Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Wirkweise

Evidenzkarte: Theacrin

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

Theacrin (1,3,7,9-Tetramethylharnsäure) ist ein Purinalkaloid aus den Blättern der wilden Teepflanze Camellia kucha; eine Übersicht beschreibt viele Wirkungen, betont aber die uneinheitliche Studienlage [1]. Bei Ratten steigerte Theacrin die Bewegungsaktivität und schwächte die bewegungshemmende Wirkung von Adenosin-A1- und -A2A-Agonisten ab, was auf einen Adenosin-Antagonismus hindeutet; D1- und D2-Antagonisten verringerten die Aktivierung, und nach wiederholter Gabe zeigten sich weder Sensibilisierung noch Toleranz [2].

Eine andere Arbeitsgruppe fand bei Mäusen das Gegenteil: Theacrin verlängerte den Schlaf, verringerte die Wachzeit, milderte koffeinbedingte Schlaflosigkeit und erhöhte bei Ratten das Adenosin im Hippocampus [3]. Welcher Befund beim Menschen zutrifft, ist ungeklärt. Beim Menschen erhöhte gleichzeitig eingenommenes Koffein die Spitzenkonzentration und die Gesamtexposition von Theacrin, ohne dessen Halbwertszeit zu ändern; Theacrin veränderte die Koffeinspiegel nicht [4]. Diese Studie wurde vom Hersteller des Markenrohstoffs finanziert [4].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Adenosinrezeptoren (A1, A2A)RezeptorAntagonistnur funktionell erschlossen (Ratte); widersprüchlich zu Mausdaten Tierversuch[2][3]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminmoduliert · Bewegungsaktivierung durch D1- und D2-Antagonisten verringert (Ratte)[2]
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinunklar · Antagonistisch wirkend bei Ratten, schlaffördernd mit mehr Adenosin bei Nagern in einer anderen Studie[2][3]
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninkeine Daten
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachse↑ · Speichel-Cortisol nach höheren Mengen erhöht (RCT, Gesunde)[8]
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Studien am Menschen

  • Wechselwirkung mit Koffein

    RCT, doppelblind, Crossover · gesund · n = 8 · Einzelgaben

    Gemessen: Pharmakokinetik, Herzfrequenz, Blutdruck

    Ergebnis: Koffein erhöhte Spitzenkonzentration und AUC von Theacrin; Kreislaufwerte unverändert. Herstellerfinanziert.[4]

    Mensch, randomisiert

  • Sicherheit über acht Wochen

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert · gesund · n = 60 · 8 Wochen

    Gemessen: Laborwerte, Kreislauf, subjektive Energie und Fokus

    Ergebnis: Sicherheitsmarker im Normbereich; Ausgangswerte von Energie und Fokus blieben stabil (keine Gewöhnung).[5]

    Mensch, randomisiert

  • Kognition nach Theacrin-haltigem Präparat

    Crossover, placebo- und koffeinkontrolliert · gesund · n = 20 · Einzelgaben

    Gemessen: Trail-Making-Test, Zahlen-Symbol-Test, Reaktionszeit, Befinden

    Ergebnis: Keine Effekte auf objektive Tests; mehr subjektive Energie und Aufmerksamkeit. Präparat enthielt zusätzlich Koffein.[6]

    Mensch, randomisiert

  • Kognition am Folgemorgen und Schlaf

    RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Crossover · gesund (Männer) · n = 22 · Einzelgaben zu drei Zeitpunkten

    Gemessen: Schlaf, Psychomotor Vigilance Task

    Ergebnis: Kein signifikanter Effekt auf den Schlaf; nach höherer Menge weniger Aufmerksamkeitsaussetzer am nächsten Morgen, Reaktionszeit unverändert.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Höhere Mengen, Kreislauf und Stress

    RCT, doppelblind, Crossover · gesund (Gewohnheits-Koffeinkonsumierende) · n = 19 · Einzelgaben

    Gemessen: Herzfrequenz, Blutdruck, Energie, Kognition, Speichel-Cortisol

    Ergebnis: Cortisol erhöht; keine Effekte auf Herzfrequenz, Blutdruck, Energie oder Kognition.[8]

    Mensch, randomisiert

  • Kombination mit Koffein und Methylliberin

    RCT, placebokontrolliert, Parallelgruppen · gesund (Einsatzkräfte) · n = 48 · Einzelgabe

    Gemessen: Reaktionszeit, Treffsicherheit, Blutdruck

    Ergebnis: Kombination und doppelte Koffeinmenge verbesserten die Reaktionszeit gleich; Beitrag des Theacrins nicht trennbar.[9]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Stresshormon

    Höhere Mengen erhöhten in einer RCT das Speichel-Cortisol [8].

