Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Wirkweise

Evidenzkarte: Bacopa monnieri

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Eine Übersicht nennt als vermutete Mechanismen antioxidativen Zellschutz, Hemmung der Acetylcholinesterase oder Aktivierung der Cholin-Acetyltransferase, weniger Beta-Amyloid, eine stärkere Hirndurchblutung und Veränderungen von Acetylcholin, Serotonin und Dopamin; die meisten Daten stammen aus Tier- und Zellstudien [1]. Bei Mäusen mit entferntem Riechkolben, einem Modell für Gedächtnisstörungen, hob ein Bacopa-Extrakt Gedächtnisdefizite auf, erhielt cholinerge Nervenzellen, steigerte die BDNF-mRNA im Hippocampus und hemmte die Acetylcholinesterase im Hirngewebe; der Muskarinrezeptor-Blocker Scopolamin hob den Effekt auf das Kurzzeitgedächtnis auf [2]. In Kulturen von Hirnrinden-Nervenzellen schützte der Extrakt vor Beta-Amyloid, nicht aber vor Glutamat, und senkte reaktive Sauerstoffspezies [3].

Beim Menschen wirkt Bacopa nicht akut, sondern wurde meist über zwölf Wochen geprüft. Eine Metaanalyse von neun RCTs mit 518 Teilnehmenden fand eine schnellere Bearbeitung des Trail-Making-Tests B und kürzere Wahlreaktionszeiten [4]. Ein systematischer Review von sechs RCTs an Erwachsenen ohne Demenz fand Verbesserungen in 9 von 17 Tests zum freien Abruf, aber kaum Effekte in anderen Bereichen [5]. Einzelne RCTs zeigten bei 40- bis 65-Jährigen langsameres Vergessen neu gelernter Information [6] und bei gesunden Älteren besseren verzögerten Wortabruf [7][8].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
AcetylcholinesteraseEnzymHemmer Tierversuch[2][3]
Cholin-Acetyltransferase / cholinerge NeuroneEnzymExpression ↑ Tierversuch[2]
BDNF-Transkription, CREB-PhosphorylierungSignalwegAktivator Tierversuch[2]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninmoduliert · laut Übersicht aus Tierstudien; nicht im Einzelnen geprüft[1]
  • Acetylcholin↑ · Acetylcholinesterase gehemmt, cholinerge Neurone erhalten (Maus, Zellkultur)[2][3]
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophine↑ · BDNF-mRNA und CREB-Phosphorylierung im Hippocampus erhöht (Maus)[2]
  • Durchblutung↑ · stärkere Hirndurchblutung laut Übersicht (Tierdaten); nicht im Einzelnen geprüft[1]
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativ↓ · weniger reaktive Sauerstoffspezies, Schutz vor Beta-Amyloid (Zellkultur)[3]
  • Stressachsekeine Daten
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Studien am Menschen

  • Metaanalyse Kognition

    Metaanalyse von 9 RCTs (mindestens 12 Wochen) · im Abstract nicht angegeben · n = 518 · ≥ 12 Wochen

    Gemessen: Trail-Making-Test B, Wahlreaktionszeit

    Ergebnis: Trail-B schneller, Wahlreaktionszeit um 10,6 ms kürzer; geringes Verzerrungsrisiko.[4]

    Mensch, randomisiert

  • Systematischer Review bei Erwachsenen ohne Demenz

    systematischer Review von 6 RCTs · gesund (Erwachsene ohne Demenz) · 12 Wochen

    Gemessen: validierte kognitive Tests

    Ergebnis: Verbesserung in 9 von 17 Tests zum freien Abruf; wenig Evidenz für andere Bereiche.[5]

    Mensch, randomisiert

  • Gedächtnis bei 40- bis 65-Jährigen

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund (40–65 Jahre) · n = 76 · 3 Monate

    Gemessen: verschiedene Gedächtnisfunktionen, Angst

    Ergebnis: Bessere Behaltensleistung neuer Information; Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis und Angst unverändert.[6]

    Mensch, randomisiert

  • Gesunde Ältere, USA

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund (ab 65 Jahren) · n = 54 · 12 Wochen

    Gemessen: verzögerter Wortabruf (AVLT)

    Ergebnis: Besserer verzögerter Abruf und Stroop-Test; Magenbeschwerden als häufigste Nebenwirkung.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Gesunde Ältere, Australien

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund (über 55 Jahre) · n = 98 · 12 Wochen

    Gemessen: AVLT, Complex Figure Test, Trail Making Test, Gedächtnisfragebogen

    Ergebnis: Wortlernen und verzögerter Abruf besser; andere Tests nicht signifikant; mehr Magen-Darm-Nebenwirkungen.[8]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Magen-Darm-Beschwerden

    Häufigere Stuhlgänge, Bauchkrämpfe und Übelkeit gegenüber Placebo [8]; in einer anderen RCT vor allem Magenbeschwerden, ähnlich häufig wie unter Placebo [7].

    Mensch, randomisiert

  • Leber

    Laut LiverTox nicht mit erhöhten Leberwerten oder klinisch auffälligen Leberschäden in Verbindung gebracht [9].

    Mensch, nicht randomisiert

  • Fehlende Langzeitdaten

    Langzeitstudien zur Sicherheit beim Menschen fehlen [1].

    Keine Daten

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • teilweise belegt

    „Bacopa verbessert das Gedächtnis“

    Mehrere RCTs zeigen nach rund zwölf Wochen besseren freien Abruf und langsameres Vergessen [5][6][7][8]; andere Gedächtnis- und Denkbereiche bleiben meist unverändert.

