Nachschlagewerk, keine Anwendungsempfehlung: Das Profil beschreibt Wirkmechanismus und Studienlage und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Versprechen stammen aus Werbung und Foren und werden hier geprüft, nicht vertreten.

Versprechen im Check

  • Tieferer, erholsamerer Schlaf

    Einzelbefund, unbestätigt

    Schlaf · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Die einzige Studie an Gesunden umfasste sechs Personen im doppelblinden Crossover-Design; die Schlafzeit in den folgenden 130 Minuten lag um 59 Prozent über Placebo [7]. Sie stammt von der Entdeckergruppe und wurde nie unabhängig wiederholt.

  • Hilft bei chronischen Schlafstörungen

    uneinheitlich

    Schlaf · Patienten: chronische Insomnie · Mensch, randomisiert

    Die Entdeckergruppe berichtete deutliche Verbesserungen bis zur Normalisierung [8][9][10]. Zwei unabhängige doppelblinde Studien fanden nur schwache, klinisch wenig bedeutsame Effekte ohne Änderung der subjektiven Schlafqualität [11][12].[8][9][10][11][12]

  • Senkt Stresshormone und beruhigt die Stressachse

    kein Nutzen

    Stimmung & Stress · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    In einer placebokontrollierten Studie beeinflusste DSIP weder die durch CRH noch die durch eine Mahlzeit ausgelöste ACTH- und Cortisolfreisetzung [14]. Beleg für „kleine Studien“: je Bedingung 5 Männer und in einem zweiten Versuch 10 Männer [14].

  • Erhöht das nächtliche Wachstumshormon

    kein Nutzen

    Testosteron & Hormone · gesund · Mensch, randomisiert kleine StudienJede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

    Bei gesunden Frauen änderte DSIP weder Wachstumshormon noch Prolaktin, weder spontan noch nach Stimulation mit Arginin, und auch nicht deren Tagesrhythmus [15]. Beleg für „kleine Studien“: 8 Frauen [15].

  • Lindert Entzugssymptome

    Einzelbefund, unbestätigt

    Regeneration & Heilung · Patienten: Alkohol- oder Opiatentzug · Mensch, nicht randomisiert

    Offene Studie an 107 Behandelten mit klinischer Beurteilung, ohne Kontrollgruppe und ohne Verblindung [13]. Unabhängige kontrollierte Studien fehlen.

kleine Studien: Jede Studie, auf der Stufe und Ergebnis beruhen, hatte weniger als 100 Teilnehmende. Kleine Studien zeigen im Mittel größere Effekte als große; das Ergebnis ist deshalb unsicherer.

Wirkweise

Evidenzkarte: DSIP

Jede Linie steht für einen publizierten Befund; Linienstil und Farbe zeigen, woher er stammt. Der Filter blendet schwächere Evidenzstufen aus. Quellen: siehe Referenzen.

DSIP wurde aus dem Hirnvenenblut von Kaninchen isoliert und als Nonapeptid Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu charakterisiert. In der Erstbeschreibung verstärkte nur das vollständige Peptid, nicht aber Bruchstücke oder abgewandelte Varianten, nach Infusion in die Hirnkammern von Kaninchen Delta-Wellen und Spindeln im EEG; ausgewertet wurden 58 Tiere unter verblindeten Bedingungen [1]. Der Name beschreibt also einen EEG-Befund, keinen geklärten Mechanismus. Eine Übersicht von 2006 zieht Bilanz: Gen, Vorläuferprotein und Rezeptor sind unbekannt, die Hypothese vom Schlaffaktor ist ausgesprochen schlecht belegt, DSIP-artige Immunreaktivität findet sich in Hypothalamuskernen, die für Schlaf keine besondere Rolle spielen, und in den eigenen frühen Arbeiten der Autoren wirkten künstliche Analoga schlaffördernd, DSIP selbst dagegen nicht [2]. Ein Rezeptor ist bis heute nicht beschrieben.

