Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten. Herstellung, Besitz, Handel oder Anwendung können verboten sein; Einzelheiten unter „Rechtlicher Status“.
Wirkweise
Evidenzkarte: Hydrafinil
Hydrafinil ist chemisch 9-Fluorenol: zwei Benzolringe, die direkt und zusätzlich über ein Kohlenstoffatom mit Hydroxygruppe zu einem Fünfring verbunden sind. Das erinnert an das Diphenylmethyl-Gerüst von Modafinil, ihm fehlt aber die Sulfinylacetamid-Seitenkette. Zu Wirkmechanismus, Angriffspunkten oder wachmachender Wirkung wurde in PubMed und Europe PMC keine einzige begutachtete Studie gefunden, auch keine Tier- oder Laborstudie. Verbreitete Angaben, Hydrafinil hemme den Dopamintransporter, ließen sich deshalb nicht prüfen.
Die einzige Arbeit am Menschen stammt aus dem Kölner Dopinglabor: Nach einer Einzelgabe bei drei gesunden Männern fanden sich im Urin unverändertes Hydrafinil sowie hydroxylierte, glucuronidierte und sulfatierte Metabolite [1]. In Routine-Dopingproben tauchte Hydrafinil zweimal auf [1]. Eine spätere Marktanalyse von als „Brain-Doping“ verkauften Produkten führt Hydrafinil unter den im Sport verbotenen Substanzen [2].
Wirkprofil
- Dopamin
- Noradrenalin
- Serotonin
- Acetylcholin
- Glutamat · AMPA
- Glutamat · NMDA
- GABA
- Histamin
- Orexin
- Adenosin
- Opioide
- Melatonin
- Neurotrophine
- Durchblutung
- Stickstoffmonoxid
- Energiestoffwechsel
- Insulin · Glukose
- Entzündung · oxidativ
- Stressachse
- Testosteron-Achse
- Endocannabinoide
- Autophagie · Seneszenz
- Immunsystem
- Lipidstoffwechsel
- Gerinnung · Fibrinolyse
- Methylierung
Studien am Menschen
Ausscheidung für Dopingkontrollen
Gemessen: Metabolite im Urin
Ergebnis: Unverändertes Hydrafinil sowie hydroxylierte und konjugierte Metabolite nachweisbar. Keine Wirkungs- oder Sicherheitsendpunkte.[1]
Mensch, nicht randomisiert
Risiken und Warnhinweise
Fehlende Sicherheitsdaten
Keine Studie zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Langzeitsicherheit; Risiken sind schlicht unbekannt.
Keine Daten
Dopingverstoß
Wird in Dopingproben gefunden [1]; die Verbotsliste 2026 nennt Hydrafinil unter S6.A [6], ebenso eine Marktanalyse [2].
Mensch, nicht randomisiert
Faktencheck: verbreitete Behauptungen
- nicht belegt
„Hydrafinil ist ein Wachmacher wie Modafinil“
Keine begutachtete Studie zur Wachwirkung, weder beim Menschen noch im Tier.
- nicht belegt
„Hydrafinil hemmt den Dopamintransporter“
Keine veröffentlichte Labor- oder Tierstudie gefunden; die Angabe ließ sich nicht auf eine Primärquelle zurückführen.
- nicht belegt
„Hydrafinil verbessert Konzentration und Gedächtnis“
Keine Studie mit kognitiven Endpunkten.
Pharmakokinetik
- Aufnahme
- Nach Einnahme im Urin nachweisbar [1].
- Halbwertszeit
- Nicht untersucht.
- Abbau
- Hydroxylierung sowie Kopplung an Glucuronsäure oder Sulfat; daneben unverändert ausgeschieden [1].
- Weg ins Gehirn
- Nicht untersucht.
