Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Lebende Joghurtkulturen verbessern die Lactoseverdauung

    Nutzen belegt

    Verdauung & Darm · Patienten: Lactosemaldigestion bzw. Lactasemangel · Mensch, randomisiert

    Mehrere kleine Humanstudien verschiedener Arbeitsgruppen zeigen über Jahrzehnte dasselbe: weniger Atemwasserstoff nach Joghurt als nach gleicher Lactosemenge in Milch [5], Verlust des Vorteils nach Pasteurisierung [6] und in einer randomisierten Überkreuzstudie stärkere Wirkung von frischem als von erhitztem Joghurt [9]. Stufe 4 trägt diese randomisierte Studie; die übrigen sind kontrollierte, nicht sicher randomisierte Vergleiche. Die Darmperfusionsstudie misst die Lactose am Dünndarmende direkt [7]. Atemwasserstoff ist hier kein Ersatzmarker, sondern das Maß für unverdaute Lactose, also für das Versprechen selbst. Einschränkungen: sehr kleine Stichproben, und nicht jedes Handelsprodukt wirkte gleich [10].

  • Lindert die Beschwerden bei Laktoseintoleranz

    Einzelbefund, unbestätigt

    Verdauung & Darm · Patienten: Lactosemaldigestion bzw. Laktoseintoleranz · Mensch, nicht randomisiert

    Beschwerden wurden nur in kleinen, nicht sicher randomisierten Studien erhoben (Stufe 3); die einzige randomisierte Studie maß Atemwasserstoff und Stoffwechselmarker, keine Beschwerden [9]. In der frühen Studie berichteten die Teilnehmenden nach Joghurt seltener über Durchfall oder Blähungen als nach Milch [5]; das vergleicht Joghurt mit Milch, nicht lebende mit abgetöteten Kulturen. Im direkten Vergleich waren die Teilnehmenden nach pasteurisiertem Joghurt ebenso beschwerdefrei, obwohl die Lactose schlechter verdaut wurde [6]; das spricht gegen einen eigenen Beitrag der lebenden Kulturen zur Verträglichkeit, ist aber mit neun Personen zu klein für „kein Nutzen“. In einem Vergleich dreier Joghurts hingen die Beschwerden nicht mit dem Ausmaß der Malabsorption zusammen [10]. Die systematische Übersicht zu Probiotika allgemein [12] betrifft nicht speziell Joghurtkulturen und zählt nicht für die Stufe.

  • Fördert die Verdauung auch bei Menschen ohne Lactoseprobleme

    nicht untersucht

    Verdauung & Darm · gesund · Keine Daten

    Bei Männern ohne Lactosemalabsorption stieg unter frischem Joghurt nur das Butyrat im Plasma gegenüber erhitztem Joghurt [9]. Das ist ein Marker. Ein klinischer Verdauungsendpunkt wurde bei Gesunden in den hier geprüften Studien nicht erhoben. Dass die Kulturen die Darmpassage teilweise überleben [13], ist ebenfalls kein Nutzen.

Wirkweise

Evidenzkarte: Joghurtkulturen (Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus + Streptococcus thermophilus)

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Nach dem Codex Alimentarius wird Joghurt mit einer Kombination aus Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus hergestellt [1]. L. delbrueckii blieb bei der Neuordnung der Gattung 2020 in der enger gefassten Gattung Lactobacillus [2]; anders als bei den übrigen Profilen dieser Familie geht es hier nicht um einen definierten Stamm, sondern um die beiden Arten. So ist auch die zugelassene EU-Angabe formuliert: Lebendkulturen in Joghurt oder fermentierter Milch verbessern bei Personen, die Probleme mit der Lactoseverdauung haben, die Verdauung der im Produkt enthaltenen Lactose [3]. Grundlage ist ein EFSA-Gutachten von 2010 zu lebenden Joghurtkulturen und Lactoseverdauung [4], dessen Volltext hier nicht gelesen werden konnte.