Die Pharmakokinetik erklärt einen Teil der widersprüchlichen Befunde: In menschlichem und Rattenblut wird DSIP rasch gespalten, erkennbar an Abbauprodukten mit Tryptophan; stabilere Analoga blieben länger messbar und wirkten teils stärker [3]. An Monolagen menschlicher Darmzellen waren nach zwei Stunden nur noch 8,2 Prozent intakt, Hauptabbauprodukt war Tryptophan, und selbst nach Hemmung der wichtigsten Peptidasen gelangte kein DSIP auf die abluminale Seite [4]. Oral ist das Peptid damit nach diesen Daten nicht brauchbar. Radioaktiv markiertes N-Tyr-DSIP überwindet bei Ratten die Blut-Hirn-Schranke, allerdings ohne sättigbares Transportsystem [5]. Ein Analogon, das besser ins Gehirn gelangt, erzeugte bei Ratten mehr Delta-Wellen als DSIP selbst und senkte zusätzlich die Bewegungsaktivität, die DSIP unverändert ließ [6].

Beim Menschen stammen die positiven Befunde fast alle aus einer Arbeitsgruppe um die Entdecker. In der ersten Humanstudie erhielten sechs gesunde Freiwillige in einem doppelblinden Crossover-Design morgens eine langsame Infusion; sie berichteten Schlafdruck, die Gesamtschlafzeit in den folgenden 130 Minuten lag um 59 Prozent über Placebo, und in der nächsten Nacht waren Einschlafzeit und Anteil des Leichtschlafs geringer, ohne klassische Sedierung [7]. Bei sechs Menschen mit chronischer Schlafstörung verlängerte sich die Schlafdauer bei weniger Unterbrechungen [8]; in einer Laborstudie mit 18 chronisch Schlafgestörten normalisierte sich der Schlaf im Verlauf einer Behandlungswoche und blieb in der Nachbeobachtungswoche normal [9]; bei 14 Betroffenen verbesserte eine siebennächtige, placebokontrollierte und doppelblinde Behandlung Nachtschlaf sowie Wachheit und Leistung am Tag [10]. Unabhängige Gruppen fanden deutlich weniger: In einer doppelblinden Crossover-Studie nahmen Wachzeiten und Einschlaflatenz unter DSIP ab, der Unterschied zu Placebo oder Ausgangsnacht war aber nicht bedeutsam, und die Autoren bewerteten die Schlafverbesserung als klinisch wenig relevant [11]. In einer doppelblinden Studie an 16 chronisch Schlafgestörten waren Schlafeffizienz und Einschlaflatenz unter DSIP besser, die Effekte jedoch schwach und teils durch eine Veränderung in der Placebogruppe erklärbar; die subjektive Schlafqualität änderte sich nicht, und die Autoren hielten einen wesentlichen therapeutischen Nutzen für unwahrscheinlich [12].

Neben dem Schlaf wurden weitere Anwendungen versucht. In einer offenen Studie an 107 Menschen mit Alkohol- oder Opiatentzug besserten sich die Entzugssymptome bei 97 beziehungsweise 87 Prozent, beurteilt klinisch und ohne Kontrollgruppe [13]. Die oft behauptete Dämpfung der Stressachse ließ sich nicht bestätigen: Bei gesunden Männern beeinflusste DSIP weder die durch CRH noch die durch eine Mahlzeit ausgelöste ACTH- und Cortisolfreisetzung [14], und bei gesunden Frauen änderte es weder Wachstumshormon noch Prolaktin, auch nicht deren Tagesrhythmus [15]. Als Zusatz zur Narkose mit Isofluran bei 24 Frauen verringerte DSIP paradox den Delta-Rhythmus, erhöhte den Bispektralindex, also eine flachere Narkose, und senkte die Herzfrequenzvariabilität [16]. Auch die körpereigene Rolle passt schlecht zum Namen: Die DSIP-artige Immunreaktivität im Blut gesunder Männer sank am Übergang vom Wachen zum Schlafen, statt zu steigen [17].