Rechtlicher Status
- Deutschland
- In AMIce kein Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Hydrafinil (Fluorenol) gefunden, weder unter den verkehrsfähigen noch unter allen, auch erloschenen Einträgen (Suche nach Stoffname „Hydrafinil“ bzw. „Fluorenol“, Abruf 26.10.2026; Versagungen und Rücknahmen sind im öffentlichen Teil nicht enthalten) [3]; kein Eintrag in AMVV Anlage 1 [4]. Doping: Die im Bundesgesetzblatt bekannt gemachte Verbotsliste 2026 nennt „Hydrafinil (Fluorenol)“ unter S6.A (nichtspezifische Stimulanzien, innerhalb des Wettkampfes verboten) [6]. Damit gilt § 2 Absatz 1 und 2 AntiDopG: Verboten ist, Dopingmittel mit diesem Stoff zum Zweck des Dopings beim Menschen im Sport herzustellen, mit ihnen Handel zu treiben, sie abzugeben oder sonst in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei einer anderen Person anzuwenden. In der Anlage zum AntiDopG, an die das Verbot von Erwerb und Besitz in nicht geringer Menge anknüpft (§ 2 Absatz 3), ist Hydrafinil nicht aufgeführt [7]. Der lebensmittelrechtliche Status ist nicht verifiziert.
- EU
- Kein zentral zugelassenes oder bewertetes Arzneimittel, kein Referral und keine Orphan-Ausweisung mit Hydrafinil oder Fluorenol in den EMA-Datenexporten (Zeitstempel 25.10.2026) [5]; nationale Zulassungen anderer Mitgliedstaaten erfasst der Export nicht. Lebensmittelrechtlicher Status nicht verifiziert.
- USA
- Keine Zulassung bekannt; nicht verifiziert.
- Andere Länder
- Sport: Die im Bundesgesetzblatt bekannt gemachte Verbotsliste 2026 nennt „Hydrafinil (Fluorenol)“ ausdrücklich unter S6.A (nichtspezifische Stimulanzien, innerhalb des Wettkampfes verboten) [6]; ebenso ordnet eine Marktanalyse von „Brain-Doping“-Produkten es ein [2]. 2021 war die Einstufung laut Kölner Dopinglabor noch offen [1].
Verwandte Substanzen
Offene Fragen
- Hat 9-Fluorenol überhaupt eine wachmachende Wirkung, und über welchen Angriffspunkt?
- Wie lange bleibt es im Körper, und wie sicher ist es?
- Woher stammen die online verbreiteten Angaben zum Mechanismus?
Referenzen
- Knoop A, Fußhöller G, Haenelt N, Goergens C, Guddat S, Geyer H, et al. Mass spectrometric characterization of urinary hydrafinil metabolites for routine doping control purposes. Drug Test Anal. 2021;13(11–12):1915–20. doi:10.1002/dta.3137 · PubMed
- Pokrywka A, Surała O, Grabowska K, Przybyła M, Granda D, Małecki A, et al. "Brain doping" substances: prohibited or not in sports? Biol Sport. 2025;42(4):189–201. doi:10.5114/biolsport.2025.150047 · PubMed
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. AMIce – Arzneimittel-Informationssystem, öffentlicher Teil [Datenbank]. Suche Stoffname „Hydrafinil“ bzw. „Fluorenol“, Humanarzneimittel, nur verkehrsfähige sowie ohne Einschränkung (alle Einträge, auch erloschene), jeweils ohne Treffer [zitiert 26.10.2026]. Verfügbar unter: https://portal.bfarm.de/amguifree/
- Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung – AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1 und § 5). Stand: zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 19.5.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 149). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 26.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/anlage_1.html (kein Eintrag zu „Hydrafinil“ bzw. „Fluorenol“).
- European Medicines Agency. Datenexporte (JSON) Medicines, Referrals und Orphan designations, Zeitstempel 25.10.2026. Amsterdam: EMA; abgerufen am 26.10.2026. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/report/medicines-output-medicines_json-report_en.json, https://www.ema.europa.eu/en/documents/report/referrals-output-json-report_en.json und https://www.ema.europa.eu/en/documents/report/medicines-output-orphan_designations-json-report_en.json (Suche nach „hydrafinil“ und „fluorenol“ ohne Treffer).
- Bekanntmachung der Neufassung der Anlage I zu dem Internationalen Übereinkommen vom 19. Oktober 2005 gegen Doping im Sport/des Anhangs zu dem Übereinkommen vom 16. November 1989 gegen Doping vom 18. Dezember 2025 (Verbotsliste 2026, gültig ab 1. Januar 2026, mit amtlicher deutscher Übersetzung), Abschnitt S6 „Stimulanzien“. BGBl. 2025 II Nr. 312, ausgegeben am 23.12.2025. Abgerufen am 26.10.2026. Verfügbar unter: https://www.recht.bund.de/bgbl/2/2025/312/regelungstext.pdf
- Gesetz gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Gesetz – AntiDopG), § 2 und Anlage (zu § 2 Absatz 3). Stand: zuletzt geändert durch Art. 1 V v. 10.3.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 67). Bundesministerium der Justiz [Internet]. Abgerufen am 26.10.2026. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/antidopg/__2.html und https://www.gesetze-im-internet.de/antidopg/anlage.html (kein Eintrag „Hydrafinil“ in der Anlage).