Der Mechanismus ist beim Menschen recht gut untersucht. In einer frühen Studie mit Atemwasserstoffmessung schieden Menschen mit Lactasemangel nach Joghurt nur etwa ein Drittel so viel Wasserstoff aus wie nach derselben Lactosemenge in Milch oder Wasser und berichteten seltener über Durchfall oder Blähungen; die Autoren führten das auf Lactase aus den Joghurtbakterien zurück [5]. Pasteurisierter Joghurt verlor diesen Vorteil in einer Studie an neun Menschen mit Lactasemangel: Die Lactaseaktivität und die Zahl lebender Keime sanken deutlich, und es blieb ähnlich viel Lactose unverdaut wie nach Buttermilch. Anders als nach Buttermilch waren die Teilnehmenden nach pasteurisiertem Joghurt trotzdem beschwerdefrei [6]. Mit Darmperfusion zeigte eine Studie an acht Menschen mit Lactasemangel, dass nach frischem Joghurt weniger Lactose das Ende des Dünndarms erreichte als nach erhitztem, dass etwa ein Fünftel der Lactaseaktivität dort ankam und dass mehr als 90 % der Lactose aus Joghurt im Dünndarm verdaut wurden. Auch erhitzter Joghurt senkte den Atemwasserstoff gegenüber Milch, weil er den Darm langsamer passierte; der volle Vorteil hing aber an den lebenden Kulturen [7]. Lebende Starterkulturen mit Lactaseaktivität erreichen das Duodenum, doch die Pufferwirkung des Joghurts hielt den pH dort niedrig, sodass im Duodenum noch keine Lactose gespalten wurde [8]; der Abbau findet nach den Perfusionsdaten weiter unten im Dünndarm statt [7].

In einer randomisierten Überkreuzstudie mit je zwölf Männern mit und ohne Lactosemalabsorption senkte frischer Joghurt über 15 Tage bei Malabsorption den Atemwasserstoff stärker als erhitzter [9]. Bei Menschen ohne Malabsorption stieg unter frischem Joghurt das Butyrat im Plasma; das ist ein Marker, kein klinischer Nutzen. Nicht jeder Joghurt wirkte gleich: Von drei Handelsprodukten senkten nur zwei den Atemwasserstoff gegenüber reiner Lactose, und die Beschwerden hingen nicht mit dem Ausmaß der Malabsorption zusammen [10]. Eine Übersichtsarbeit fasst die Datenlage so zusammen, dass die Lactase der Joghurtbakterien in den Zellen vor der Magensäure geschützt ist und durch langsamere Passage im Dünndarm wirken kann [11]. Eine systematische Übersicht von 2010 fand dagegen für Probiotika allgemein keine ausreichende Evidenz bei Laktoseintoleranz; sie betrifft nicht speziell Joghurtkulturen [12].

Joghurtbakterien überleben die Darmpassage teilweise: Bei 13 Gesunden waren während des Joghurtverzehrs lebende S. thermophilus in 32 und L. delbrueckii in 37 von 39 Stuhlproben nachweisbar [13]. Das zeigt Überleben, keine Ansiedlung; die Besiedlung der Darmschleimhaut durch aufgenommene Bakterien ist individuell und meist vorübergehend [14]. Ob Joghurtkulturen „Probiotika“ sind, wird unterschiedlich gesehen: Eine Expertengruppe bejahte es 2005 mit Verweis auf den Lactosebefund [15]. Der ISAPP-Konsens zu fermentierten Lebensmitteln von 2021 möchte die Angabe „enthält Probiotika“ dagegen nur für definierte, sequenzierte Stämme in ausreichender Menge verwenden [1]. Rechtlich sind die Arten nicht in der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel geführt [16]; S. thermophilus und die Gruppe der Laktobazillen behalten laut EFSA ihren QPS-Status [17].

Synaptik dient ausschließlich der biochemischen und pharmakologischen Aufklärung und ist keine medizinische Beratung oder Einnahmeempfehlung.