Angriffspunkte

ZielTypWirkungKennwertEvidenz
Rezeptor unbekanntSonstigesBindung Keine Daten[2]
Delta-Aktivität im EEGSonstigesAktivator Tierversuch[1][6]
ACTH- und CortisolfreisetzungHormonachseBindungkein Effekt (gesunde Männer) Mensch, randomisiert[14]
Wachstumshormon- und ProlaktinfreisetzungHormonachseBindungkein Effekt (gesunde Frauen) Mensch, randomisiert[15]
Blut-Hirn-SchrankeTransporterBindungÜbertritt ohne sättigbares Transportsystem (Ratte) Tierversuch[5]

Wirkprofil

Welche Botenstoffsysteme die Substanz nach heutiger Datenlage beeinflusst. ↑ verstärkt, ↓ gedämpft, ≈ moduliert, ○ kein Effekt; Punkte = Evidenzstufe.

  • Dopaminkeine Daten
  • Noradrenalinkeine Daten
  • Serotoninkeine Daten
  • Acetylcholinkeine Daten
  • Glutamat · AMPAkeine Daten
  • Glutamat · NMDAkeine Daten
  • GABAkeine Daten
  • Histaminkeine Daten
  • Orexinkeine Daten
  • Adenosinkeine Daten
  • Opioidekeine Daten
  • Melatoninunklar · keine geprüfte Studie zu Melatonin oder zur inneren Uhr beim Menschen gefunden[2]
  • Neurotrophinekeine Daten
  • Durchblutungkeine Daten
  • Stickstoffmonoxidkeine Daten
  • Energiestoffwechselkeine Daten
  • Insulin · Glukosekeine Daten
  • Entzündung · oxidativkeine Daten
  • Stressachsekein Effekt · keine Wirkung auf ACTH und Cortisol nach CRH oder Mahlzeit bei gesunden Männern[14]
  • Testosteron-Achsekeine Daten
  • Endocannabinoidekeine Daten
  • Autophagie · Seneszenzkeine Daten
  • Immunsystemkeine Daten
  • Lipidstoffwechselkeine Daten
  • Gerinnung · Fibrinolysekeine Daten
  • Methylierungkeine Daten

Aufnahmewege und Bioverfügbarkeit

Wie viel eines Wirkstoffs im Blut oder Zielgewebe ankommt, hängt vom Weg in den Körper und von der Darreichungsform ab. Alle Aufnahmewege erklärt

  • Intravenös · langsame Infusion

    Alle kontrollierten Humanstudien gaben DSIP langsam intravenös [7][11][12]; schnelle Injektion wurde in den frühen Arbeiten als ungeeignet beschrieben.[7][11][12]

    Mensch, randomisiert

  • Oral (geschluckt)

    nicht messbar (Zellmodell)

    An Monolagen menschlicher Darmzellen waren nach zwei Stunden nur 8,2 Prozent intakt, und selbst mit Peptidasehemmern gelangte kein DSIP auf die andere Seite [4].

    Labor

  • Intramuskulär

    Eine Übersichtsarbeit nennt die intramuskuläre Gabe als heute übliche Anwendung von DSIP als Forschungspeptid; kontrollierte Studien mit diesem Weg wurden nicht gefunden [18].

    Keine Daten

Studien am Menschen

  • Erste Humanstudie an Gesunden

    doppelblind, Crossover, placebokontrolliert · gesund · n = 6 · Einzelgabe, Beobachtung über die folgende Nacht

    Gemessen: Schlafzeit nach der Gabe, Polysomnografie der Folgenacht, psychophysiologische Tests

    Ergebnis: Schlafzeit in 130 Minuten um 59 Prozent über Placebo; in der Folgenacht kürzere Einschlafzeit und weniger Leichtschlaf; keine klassische Sedierung.[7]

