Major Depression, Zusatz zu einem SSRI
Gemessen: HAM-D-17, SCL-90, Stressskala, kognitive Testbatterie, Tryptophan- und Kynureninwerte, Zytokine, Cortisol
Ergebnis: Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungstest sowie Gesamtlernen im verbalen Lerntest besser, Kynurenin niedriger; HAM-D, Zytokine und Cortisol ohne Gruppenunterschied. 60 Personen ausgewertet.[15]
Mensch, randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Invasive Infektionen in Einzelfällen
Für Lactiplantibacillus plantarum sind Einzelfälle invasiver Infektionen bei vorbelasteten Menschen beschrieben; die EFSA führt für 2025 eine Bakteriämie bei einem Mann mit mehreren Vorerkrankungen auf, der den Keim als Probiotikum einnahm, und ließ den QPS-Status der Art unverändert [20]. Dazu kommt ein Leberabszess nach endoskopisch retrograder Cholangiopankreatikografie [21]. Stammspezifische Fälle zu 299v sind nicht bekannt.
Mensch, nicht randomisiert
Herstellerbeteiligung bei den Eisenbefunden
Die positiven Eisenstudien wurden von Beschäftigten des Herstellers verfasst oder mitverfasst [9][11][12], ebenso die zusammenfassende Übersichtsarbeit [14]. Die einzige unabhängige Isotopenstudie fand keinen Effekt [10]. Das ist bei der Bewertung der Eisenversprechen zu berücksichtigen.
Keine Daten
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Der Stamm siedelt sich dauerhaft im Darm an“
Während der Einnahme war der Stamm auf Rektumbiopsien nachweisbar [1] – das ist ein direkterer Nachweis als ein Stuhlbefund, sagt aber nichts über die Zeit danach. Daten zur Persistenz nach dem Absetzen fehlen, und die Besiedlung der Schleimhaut ist individuell und meist vorübergehend [17].
- nicht belegt
„Der Stamm verbessert den Eisenstatus in der Schwangerschaft“
Die Schwangerschaftsstudie prüfte ein Kombinationspräparat aus dem Stamm, Eisen, Ascorbinsäure und Folsäure gegen Placebo [11]. Ein Beitrag des Stamms lässt sich daraus nicht ableiten; ob das Placebo Eisen enthielt, ist offen.
- nicht belegt
„Verdoppelt die Eisenaufnahme“
Die Isotopenstudien zeigen einen Anstieg von 17,4 auf 22,4 % bzw. von 20,9 auf 24,5 %, also relative Zunahmen im Bereich von einem Fünftel [9]; die Übersichtsarbeit des Herstellers nennt 20 bis 50 % [14]. Bei einer phytatreichen Mahlzeit fand eine unabhängige Studie keinen Effekt [10]. Eine Verdoppelung ist durch keine Studie belegt.
- nicht belegt
„Hilft gegen Depression“
In der einzigen Studie bei Major Depression unterschied sich die Depressionsskala HAM-D nicht von Placebo; besser waren nur kognitive Tests [15]. Der Stamm wird in Europa auch nicht primär dafür verkauft.
- nicht belegt
„Was für Lactiplantibacillus plantarum gilt, gilt auch für 299v“
Wirkungen sind stammspezifisch. Der Stamm PS128 derselben Art wird für Stimmung und Schlaf vermarktet und hat ganz andere Befunde; die Ergebnisse sind nicht übertragbar [2].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- nicht verifiziert (AMIce/PharmNet und Marktstatus nicht geprüft); eine Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel wird hier nicht getroffen.
- EU
- Kein Eintrag zu Lactiplantibacillus- oder Lactobacillus-Stämmen in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [18]. Keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe nach VO (EU) Nr. 432/2012; insbesondere gibt es keine zugelassene Angabe zur Eisenaufnahme durch Mikroorganismen [19]. Ob „probiotisch“ als Angabe zulässig ist, wurde nicht geprüft. Lactiplantibacillus plantarum gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09448, Abruf 26.10.2026) [22]. Der Eintrag gilt auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Lactiplantibacillus plantarum mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [23]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
- USA
- nicht verifiziert
- Andere Länder
- nicht verifiziert
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Warum wirkt der Stamm auf die Eisenaufnahme bei gut verfügbarem Eisen, nicht aber bei einer phytatreichen Mahlzeit?
- Gibt es eine unabhängige Studie zum Eisenstatus in der Schwangerschaft?
- Lässt sich der kognitive Befund bei Depression wiederholen, und hängt er tatsächlich am Kynureninweg?
- Wie lange bleibt der Stamm nach dem Absetzen auf der Schleimhaut nachweisbar?
Referenzen
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- EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ). Updated list of QPS-recommended microorganisms for safety risk assessments carried out by EFSA. Appendix E – Updated list of QPS recommended biological agents (Panel Statement 24, Juni 2026), Blätter „QPS List“ und „Excluded from QPS“ [Datensatz]. Zenodo; Version vom 17.09.2026 [zitiert 26.10.2026]. doi:10.5281/zenodo.22812707 doi:10.5281/zenodo.22812707
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- Hinterlegungsnummer DSM 9843 im Abstract der Erststudie [1] und im Titel der großen Reizdarmstudie [4] belegt; Herkunft aus der menschlichen Darmschleimhaut und Nachweis auf Rektumbiopsien im Abstract von [1].