Nur Wirkmechanismus. Schematischer Schnitt durch fünf Enterozyten des Dünndarms, nicht maßstabsgetreu: Mikrovilli und Proteine stark vergrößert, Zellen gekürzt. Jede Zelle trägt hier eine Gruppe von Angriffspunkten; tatsächlich trägt ein Enterozyt viele davon zugleich, und den B12-Rezeptor Cubam gibt es nur im Ileum. Teilchenzahlen, Geschwindigkeiten, Wartezeiten an den Transportern und Anteile abgewiesener Teilchen sind Ausgaben eines einfachen Modells und illustrativ, keine Messungen; die Abbildung nennt sie nicht als Zahl.
Wirkstoff
Ansicht

Nährstoff aus der Nahrung  gewählter Wirkstoff (bzw. seine Spaltprodukte)  Hemmstoff gebunden  Kreuz = gehemmt · gestrichelter Kreis = Weg ohne gezeigtes Protein

Bei Lactasemangel bringen lebende Joghurtkulturen ihre eigene β-Galactosidase mit. In einer Perfusionsstudie mit 8 Betroffenen kam etwa ein Fünftel dieser Lactaseaktivität am Ende des Dünndarms an, und mehr als 90 % der Joghurt-Lactose wurden im Dünndarm verdaut; die Autoren führen das auf die Lactase der Kulturen und die langsamere Passage zurück [8]. Im Zwölffingerdarm waren lebende Kulturen mit β-Galactosidase-Aktivität nachweisbar, spalteten dort aber keine Lactose, weil der Joghurt den pH niedrig hielt [9]. Wo genau die Spaltung stattfindet, ist hier vereinfacht. Im Vergleich steht links die Zelle mit normaler eigener Lactase; „kaum verändert“ heißt also: Mit den Kulturen wird trotz Lactasemangel etwa so viel aufgenommen wie mit normaler Lactase, ohne sie wäre es bei Lactasemangel weniger.

Einen beschrifteten Teil antippen oder fokussieren, um eine kurze Erklärung zu sehen.

Ebenfalls an diesem Wirkort, nicht gezeichnet

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Bakterielle β-Galactosidase (Lactase) der StarterkulturenEnzymFreisetzungetwa ein Fünftel der Joghurt-Lactaseaktivität erreicht das terminale Ileum (Darmperfusion) Mensch, nicht randomisiert[7][8]
Lactose im DünndarmSonstigesHydrolyse ↑mehr als 90 % der Joghurt-Lactose im Dünndarm verdaut Mensch, nicht randomisiert[7]
Lactobacillus delbrueckii und Streptococcus thermophilus im StuhlMikroorganismus/TaxonAbundanz ↑ (vorübergehend) Mensch, nicht randomisiert[13]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Darmbarrierekeine Daten
  • Mikrobiommoduliert · Lebende Kulturen erreichen Duodenum und Stuhl; ihre Lactase spaltet Lactose im Dünndarm (Perfusionsstudie)[7][8][13]
  • Kurzkettige Fettsäuren↑ · Plasma-Butyrat höher unter frischem als unter erhitztem Joghurt bei Männern ohne Lactosemalabsorption (Marker)[9]
  • Gallensäurenkeine Daten
  • Darmhormonekeine Daten
  • Darm-Hirn-Achsekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Oral (geschluckt) · Joghurt oder fermentierte Milch mit lebenden Kulturen

    Die Kulturen sind in den Zellen und durch die Pufferwirkung des Joghurts vor der Magensäure geschützt; lebende Starterkulturen mit Lactaseaktivität erreichen das Duodenum [8], etwa ein Fünftel der Lactaseaktivität das terminale Ileum [7]. Eine langsamere Magen-Darm-Passage trägt zur besseren Verdauung bei [7][11].[11]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Oral (geschluckt) · erhitzter oder pasteurisierter Joghurt

    Nach Erhitzen sanken Lactaseaktivität und Zahl lebender Keime deutlich, und der Vorteil bei der Lactoseverdauung ging ganz [6] oder teilweise [7][9] verloren. Ein Teil des Effekts bleibt über die langsamere Passage erhalten [7].[9]

