Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.
Versprechen im Check
Senkt den Blutdruck
Einzelbefund, unbestätigtEinarmige Beobachtungsstudie mit 110 auswertbaren Personen: Blutdruck nach drei Monaten um etwa 11–12/8–9 mmHg niedriger, aber zusammen mit Kaliumcitrat und Lebensstilberatung und ohne Kontrollgruppe [9]. Ratten: Senkung bei cadmiuminduziertem Bluthochdruck [6]. Für Magnesium allein (Metaanalyse: −2,00/−1,78 mmHg) [5] und Taurin allein [4] gibt es RCTs; sie zählen nicht als Beleg für das Salz.
Schützt das Herz
nicht untersuchtNur Tierdaten: weniger oxidative Herzschäden bei Ratten mit cadmiuminduziertem Bluthochdruck [6]. Klinische Herzendpunkte wurden beim Menschen nicht untersucht; die Kombinationsidee stammt aus einem Hypothesenartikel [3].
Entspannt und beruhigt
nicht untersuchtKeine Studie mit Magnesiumtaurat und Angst oder Stress gefunden. Die oft zitierten Rattendaten zu weniger Angstverhalten betreffen Magnesiumacetyltaurat [8]. Für Magnesium allgemein sieht ein systematischer Review schwache Hinweise auf weniger Angst bei angstanfälligen Gruppen, bei schlechter Studienqualität; er betrifft andere Magnesiumformen und zählt nicht für die Stufe [10].
Wirkweise
Evidenzkarte: Magnesiumtaurat
Magnesium ist nach Kalium das zweithäufigste Kation in Zellen und an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt; Darm, Niere und Knochen regeln den Bestand [1]. Magnesiumtaurat, das Salz aus Magnesium und zwei Molekülen Taurin, steht in Anhang II Teil B der Richtlinie 2002/46/EG; Magnesiumacetyltaurat ist dort ein eigener, chemisch anderer Eintrag [2]. Rechnerisch enthält die wasserfreie Verbindung nur etwa 9 % Magnesium (aus der Summenformel in PubChem); der Rest ist Taurin.
Die Begründung für diese Form ist ein Hypothesenartikel von 1996: Magnesium und Taurin senken beide auf unterschiedlichen Wegen das freie Calcium im Zellinneren, und für beide wurden in Tier- oder klinischen Studien gefäßschützende Wirkungen beschrieben; Magnesiumtaurat könne daher ein gefäßschützendes Nahrungsergänzungsmittel sein [3]. Für die Einzelstoffe gibt es inzwischen randomisierte Daten: Taurin allein senkte in einer RCT mit 120 Personen mit Prähypertonie den Praxisblutdruck stärker als Placebo und verbesserte die Gefäßfunktion [4]; eine Metaanalyse von 34 placebokontrollierten Studien fand für Magnesium eine Senkung um 2,00/1,78 mmHg [5]. Ob die Kombination im Salz mehr bewirkt als die Einzelstoffe, wurde nicht geprüft.
Die Studien mit Magnesiumtaurat selbst sind überwiegend Tierversuche. Bei Ratten mit cadmiuminduziertem Bluthochdruck senkte Magnesiumtaurat den Blutdruck und verringerte Zeichen oxidativer Herzschäden [6]; bei Ratten mit galaktoseinduziertem Katarakt verzögerte es die Linsentrübung [7]. Häufig zitierte Daten zu schneller Aufnahme, hohen Hirnspiegeln und weniger Angstverhalten bei Ratten stammen von Magnesiumacetyltaurat, also einer anderen Verbindung [8]. Beim Menschen wurde nur eine einarmige Beobachtungsstudie gefunden: 110 auswertbare Erwachsene mit erhöhtem Blutdruck erhielten Lebensstilberatung und ein Präparat aus Magnesiumtaurat und Kaliumcitrat; nach drei Monaten lag der Blutdruck um etwa 11–12/8–9 mmHg niedriger und die Gefäßsteifigkeit war geringer, das Serummagnesium stieg nur leicht [9]. Ohne Kontrollgruppe und mit Kalium und Lebensstiländerung als gleichzeitigen Faktoren lässt sich der Anteil des Magnesiumtaurats nicht bestimmen, worauf der Autor selbst hinweist [9]. Einen Vergleich der Aufnahme mit anderen Magnesiumformen beim Menschen gibt es nicht.
Formulierungen und Herkunft: Vergleichende Humandaten zu Darreichungsformen von Magnesiumtaurat wurden nicht gefunden. Die einzige Humanstudie verwendete eine feste Kombination mit Kaliumcitrat [9].