  • nicht belegt

    „Bacopa wirkt sofort konzentrationssteigernd“

    Die positiven Studien prüften eine Einnahme über mindestens zwölf Wochen [4][5]; Belege für akute Effekte fanden sich in den geprüften Quellen nicht.

  • teilweise belegt

    „Bacopa wirkt angstlösend“

    Bei gesunden Älteren sanken Angst- und Depressionswerte in einer RCT [7], in einer anderen blieben Angstwerte unverändert [6].

  • nicht belegt

    „Bacopa schützt vor Alzheimer“

    Nur Zell- und Tierbefunde zu Beta-Amyloid und cholinergen Neuronen [2][3]; keine Studien mit Demenz als Endpunkt geprüft.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Über den Mund als standardisierter Extrakt; Wirkung in Studien erst nach mehreren Wochen untersucht [5].
Halbwertszeit
Nicht verifiziert.
Abbau
Nicht verifiziert.
Weg ins Gehirn
Nicht verifiziert; Wirkungen im Gehirn bei Mäusen nach Gabe über den Mund [2].

Rechtlicher Status

Deutschland
Nicht verifiziert.
EU
Nicht verifiziert.
USA
Nicht verifiziert; als pflanzliches Präparat in der LiverTox-Datenbank des NIH geführt [9].
Andere Länder
Indien: traditionelle Verwendung in der ayurvedischen Medizin [9]; Zulassungsstatus nicht geprüft.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Welche Inhaltsstoffe sind für die Gedächtniswirkung verantwortlich, und wie vergleichbar sind die verschiedenen Extrakte?
  • Hält der Effekt nach Absetzen an, und gibt es Langzeitrisiken?
  • Sind die Effekte groß genug, um im Alltag spürbar zu sein?

Referenzen

  1. Aguiar S, Borowski T. Neuropharmacological review of the nootropic herb Bacopa monnieri. Rejuvenation Res. 2013;16(4):313–26. doi:10.1089/rej.2013.1431 · PubMed
  2. Le XT, Pham HT, Do PT, Fujiwara H, Tanaka K, Li F, et al. Bacopa monnieri ameliorates memory deficits in olfactory bulbectomized mice: possible involvement of glutamatergic and cholinergic systems. Neurochem Res. 2013;38(10):2201–15. doi:10.1007/s11064-013-1129-6 · PubMed
  3. Limpeanchob N, Jaipan S, Rattanakaruna S, Phrompittayarat W, Ingkaninan K. Neuroprotective effect of Bacopa monnieri on beta-amyloid-induced cell death in primary cortical culture. J Ethnopharmacol. 2008;120(1):112–7. doi:10.1016/j.jep.2008.07.039 · PubMed
  4. Kongkeaw C, Dilokthornsakul P, Thanarangsarit P, Limpeanchob N, Norman Scholfield C. Meta-analysis of randomized controlled trials on cognitive effects of Bacopa monnieri extract. J Ethnopharmacol. 2014;151(1):528–35. doi:10.1016/j.jep.2013.11.008 · PubMed
  5. Pase MP, Kean J, Sarris J, Neale C, Scholey AB, Stough C. The cognitive-enhancing effects of Bacopa monnieri: a systematic review of randomized, controlled human clinical trials. J Altern Complement Med. 2012;18(7):647–52. doi:10.1089/acm.2011.0367 · PubMed
  6. Roodenrys S, Booth D, Bulzomi S, Phipps A, Micallef C, Smoker J. Chronic effects of Brahmi (Bacopa monnieri) on human memory. Neuropsychopharmacology. 2002;27(2):279–81. doi:10.1016/S0893-133X(01)00419-5 · PubMed
  7. Calabrese C, Gregory WL, Leo M, Kraemer D, Bone K, Oken B. Effects of a standardized Bacopa monnieri extract on cognitive performance, anxiety, and depression in the elderly: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Altern Complement Med. 2008;14(6):707–13. doi:10.1089/acm.2008.0018 · PubMed
  8. Morgan A, Stevens J. Does Bacopa monnieri improve memory performance in older persons? Results of a randomized, placebo-controlled, double-blind trial. J Altern Complement Med. 2010;16(7):753–9. doi:10.1089/acm.2009.0342 · PubMed
  9. Bacopa monnieri. In: LiverTox: clinical and research information on drug-induced liver injury [Internet]. Bethesda (MD): National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases; 2012– [aktualisiert 24.04.2024]. PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle DOIs über Crossref aufgelöst, PMIDs passen zu den DOIs; [9] ohne DOI nur über PMID.
  • Am Abstract: Mechanismusliste, fehlende Langzeit-Toxizitätsstudien [1]; Riechkolben-Modell, ChAT, BDNF, CREB, AChE, Scopolamin [2]; Beta-Amyloid, kein Glutamatschutz, ROS [3]; 9 RCTs, 518 Teilnehmende, Wahlreaktionszeit −10,6 ms [4]; 6 RCTs, 9 von 17 Abruftests [5]; n = 76, Behalten, Angst unverändert [6]; n = 54, AVLT, Stroop, Magenbeschwerden [7]; n = 98, AVLT, Magen-Darm-Nebenwirkungen [8]; keine Leberwerterhöhungen [9].
  • ClinicalTrials.gov: 18 Einträge (23.10.2026).

Nicht verifiziert

  • Der Trail-B-Effekt ist im Abstract von [4] als −17,9 ms angegeben, was für diesen Test ungewöhnlich klein wirkt; Einheit nicht am Volltext geprüft, daher nicht als Zahl übernommen.
  • Rechtlicher Status in Deutschland, der EU und den USA.
  • Pharmakokinetik der Bacoside beim Menschen.

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