    Mensch, randomisiert

Studien am Menschen

  • Joghurt als selbstverdauende Lactosequelle

    kontrollierter Vergleich (Joghurt, Milch, Lactose in Wasser), Atemwasserstoff · Patienten: Lactasemangel · Einzelmahlzeiten

    Gemessen: Atemwasserstoff, Beschwerden

    Ergebnis: Nach Joghurt etwa ein Drittel der Wasserstoffausscheidung im Vergleich zu Milch oder Wasser; seltener Durchfall oder Blähungen. Teilnehmerzahl nicht im Abstract.[5]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Joghurt, pasteurisierter Joghurt und andere Milchprodukte

    Vergleich mehrerer Milchprodukte, Atemwasserstoff; in PubMed als randomisiert klassifiziert, Randomisierung nicht am Volltext geprüft · Patienten: Lactasemangel · n = 9 · Einzelmahlzeiten

    Gemessen: Lactosemalabsorption, Lactaseaktivität, Beschwerden

    Ergebnis: Nur frischer Joghurt verbesserte die Lactoseverdauung; Pasteurisierung hob den Vorteil auf. Nach pasteurisiertem Joghurt dennoch beschwerdefrei, nach Buttermilch 8 von 9 mit Beschwerden.[6]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Darmperfusion nach frischem und erhitztem Joghurt

    kontrollierter Vergleich (Milch, Joghurt, erhitzter Joghurt), Atemwasserstoff und Ileumperfusion · Patienten: Lactasemangel · n = 8 · Einzelmahlzeiten an aufeinanderfolgenden Tagen

    Gemessen: Atemwasserstoff, oro-zäkale Transitzeit, Lactose und Lactaseaktivität im terminalen Ileum

    Ergebnis: Atemwasserstoff nach Joghurt und erhitztem Joghurt niedriger als nach Milch; weniger Lactose im Ileum nach frischem als nach erhitztem Joghurt; mehr als 90 % der Joghurt-Lactose im Dünndarm verdaut.[7]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Starterkulturen im Duodenum

    Intubationsstudie mit internen Markern, frischer gegenüber erhitztem Joghurt · Patienten: Lactosemalabsorption · n = 10 · Einzelmahlzeit, 90 Minuten Messung

    Gemessen: lebende Starterkulturen, β-Galactosidaseaktivität und Lactose im Duodenum

    Ergebnis: Lebende Kulturen bei 6 von 7 Personen 60 Minuten im Duodenum nachweisbar; wegen der Pufferwirkung kein Lactoseabbau im Duodenum.[8]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Frischer gegenüber erhitztem Joghurt über 15 Tage

    randomisiert, Überkreuzdesign mit Auswaschphase · gemischt: je 12 Männer mit und ohne Lactosemalabsorption · n = 24 · 2 × 15 Tage

    Gemessen: Glukose, Insulin, Lipide, kurzkettige Fettsäuren im Plasma, Atemwasserstoff

    Ergebnis: Bei Malabsorption weniger Atemwasserstoff unter frischem Joghurt (p < 0,01); ohne Malabsorption höheres Plasma-Butyrat (p < 0,03); keine Effekte auf Glukose, Insulin und Lipide.[9]

    Mensch, randomisiert

  • Drei Handelsjoghurts im Vergleich

    kontrollierter Vergleich mit Lactose, Atemwasserstoff · Patienten: Lactosemalabsorption · n = 8 · Einzelmahlzeiten, 8 Stunden Messung

    Gemessen: Atemwasserstoff, Beschwerden

    Ergebnis: Zwei von drei Joghurts senkten den Atemwasserstoff gegenüber Lactose; Beschwerden ohne Zusammenhang mit der Malabsorption.[10]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Überleben der Joghurtbakterien im Darm

    unkontrollierte Interventionsstudie · gesund · n = 13 · 12 Tage

    Gemessen: lebende S. thermophilus und L. delbrueckii im Stuhl

    Ergebnis: Lebende S. thermophilus in 32, L. delbrueckii in 37 von 39 Stuhlproben.[13]

    Mensch, nicht randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Lactose bleibt enthalten

    Joghurt enthält weiterhin Lactose. Auch nach Joghurt wurde ein Teil der Lactose nicht verdaut [5][7], und nicht jedes Produkt verbesserte die Lactoseverdauung [10].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Infektionen in Einzelfällen

    Die EFSA fasst Fallberichte zu Bakteriämien mit Laktobazillen, darunter Lactobacillus delbrueckii, bei Menschen mit schweren Grunderkrankungen oder bei Frühgeborenen zusammen; der QPS-Status blieb unverändert. Für S. thermophilus fand sie 2025 keine relevante Sicherheitsmeldung [17].