    Mensch, randomisiert

  • Chronische Insomnie, Entdeckergruppe

    Einzelgabe, Verblindung nicht beschrieben · Patienten: chronische Insomnie, mittleres Alter · n = 6 · Einzelgabe

    Gemessen: Schlafdauer, Unterbrechungen, REM-Anteil

    Ergebnis: Längerer Schlaf mit weniger Unterbrechungen; schlaffördernd erst in der zweiten Stunde, in der ersten eher wach machend.[8]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Schlaflabor über Behandlungs- und Nachbeobachtungswoche

    Laborstudie ohne beschriebene Verblindung · Patienten: chronische Insomnie, 29 bis 83 Jahre · n = 18 · eine Woche Behandlung, eine Woche Nachbeobachtung

    Gemessen: Polysomnografie

    Ergebnis: Normalisierung der Schlafwerte, bei Älteren erst zum Ende der Nachbeobachtung; der Effekt hing vom Schweregrad der Störung ab.[9]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Sieben Nächte bei schwerer chronischer Insomnie

    placebokontrolliert, doppelblind · Patienten: schwere chronische Insomnie, mittleres Alter · n = 14 · sieben Nächte

    Gemessen: Polysomnografie, Tagesbefinden, Leistungstests

    Ergebnis: Besserer Nachtschlaf, auch noch in der ersten Placebonacht danach; Wachheit und Leistung am Tag nahmen zu.[10]

    Mensch, randomisiert

  • Unabhängige Prüfung bei chronischer Insomnie

    doppelblind, Crossover, placebokontrolliert · Patienten: chronische Insomnie · vier Nächte

    Gemessen: Polysomnografie

    Ergebnis: Wachzeiten und Einschlaflatenz nahmen ab, der Unterschied zu Placebo und Ausgangsnacht war jedoch nicht bedeutsam; klinisch wenig relevant.[11]

    Mensch, randomisiert

  • Unabhängige Prüfung in parallelen Gruppen

    doppelblind, parallele Gruppen nach Paarbildung · Patienten: chronische Insomnie · n = 16 · drei Behandlungsnächte innerhalb von fünf Labornächten

    Gemessen: Polysomnografie, subjektive Schlafqualität, Müdigkeit

    Ergebnis: Höhere Schlafeffizienz und kürzere Einschlaflatenz, aber schwache Effekte, teils durch eine Veränderung der Placebogruppe erklärbar; subjektive Schlafqualität unverändert.[12]

    Mensch, randomisiert

  • Alkohol- und Opiatentzug

    offen, ohne Kontrollgruppe · Patienten: Alkoholentzug (47) oder Opiatentzug (60) · n = 107 · nicht verifiziert

    Gemessen: klinische Beurteilung der Entzugssymptome

    Ergebnis: Besserung bei 97 Prozent der Opiat- und 87 Prozent der Alkoholabhängigen; Angst ging langsamer zurück.[13]

    Mensch, nicht randomisiert

  • Stressachse bei Gesunden

    placebokontrolliert · gesund, Männer · n = 20 · Einzelgabe als Infusion

    Gemessen: ACTH und Cortisol nach CRH und nach einer Mahlzeit

    Ergebnis: Kein Unterschied zu Placebo.[14]

    Mensch, randomisiert

  • Wachstumshormon und Prolaktin bei Gesunden

    placebokontrolliert · gesund, Frauen mit regelrechtem Zyklus · n = 8 · Einzelgabe sowie nächtliche Infusion

    Gemessen: Wachstumshormon und Prolaktin, auch nach Arginin

    Ergebnis: Keine Änderung, auch nicht im Tagesrhythmus.[15]

    Mensch, randomisiert

  • Zusatz zur Narkose mit Isofluran

    randomisiert, mit Kontrollgruppe (Kochsalz) · Patienten: Frauen, ASA I oder II, Operation unter Narkose · n = 24 · zwei Gaben, wach und in Narkose

    Gemessen: Bispektralindex, EEG, Herzfrequenzvariabilität

    Ergebnis: Delta-Rhythmus paradox verringert, Bispektralindex höher (flachere Narkose), Herzfrequenz höher, Variabilität geringer.[16]

    Mensch, randomisiert

Risiken und Warnhinweise

  • Verträglichkeit kurzfristig gut, Langzeitdaten fehlen

    In den Humanstudien wurde die Verträglichkeit als gut beschrieben, in der Entzugsstudie traten bei einzelnen Behandelten Kopfschmerzen auf [7][13]. Daten zu wiederholter Anwendung über Wochen oder Monate fehlen vollständig.