    Mensch, randomisiert

  • Begrenzte und herstellernahe Datenlage

    Sicherheitsdaten reichen nur bis acht Wochen [5]; mehrere Studien wurden vom Rohstoffhersteller finanziert [4].

    Mensch, randomisiert

Wechselwirkungen

  • Koffein: Koffein erhöht die Theacrin-Exposition deutlich; Theacrin ändert die Koffeinspiegel nicht [4].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „Theacrin verbessert Konzentration und geistige Leistung“

    Objektive Tests blieben in den meisten RCTs unverändert [6][8]; nur eine Studie zeigte weniger Aufmerksamkeitsaussetzer am Folgemorgen [7].

  • teilweise belegt

    „Theacrin führt nicht zu Gewöhnung wie Koffein“

    In einer achtwöchigen RCT blieben subjektive Energie und Fokus stabil [5], bei Ratten trat keine Toleranz der Bewegungsaktivierung auf [2]; einen objektiv messbaren Wacheffekt, der gegen Gewöhnung geprüft werden könnte, gibt es kaum.

  • teilweise belegt

    „Theacrin stört den Schlaf nicht“

    Kein signifikanter Effekt auf den Schlaf, aber kleine nicht signifikante Verschlechterungen nach höherer Menge [7].

  • teilweise belegt

    „Theacrin wirkt wie Koffein über Adenosinrezeptoren“

    Bei Ratten deutet die Pharmakologie auf Adenosin-Antagonismus [2], bei Mäusen auf das Gegenteil [3]; Bindungsdaten fehlen.

Pharmakokinetik

Aufnahme
Gleichzeitiges Koffein erhöht Spitzenkonzentration und Gesamtexposition, vermutlich über eine bessere Aufnahme [4].
Halbwertszeit
Im Abstract nicht als Zahl berichtet; durch Koffein nicht verändert [4].
Abbau
Beim Menschen nicht näher beschrieben.
Weg ins Gehirn
Zentrale Wirkungen bei Nagern [2][3]; beim Menschen nicht direkt gemessen.

Rechtlicher Status

Deutschland
Nicht verifiziert.
EU
Nicht verifiziert; ob Theacrin als neuartiges Lebensmittel gilt, wurde nicht geprüft.
USA
Als Markenrohstoff in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet [5][6]; regulatorischer Status nicht verifiziert.

Verwandte Substanzen

Offene Fragen

  • Bindet Theacrin direkt an Adenosinrezeptoren, und wirkt es dort antagonistisch oder verstärkend?
  • Hat Theacrin allein, ohne Koffein, einen objektiven Effekt auf Wachheit beim Menschen?
  • Wie sicher ist eine Anwendung über acht Wochen hinaus?