    Mensch, nicht randomisiert

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Joghurtkulturen siedeln sich dauerhaft im Darm an“

    Lebende Joghurtbakterien erscheinen während des Verzehrs im Stuhl [13]; das zeigt Überleben, keine Ansiedlung. Die Besiedlung der Darmschleimhaut ist individuell und meist vorübergehend [14].

  • teilweise belegt

    „Nur lebende Kulturen helfen bei der Lactoseverdauung, erhitzter Joghurt nicht“

    Pasteurisierung hob den Vorteil in einer Studie auf [6], und frischer Joghurt senkte den Atemwasserstoff stärker als erhitzter [9]. Erhitzter Joghurt war aber ebenfalls besser verträglich als Milch, weil er langsamer passierte [7].

  • teilweise belegt

    „Joghurtkulturen sind Probiotika“

    Sie sind lebende Mikroorganismen mit einem gezeigten Nutzen bei Lactosemaldigestion, was eine Expertengruppe als ausreichend ansah [15]. Der ISAPP-Konsens zu fermentierten Lebensmitteln möchte „enthält Probiotika“ aber nur für definierte, sequenzierte Stämme in ausreichender Menge verwenden [1].

  • widerlegt

    „Weil die Kulturen magensäurestabil sind, wirkt jeder Joghurt gleich gut“

    Überleben ist kein klinischer Endpunkt. Im direkten Vergleich senkten nur zwei von drei Handelsjoghurts den Atemwasserstoff [10], und aromatisierte Joghurts zeigen nach einer Übersichtsarbeit etwas geringere Lactaseaktivität [11].

  • widerlegt

    „Die EU-Angabe zur Lactoseverdauung gilt für jedes Probiotikum“

    Die Angabe ist auf lebende Starterkulturen der beiden Joghurtarten in Joghurt oder fermentierter Milch beschränkt [3]. Für Probiotika allgemein fand eine systematische Übersicht keine ausreichende Evidenz bei Laktoseintoleranz [12].

Pharmakokinetik

Aufnahme
Keine Aufnahme in den Körper; die bakterielle Lactase wirkt im Dünndarmlumen. Die Kulturen überleben die Passage teilweise und erscheinen lebend im Stuhl.
Abbau
Spaltung von Lactose in Glucose und Galactose durch bakterielle β-Galactosidase im Dünndarm

Rechtlicher Status

Deutschland
Joghurtkulturen sind Lebensmittelkulturen. Eine eigene rechtliche Einordnung als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel wurde nicht geprüft (nicht verifiziert).
EU
Einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe der EU zu lebenden Mikroorganismen: „Lebende Joghurtkulturen“ und Lactoseverdauung nach VO (EU) Nr. 432/2012, Eintrag der Basisfassung, in der konsolidierten Fassung vom 17.05.2021 unverändert [3]; Grundlage ist ein EFSA-Gutachten von 2010 [4]. Die Bedingung für die Verwendung verlangt eine Mindestmenge lebender Starterkulturen beider Arten (Zahl hier bewusst nicht übernommen). Kein Eintrag zu „delbrueckii“, „bulgaricus“, „thermophilus“ oder „Streptococcus“ in der konsolidierten Unionsliste der neuartigen Lebensmittel, Stand 10.08.2026 [16]. Streptococcus thermophilus ist eine QPS-Einheit der EFSA mit unverändertem Status; für die Gruppe der Laktobazillen nennt das QPS-Update 2026 ebenfalls keine Änderung [17]. Lactobacillus bulgaricus (Synonym L. delbrueckii ssp. bulgaricus) gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09439, Abruf 26.10.2026) [18]; Streptococcus thermophilus gilt laut Novel-Food-Katalog der Kommission als nicht neuartig (POL-NF-09460, Abruf 26.10.2026) [19]. Die Einträge gelten auf Artebene, nicht für den Stamm; der Katalog ist eine Orientierungshilfe der Kommission, kein Rechtsakt. In der QPS-Liste der EFSA (Fassung vom 17.09.2026) steht Lactobacillus delbrueckii mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen; ebenso Streptococcus thermophilus mit der Qualifikation, dass die Stämme keine erworbenen Resistenzgene gegen klinisch relevante antimikrobielle Wirkstoffe tragen sollen [20]. QPS bewertet die Art, nicht den Stamm.
USA
Nicht verifiziert.
Andere Länder
Codex Alimentarius: Joghurt wird mit einer Kombination aus S. thermophilus und L. delbrueckii subsp. bulgaricus hergestellt (zitiert nach [1]).