- Zahlen an Abstracts geprüft: n = 60 sowie 6,5 → 3,1 gegenüber 7,4 → 5,6 Tage mit starker Gasbildung [1]; n = 40, p = 0,0012 und 95 gegenüber 15 % [3]; n = 214 und 78,1 gegenüber 8,1 % [4]; 17,4 → 22,4 % (p = 0,040, 14 Personen) und 20,9 → 24,5 % (p = 0,003, 28 Personen) [9]; n = 18 und 1,4 gegenüber 1,3 % [10]; n = 326, p = 0,003, 59 gegenüber 78 % und 7,4 gegenüber 21 % [11]; n = 53, p = 0,056 und p = 0,083 [12]; n = 295 mit Magen-Darm-Unverträglichkeit 13,0 gegenüber 46,5 % und Therapieabbruch in den ersten 30 Tagen 3,6 gegenüber 15,9 % (beide p < 0,001) [13]; n = 79 randomisiert, 60 ausgewertet [15]; n = 41 und p < 0,05 für das Speichelcortisol [16]; p = 0,800 und p = 0,687 [6]; 120 Eingeschlossene und p > 0,05 [7]; n = 12 und p = 0,019 für die Wasserstoffausscheidung [8].
- Interessenkonflikte in den COI-Angaben gelesen: Anstellung beim Hersteller in [9], [11], [12] und [14]; keine Herstellerbeteiligung in der Nullstudie [10].
- Stammspezifische Reizdarm-Metaanalyse [5]: Der Abstract nennt 299v (DSM 9843) ausdrücklich unter den Stämmen mit belegter Wirkung. Im Volltext (PMC12898053) steht, dass dazu sechs Studien gepoolt wurden – einschließlich der drei Nullstudien [6][7][8] – und dass Schmerzstärke und unvollständige Entleerung besser waren, Blähungsstärke und Verstopfungsauflösung nicht (I² bis 92 %).
- Kombinationspräparat in der Schwangerschaftsstudie [11] am Abstract geprüft: geprüft wurde „Lactiplantibacillus plantarum 299v, Eisen, Ascorbinsäure und Folsäure“ gegen Placebo (161 gegenüber 165 Personen); vier von sechs Autorinnen und Autoren sind laut COI-Angabe bei Probi angestellt.
- Interessenkonflikt der Prüfungsstress-Studie [16] in der COI-Angabe gelesen: eine Mitautorin ist beim Hersteller angestellt, Prüf- und Placebokapseln wurden vom Hersteller gestellt.
- Rechtsstatus: konsolidierte Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810) selbst abgerufen und durchsucht, 0 Treffer für Lactobacillus und Lactiplantibacillus [18]; konsolidierte VO (EU) Nr. 432/2012 durchsucht, keine Angabe zu Probiotika oder zur Eisenaufnahme durch Mikroorganismen [19].
- Nomenklatur: Lactiplantibacillus plantarum ist laut LPSN (24.10.2026) der gültige, korrekte Name.
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Erhöht die Eisenaufnahme aus der Nahrung“ → kleine_studien: [9] zwei Teilstudien mit n = 14 und n = 28, [10] n = 18 (je Abstract).
- Präzisions-Flags (m004, Umsetzung Claude 26.10.2026, zur Bestätigung durch Tilman): „Verbessert die geistige Leistung bei Depression“ → kleine_studien: [15] n = 79 randomisiert (40 + 39; Abstract).
- Gegenprüfung 26.10.2026 (m004, Umsetzung Claude, zur Bestätigung durch Tilman): Belege der gesetzten Präzisions-Flags (Teilnehmendenzahlen bzw. Finanzierungs- und Interessenangaben) aus den Prüfnotizen in die Begründung übernommen, damit sie für Lesende nachprüfbar sind; Teilnehmendenzahlen erneut an den PubMed-Abstracts abgeglichen.
- 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-09448 „Lactiplantibacillus plantarum“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 26.01.2024). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.
Nicht verifiziert
- Die Übersichtsarbeit des Herstellers [14] nennt zehn klinische Studien und eine Steigerung der fraktionellen Eisenaufnahme um etwa 20 bis 50 %; die darin zusammengefassten Einzelstudien wurden nicht einzeln geprüft. Die Angabe steht im Profil nur als Herstellerangabe.
- Von der stammspezifischen Reizdarm-Metaanalyse [5] wurde nur der Abstract gelesen, nicht die Einzelstudien und nicht die Effektgrößen.
- Die auffällig großen Effekte in [3] (Bauchschmerzen bei allen Behandelten aufgelöst) wurden nicht am Volltext überprüft; die Studie wird im Profil ausdrücklich als kleine Studie mit sehr großem Unterschied gekennzeichnet.
- Keine Daten zur Persistenz des Stamms nach dem Absetzen gefunden.
- Arzneimittelstatus in Deutschland (AMIce/PharmNet) nicht geprüft.
- Marktlage in Deutschland (welche Produkte den Stamm enthalten und wofür sie beworben werden) wurde nicht systematisch erhoben; die Wahl des Hauptversprechens stützt sich auf die Studienlage, nicht auf eine Markterhebung.
- Zusammensetzung des Placebos in der Schwangerschaftsstudie [11]: Der Abstract nennt keinen Eisenanteil im Placebo, und der Volltext (PMC8453534) war über Europe PMC nicht abrufbar. Ob die Kontrollgruppe ebenfalls Eisen erhielt, ist damit offen.
- Teilnehmerzahl der Nullstudie [6] steht nicht im Abstract; die Tabelle der Metaanalyse [5] nennt 40 gegenüber 25 Personen, was hier nicht gegengeprüft wurde.
- Zum deutschen Rechts- und Marktstatus wurde kein Beleg gefunden; status.deutschland steht deshalb auf „nicht verifiziert“.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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