Angriffspunkte
| Ziel | Typ | Wirkung | Kennwert | Evidenz |
|---|---|---|---|---|
| Freies Calcium im Zellinneren (Gefäßmuskel) | Sonstiges | Hemmer | Hypothese: Magnesium und Taurin senken es auf verschiedenen Wegen (Hypothesenartikel) | Keine Daten[3] |
| Mg2+-abhängige Enzyme | Enzym | Aktivator | Cofaktor in über 600 enzymatischen Reaktionen (Übersichtsarbeit) | Labor[1] |
| Gefäßfunktion (Taurin allein) | Signalweg | Aktivator | endothelabhängige Gefäßerweiterung verbessert (RCT mit Taurin, nicht mit Magnesiumtaurat) | Mensch, randomisiert[4] |
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- DurchblutungBlutdruck sank in einer unkontrollierten Studie mit Magnesiumtaurat, Kaliumcitrat und Lebensstilberatung; bei Ratten mit Bluthochdruck gesenkt; Einzelstoffe in RCTs mit kleinen Effekten[4][5][6][9]
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativWeniger oxidative Schäden in Herz und Linse bei Ratten[6][7]
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit
Oral (geschluckt) · Taurat
Keine Daten zur Aufnahme beim Menschen und kein Formvergleich. In einer Humanstudie mit Kaliumcitrat stieg das Serummagnesium nach drei Monaten nur leicht [9]. Die Rattendaten zu schneller Aufnahme betreffen Magnesiumacetyltaurat [8].
Mensch, nicht randomisiert
Studien am Menschen
Magnesiumtaurat mit Kaliumcitrat bei erhöhtem Blutdruck
Gemessen: Blutdruck (Praxis, häuslich, 24 Stunden), Pulswellengeschwindigkeit
Ergebnis: Blutdruck etwa −11 bis −12/−8 bis −9 mmHg, Pulswellengeschwindigkeit −0,9 m/s (p < 0,001); 110 per Protokoll ausgewertet; keine schweren Nebenwirkungen.[9]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Hypermagnesiämie bei eingeschränkter Nierenfunktion
Die Niere regelt den Magnesiumbestand [1]. In einer Krankenhauskohorte mit Magnesiumoxid waren eingeschränkte Nierenfunktion, größere Mengen und längere Anwendung Risikofaktoren für erhöhte Werte [11]; Daten zu Taurat fehlen.
Mensch, nicht randomisiert
Additive Blutdrucksenkung
Magnesium und Taurin senkten den Blutdruck in RCTs jeweils leicht [4][5]. Wechselwirkungen mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln wurden für Magnesiumtaurat nicht untersucht.
Keine Daten
Wechselwirkungen
- Tetrazykline und Fluorchinolone: Mehrwertige Kationen bilden mit diesen Antibiotika schwer lösliche Chelate und senken ihre Aufnahme; klinisch belegt für magnesiumhaltige Antazida, für Taurat nicht eigens untersucht [12].
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Magnesiumtaurat gelangt besonders gut ins Gehirn“
Die Rattendaten zu hohen Hirnspiegeln betreffen Magnesiumacetyltaurat, eine andere Verbindung [8]. Für Magnesiumtaurat gibt es keine Daten.
- nicht belegt
„Magnesium und Taurin verstärken sich gegenseitig beim Blutdruck“
Die Idee stammt aus einem Hypothesenartikel [3]. Beide Stoffe senken einzeln in RCTs den Blutdruck leicht [4][5]; eine Studie, die das Salz gegen die Einzelstoffe oder gegen Placebo testet, wurde nicht gefunden.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Beim Menschen nicht untersucht; Serummagnesium stieg in der Kombinationsstudie nur leicht [9].
- Halbwertszeit
- Für ein körpereigenes Mineral nicht sinnvoll angebbar; nicht verifiziert.
- Abbau
- Liefert Mg2+ und Taurin; die Niere regelt die Magnesiumausscheidung [1].
- Weg ins Gehirn
- Für Magnesiumtaurat keine Daten; hohe Hirnspiegel bei Ratten wurden für Magnesiumacetyltaurat berichtet [8].
Rechtlicher Status
- Deutschland
- In AMIce kein verkehrsfähiges Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Magnesiumtaurat gefunden (Suche nach Stoffname, Abruf 24.10.2026) [14]; als Mineralstoffverbindung nach Anhang II der RL 2002/46/EG in Nahrungsergänzungsmitteln zulässig [2].
- EU
- Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG („Magnesiumtaurat“; als eigener Eintrag daneben „Magnesiumacetyltaurat“) [2].
- USA
- Nicht verifiziert.
Zugelassene EU-Angaben
„trägt zur normalen psychischen Funktion bei“
- Nährstoff
- Magnesium
- Rechtsgrundlage
- VO (EU) Nr. 432/2012[13]
- Einordnung
- rechtlich zulässig, bei Gesunden mit Magnesiumtaurat nicht untersucht (siehe Versprechen „Entspannt und beruhigt“); für den Blutdruck gibt es keine zugelassene Magnesium-Angabe
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Senkt Magnesiumtaurat den Blutdruck stärker als Placebo oder als Magnesium und Taurin allein, in einer randomisierten Studie?
- Wie gut wird Magnesium aus Taurat beim Menschen aufgenommen?