Zugelassene EU-Angaben

EU-Claim zugelassen Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe ist eine rechtliche Aussage über den Nährstoff, nicht über diese Form, und keine Evidenzstufe. Die Studienlage zu dieser Form steht davon getrennt beim Hauptversprechen und unter „Studien am Menschen“.

  • „Die Verdauung der im Produkt enthaltenen Lactose wird durch Lebendkulturen in Joghurt oder fermentierter Milch bei Personen, die Probleme mit der Lactoseverdauung haben, verbessert“

    Nährstoff
    Lebende Joghurtkulturen
    Rechtsgrundlage
    VO (EU) Nr. 432/2012[3][4]
    Einordnung
    rechtlich zulässig; inhaltlich durch kleine, gleichgerichtete Humanstudien gestützt (siehe Hauptversprechen)

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Wie groß ist der Effekt auf Beschwerden im Alltag, gemessen in größeren randomisierten Studien mit Lactoseintoleranten?
  • Wie stark unterscheiden sich heutige Handelsjoghurts in ihrer Lactaseaktivität?
  • Bringen die Kulturen Menschen ohne Lactoseprobleme einen klinisch messbaren Nutzen?
  • Was genau hat das EFSA-Gutachten von 2010 an Studien zugrunde gelegt?

Referenzen

  1. Marco ML, Sanders ME, Gänzle M, Arrieta MC, Cotter PD, De Vuyst L, et al. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) consensus statement on fermented foods. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2021;18(3):196–208. doi:10.1038/s41575-020-00390-5 · PubMed
  2. Zheng J, Wittouck S, Salvetti E, Franz CMAP, Harris HMB, Mattarelli P, et al. A taxonomic note on the genus Lactobacillus: description of 23 novel genera, emended description of the genus Lactobacillus Beijerinck 1901, and union of Lactobacillaceae and Leuconostocaceae. Int J Syst Evol Microbiol. 2020;70(4):2782–858. doi:10.1099/ijsem.0.004107 · PubMed
  3. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Konsolidierte Fassung vom 17.05.2021 (CELEX 02012R0432-20210517); abgerufen am 24.10.2026.
  4. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to live yoghurt cultures and improved lactose digestion (ID 1143, 2976) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA J. 2010;8(10):1763. doi:10.2903/j.efsa.2010.1763
  5. Kolars JC, Levitt MD, Aouji M, Savaiano DA. Yogurt – an autodigesting source of lactose. N Engl J Med. 1984;310(1):1–3. doi:10.1056/NEJM198401053100101 · PubMed
  6. Savaiano DA, AbouElAnouar A, Smith DE, Levitt MD. Lactose malabsorption from yogurt, pasteurized yogurt, sweet acidophilus milk, and cultured milk in lactase-deficient individuals. Am J Clin Nutr. 1984;40(6):1219–23. doi:10.1093/ajcn/40.6.1219 · PubMed
  7. Marteau P, Flourie B, Pochart P, Chastang C, Desjeux JF, Rambaud JC. Effect of the microbial lactase (EC 3.2.1.23) activity in yoghurt on the intestinal absorption of lactose: an in vivo study in lactase-deficient humans. Br J Nutr. 1990;64(1):71–9. doi:10.1079/bjn19900010 · PubMed
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  9. Rizkalla SW, Luo J, Kabir M, Chevalier A, Pacher N, Slama G. Chronic consumption of fresh but not heated yogurt improves breath-hydrogen status and short-chain fatty acid profiles: a controlled study in healthy men with or without lactose maldigestion. Am J Clin Nutr. 2000;72(6):1474–9. doi:10.1093/ajcn/72.6.1474 · PubMed