    Mensch, nicht randomisiert

  • Unerwartete Kreislauf- und EEG-Effekte

    Als Zusatz zur Narkose senkte DSIP die Herzfrequenzvariabilität, erhöhte die Herzfrequenz und verringerte paradox den Delta-Rhythmus; die Autoren deuteten das als geringeren Parasympathikustonus und flachere Narkose [16].

    Mensch, randomisiert

  • Unbekannter Wirkmechanismus

    Ohne bekannten Rezeptor und ohne geklärte körpereigene Funktion lassen sich Wechselwirkungen und Risiken nicht abschätzen [2].

    Keine Daten

  • Unklare Identität und Reinheit

    DSIP ist nicht zugelassen und zirkuliert laut einer Übersichtsarbeit nur als Forschungspeptid; Identität, Reinheit und Sterilität solcher Produkte sind nicht gesichert [18].

    Keine Daten

Wechselwirkungen

  • Narkosemittel (Isofluran): In einer randomisierten Studie veränderte DSIP als Zusatz die Narkosetiefe in Richtung flacher, nicht tiefer [16].
  • Opiate: Die Anwendung im Entzug beruhte auf der Annahme einer Wirkung an Opiatrezeptoren, weil im Tierversuch Naloxon die Wirkung aufhob; ein Rezeptornachweis für DSIP fehlt [13].

Faktencheck: verbreitete Behauptungen

  • nicht belegt

    „DSIP ist ein körpereigener Schlaffaktor“

    Gen, Vorläufer und Rezeptor sind unbekannt, und die Übersichtsarbeit von 2006 nennt die Schlaffaktor-Hypothese ausgesprochen schlecht belegt [2]. Im Blut gesunder Männer sinkt die DSIP-artige Immunreaktivität beim Einschlafen, statt zu steigen [17].

  • teilweise belegt

    „DSIP vertieft den Tiefschlaf“

    Im Kaninchenversuch verstärkte DSIP Delta-Wellen und Spindeln im EEG [1]. Beim Menschen stieg in der unabhängigen Prüfung vor allem Schlafstadium 2, nicht der Tiefschlaf, und der Unterschied zu Placebo war nicht bedeutsam [11]; als Narkosezusatz verringerte DSIP den Delta-Rhythmus [16].

  • nicht belegt

    „DSIP hilft gegen Schlaflosigkeit“

    Die positiven Studien stammen von der Entdeckergruppe [8][9][10]; zwei unabhängige doppelblinde Studien fanden nur schwache und klinisch wenig bedeutsame Effekte [11][12]. Neuere kontrollierte Studien gibt es nicht.

  • widerlegt

    „DSIP senkt Cortisol und schützt vor Stress“

    In einer placebokontrollierten Studie an gesunden Männern blieb die ACTH- und Cortisolantwort unverändert [14].

  • widerlegt

    „DSIP erhöht nachts das Wachstumshormon“

    Bei gesunden Frauen änderte DSIP Wachstumshormon und Prolaktin nicht, auch nicht nach Stimulation mit Arginin [15].

  • nicht belegt

    „DSIP wirkt auch als Kapsel oder als Nasenspray“

    Im Darmzellmodell wurde DSIP fast vollständig gespalten und gelangte nicht auf die andere Seite [4]. Alle kontrollierten Studien gaben es langsam intravenös [7].