- Erreicht die mit Magnesiumtaurat aufgenommene Taurinmenge Bereiche, die in Taurin-Studien wirksam waren?
Referenzen
- de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev. 2015;95(1):1–46. doi:10.1152/physrev.00012.2014 · PubMed
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel. ABl. L 183 vom 12.7.2002, S. 51. Konsolidierte Fassung vom 26.11.2025 (CELEX 02002L0046-20251126).
- McCarty MF. Complementary vascular-protective actions of magnesium and taurine: a rationale for magnesium taurate. Med Hypotheses. 1996;46(2):89–100. doi:10.1016/s0306-9877(96)90007-9 · PubMed
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- Shrivastava P, Choudhary R, Nirmalkar U, Singh A, Shree J, Vishwakarma PK, et al. Magnesium taurate attenuates progression of hypertension and cardiotoxicity against cadmium chloride-induced hypertensive albino rats. J Tradit Complement Med. 2019;9(2):119–23. doi:10.1016/j.jtcme.2017.06.010 · PubMed
- Agarwal R, Iezhitsa I, Awaludin NA, Ahmad Fisol NF, Bakar NS, Agarwal P, et al. Effects of magnesium taurate on the onset and progression of galactose-induced experimental cataract: in vivo and in vitro evaluation. Exp Eye Res. 2013;110:35–43. doi:10.1016/j.exer.2013.02.011 · PubMed
- Uysal N, Kizildag S, Yuce Z, Guvendi G, Kandis S, Koc B, et al. Timeline (bioavailability) of magnesium compounds in hours: which magnesium compound works best? Biol Trace Elem Res. 2019;187(1):128–36. doi:10.1007/s12011-018-1351-9 · PubMed
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- Ogawa R, Echizen H. Clinically significant drug interactions with antacids: an update. Drugs. 2011;71(14):1839–64. doi:10.2165/11593990-000000000-00000 · PubMed
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. ABl. L 136 vom 25.5.2012, S. 1. Konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820).
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Magnesiumtaurat“ [zitiert 24.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-24. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- DOIs über Crossref und PMIDs über PubMed (Prüfskript).
- Anhang II Teil B der RL 2002/46/EG, konsolidierte Fassung CELEX 02002L0046-20251126 (Cellar, XHTML, 24.10.2026): Einträge „Magnesiumtaurat“ und „Magnesiumacetyltaurat“ getrennt; aufgenommen mit VO (EG) Nr. 1170/2009 (dort ebenfalls gefunden).
- Am Abstract: Hypothese Calcium im Zellinneren [3]; 120 Personen, Taurin senkt Blutdruck, Gefäßfunktion [4]; 34 RCTs, 2028 Teilnehmende, −2,00/−1,78 mmHg [5]; Cadmium-Ratten [6]; Galaktose-Ratten [7]; Acetyltaurat (nicht Taurat) mit schneller Aufnahme, Hirnspiegeln und weniger Angstverhalten [8]; 121 eingeschlossen, 110 ausgewertet, −12/−9 (Praxis), −11/−8 (häuslich und 24 h), PWV −0,9 m/s, Serummagnesium leicht gestiegen, einarmig mit Lebensstilberatung [9]; 18 Studien zu Angst [10].
- PubChem: CID 13343447, C4H12MgN2O6S2, Molmasse 272,6; Magnesiumanteil daraus berechnet.
- Gegenprüfung 24.10.2026: Kodierung von systeme.durchblutung an taurin.json und nitrat-rote-bete.json angeglichen (Blutdrucksenkung und Gefäßerweiterung = „↑“).
- ClinicalTrials.gov: 0 Treffer „magnesium taurate“ (24.10.2026).
- 24.10.2026 (Regelentscheidungen K1–K8): Wortlaut „Magnesium trägt zur normalen psychischen Funktion bei“ in VO (EU) Nr. 432/2012, Basisfassung (CELEX 32012R0432) und konsolidierte Fassung vom 20.08.2025 (CELEX 02012R0432-20250820), unverändert gefunden; eine Magnesium-Angabe zum Blutdruck enthält die Verordnung nicht (nur für Kalium).
- Rechtsstatus (G6) am 24.10.2026: AMIce (öffentlicher Teil, BfArM; Stoffname „Magnesiumtaurat“, nur Wirkstoff, Humanarzneimittel, verkehrsfähig): keine Treffer [14]. Ohne Frontmaskierung und bei abweichenden Stoffnamen ist das kein Beweis, dass es kein Arzneimittel gibt.
Nicht verifiziert
- Rechtsstatus in den USA.
- Finanzierung und Präparat-Hersteller der Studie [9] (Abstract ohne Angaben).
- Ob handelsübliches Magnesiumtaurat genau der PubChem-Struktur (1:2-Salz) entspricht.
- Ob Magnesiumtaurat in der Werbung als „besonders magnesiumreich“ beworben wird; ohne Beleg für die Verbreitung wurde die frühere Behauptung dazu bei der Gegenprüfung gestrichen (der berechnete Magnesiumanteil steht im Text).
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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