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  11. Savaiano DA. Lactose digestion from yogurt: mechanism and relevance. Am J Clin Nutr. 2014;99(5 Suppl):1251S–5S. doi:10.3945/ajcn.113.073023 · PubMed
  12. Shaukat A, Levitt MD, Taylor BC, MacDonald R, Shamliyan TA, Kane RL, et al. Systematic review: effective management strategies for lactose intolerance. Ann Intern Med. 2010;152(12):797–803. doi:10.7326/0003-4819-152-12-201006150-00241 · PubMed
  13. Mater DD, Bretigny L, Firmesse O, Flores MJ, Mogenet A, Bresson JL, et al. Streptococcus thermophilus and Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus survive gastrointestinal transit of healthy volunteers consuming yogurt. FEMS Microbiol Lett. 2005;250(2):185–7. doi:10.1016/j.femsle.2005.07.006 · PubMed
  14. Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J, Mor U, Dori-Bachash M, Bashiardes S, et al. Personalized gut mucosal colonization resistance to empiric probiotics is associated with unique host and microbiome features. Cell. 2018;174(6):1388–1405.e21. doi:10.1016/j.cell.2018.08.041 · PubMed
  15. Guarner F, Perdigon G, Corthier G, Salminen S, Koletzko B, Morelli L. Should yoghurt cultures be considered probiotic? Br J Nutr. 2005;93(6):783–6. doi:10.1079/bjn20051428 · PubMed
  16. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission vom 20. Dezember 2017 zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel. ABl. L 351 vom 30.12.2017, S. 72. Konsolidierte Fassung vom 10.08.2026 (CELEX 02017R2470-20260810); abgerufen am 24.10.2026.
  17. EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ), Allende A, Alvarez-Ordóñez A, Bortolaia V, Bover-Cid S, De Cesare A, et al. Update of the list of qualified presumption of safety (QPS) recommended microbiological agents intentionally added to food or feed as notified to EFSA 23: suitability of taxonomic units notified to EFSA until September 2025. EFSA J. 2026;24(1):e9824. doi:10.2903/j.efsa.2026.9824 · PubMed
  18. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: Lactobacillus bulgaricus [Datenbank]. POL-NF-09439, letzte Änderung 26.01.2024 [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
  19. Europäische Kommission. Novel Food Status Catalogue: Streptococcus thermophilus [Datenbank]. POL-NF-09460, letzte Änderung 27.01.2025 [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/food/food-feed-portal/screen/novel-food-catalogue/search
  20. EFSA Panel on Biological Hazards (BIOHAZ). Updated list of QPS-recommended microorganisms for safety risk assessments carried out by EFSA. Appendix E – Updated list of QPS recommended biological agents (Panel Statement 24, Juni 2026), Blätter „QPS List“ und „Excluded from QPS“ [Datensatz]. Zenodo; Version vom 17.09.2026 [zitiert 26.10.2026]. doi:10.5281/zenodo.22812707 doi:10.5281/zenodo.22812707
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Wortlaut der Angabe in der konsolidierten VO (EU) Nr. 432/2012 (CELEX 02012R0432-20210517) selbst über Cellar abgerufen: Eintrag „Lebende Joghurtkulturen“, markiert als Basisfassung (▼B), mit Verweis auf EFSA-Gutachten 2010;8(10):1763 und ID 1143, 2976; Bedingung verlangt eine Mindestkeimzahl lebender Startermikroorganismen beider Arten (Zahl nach Keimzahlregel nicht übernommen) [3].