Pharmakokinetik

Aufnahme
In den Studien langsam intravenös [7]; oral nach dem Zellmodell nicht brauchbar [4].
Halbwertszeit
Rascher Abbau im Blut; eine Übersichtsarbeit nennt Minuten [3][18].
Abbau
Spaltung durch Aminopeptidasen und weitere Peptidasen, Hauptabbauprodukt Tryptophan; stabilere Analoga bleiben länger messbar [3][4].
Weg ins Gehirn
Übertritt über die Blut-Hirn-Schranke bei Ratten ohne sättigbares Transportsystem; ein besser hirngängiges Analogon wirkte im EEG stärker als DSIP selbst [5][6].

Rechtlicher Status

Deutschland
Keine Zulassung bekannt; nicht in Arzneimittelregistern geprüft.
EU
Keine Zulassung bekannt; nicht verifiziert.
USA
Keine Zulassung bekannt; laut einer Übersichtsarbeit nie zugelassen und nur als Forschungspeptid im Umlauf [18].
Andere Länder
Sport: Eine Übersichtsarbeit ordnet DSIP der WADA-Kategorie S2 zu [18]. In der Tabelle der Verbotsliste 2025 einer anti-doping-analytischen Übersicht wird DSIP nicht namentlich geführt; die Einordnung ist daher nicht verifiziert.

Offene Fragen

  • Gibt es einen Rezeptor oder ein körpereigenes Vorläuferprotein für DSIP?
  • Lassen sich die Schlafbefunde der Entdeckergruppe von unabhängigen Teams mit heutiger Polysomnografie reproduzieren?
  • Was passiert bei wiederholter Anwendung über Wochen, besonders mit Herzfrequenz und Kreislauf?
  • Erreicht DSIP nach Gabe in die Nase oder unter die Haut überhaupt wirksame Konzentrationen im Gehirn?