Referenzen

  1. Sheng YY, Xiang J, Wang ZS, Jin J, Wang YQ, Li QS, et al. Theacrine from Camellia kucha and its health beneficial effects. Front Nutr. 2020;7:596823. doi:10.3389/fnut.2020.596823 · PubMed
  2. Feduccia AA, Wang Y, Simms JA, Yi HY, Li R, Bjeldanes L, et al. Locomotor activation by theacrine, a purine alkaloid structurally similar to caffeine: involvement of adenosine and dopamine receptors. Pharmacol Biochem Behav. 2012;102(2):241–8. doi:10.1016/j.pbb.2012.04.014 · PubMed
  3. Qiao H, Ye X, Bai X, He J, Li T, Zhang J, et al. Theacrine: a purine alkaloid from Camellia assamica var. kucha with a hypnotic property via the adenosine system. Neurosci Lett. 2017;659:48–53. doi:10.1016/j.neulet.2017.08.063 · PubMed
  4. He H, Ma D, Crone LB, Butawan M, Meibohm B, Bloomer RJ, et al. Assessment of the drug-drug interaction potential between theacrine and caffeine in humans. J Caffeine Res. 2017;7(3):95–102. doi:10.1089/jcr.2017.0006 · PubMed
  5. Taylor L, Mumford P, Roberts M, Hayward S, Mullins J, Urbina S, et al. Safety of TeaCrine®, a non-habituating, naturally-occurring purine alkaloid over eight weeks of continuous use. J Int Soc Sports Nutr. 2016;13:2. doi:10.1186/s12970-016-0113-3 · PubMed
  6. Kuhman DJ, Joyner KJ, Bloomer RJ. Cognitive performance and mood following ingestion of a theacrine-containing dietary supplement, caffeine, or placebo by young men and women. Nutrients. 2015;7(11):9618–32. doi:10.3390/nu7115484 · PubMed
  7. Gardiner CL, Weakley J, Leota J, Burke LM, Karagounis LG, Russell S, et al. Dose response effects of theacrine on cognitive performance and subsequent sleep. Sci Rep. 2024;14(1):28614. doi:10.1038/s41598-024-79046-2 · PubMed
  8. Stoke C, Chandler M, Madzima T. Assessing the impact of high theacrine doses on hemodynamic measures, cognitive performance, and physiological stress. Appl Physiol Nutr Metab. 2026;51:1–13. doi:10.1139/apnm-2025-0380 · PubMed
  9. Cintineo HP, Bello ML, Chandler AJ, Cardaci TD, McFadden BA, Arent SM. Effects of caffeine, methylliberine, and theacrine on vigilance, marksmanship, and hemodynamic responses in tactical personnel: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. J Int Soc Sports Nutr. 2022;19(1):543–64. doi:10.1080/15502783.2022.2113339 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle 9 DOIs über Crossref und alle PMIDs über PubMed mit tools/pruefe_profile.py aufgelöst.
  • Abstracts: Lokomotion, Adenosin-Agonisten abgeschwächt, D1/D2, keine Toleranz [2]; Schlaf ↑, Koffein-Insomnie gemildert, Adenosin im Hippocampus ↑ [3]; n = 8, Cmax/AUC ↑ durch Koffein, Finanzierung durch Compound Solutions [4]; n = 60, 8 Wochen, Normwerte, keine Gewöhnung [5]; n = 20, keine objektiven Effekte [6]; kein signifikanter Schlafeffekt, weniger PVT-Aussetzer [7]; n = 19, Cortisol ↑ [8]; n = 48, Kombination ≈ doppelte Koffeinmenge [9].
  • Im Volltext: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie mit 22 gesunden Männern [7]; randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert [5].
  • ClinicalTrials.gov: 3 Einträge zu Theacrin (23.10.2026).
  • 26.10.2026, Präzisions-Flags (m004; Regeln im Leitfaden unter „Zahlenregel und Präzisions-Flags“, Umsetzung Claude zur Bestätigung durch Tilman): „Bessere geistige Leistung bei Gesunden“: kleine_studien, inkonsistent – [6] 20 Personen, [8] 19 Personen (Abstracts), [7] 22 Männer (Volltext, siehe oben); [7] fand weniger Aufmerksamkeitsaussetzer am Folgemorgen, [6] und [8] keine Wirkung auf die objektive Kognition. Gegenprüfung 26.10.2026: Belege der Flags (Teilnehmendenzahlen, Richtung, Finanzierung) in die begruendung übernommen und an Abstracts bzw. Volltexten erneut geprüft.

Nicht verifiziert

  • Regulatorischer Status in Deutschland, der EU und den USA nicht geprüft.
  • Ob Kuhman et al. [6] randomisiert hat, steht nicht im Abstract (dort „Crossover“); Evidenzstufe 4 wegen Placebokontrolle.
  • Keine direkte Bindungsstudie an Adenosinrezeptoren gefunden.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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