  • EFSA-Gutachten [4] über Crossref (DOI 10.2903/j.efsa.2010.1763) bibliografisch bestätigt; kein PubMed-Eintrag.
  • Konsolidierte Unionsliste (CELEX 02017R2470-20260810) selbst durchsucht: 0 Treffer für „delbrueckii“, „bulgaricus“, „thermophilus“, „Streptococcus“, „Lactobacillus“ [16].
  • QPS-Update 2026 im Volltext (PMC12824592): Status von S. thermophilus unverändert (eine Arbeit im Volltext geprüft, nicht relevant); bei den Laktobazillen Fallberichte u. a. zu L. delbrueckii, Status unverändert [17].
  • ISAPP-Konsens fermentierte Lebensmittel [1] im Volltext (PMC7925329): Codex-Definition von Joghurt, Verweis auf die EU-Angabe, Empfehlung zur Angabe „enthält Probiotika“; Interessenkonflikte mehrerer Autorinnen und Autoren mit Molkereiunternehmen erklärt.
  • Zheng 2020 [2], Abstract: L. delbrueckii gehört zur emendierten Gattung Lactobacillus.
  • Synonym „Lactobacillus bulgaricus (überholte Artbezeichnung)“: Umgliederung als Unterart von L. delbrueckii bibliografisch über Crossref bestätigt (Weiss N, Schillinger U, Kandler O. Syst Appl Microbiol. 1983;4:552–7, doi:10.1016/S0723-2020(83)80012-5, Titel „… Lactobacillus bulgaricus, subjective synonyms of Lactobacillus delbrueckii, and description of … Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus comb. nov.“); nicht als Referenz aufgenommen, weil nur das Synonym betroffen ist.
  • Abstracts [5]–[13] und [15] mit allen übernommenen Zahlen geprüft (n = 9 [6], n = 8 [7], 6 von 7 [8], 2 × 12 [9], n = 8 [10], 32 und 37 von 39 Proben [13]). Mengen- und Keimzahlangaben aus den Abstracts (Lactosemengen, Joghurtmengen, KBE) wurden bewusst nicht übernommen.
  • 26.10.2026, Folgearbeit Bogen 2 (Prüfbericht E-20, Block E; eigener Abruf): Novel-Food-Katalog über die Backend-Schnittstelle der Kommission (979 Einträge) abgerufen, Statustexte auf der öffentlichen Katalogseite gegengelesen: POL-NF-09439 „Lactobacillus bulgaricus“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 26.01.2024); POL-NF-09460 „Streptococcus thermophilus“ (Teil „Whole“, NOT_NOVEL_IN_FOOD, letzte Änderung 27.01.2025). EFSA-QPS-Liste (Zenodo, doi:10.5281/zenodo.22812707, Version 17.09.2026, Panel Statement 24) heruntergeladen und im aktuellen Blatt „QPS List“ bzw. „Excluded from QPS“ gelesen, nicht im ausgeblendeten alten Blatt „QPS_list“. Slug, name und Artnamen nicht geändert, deshalb keine LPSN-Abfrage.

Nicht verifiziert

  • Volltext des EFSA-Gutachtens [4] nicht zugänglich (Verlagsseite antwortete mit HTTP 403); welche Studien die EFSA zugrunde legte, ist offen.
  • Teilnehmerzahl und Randomisierung von [5] nicht im Abstract; ob [6] randomisiert war, nur über die PubMed-Klassifikation („Randomized Controlled Trial“) erkennbar, nicht am Volltext geprüft.
  • Interessenkonflikte der älteren Studien [5]–[10] und von [15] nicht geprüft (Volltexte nicht zugänglich).
  • Ob heutige Handelsjoghurts in Deutschland vergleichbare Lactaseaktivität haben, wurde nicht untersucht.
  • Ob es neuere randomisierte Studien mit Beschwerdeendpunkten speziell zu Joghurtkulturen gibt, wurde nur über eine PubMed-Suche (33 Treffer) geprüft; keine gefunden.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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