Referenzen

  1. Schoenenberger GA, Monnier M. Characterization of a delta-electroencephalogram (-sleep)-inducing peptide. Proc Natl Acad Sci U S A. 1977;74(3):1282-6. doi:10.1073/pnas.74.3.1282 · PubMed
  2. Kovalzon VM, Strekalova TV. Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle. J Neurochem. 2006;97(2):303-9. doi:10.1111/j.1471-4159.2006.03693.x · PubMed
  3. Graf MV, Saegesser B, Schoenenberger GA. Degradation and aggregation of delta sleep-inducing peptide (DSIP) and two analogs in plasma and serum. Peptides. 1987;8(4):599-603. doi:10.1016/0196-9781(87)90031-3 · PubMed
  4. Augustijns PF, Borchardt RT. Transport and metabolism of delta sleep-inducing peptide in cultured human intestinal epithelial cell monolayers. Drug Metab Dispos. 1995;23(12):1372-8. PubMed
  5. Banks WA, Kastin AJ, Coy DH. Evidence that [125I]N-Tyr-delta sleep-inducing peptide crosses the blood-brain barrier by a non-competitive mechanism. Brain Res. 1984;301(2):201-7. doi:10.1016/0006-8993(84)91088-6 · PubMed
  6. Miller LH, Turnbull BA, Kastin AJ, Coy DH. Sleep-wave activity of a delta sleep-inducing peptide analog correlates with its penetrance of the blood-brain barrier. Sleep. 1986;9(1):80-4. doi:10.1093/sleep/9.1.80 · PubMed
  7. Schneider-Helmert D, Gnirss F, Monnier M, Schenker J, Schoenenberger GA. Acute and delayed effects of DSIP (delta sleep-inducing peptide) on human sleep behavior. Int J Clin Pharmacol Ther Toxicol. 1981;19(8):341-5. PubMed
  8. Schneider-Helmert D, Schoenenberger GA. The influence of synthetic DSIP (delta-sleep-inducing-peptide) on disturbed human sleep. Experientia. 1981;37(9):913-7. doi:10.1007/BF01971753 · PubMed
  9. Schneider-Helmert D. Efficacy of DSIP to normalize sleep in middle-aged and elderly chronic insomniacs. Eur Neurol. 1986;25(6):448-53. doi:10.1159/000116050 · PubMed
  10. Schneider-Helmert D. Effects of delta-sleep-inducing peptide on 24-hour sleep-wake behaviour in severe chronic insomnia. Eur Neurol. 1987;27(2):120-9. doi:10.1159/000116143 · PubMed
  11. Monti JM, Debellis J, Alterwain P, Pellejero T, Monti D. Study of delta sleep-inducing peptide efficacy in improving sleep on short-term administration to chronic insomniacs. Int J Clin Pharmacol Res. 1987;7(2):105-10. PubMed
  12. Bes F, Hofman W, Schuur J, Van Boxtel C. Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind study. Neuropsychobiology. 1992;26(4):193-7. doi:10.1159/000118919 · PubMed
  13. Dick P, Costa C, Fayolle K, Grandjean ME, Khoshbeen A, Tissot R. DSIP in the treatment of withdrawal syndromes from alcohol and opiates. Eur Neurol. 1984;23(5):364-71. doi:10.1159/000115715 · PubMed
  14. Späth-Schwalbe E, Schäfer A, Uthgenannt D, Born J, Fehm HL. Delta-sleep-inducing peptide does not affect CRH and meal-induced ACTH and cortisol secretion. Psychoneuroendocrinology. 1995;20(3):231-7. doi:10.1016/0306-4530(94)00050-k · PubMed
  15. Giusti M, Carraro A, Porcella E, Valenti S, Nicora D, Sessarego P, et al. Delta sleep-inducing peptide administration does not influence growth hormone and prolactin secretion in normal women. Psychoneuroendocrinology. 1993;18(1):79-84. doi:10.1016/0306-4530(93)90057-r · PubMed
  16. Pomfrett CJ, Dolling S, Anders NR, Glover DG, Bryan A, Pollard BJ. Delta sleep-inducing peptide alters bispectral index, the electroencephalogram and heart rate variability when used as an adjunct to isoflurane anaesthesia. Eur J Anaesthesiol. 2009;26(2):128-34. doi:10.1097/EJA.0b013e32831c8644 · PubMed
  17. Seifritz E, Müller MJ, Schönenberger GA, Trachsel L, Hemmeter U, Hatzinger M, et al. Human plasma DSIP decreases at the initiation of sleep at different circadian times. Peptides. 1995;16(8):1475-81. doi:10.1016/0196-9781(95)02027-6 · PubMed
  18. Renke G, Chinellato L. Therapeutic peptides in aesthetic, metabolic and endocrine conditions: effects, safety, clinical applications, and future perspectives. Int J Mol Sci. 2026;27(9):3890. doi:10.3390/ijms27093890 · PubMed
Wie dieses Profil geprüft wurde

Stand: 2026-10-23. Alle Quellen mit DOI oder PMID wurden automatisch über Crossref bzw. doi.org und PubMed aufgelöst.