Wie dieses Profil geprüft wurde
Stand: 2026-10-26. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.
Geprüft
- 26.10.2026 (Entscheidung n017, Prüfbericht E-20 Frage 12, erster Schritt, Primärbeleg WADA-Liste): `kategorie` von Nootropikum auf „Nicht zugelassener Wirkstoff“ umgestellt, Versprechen, Stufen und Ergebnisse unverändert. F1 (in DE/EU kein Arzneimittel): AMIce, Stoffname „Hydrafinil“ und „Fluorenol“, Humanarzneimittel, nur verkehrsfähige und ohne Einschränkung jeweils 0 Treffer (Abruf 26.10.2026 im Browser; Kontrolle „Modafinil“ 21 bzw. 32 Treffer) [3]; AMVV Anlage 1 im Volltext ohne Eintrag (Stand Art. 1 V v. 19.5.2026, BGBl. 2026 I Nr. 149) [4]; EMA-Exporte Medicines, Referrals und Orphan designations (Zeitstempel 25.10.2026) ohne Treffer für „hydrafinil“ und „fluorenol“ [5]. F2 (Lebensmittel): kein lebensmittelrechtlicher Beleg, bleibt „nicht verifiziert“. F3 (Umlauf): Verbotsliste 2026 in der deutschen Bekanntmachung BGBl. 2025 II Nr. 312 am PDF gelesen, S6.A nennt „Hydrafinil (Fluorenol)“ [6]; § 2 AntiDopG und Anlage gelesen, Hydrafinil nicht in der Anlage [7]. Damit ist der frühere Punkt in nicht_verifiziert („ob die WADA Hydrafinil ausdrücklich nennt“) erledigt: ausdrücklich genannt. Nachweise in Trainingskontrollen [1]; in der Marktüberwachung der amtlichen Kontrolllabore (Vanhee 2025, Tabelle A1) nicht aufgeführt. Grundlage: Prüfbericht docs/pruefberichte/rechtsstatus-e20.md, Blöcke C und F; alle Abfragen am 26.10.2026 selbst wiederholt.
- 26.10.2026 (Gegenprüfung n017): AMIce-Formel in `status.deutschland` umformuliert. Der AMIce-Filter „ohne Einschränkung“ der Verkehrsfähigkeit umfasst alle Einträge einschließlich erloschener (Kontrolle „Modafinil“: 21 Treffer unter „nur verkehrsfähige“, 32 ohne Einschränkung); der frühere Wortlaut „ohne Einschränkung der Verkehrsfähigkeit“ ließ sich als „uneingeschränkt verkehrsfähig“ missverstehen. Jetzt wie im Prüfbericht (Block A, Armodafinil): weder unter den verkehrsfähigen noch unter allen, auch erloschenen Einträgen.
- Beide DOIs über Crossref und beide PMIDs über PubMed mit tools/pruefe_profile.py aufgelöst.
- Abstract [1]: drei gesunde Männer, Einzelgabe, Urin bis 72 h, Phase-I- und Phase-II-Metabolite, zwei Funde in Trainingskontrollen, WADA-Einstufung damals offen.
- Im Volltext [2], Tabelle 4 „Prohibited substances“: Hydrafinil S6.A.
- PubMed: 1 Treffer zu „hydrafinil“; Suche nach „9-fluorenol“ mit „dopamine“ oder „wake“: 0 Treffer; Europe PMC: 2 Treffer; ClinicalTrials.gov: 0 Einträge (23.10.2026).
Nicht verifiziert
- Die online verbreitete Angabe, Hydrafinil sei ein Dopamin-Wiederaufnahmehemmer aus einem Patent, ließ sich nicht an einer begutachteten Quelle prüfen; Patente wurden nicht durchsucht.
- Nationale Zulassungen anderer EU-Staaten nicht geprüft.
- Rechtlicher Status in den USA und lebensmittelrechtlicher Status nicht geprüft.
Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
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