Geprüft

  • Alle vorhandenen DOIs über Crossref aufgelöst, PMIDs passen zu den DOIs; drei alte Arbeiten ohne DOI nur über PMID [4][7][11].
  • Kernzahlen an Abstracts geprüft: Sequenz des Nonapeptids, nur das vollständige Peptid wirksam, 58 ausgewertete Kaninchen [1]; unbekannte Gene, Proteine und Rezeptoren, Analoga wirksamer als DSIP selbst [2]; Abbau in Blut mit Tryptophan-Produkten [3]; 8,2 Prozent intakt nach zwei Stunden, kein Übertritt über die Zellschicht [4]; nicht sättigbarer Übertritt ins Rattenhirn [5]; mehr Delta-Wellen mit dem Analogon, zusätzlich geringere Bewegungsaktivität [6]; sechs Gesunde, Crossover, 59 Prozent mehr Schlafzeit in 130 Minuten [7]; sechs Betroffene mit längerem Schlaf, wach machender erster Stunde [8]; 18 Betroffene, Alter 29 bis 83 [9]; 14 Betroffene, sieben Nächte, doppelblind [10]; keine signifikanten Unterschiede zu Placebo, Anstieg vor allem in Stadium 2 [11]; 16 Betroffene, schwache Effekte, subjektive Qualität unverändert [12]; 107 Behandelte, 47 Alkohol- und 60 Opiatentzug, 87 und 97 Prozent Besserung [13]; keine Wirkung auf ACTH und Cortisol, zwei Stimulationsversuche mit je fünf Männern pro Bedingung und ein weiterer Versuch mit zehn Männern [14]; acht gesunde Frauen, keine Wirkung auf GH und Prolaktin [15]; 24 Patientinnen, Delta verringert, Bispektralindex erhöht [16]; sieben gesunde Männer, Abfall der DSIP-Immunreaktivität beim Einschlafen [17].
  • Im Volltext der Übersichtsarbeit [18]: DSIP als intramuskulär angewandtes Forschungspeptid, Halbwertszeit im Minutenbereich, nie zugelassen, Zuordnung zur WADA-Kategorie S2.
  • ClinicalTrials.gov (23.10.2026): kein Eintrag mit DSIP als Prüfsubstanz; die Freitextsuche nach delta sleep-inducing peptide liefert nur unpassende Treffer.
  • PubChem: CID 68816, Summenformel C35H48N10O15, INN Emideltide.
  • Präzisions-Flags (m004; Regeln Leitfaden 26.10.2026; Teilnehmendenzahlen, Richtung und Finanzierung am 26.10.2026 per PubMed efetch an Abstract, COI-Angabe und Affiliationen geprüft): „Tieferer, erholsamerer Schlaf“: kleine_studien – [7] 6. „Senkt Stresshormone“: kleine_studien – [14] je Bedingung 5 Männer bzw. weitere 10. „Erhöht das nächtliche Wachstumshormon“: kleine_studien – [15] 8 Frauen.
  • 26.10.2026, Gegenprüfung der Präzisions-Flags (m004): Belege für die gesetzten Flags zusätzlich in die begruendung übernommen („Beleg für …“, Leitfaden „Präzisions-Flags“); Zahlen und Angaben erneut per PubMed efetch (Abstract, Interessen- und Förderangaben, Affiliationen) geprüft: „Stresshormone“: [14] „n = 5 in each condition“ und „another 10 men“; „Wachstumshormon“: [15] „eight healthy women“.

Nicht verifiziert

  • Einordnung in die WADA-Verbotsliste: Nur in einer Übersichtsarbeit behauptet [18]; in der Tabelle der Verbotsliste 2025 einer anti-doping-analytischen Übersicht erscheint DSIP nicht namentlich.
  • Teilnehmerzahl der unabhängigen Crossover-Studie [11]; im Abstract nicht genannt.
  • Behandlungsdauer der Entzugsstudie [13] und die Art der Beurteilung im Detail; nur Abstract gelesen.
  • Eine Kurzmitteilung zu P300 nach Gabe in die Nase (PMID 11763019) hat kein Abstract und wurde deshalb nicht als Quelle verwendet.
  • Angaben zu GABA- und NMDA-Wirkungen von DSIP, die in einer Übersichtsarbeit [18] erwähnt werden, konnten in den geprüften Primärquellen nicht belegt werden und stehen daher nicht im Profil.
  • Zulassungsstatus in Deutschland und der EU nicht in Arzneimittelregistern geprüft.
  • 26.10.2026, Gegenprüfung der Präzisions-Flags (m004): Fallzahl von [11] nicht ermittelbar (im Abstract nicht genannt, Volltext nicht geprüft). kleine_studien für „Hilft bei chronischen Schlafstörungen“ deshalb nicht gesetzt, obwohl die übrigen tragenden Studien 6 [8], 18 [9], 14 [10] und 16 [12] Personen haben.

Keine Dosierungen, keine Bezugsquellen. Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

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